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"Was ist deine Zeit beim Ötzi?" - das wurde ich bei der Tour Transalp im Juni fast jeden Tag gefragt. Meine Antwort: "Keine Ahnung. Bin ich noch nie gefahren." Irgendwie wird man dann mit der Zeit aber doch neugierig, möchte wissen, wie schnell man ist, und hat das Vergleichen mit anderen Leuten satt. Also muss man den Ötzi fahren ... oder sich das Ergebnis errechnen. Ich mache beides: Errechnen jetzt, um mir ein Ziel setzen zu können und eine Strategie zu überlegen, und fahren in ein paar Wochen, Ende August.
Zuallererst muss einmal die Strecke zusammen mit vielen Formeln in ein Excel-Sheet. Ist das erledigt, dann ist alles andere nur mehr lustige Herumspielerei. Gesagt, getan. Ich habe die Strecke in 14 Teilabschnitte unterteilt, jeweils Länge und Höhenmeter hinterlegt, dazu viele Formeln aus unterschiedlichen Quellen zusammengesucht und mit den entsprechenden Vorgaben (Gewicht, CdA, FTP, ...) befüllt; dann habe ich eine grobe Strategie in Form von Prozentsätzen der Schwellenleistung für jeden Abschnitt eingegeben und einmal geschaut, was dabei herauskommt: 8:01:53 Stunden stand dort. Das deckte sich in etwa mit meiner Erwartungshaltung. Sicher nicht perfekt, aber sah schon einmal gut aus.Als nächstes habe ich die Daten mit ein paar Echtdaten von anderen Teilnehmern aus dem Internet verglichen. Bis auf +/- 10 Minuten haben die Berechnungen gepasst, also dürfte das Ergebnis halbwegs valide sein. Ein paar Vorgaben habe ich noch angepasst und natürlich einige lustige "was wäre, wenn"-Spielchen gemacht. Letztlich kreiste das Ergebnis aber immer rund um die 8 Stunden-Marke - die ich mir mittlerweile wohl auch schon als Ziel in den Kopf gesetzt habe.
Den größten Einfluss auf die Endzeit hat die Leistung, die man bergauf in die Pedale tritt, wohingegen man sich bergab tunlichst schonen und regenerieren sollte. An sich geht man Berge bei so einem langen Rennen am sinnvollsten mit rund 80% der funktionalen Schwellenleistung (FTP) an. Die FTP entspricht der Leistung, die man maximal über 60 Minuten fahren kann bzw. grob 95% der Leistung, die man über 20 Minuten fahren kann.Für die 80% gibt es zwei Gründe:
Zurück zum Pacing: Da es beim Ötztaler Radmarathon zwischen Innsbruck und Brenner doch eine Zeit lang flach dahingeht und man sich dort besser in einer großen und guten Gruppe versteckt, macht es wohl Sinn, am Kühtai etwas mehr zu investieren. Dafür muss man am Timmelsjoch nicht nur wegen der bis dahin gefahrenen 200km davon ausgehen, dass man nur mehr weniger leisten kann, sondern auch die Höhenlage miteinrechnen. Ca. 10% sinkt die FTP auf einer Seehöhe von 2.000m, und am Timmelsjoch geht's noch deutlich höher hinauf. Letztlich werde ich versuchen, eine 85/70/85/80/70 Strategie für die Anstiege auf Kühtai, Brenner, Jaufenpass und Timmelsjoch 1 & 2 zu wählen. Das erscheint mir fahrbar, und 5800KJ (= ca. 6000kcal) bzw. 440TSS realistisch für eine 8 Stunden Ausfahrt. Damit steht mein Ziel fest ("unter 8 Stunden bleiben"), und ich habe auch gleich eine Vorgabe in Watt für die Berge sowie eine grobe Durchfahrtstabelle, anhand der ich checken kann, wie ich im Plan liege.Einen ersten Test der Strategie & Ernährung gabs vergangenes Wochenende beim Highlander Radmarathon, der mit 180km und 4000Höhenmetern um rund 2 Stunden kürzer war als der Ötztaler, aber mit den Anstiegen auf Bödele, Hochtannberg, Flexenpass, Faschina und Furka ein recht ähnliches Profil aufwies.
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