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Mit den brandneuen Reveal Gran Fondo Modellen eröffnet der deutsche Radversender Rose eine neue Ära - mit auffälligem Design, Top Lackierung und besser integrierter Optik. Der Wink an die Konkurrenz wie auch an potenzielle Kunden ist leicht zu verstehen: Nicht nur der Preis ist heiß an diesem Rad!Zwar muss man im Jahr 2020 weder den Begriff „Gran Fondo“ groß erklären, noch braucht es eine nähere Erläuterung zum Namen Rose. Dennoch scheint die Bocholter Radschmiede immer noch unter einem Image zu leiden, dass vielleicht am besten mit dem Wort „emotionslos“ zu umschreiben ist.Doch schon beim Auspacken des Rose Reveal Four Disc Force eTap AXS (dieses unterscheidet sich zum Topmodell Six nur durch ca. 100 g Rahmengewicht) ist völlig klar, dass hier ein neuer Weg eingeschlagen wurde. Einmal ins richtige Licht gerückt, mutiert der an sich hochglänzend blaue Lack des Endurance Rahmens zu einem chromatischen Farbenspiel zwischen metallic-blau und purpur. Der Schriftzug „ROSE“ ist in mattem Schwarz gehalten und so dezent angebracht, dass man beinahe zweimal hinschauen muss, um überhaupt die Marke des Renners zu erkennen.Die Rohre des Rahmens sind voluminös, jedoch nicht plump, Rundungen verfließen mit formgebenden Kanten, die in mattschwarz gehaltene Gabel hingegen gibt sich etwas zierlicher. Die Sattelstütze ist hinten abgeflacht, was sich perfekt in das Design des Hinterbaus mit den niedrig angesetzten Sitzstreben einfügt. Das Tretlager samt den relativ tief einmündenden (asymmetrischen) Kettenstreben wirkt dagegen wieder deutlich brachialer. Das mächtige Steuerrohr lässt ebenso deutlich die Muskeln spielen und man kann schon optisch erahnen, was sich später in der Praxis bestätigen wird ...
An diesem Rad ist nicht nur der Preis heiß.
Lenker und Vorbau am Rose Reveal Four Disc Force eTap AXS sind konventionell, die Bremsleitungen werden unter dem Vorbau über spezielle Spacer (können geöffnet werden) in den Rahmen geleitet und treten erst kurz vor den Bremssätteln wieder aus.Da wir uns in der Konfiguration für eine kabellose 12fach Sram AXS Force entschieden haben, wirkt das Rad vollends aufgeräumt. Die angesprochenen Spacer ermöglichen es jederzeit, den Vorbau in der Höhe zu justieren, und auch ein etwaiger Lenkerwechsel würde schmerzfrei über die Bühne gehen. Die Standard Laufräder Rose R Thirty Disc Light (Alu/12 mm Achsen/Tubeless ready) sind in dezentem Schwarz gehalten und mit einer Felgenhöhe von 31 mm sowie einer Innenweite von 19 mm sehr universell einsetzbar.Zu den 7,95 kg Gesamtgewicht des Rades steuern die Laufräder etwa 1.590 g bei. Der Carbon Rahmen selbst bringt bei 55 cm Rahmenhöhe etwa 1.020 g Gewicht auf die Waage.
Als maximale Reifenbreite werden 30 mm angegeben, es scheint aber auch für ein wenig mehr Platz vorhanden zu sein. Werksseitig wurde das Reveal mit Conti 5000 in 28 mm Breite an uns geliefert.Rein optisch ist das Reveal, auch wenn dies im Auge des Betrachters liegt, ein Rad mit enorm viel Sexappeal. Die Form folgt nur zum Teil der Funktion, wie bei der D-förmigen proprietären Sattelstütze, die in einer Rahmen-Aussparung ins Sitzrohr mündet, um so den Flex und somit den Komfort am Hinterbau deutlich zu erhöhen. Die Abdeckung dieser Aussparung ist zwar nicht das Top Design-Element, aber zu Gunsten der Langstreckentauglichkeit kann man getrost über einen solch notwendigen Kompromisse hinwegsehen.Alles in allem hat Rose hier eindeutig einen famosen Neustart in Bezug auf Optik und Design hingelegt.
Sehr bemerkenswert sind auch die fast unzähligen Möglichkeiten, sich im Rose Konfigurator sein eigenes Traumbike zusammenzustellen. Ob Disc oder Felgenbremse, ob Sram oder Shimano, ob kleine 50 cm Rahmenhöhe oder große 64 cm, Übersetzung, Farbauswahl, Zubehör, Laufräder, Lenkerbreite, Vorbau- oder Kurbellänge und aus eigener Erfahrung sogar Sonderwünsche per Email – fast alles scheint möglich.Für den vorliegenden Test wurden Häkchen im Gegenwert für exakt 3.749 Euro gesetzt. Betrachtet man dies im Vergleich zu anderen Produzenten, ist man fast erstaunt, wie dermaßen viel Rad man für diesen monetär überschaubaren Betrag noch kaufen kann. Ob Geiz nun geil ist oder nicht - ein vergleichbar gutes Preis/Leistungsverhältnis ist anderswo nur sehr schwer zu finden.Am Papier leistet sich Rose also kaum Schwächen. Bleibt die Frage, wie sich das Rose Reveal Four Disc Force eTap AXS in der freien Wildbahn schlägt ...
