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Faszination Einrad

Früher waren sie nur in Zirkuszelten anzutreffen, heute begegnen einem mehr und mehr Einradfahrer an völlig alltäglichen Orten: in den Straßen und Gassen der Dörfer und Städte, auf den Wegen und Trails der Umgebung. Und auch die Downhill-Bewerbe für Einradfahrer in Bad Goisern und Graz konnten sich über respektable Teilnehmerzahlen freuen.
Grund genug für Bikeboard.at, im Gespräch mit dem fünffachen Unicycling-Weltmeister David Weichenberger mehr über diesen Sport herauszufinden.

Hallo David, gleich vorweg: Dieses Interview wird in einem Forum für Stützradfahrer erscheinen. Darfst du da überhaupt mit uns sprechen, oder sind die Gräben gar nicht so tief, wie diese unter Einradfahrern gängige Bezeichnung für Zweiradfahrer vermuten lässt?

Klar darf ich das (lacht). Mehr noch, ich dürfte sogar mit euch Biken. Stützradfahrer ist bloß ein irgendwie auch liebevoll gemeinter Konter auf den Schmäh, den wir von Zweiradlern recht oft hören: "He, du hast ein Rad verloren."

Besitzt du selbst überhaupt ein Bike mit zwei Rädern?


Nein. Aber ich bin gern mit Bikern unterwegs. Wenn's richtig knifflig wird, sind wir sogar annähernd gleich schnell.

Schnell ist ein gutes Stichwort, denn das wird man selten auf einem Uni-Cycle. Wenn's nicht die Geschwindigkeit ist, was macht dann die Faszination dieser Sportart aus?

Für mich ist es vor allem das spielerische Element und die Vielseitigkeit. Je mehr man sich mit dem Einradfahren beschäftigt, desto facettenreicher wird es auch. Am Anfang bist du bloß damit beschäftigt, nicht runter zu fallen. Und plötzlich fährst du über die ärgsten Untergründe, wo du nicht einmal zu Fuß gehen würdest, machst die unglaublichsten Tricks, entdeckst die verschiedensten Bewegungen. Zumindest bei mir war das so.

Wie bist du zum Einradfahren gekommen?


Über meinen Bruder. Ich war anfangs gar nicht so begeistert, bis ich schließlich bemerkt habe, was mit diesem simplen Ding alles möglich ist.

Momentan erlebt das Unicycling ja einen richtigen Hype …

Ja, die Szene boomt, und es stehen sogar schon Einräder beim Hofer herum. Ich finde das toll und freue mich, dass es immer mehr Fahrer gibt. Aber die meisten bleiben beim Geradeausfahren stehen, und das ist schade. Ich glaube nämlich, dass sich jeder schrittweise steigern könnte. Beim Einradfahren gibt’s kein Ende nach oben. Ich versuche schon die ganze Zeit, es zu erreichen, aber immer, wenn ich denke, jetzt hast du’s, entdecke ich wieder etwas Neues.

Vom Ende zum Anfang: Worauf kommt’s an, auf was sollten Einsteiger achten?

Am wichtigsten ist, gut und sicher zu sitzen. Der Sattel ist der wichtigste Teil am Rad, der muss passen. Ein schlechter Sattel verdirbt total die Freude. Und zum Anfangen ist es am besten, wenn man zwei Freunde hat, die einen halten und stützen.

Und was braucht’s an Grundvoraussetzungen? Besonders viel Mut?

Naja, Mut braucht man ungefähr so viel, wie man benötigt, um eine Treppe raufzusteigen, denn so hoch ist ein Einrad. Du fällst ja nie höher als 25 Zentimeter. Ein weiterer Vorteil ist, dass man nie schnell wird. Und man rechnet ja ständig damit, umzufallen, was die Sache auch sicherer macht. Meistens landet man auf den Füßen und Verletzungen sind selten.

Dann vielleicht Balance?

Balance hat auch ein jeder, sonst würde man ja auf der Stelle umfallen. Was nicht schaden kann, ist Geduld. Es dauert eben seine Zeit, bis man die Basics beherrscht, und je mehr man tut, desto schneller verbessert man sich. Wer täglich Zeit investiert, braucht im Schnitt eine Woche, um alleine fahren zu können. Und nach einem Monat hat man normalerweise das Gefühl, mit dem Rad zu fahren, statt es mit dir.

Wenn nun jemand beschließt, besser werden zu wollen: Wie übt beziehungsweise trainiert man?


Ich denke, der Spaß ist das wichtigste. Ich persönlich halte mich an keine besondere Systematik, sondern tue einfach, was ich für richtig halte. Der koordinative Aspekt ist wichtig. Auf umso verschiedenartigere Weise man die Koordination schult, desto besser. Ich mache auch Judo und Aikido, wodurch ich besser falle. Und ich mache vieles, wo ich meinen Körper spüre und reinhorchen kann, was mit mir passiert. Mittels Yoga arbeite ich zum Beispiel an meiner Atmung und meinem Gleichgewicht. Ausdauer-Training betrachte ich als Schinderei, weil da für mich der Spaß verloren geht. Im Prinzip probiere ich jeden Blödsinn aus, der mir unterkommt und mich weiterbringen könnte. Auch andere Sportarten liefern mir Ideen für das Einradfahren.

