Passwort vergessen?
Größe: 175 cm Schrittlänge: 84 cm Gewicht: 70 kg Fahrstil/-können: Rennrad & Gravel, gute Ausdauer, wenig Power, volles Risiko bergab - wird allerdings selten belohnt
Das Scott Plasma 5 Team Issue resultiert aus unzähligen Stunden im Windkanal und gilt als kompromisslose Wettkampfmaschine für Triathlon und Zeitfahrrennen. Noch bevor es im Juli 2014 offiziell vorgestellt wurde, errang Sebastian Kienle auf dem neuen Triathlon-Geschoss seinen Europameistertitel. Drei Monate später legte er gar mit dem Weltmeistertitel auf Hawaii einen drauf, und Matthias Brändle vermochte mit der Track-Version Jens Voigts Stundenweltrekord zu verbessern. Letzter Streich vor Veröffentlichung unseres Berichts war der Sieg von Orica GreenEdge beim Giro-Teamzeitfahren von San Lorenzo nach San Remo (17,6 km) mit einem Stundenmittel von 54,340 km/h.Durften wir uns schon beim Custom-Aufbau unseres Testrades (#Manual4speed Fotostrecke) von den inneren Werten überzeugen, folgten mittlerweile mehr als 3.000 Kilometer in freier Wildbahn. In seiner Wettkampfperformance über jeden Zweifel erhaben, musste sich das Plasma 5 nun auch in Bezug auf seine Alltags- und Reisetauglichkeit beweisen. Wie sich der High-End-Rahmen mit Shimano Di2, Profile Vorbau-/Lenkereinheit, vollständig integrierten Bremsen und einer Rotor 3D+ Kurbel inkl. Power2Max schlug, könnt ihr etwas unterhalb im Abschnitt "Erfahrungen aus der Praxis" nachlesen.
Scotts Aerodynamikabteilung entwickelt Produkte mit Hilfe eines zyklischen Prozesses: je mehr Wiederholungen (siehe Flow-Chart unterhalb) durchlaufen werden, umso genauer die Ergebnisse. Die Entwicklung des Plasma 5 erforderte drei komplette Zyklen.Wenn Träume wahr werden: Zu Beginn eines Zyklus werden die Entwicklungskonzepte virtuell mittels CFD-Analyse getestet und in weiterer Folge im Windkanal unter simulierten "Real-Bedingungen" geprüft. Während in der ersten Session das Rad isoliert betrachtet wird, folgen weitere aufwendige Tests mit bewegten Dummies, lebenden Fahrern und unter verschiedenen Umweltvariablen.
Das Resultat: Scotts Designer setzen bei den Rohrformen - wie auch beim Foil und Addict - auf ein parametrisches Flügelprofil. Da die Luftströme, welche auf ein fahrendes Bike treffen, je nach Rahmenregion und durch Beeinflussung der sich bewegenden Elemente - wie Laufräder oder die Beine des Fahrers - völlig unterschiedliche Anforderungen ans Rahmendesign bedingen, wurden die aerodynamisch relevanten Bereiche individuell angepasst.Im Klartext: In Bereichen, wo der Luftstrom ungehindert auf das Rad trifft (blau markiert - oberes Unterrohr, Steuerrohr und Lenker), werden das Trunkationsverhältnis (= Beschnitt) der Anströmkante und der Übergangsradius vergrößert, während die Abströmkante reduziert wird.
In den komplexen Bereichen, wo der Luftstrom vor dem Auftreffen auf den Rahmen beeinflusst wurde (rot markiert - Sitzrohr, Streben und unterer Teil des Unterrohrs), weisen die Rohre ein reduziertes Trunkationsverhältnis und einen geringeren Übergangsradius samt vergrößerter Abströmkante auf, die im Extremfall sogar flach ausfallen kann. Dadurch können die Verwirbelung verschiedener Luftströme sowie ein zu frühes Wiederzusammenführen dieser verhindert werden. Zusätzlich profitieren Elemente hinter diesen Profilen, indem sie vom Luftstrom abgeschirmt werden und sich der Gesamtluftwiderstand des Rad-Fahrer-Systems weiter reduziert.
