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Größe: 175 cm Schrittlänge: 84 cm Gewicht: 70 kg Fahrstil/-können: Rennrad & Gravel, gute Ausdauer, wenig Power, volles Risiko bergab - wird allerdings selten belohnt
Cannondales brandneues SuperSix Evo will nicht nur aerodynamischer und leichter sein als der Vorgänger, es erhielt auch jede Menge integrierter Komponenten, Steckachsen vorne und hinten, mehr Reifenfreiheit, eine adaptierte Geometrie und ein besonders schickes Design."Die aerodynamische Effizienz hat eine große Auswirkung auf die Geschwindigkeit und die Leistung beim Radfahren, daher war die Reduzierung des Luftwiderstands beim neuen SuperSix EVO von hoher Priorität", erklärt Nathan Barry, Cannondale Design Engineer. "Es war aber genauso wichtig, dass das neue Rennrad sein geringes Gewicht, die Agilität und die Laufruhe behält, welche die Vorgängermodelle so erfolgreich gemacht haben."Bikeboard.at durfte bei der Präsentation im deutschen Cannondale Headquarter inmitten von Freiburg dabei sein und das 2020er SuperSix Evo Disc auch gleich probefahren. Obwohl sich das reinrassige Rennrad auf den ersten Blick vielleicht nicht übermäßig von den zeitgenössischen Bikes anderer Innovationsträger abhebt (Stichwort: Aeroprofil, Aerocockpit und tief positionierte Sitzstreben), ist es den Amerikanern doch gelungen, neben der betont edlen Lackierung auch ein Ausrufezeichen in puncto Komfort, Alltagstauglichkeit und smarter Integration zu setzen.
The fastest light bike.
Das neue SuperSix Evo will vor allem eines sein: Schneller. Und da ein schnelles Gesamtsystem für moderne Rennfahrer nur durch das optimale Zusammenspiel aus Aerodynamik, Gewicht und Komfort möglich ist und Cannondale weiterhin sowohl Disc- als auch Felgenbremsenmodelle anbieten wollte, mussten die Entwickler an allen Ecken und Enden feilen, um ihre hochgesteckten Ziele zu erreichen.
Um den Luftwiderstand zu verringern, ohne gleichzeitig das Gewicht zu erhöhen bzw. Komfort und Steifigkeit zu verschlechtern, setzt das neue SuperSix Evo auf abgestumpfte Aero-Rohrprofile ("low aspect ratio highly truncated airfoil form") in Fahrtrichtung vorne und hinten, mit denen der Luftwiderstand maßgeblich reduziert und die Werte für Gewicht, Steifigkeit und Komfort verbessert werden konnten.
So erhielten einerseits alle relevanten Bereiche an Rahmen und Gabel das neue Aeroprofil, andererseits waren die schnellen Rohrformen auch ein wichtiger Bestandteil der Systemintegration, bei welcher Rahmen, Gabel, Sattelstütze, Lenker, Vorbau und Laufräder perfekt aufeinander abgestimmt wurden. Das Ergebnis dieser Bemühungen ergab im San Diego Wind Tunnel bei einer Geschwindigkeit von 48,3 km/h im Vergleich zum Vorgängermodell eine Energieersparnis von beeindruckenden 30 Watt.
Trotz der verbesserten Aerodynamik, der integrierten Kabel, der Steckachsen, der erhöhten Reifenfreiheit und einer integrierten Sattelstützenklemmung sollte das Gewicht der Disc- und Rim-Modelle keinesfalls ansteigen. Deshalb entwickelte Cannondale neben dem nach außen hin sichtbaren Rahmendesign mit Vollcarbon-Dropouts (Disc only) auch gleich ein neues Layup mit leistungsstärkeren Carbonfasern bzw. -prepregs, wodurch weniger Material zum Einsatz kam und das Gewicht bei den Rädern mit Felgenbremsen nahezu beibehalten bzw. bei den Disc-Modellen verringert werden konnte.Darüberhinaus erfordert die neu designte, 13 Gramm leichte und integrierte Sattelstützenklemme geringere Klemmkräfte, was zugleich die Konstruktion einer ultraleichten Sattelstütze möglich machte. Die neue HollowGram 27 SL KNØT wiegt um 35 Gramm weniger als die aktuelle 25.4 SAVE-Stütze und beherbergt bei den elektronischen Shimano Di2 Gruppen das 500 mAh Akku-Pack.
Alle Gewichte beziehen sich auf lackierte und verkaufsfertige Rahmensets.
