Passwort vergessen?
Obwohl Reifen relativ unscheinbar wirken, nimmt keine andere Komponente am Rad so viel Einfluss auf das Fahrverhalten. Zwischen den besten und schlechtesten Gummis liegen Welten - allerdings liegt die Performance der Top-Reifen heutzutage so eng beisammen, dass Unterschiede meist nur per Prüfstand messbar sind. Trotzdem artet die Diskussion über Fahrradreifen fast immer in einem Glaubenskrieg aus. Gerade bei der Frage nach dem besten Reifensystem bleibt kein Auge trocken. Ist es der Falt-/Drahtreifen, wie ihn die meisten Hobbyfahrer verwenden, oder sind es Schlauchreifen, auf die fast alle Profis schwören? Die Antwort darauf ist denkbar einfach: es kommt darauf an.Im Zuge dieser Geschichte wollten wir den tatsächlichen Unterschied zwischen Falt- und Schlauchreifensystemen erfahren, ohne gegenwärtigen Testergebnissen, Gewichtstabellen und gängigen (Vor-) Urteilen blind zu vertrauen. Deshalb stellten wir einen superleichten Allround-Tubular-Laufradsatz mit Ritchey Laufrädern samt Vredestein Pneus zusammen und verglichen diesen mit dem baugleichen Clincher-Pendant und einer äquivalenten Faltreifen/Latexschlauch-Kombi.
Testzeitraum: ca. 750 km mit den ClinchernObwohl das schmale V-Profil der DV46UL-Reynolds Felge mittlerweile als überholt gilt, bietet der Laufradsatz in herkömmlichen Rennrädern eine ausgezeichnete Aeroperformance. Die seidenweich laufenden Industrielager und das niedrige Gewicht machen diesen Laufradsatz zu einem mörderschnellen Allrounder. Sechs Sperrklinken verleihen dem Freilauf besondere Robustheit und einen umwerfenden Sound. Vergleiche dazu auch das hervorragende Testergebnis aus dem Tour Juni 2012 "18-Allround Laufräder".
Testzeitraum: ca. 1.000 km mit TubularsNachdem die Ritchey Laufräder bis auf die "Reifenaufnahme" an der Felge völlig ident sind, gelten alle Eigenschaften der Clincher auch für die Tubular - leider auch deren geringe Seitensteifigkeit, mit denen leichte Fahrer bis 75 kg aber gut leben können. Für schwere Athleten oder Sprinter ist das Vorderrad wohl zu weich.Dafür brilliert der Tubular LRS mit seinem extrem niedrigen Gesamtgewicht von 1.182 g und bietet ein tolles Onlineshop-Preis/Leistungs-Verhältnis im High End-Bereich.
Testzeitraum: ca. 750 km mit den Ritchey Clinchern und weitere zig 1000 Kilometer in den letzten JahrenSowohl beim Clincher als auch bei dem Tubular-Reifen kommt die gleiche Vredestein Gummimischung zum Einsatz. Die Karkasse beim Slick-Modell ist allerdings völlig eigenständig. Schon nach kurzer Einfahrzeit entwickelte der Slick perfekte Grip- und Fahreigenschaften, die auf Augenhöhe mit Contis Black-Chilli-Mischung liegen. Ob dies an seiner besonderen Bauart oder an der fehlenden Profilierung liegt, ist unklar. Fakt ist: er ist sehr leicht und fährt sich um ein Äutzerl besser als sein Schlauchreifen-Bruder.
Testzeitraum: ca. 1.000 km mit den Ritchey Tubulars, unzählige Kilometer auf TT- und Road-GarniturenSein Gewicht von 276 g liegt etwa im Mittelfeld der gehobenen Allrounder-Klasse. Er besticht durch einen extrem guten Rollwiderstand (Tour 9/2007) und gute Haftung (zumindest die gegenwärtige schwarze Farbvariante). Im Pannenschutz ist er der leichten "Tricomp Slick/Latex Clincher"-Variante überlegen, fällt im direkten Vergleich zur Konkurrenz aber ein wenig ab.Mit zunehmendem Gebrauch (Verschleiß) legte der Tubular in Sachen Grip zwar zu, erreichte aber nie die außergewöhnlichen Fahr- und Bremseigenschaften des Clinchers.
Testzeitraum: ca. 750 km mit den Ritchey Clinchern und weitere zig 1000 Kilometer in den letzten JahrenGute Carbon-Clincher-Felgen sind bauartbedingt immer schwerer als Carbon-Tubulars. Dieser Gewichts-Nachteil kann mit einer leichten Reifen/Schlauch-Kombination größtenteils wettgemacht werden. Übrig bleibt in unserem Fall ein minimales Mehrgewicht von 84 g beim Clincher-System. Komfortablere Montage, besserer RoWi und einfachere Reparaturmöglichkeiten (Kleben oder Tausch des Schlauches) im Pannenfall inklusive.Pannenfazit: 2 Patschen (Schlauchplatzer, Durchstich)
Testzeitraum: ca. 1.000 km mit den Ritchey Tubulars, unzählige Kilometer auf TT- und Road-GarniturenObwohl die Erstmontage mittels TUFO-Klebeband recht flott vonstattengeht, kann ein Schlauchreifentausch im Pannenfall als mühselige Sauerei ausarten - im Besonderen beim Einsatz von Milch oder Reparaturschaum. Gut, dass die Pannensicherheit bei Tubulars deutlich höher ist. Außerdem bringt eine überhitzte Carbonfelge den integrierten (Latex/Leicht-) Schlauch oder die Bremsflanken im Gegensatz zu Clinchern nicht so leicht zum Platzen.Pannenfazit: kein Patschen
Wirft man alle Vor- und Nachteile in einen Topf, gehen die Faltreifen eindeutig als Sieger hervor - zumindest für den Hobbyfahrer. Drahtreifen sind durchwegs unkomplizierter in der Handhabung und besitzen einen besseren Rollwiderstand bei absolut gleichwertigen Fahreigenschaften. Bei Rennfahrern entscheidet wohl der Einsatzzweck über das optimale System. Spielt das Gewicht (steile Bergrennen, schnelle Kriterien) oder die Pannensicherheit (lange Tria-Radsplits, besonders schlechte Straßen) eine übergeordnete Rolle, macht der Einsatz von Schlauchreifen durchaus Sinn. Die meisten Profis werden wohl weiterhin auf Schlauchreifen schwören, da sie diese selbst nicht kaufen und kleben müssen, der Reifen im Pannenfall auf der Felge bleibt und sie von den Notlaufeigenschaften bis zum Eintreffen des Service-Fahrzeugs profitieren.
In wenigen Minuten gratis inserieren – mit Fotos, Preis und Spion-Reichweite in der Bikeboard-Community.
Alle Kommentare (34) im Forum