Neben dem Schwerpunkt "Aerodynamik" wurde ferner den Themen Ergonomie, Fuel Storage und Alltagstauglichkeit besondere Aufmerksamkeit geschenkt. One for all: Das Plasma 5 soll die Anforderungen von Radrennfahrern und Triathleten gleichermaßen erfüllen. Mit den vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten und dem modularen Vorbau-Lenker-System soll sich die Fahrerposition an die Bedürfnisse beider Spezies anpassen lassen.
VorbauintegrationScotts Entwickler wählten eine Konstruktion, bei welcher der Vorbau zwischen den Steuerlagern mit dem Gabelschaft verbunden ist. Durch den vergrößerten Abstand zwischen dem oberen und dem unteren Steuerlager konnten die Torsionssteifigkeit des Steuerrohrs sowie dessen Aerodynamik deutlich verbessert werden. Außerdem sorgt die direkte Verbindung zwischen Vorbau und Rahmen für eine direkte Übertragung der Kräfte, welche beim Wiegetritt entstehen, was die Verwindung von Gabelschaft und Steuerrohr reduziert. Für das Plasma 5 gibt es zwei Vorbauoptionen: Der TT-Vorbau verläuft in einer Linie mit dem Oberrohr und erlaubt eine extrem tiefe Sitzposition. Der Triathlon-Riser-Vorbau erhöht den Lenker-Stack um 45 mm und ermöglicht die Montage des Aero-Drink-Systems von Profile. Brems- und Schaltzüge werden aus dem Lenker in den Vorbau und von dort über das Steuerrohr in den Rahmen geführt.
Aeria BasislenkerDrei verschiedene Versionen dieses Basislenkers wurden speziell für das Plasma 5 entwickelt und besitzen eine ultraflache Lenkerklemmung sowie ein aerodynamisches F01-X230-Lenkerquerschnittsprofil. Bremszüge und Kabel für elektronische Schaltgruppen können komplett integriert werden. Die besonders steif konstruierten Lenker weisen einen extralangen Reach auf, der um bis zu 15 mm gekürzt werden kann, besitzen eine geringe Lenkerkrümmung, um auch im Wiegetritt ausreichend Kniefreiheit zu gewähren, und erfüllen das 3:1 Reglement der UCI.
Armauflagen, Spacer und ExtensionsDie ebenfalls exklusiv für das Plasma 5 entwickelten Spacer und Klemmvorrichtungen ermöglichen die Höhenanpassung um bis zu 75 mm für die Armauflagen inklusive Extensions. An der Abströmkante der Spacer findet sich eine abnehmbare Abdeckung, über die man schnell auf den Innenkanal zugreifen kann, in welchem die Kabel der elektronischen Schaltgruppen verlegt sind.Beim Durchmesser des Klemmsystems entschied man sich für den 22,2 mm Standard, der die Austauschbarkeit mit allen Extension-Modellen von Profile und dem Großteil anderer Hersteller gewährleistet. Die Sweep-Bend-Verlängerung an den hier montierten Aeria-Extensions ist am Ende angewinkelt, um eine ergonomische und gleichzeitig aerodynamische Position der Hände zu unterstützen.
Sattelstütze und -klemmeIm Vergleich zum Plasma 3 ist die Sattelstütze nicht am Sattelrohr ausgerichtet, sondern weist einen leichten Winkel auf. Der daraus resultierende horizontale Einstellbereich für die Sattelklemme bleibt dadurch für alle Sattelhöhen praktisch ident.Zusätzlich weist die neue Sattelstütze im Vergleich zur Version auf dem Plasma 3 zusätzliche 10 mm horizontale Einstellbarkeit auf.