Das SuperSix Evo ist seit jeher für seine hohen Komforteigenschaften bekannt, welche beim neuen Modell noch weiter gesteigert werden konnten. Vorrangig erhöht das Zusammenspiel der neu konstruierten und tiefer positionierten Sitzstreben mit der integrierten Sattelstützenklemmung und der 27 KNØT Sattelstütze die Nachgiebigkeit am Sitzrohr um 18%. Die großzügige Reifenfreiheit an Rahmen und Gabel für 30 mm breite Reifen, der gut dämpfende SAVE Lenker und eine adaptierte Geometrie tragen das Ihre dazu bei. Damit Fahrer aller Größen bzw. Gewichtsklassen in den gleichen Komfortgenuss kommen, wurde jede Rahmengröße von 44-62 cm in ihren Rohrdurchmessern und im Carbon-Layup speziell für das jeweils zu erwartende Fahrergewicht optimiert (Proportional Response Technology), um das perfekte Verhältnis aus Nachgiebigkeit und Rahmensteifigkeit zu realisieren.
Aerodynamischer. Leichter. Komfortabler. Integrierter.
Blieb die Geo der Vorgänger S6 und S6Evo mehr oder weniger gleich, verpassten die Ingenieure dem neuen SuperSix Evo eine etwas entschärfte Geometrie. Diese liegt nun ziemlich exakt in der Mitte zwischen dem SystemSix (lang und sehr tief) und dem Synapse (kurz und relativ tief) und berücksichtigt darüberhinaus breitere Reifen. In anderen Worten wurde der Stack tendentiell höher, der Lenkwinkel flacher und der Radstand länger; der Reach blieb hingegen bei fast allen Rahmengrößen in etwa gleich.Das Resultat ist die nahezu gleich gebliebene Sitzposition mit weniger Spacern und einem entspannteren bzw. weniger nervösem Handling sowie mehr Komfort dank der breiteren Reifen.
Interessant fand ich, dass sich mein 54er Testrad trotz seines sehr flachen Lenkwinkels mit 71,2 Grad überhaupt nicht träge anfühlte und ich obendrein mit meinen Zehenspitzen im Stand nicht mehr am einschlagenden Vorderrad anstupste. Erst nach einer genaueren Betrachtung der Geometrietabelle zeigte sich eine weitere, kleine Änderung mit großer Wirkung: Die Gabeln der kleineren Rahmengrößen bis inklusive 54 erhielten einen um 10 Millimeter längeren Fork Rake (Gabelvorbiegung), was einen gleichmäßigen Trail (Nachlauf) von 58 Millimeter über fast alle Rahmengrößen ermöglicht. So gesehen müssen sich FahrerInnen kleinerer Rahmengrößen zukünftig nicht mehr mit einem trägeren Fahrverhalten zufrieden geben.
Spielerisches Handling trotz Aero-Pose.
Die Modellpalette des SuperSix Evo umfasst für Herren 6 Modelle mit Scheibenbremsen und 2 Modelle mit Felgenbremsen in den Größen 48, 51, 54, 56, 58, 60 und 62 sowie für Damen 3 Modelle mit Scheibenbremsen und 1 Modell mit Felgenbremsen in den Rahmengrößen 44, 48, 51 und 54.
Discs- und Felgenbremsen-Modelle
Das Top of the Line Modell besticht mit einer lupenreinen Dura-Ace Di2 Ausstattung, dem integrierten HollowGram SystemBar mit SAVE-Technologie und den TLR-fähigen 45 mm hohen HollowGram 45 SL KNØT Carbonlaufrädern mit 21 mm Innenbreite und dem integrierten Wheel-Sensor am Vorderrad. Weniger stimmig fanden wir die Vittoria Corsa Graphene 2.0 Reifen in 25 mm, da diese die neue Reifenfreiheit nicht wirklich ausnutzten, wegen ihrer Baumwollkarkasse auch nicht TLR-fähig waren und deshalb mit Schlauch gefahren werden mussten.
Feines Gimmick: Bei allen Dura-Ace Di2, Ultegra Di2 und Dura-Ace-Modellen findet sich an Cannondales HollowGram SiSL2 Kurbel ein bereits vormontierter p2m NG Eco Powermeter, welcher gegen eine Gebühr von 490 Euro per Power2Max Android/iOS-App nachträglich aktiviert werden kann.
Hochwertig. Komplett. Smart.
