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Schlauchreifen sind schon lange nicht mehr das Maß aller Dinge, wenn es um RoWi, Aerodynamik und Komfort beim Rennrad geht. Dennoch: Obwohl die R&D eindeutig in Richtung Clincher und UST/Tubeless abzielt, schaffen es die totgesagten Rennradsport-Klassiker auch in Zeiten von Scheibenbremsen und elektronischen Schaltungen, immer wieder sogenannte Jedermänner zu begeistern. Glücklicherweise gibt es Hersteller, die auch für Nicht-Profis Tubular-Neuerungen bringen, so dass Schlauchreifen im jeweiligen Einsatzbereich konkurrenzfähig bleiben.
Mit dem neuen Fortezza Senso Tri brachte Vredestein im Herbst einen Schlauchreifen mit Butylschlauch anstelle eines geschmeidigeren Latexschlauches auf den Markt. Was im ersten Moment wie ein Rückschritt klingt, schlägt sich nicht nur im günstigeren Kaufpreis nieder, sondern vor allem in einer positiven Eigenschaft: der geringeren Luftdurchlässigkeit gegenüber Latex.Die Zielgruppe ist hier sicherlich der Langdistanz-Triathlet (Stichwort: Tri), der sein Rad schon am Vortag in der Wechselzone abstellen muss und bei Schlauchreifen mit Latexschläuchen über Nacht wertvollen Luftdruck einbüßt. Da gerade bei einem 180 km Bike-Split der Rollwiderstand ein wichtiges Thema ist, kompensiert Vredestein den Butyl-Nachteil mit einer von Hand gefertigten Baumwollkarkasse von 290 Tpi und einer All Weather Silica Gummimischung. Beides sorgt für maximale Haftung und niedrigen Rollwiderstand. Der Pannenschutz wird mittels einer festen Pannenschutzschicht aus Polycotton sichergestellt. Soviel zu den Fakten.
Natürlich sind Wettkampf-Schlauchreifen mit Butyl nicht nur für Triathleten interessant, sondern auch für Hobbytiger eine echte Alternative zu Highend-Ganzjahresschlauchreifen. Denn wenn man nicht täglich seine Reifen aufpumpen möchte, führt kein Weg an Butyl vorbei. Nebenbei erwähnt sind auch die modernsten Faltreifen nicht für jeden Athleten die optimale Lösung, besonders dann nicht, wenn man mit felgengebremsten Carbon-Clinchern oft in den Bergen unterwegs ist und mehr als 85 Kilogramm auf die Waage bringt.Sein gefühlt guter Rollwiderstand und die perfekte Haftung, gepaart mit dem guten Pannenschutz (zumindest im direkten Vergleich mit anderen Wettkampfmodellen), machen den Fortezza Senso Tri für mich zum perfekten Trainings- und Rennreifen - ohne dem regelmäßigen Wechseln der Laufräder, dem Tausch der Bremsbeläge und dem Nachstellen der Bremszangen. Mit Tubeless Milch lässt sich die Pannensicherheit noch steigern, denn auch diese bleibt länger im Butylschlauch frisch, ohne vorschnell auszutrocknen.Leider hatte ich nach etwas mehr als 1.000 Testkilometern einen Schnitt im Reifen - entweder wegen eines Glassplitters oder wegen des Rollsplitts. Vorübergehend blieb der Pneu dank der Pannenschutzmilch sogar dicht, schlussendlich musste ich ihn nach einigen weiteren Ausfahrten aber doch wechseln. Vermutlich war es einfach nur Pech, aber logischerweise sind Wettkampf-Schlauchreifen nicht das Richtige für Spätherbst und Winter.
* Herstellerangaben** UVP Österreich
Konfiguration und Ablauf der Messung am Specialized Prüfstand40 km/h Geschwindigkeit, 45 kg Last, 25 °C RaumtemperaturPrüfstandseinlaufzeit 3 Stunden, Reifenwarmlaufzeit ca. 5 Minuten, 1 Minute Test Prüfstand: 140 cm Trommel, Gewicht (30-100 kg) und Geschwindigkeit (0-50 km/h) einstellbarRoWi: notwendige Leistung (in Watt) eines Reifens bei konstanter Last und Geschwindigkeit
In unserem RoWi-Test im Jahr 2015 bei Specialized schnitten die Vredestein Tubulars sehr gut ab und lagen sogar vor den vielgerühmten Contis. Selbst wenn nun (wegen des Butyl-Downgrades) ein bis zwei Watt dazukämen, würde der Senso Tri wohl noch zu den leistungsstärksten Tubulars am Markt zählen.
Die neuen Fortezza Senso Tri Tubulars mit Butylschlauch halten die Luft über mehrere Wochen. Ihre Haftung, der Komfort und der Grip in Kurven sind großartig. Für mich ist der flotte Wettkampf-Allrounder zur Zeit der Schlauchreifen meiner Wahl.Wem ein noch niedriger RoWi wichtiger ist, der greift am besten zum Senso T mit Latexschlauch. In beiden Fällen erhält man einen recht sorglosen Ganzjahresreifen für Wettkämpfe und Training, bei dem man sich auch auf feuchtem Untergrund keine Gedanken über die Haftung machen muss. Der Pannenschutz ist aufgrund der geschmeidigen Baumwollkarkasse und der dünnen Pannenschutzeinlage selbstverständlich überschaubar, aber für einen echten Wettkampfreifen ausreichend gut.
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