Aerodynamischer Fuel StorageObwohl es viele Radrennfahrer bei diesem Anblick fröstelt, sind Aufbewahrungsmöglichkeiten für Getränke und Verpflegung für Langdistanz-Triathleten nicht wegzudenken. Nach umfangreicher Analyse vorhandener Lösungen entschied sich das Entwicklungsteam von Scott und Profile für eine vertikale, aerodynamische Trinkflasche, die unterhalb der Extensions vor dem Steuerrohr befestigt wird. Die Aufbewahrungsbox wird auf dem Oberrohr direkt hinter dem Vorbau montiert.Beide Systeme sind während der Fahrt leicht zu erreichen, ohne dass der Fahrer seine aerodynamische Position verlassen muss, schnell abnehmbar und aus spülmaschinenfestem Material gefertigt. Der Aero-Drink wird mit Hilfe eines Clip-on Systems am Vorbau befestigt, soll ohne Vibrationen und Geräuschbildung auskommen, ist mittels großem Einfüllstutzen on-the-go wiederbefüllbar und verbessert durch den glatten Übergang zwischen Flasche und Rahmen die aerodynamische Gesamtperformance.
Integrierte BremsenBeim Plasma 3 konnten sich Scotts Entwickler noch vor integrierten Bremsen drücken; beim Plasma 5 ließen sie schlussendlich die Hosen runter und verpassten dem Boliden hinten eine standardmäßige Direct-Mount-Bremse aus dem Hause Shimano und vorne eine integrierte Eigenkonstruktion, die in enger Zusammenarbeit mit Tektro entstand. Beide Bremsen sollen sich leicht einstellen lassen und sind mit den breitesten auf dem Markt befindlichen Aero-Laufrädern kompatibel.Die per Mittelzug angesteuerte Frontbremse erlaubt die Verwendung einer aerodynamischen Frontabdeckung, welche für eine effiziente Anströmkante des Steuerrohrs sorgt. Besonders lange Hebelarme, verstärkte Bestandteile und die konstruktionsbedingte, niedrige Torsionsbelastung innerhalb der Hebelarme sollen die Bremsleistung im Vergleich zur Konkurrenz drastisch verbessern. Gleichzeitig ist die Plasma 5-Gabel dank entsprechender Schnittstellen auch mit Standard-Direct-Mount sowie Kaliperbremsen kompatibel - in diesem Fall muss jedoch auf die Bremsabdeckung verzichtet werden.
Einstellmöglichkeiten am Cockpit ●●●●○Das Plasma 5 bietet ein Höchstmaß an Anpassbarkeit. In jedem Fall sollte die Wahl des Basislenkers (+30 mm Rise/420 mm, Flach/420 mm, oder -30 mm Drop/400 mm) gut überlegt sein, denn ein nachträglicher Austausch desselben verursacht Schmerzen von epischem Ausmaß - Stichwort: Verkabelung. Neben den Lenkern stehen dem Athleten zwei verschiedene Vorbauten (TT/0 mm oder Tri/45 mm Stack), zwei Armpad-Klemmungen (Narrow, Wide) und Spacer bis zu einer maximalen Höhe von 75 mm zur Verfügung. Der Durchmesser der Extensions beträgt 22,2 mm und gewährleistet die Kompatibilität mit allen Modellen von Profile Design und dem Großteil anderer Hersteller. Ich habe mich für die abgewinkelten Sweep-Bend-Extensions aus Alu entschieden, die ich nach dem Kürzen und Probefahren auf die T5+ Carbon-Teile von Profile Design upgraden wollte - dazu sah ich dann aber doch keine Veranlassung.Ein sehr schlaues Detail am Rande sind die abnehmbaren Abdeckungen an der Anströmkante der Spacer. So lässt sich die Höhe der Spacertürme relativ schnell variieren, ohne dabei die Di2 Kabel jedes Mal aufs neue aus- bzw. durchzufädeln. Die Spacer sind aus Plastik, in ausreichender Zahl beigelegt und werden per Laubsäge oder Dremel zurechtgeschnitten. Etwas lästig sind die vielen Schraubensets unterschiedlicher Länge, die zur Montage der Pads und Extensions benötigt werden. Bei jeder Höhenanpassung müssen diese vier Schrauben gegen andere passende ausgetauscht werden. Gerade auf Trainingslager oder beim Radpositions-Spezialisten empfiehlt es sich, das richtige Eisen dabeizuhaben.Die steifen Alu-Extensions lassen sich vorbildlich in Länge und Winkel einstellen und per Inbus (mit oder ohne Drehmomentschlüssel) festziehen. Da wackelt, knarzt oder verdreht sich nichts - auch die Di2-Schalter und Bremshebel bleiben stets in der ihnen angedachten Position.