Beschränkte man sich beim letzten SuperSix Evo Update noch vorrangig auf die Optimierung von Gewicht, Steifigkeit und Komfort und ließ die Aerodynamik - abgesehen von dezentem Feintuning - außen vor, um die gewohnt klassischen Linien beizubehalten, so blieb bei der dritten Generation kein Stein auf dem anderen: Die filigranen TAP-Rohrformen (Truncated Aero Profiles) an Unterrohr, Sitzrohr, Sitzstreben und Gabel wichen auffälligeren, aerodynamischen Rohrprofilen, die Sattelstütze erhielt einen ebensolchen Aero-Shape und die traditionelle Vorbau-Lenker-Kombi wandelte sich zum profilierten Aero-Vorbau mit -Lenker im One-Piece-Look. Trotz des kompletten Aerodynamik- und Integrationsschubs ist es Cannondale durchaus gelungen, dem neuen SuperSix Evo ein edles und zeitloses Design zu verpassen, ohne ihm dabei seiner leichten, komfortablen und agilen Eigenschaften zu berauben.
Als ehemaliger Besitzer mehrerer SuperSix HiMods (SuperSix, Evo Di2 und Evo Black) war der Product Launch ein Pflichttermin und ich hatte selbstverständlich größtes Interesse an einer ausgiebigen Probefahrt. Glücklicherweise standen Agenda und Wetter auf "RIDE" und wir durften es rund um Freiburg im Breisgau einige Stunden lang krachen lassen. Wobei genau das Gegenteil von "Krachen" der Fall war - denn auch das S6 Evo 3.0 lag dermaßen satt auf der Straße und bügelte die meisten Unebenheiten des Asphalts so mühelos weg, dass es eine wahre Freude war. Besonders erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass wir mit Schlauch und mit Vittoria Corsa Graphene 2.0 Faltreifen in 25 Millimetern Breite unterwegs waren. Nicht, dass es an den Reifen, welche sich auf den HollowGram 45 KNØT Laufrädern schon zu rund 28 Millimetern Breite aufschwangen, irgendetwas auszusetzen gegeben hätte, aber wie hoch könnte die Behaglichkeit nur mit 28 Millimeter breiten Reifen, Tubeless-Milch und deutlich weniger Druck ausfallen!? Aber wie wir schon von anderen Herstellern gehört haben, empfinden manche Rennfahrer einen "zu hohen Komfort" als negativ, und deshalb taten die Amerikaner gut daran, auf dem Topmodell 25 mm Reifen aufzuziehen - als idealen Kompromiss zwischen Aerodynamik, Handling und Komfort.
Jedenfalls lag das Rennrad nicht nur richtig "smoooth" auf der Straße, auch das Handling fühlte sich etwas entschärfter an, als dies noch beim Disc-Vorgänger der Fall war. Der Lenkwinkel von 71,2 Grad (früher: 72,9 Grad) sowie der auf 1.000 mm angewachsene Radstand (früher: 980 mm) bei Medium sprechen Bände und sorgen für ein sprichwörtliches Fahren wie auf Schienen. Hingegen ermöglichten der unverändert sportlich gebliebene Reach und die um 10 mm längere Gabelvorbiegung weiterhin eine aerodynamische Sitzposition und knackige Lenkmanöver.Gewichtsmäßig gab es keine Revolution, aber die 7,3 kg vom Disc-Modell in Medium inklusive vorinstalliertem Powermeter, einem Wheel-Sensor, Steckachsen vorne und hinten und (viel zu) vielen Spacern geht meiner Meinung nach in Ordnung. Es liegt nunmal unweigerlich im Trend, dass komfortable Disc-Bikes mit mehr Reifenfreiheit vorwiegend mit Aero-Laufrädern angeboten werden und ihr Gesamtpaket um ca. 500 Gramm schwerer wiegt, als das der vorigen Generation mit Felgenbremsen.Was hingegen das Thema Steifigkeit betrifft, so bedarf es nur weniger Worte: Die alten Hi-Mods waren immer schon ausgesprochen steif und das neue kann es trotz abgestumpfter Aero-Rohrprofile sogar noch ein wenig besser.
Die eigentliche Überraschung liegt aber weiterhin in der einzigartigen Balance. Trotz hoher Steifigkeit, der Aeroprofile und der hohen Laufräder wird man niemals durchgeprügelt und selbst hochfrequente Vibrationen stecken Rahmen und Cockpit mit Leichtigkeit weg.Ein erstes Resümee nach unserem Testride: Wie wir es von seinem Vorgänger kannten, gleiten wir auch mit dem neuen, aerodynamisch optimierten SuperSix Evo förmlich über den Asphalt - nahezu lautlos und schnell(er).
Smoooth...
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