  • Kein besonderer Mut und keine ...Kein besonderer Mut und keine ...
    Kein besonderer Mut und keine ...
    Kein besonderer Mut und keine ...
  • ausgeprägte Balance nötig, sagt der Weltmeister.ausgeprägte Balance nötig, sagt der Weltmeister.
    ausgeprägte Balance nötig, sagt der Weltmeister.
    ausgeprägte Balance nötig, sagt der Weltmeister.
  • Nur ein bisschen Geduld ...Nur ein bisschen Geduld ...
    Nur ein bisschen Geduld ...
    Nur ein bisschen Geduld ...
  • und Spaß. Den hat David hier übrigens in Neuseeland.und Spaß. Den hat David hier übrigens in Neuseeland.
    und Spaß. Den hat David hier übrigens in Neuseeland.
    und Spaß. Den hat David hier übrigens in Neuseeland.

Wie und wo findet man Gleichgesinnte?

Es gibt recht engagierte Gruppen im oberösterreichischen Steyr, in Oberhofen in Tirol und neuerdings auch in Rohrbach im Burgenland. Prinzipiell sind übers Internet alle gut erreichbar und vernetzt. Auf internationaler Ebene gibt es einen Verband, national halte ich das für Blödsinn. Wir sind frei organisiert, und die beste Gelegenheit, uns zu treffen, ist bei Events – allen voran natürlich die UNICON, also die Weltmeisterschaft. 2012 findet sie übrigens in Brixen in Südtirol statt.

Wieviel Zeit investierst du ins Unicycling?

Das ist wetterabhängig. Im Sommer oder vor großen Bewerben geht’s Richtung Fulltime-Job.

Deine fünf Weltmeistertitel und unzähligen WM-Medaillen hast du in den unterschiedlichsten Disziplinen errungen.  Gibt’s Grundregeln, welche sich für wen am besten eignet?


Nein, bei den Disziplinen muss sich jeder durchprobieren und schauen, wo für ihn am meisten herauskommt. Für manche braucht’s halt gewisse Voraussetzungen, wie einen Berg, wenn man Downhill fahren will. Alles andere ist ein Hinarbeiten, Schritt für Schritt – vor allem bei Tricks, die man sich aus Videos abschaut.

Ein gewisses Faible für den Downhill kannst du aber bei aller Multidisziplinarität nicht abstreiten. Woran liegt das?


Mir taugen halt die Berge total. Deshalb bin ich ja,unter anderem, auch nach Tirol gegangen (Weichenberger ist gebürtiger Linzer und studiert in Innsbruck Wirtschaftsinformatik, Anm. d. Red.). Ich liebe es, in der Natur unterwegs zu sein und dann zum Beispiel die Bewältigung von ein und demselben Felsen aus sieben verschiedenen Richtungen zu probieren.

  • David WeichenbergerDavid Weichenberger
    David Weichenberger
    David Weichenberger
  • bei seinem liebsten Hobby:bei seinem liebsten Hobby:
    bei seinem liebsten Hobby:
    bei seinem liebsten Hobby:
  • dem Downhillendem Downhillen
    dem Downhillen
    dem Downhillen
  • hoch über Innsbruck.hoch über Innsbruck.
    hoch über Innsbruck.
    hoch über Innsbruck.

Du bestreitest nicht nur Unicycling-Bewerbe, sondern bietest auch Kurse und Workshops an, hattest einen vielbeachteten TV-Auftritt bei „Wetten-Dass?“ und bist für Shows buchbar. Kannst du von deinem Sport leben?

Sagen wir mal: Ein Studentenleben ist leistbar. Also, es ist keinerlei Geld in dem Sinne drin, dass ich wirklich etwas verdienen würde. Aber ich komme viel herum, lerne die verschiedensten Leute kennen und habe meinen Spaß. Aber ein Sponsorwesen, wie es z.B. der Radsport hat, oder auch Unterstützung von öffentlicher Seite, gibt’s für den Einradsport nicht.

Wo siehst du die Zukunft des Einradfahrens: Eher im Show-Bereich, oder im sportlichen Sektor?

Ich denke, das Einrad hat beide Seiten und wird sie auch immer haben. Momentan hat der sportliche Bereich Auftrieb. Früher hat ja beim Wort Einrad jeder nur an Zirkus gedacht, während das Unicycling mittlerweile auch als ernsthafter Sport wahrgenommen wird. Für mich persönlich werden der Spaß und die Abwechslung immer das wichtigste bleiben, deshalb werde ich wohl auch immer ein Anhänger beider Facetten dieses Sports bleiben.

Dann viel Spaß und Erfolg weiterhin und danke für das Gespräch.

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