Viele Radsportler sind auf der Suche nach dem „Eines für Alles“ Rad. Sportlich schnell soll es sein, also aerodynamisch, dazu am besten federleicht, supersteif und somit stark im Antritt, mit einer Menge Komfort und wenn möglich auch ab und zu auf nicht asphaltierten Wegen noch einigermaßen würdevoll zu fahren. Das Reveal, soweit kann man es vorwegnehmen, kann viel, aber nicht alles. Aber das was es kann, kann es wirklich gut.Die Sitzposition ist relativ aufrecht und sehr entspannt. Um es etwas sportlicher zu gestalten, wurden ein paar Spacer unter dem Vorbau entfernt, die Vorbaulänge von standardmäßigen 90 auf 120 mm erweitert. Typisch für ein Langstreckenrad ist das Oberrohr kürzer als bei klassischen Rennfeilen und es ist deutlich geslopt. Obwohl das Rad mit unter 8 kg in der Disc Version schon vergleichsweise leicht ist, könnte man es mit überschaubarem Aufwand wohl auf knapp über 7,5 kg trimmen. Statt der 28 mm Reifen auf schmale 25/23 mm Reifen umsteigen, auf einen leichten Carbonlaufradsatz wechseln und dazu noch ein 160 g Sattel, fertig. Ob dies eine sinnvolle Maßnahme ist, muss jeder für sich entscheiden, aber diverse Tuning-Möglichkeiten sind vorhanden.Für den Test beließen wir es bei kleineren Änderungen, da sonst das Gran Fondo Feeling zum Teil verloren gegangen wäre. Der Vorbau wurde, wie erwähnt, länger gewählt und tiefer gestellt, nach Sitzproblemen bei langen Ausfahrten wurde der (individuell zu weiche) Sattel auf einen Fizik Arione getauscht. Zusätzlich wurde ein DZero Quarq Leistungsmesser montiert.
In seinem ureigensten Habitat, auf der Landstraße, zeigt sich das Rose Reveal Four Disc Force eTap AXS dann vor allem sehr leichtfüßig, antrittstark und agil. Je kurviger und welliger die Strecke, umso mehr Spaß macht es, Stunden im Sattel des Reveal zu verbringen. Der insgesamt sehr verwindungssteife Rahmen sorgt für effiziente Beschleunigung, egal ob bei harten Antritten über steile Kuppen oder auf langen Anstiegen. In schnellen Abfahrten ist das Rad weder windanfällig noch nervös, und trotzdem sehr beweglich und präzise im Einlenken. Lastenwechsel gehen leicht von der Hand, der Geradeauslauf ist entsprechend gut.Die hydraulische Force Disc Bremse verzögert sehr effizient, der Druckpunkt lässt sich perfekt einstellen und auch mit der Hitzeableitung gab es im Test keinerlei Probleme. Die Schaltung selbst - wir hatten ja Srams Force AXS montiert - löste beim Testen hingegen gemischte Gefühle aus. Im Praxisbetrieb schaltet sie eine Spur langsamer als die elektronische Konkurrenz und während der ersten Kilometer war auch die Geräuschentwicklung höher als gewohnt. Das gab sich jedoch nach einiger Zeit, und ab da arbeitete die Force vorerst zur völligen Zufriedenheit, bis bei Testkilometer 1.000 zum ersten Mal Kettenabwürfe nach innen auftraten. Eine Justierung vor Ort beseitigte die Abwürfe, bis nach ein paar weiteren Betriebsstunden das gleiche Problem wieder auftrat. Der Umstieg auf einen DZero Quarq Leistungsmesser wurde danach für eine komplette Neuinstallation des Umwerfers genutzt und bis zum derzeitigen Testkilometer 2.500 gab es überhaupt keine Beanstandung mehr.Es ist und bleibt wohl eine Glaubensfrage, ob man sich für Shimano oder Sram entscheidet, die etwas diffizile Einstellung des Umwerfers sollte einen jedenfalls nicht von der Sram AXS abhalten, denn sowohl die kabellose Installation, als auch die Bandbreite der Übersetzung passen hervorragend zum Gran Fondo Konzept des Reveal.
Und um wieder zum Rahmenset selbst zurückzukehren: In Bezug auf Komfort lässt das Reveal Four Disc keinerlei Wünsche offen. Am Hinterbau ist der vertikale Flex dermaßen gut, dass man auf einen größeren Versatz der Sattelstütze getrost verzichten kann. An der Front ist das Rad ebenfalls angenehm zu fahren, wenn auch nicht im gleichen Maße komfortabel wie das Heck. Auch auf längeren Fahrten über „Strade Biance“ hat sich das Rad aufgrund des herausragenden Komforts bestens bewährt, es zahlt sich insofern eindeutig aus, auf den breiten 28mm Reifen zu bleiben.
Das Rose Reveal Four Disc Force eTap AXS ist ein famoser Begleiter für entspanntes Cruisen und für stundenlange Ausfahrten auf einsamen Landstraßen, am besten mit jeder Menge Kurven, Anstiegen und Abfahrten. Der Kampf gegen den Wind in flachen Gefilden ist hingegen nicht gerade das, was auf diesem Rad die größte Freude bereitet.Top Design, auffällige Lackierung, schlüssiges Konzept, die vielen möglichen Konfigurationen und das harmonische Fahrverhalten samt bestem Komfort (bei dazu sehr guter Steifigkeit) machen dieses relativ leichte Gran Fondo Rennrad zum absoluten Aushängeschild und Kauftipp – zu einem wirklich fairen Preis.
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