Sitzpositionseinstellung ●●●●●Die neue Aero-Sattelstütze wurde nicht mehr am Sattelrohr ausgerichtet und weist nur einen leichten Winkel auf. Sie besitzt im Vergleich zum Vorgänger einen um 10 mm längeren Verstellbereich nach vorne und ermöglicht damit Sitzwinkel zwischen 73 und 79 Grad. Der Sattel wird mittels Ritchey WCS 1-Bolt Klemme für 7x7 mm Alu-Rails befestigt. Ein Ersatz-Klemmenkit für 7x9,6 mm Carbonrails befindet sich im Lieferumfang. Wurde der Sattel erst einmal in seiner Position und Neigung eingestellt und mit etwas weniger als den angegebenen max. 12 Nm angeknallt, hält er bombenfest. Die Schrauben fressen sich nicht fest und der Klemmmechanismus lässt sich jederzeit wieder komfortabel öffnen bzw. fein nachjustieren. Gleiches gilt auch für die integrierte Sattelstützenklemme: gut erreichbar, große, massive Inbusschraube und die Stütze hält!
Verkabelung ●●●●●Für bestmögliche Aerodynamik und einen cleanen Look empfiehlt sich die Integration aller Kabel und Seilzüge im Inneren des Rahmens. Dies ist den Ingenieuren beim Plasma 5 hervorragend gelungen, ohne die Positionseinstellung und Wartung zur Höchststrafe ausarten zu lassen (vom Zusammenbau sehen wir bei dieser Aussage einfach mal ab). Die Hohlräume der Extensions, der Spacer (unterhalb der Abdeckungen), der Stütze sowie des Lenkers und des Rahmens sind ausreichend groß und vereinfachen die Verkabelung. Auch die Bowdenzüge der Bremsen können vollständig durch Lenker und Rahmen geführt werden, was den Tausch der Seilzüge, den Schutz vor Nässe und die Funktion summa summarum optimiert.Bei der Junction haben wir uns bewusst für eine außenliegende Montage unterhalb des Sattels entschlossen: gute Sichtbarkeit der Ladekontrollleuchte und einwandfreie Erreichbarkeit der Ladebuchse sowie des Knopfs zur Feineinstellung der Schaltung. Im Triathlon-Vorbau könnte die Junction wunderbar integriert werden, beim TT-Vorbau ist dies nicht möglich.
Di2 Stabakku ●●○○○Die schmale Aero-Stütze besitzt einen durchgehenden Hohlraum, um die Di2-Kabel (falls gewünscht) aufzunehmen, und einen beweglichen Di2-Stabakku-Halter an ihrer Unterseite. Dieser konnte sich während meines Praxistests nicht bewähren, was vermutlich zum Teil an meiner kleinen Rahmengröße liegt. Schon beim Zusammenbau fiel der Mechanismus unangenehm auf, als die Stütze um 2 cm abgelängt und die beiden Löcher für die Halterung mühevoll nachgebohrt werden mussten. Außerdem verkeilte sich die Halterung des öfteren beim Nachjustieren der Sitzhöhe, worauf ich den Akku lose in das Sattelrohr gesteckt und den flexiblen Halter vollständig entfernt habe. Spart Gewicht, klappert nicht und schont die Nerven.
Lenkeinschlag ●●●●○Im Vergleich zu den meisten direkten Konkurrenten mit integrierten Vorbau-/Lenkerlösungen ist der Lenkeinschlag vom Plasma 5 überdurchschnittlich groß. Auch das Di2-Kabel und der Bowdenzug der hinteren Bremse kann nahezu reibungsfrei unterhalb der Alu-Abdeckung hin- und hergleiten, und so gibt es im Normalbetrieb keinerlei Grund zur Beanstandung.Ein wenig knapp wird es nur während engster Wendemanöver bei niedrigem Speed, im Auto oder in Radkoffern mit fixem Rahmengestell. Meines Wissens nach bietet nur noch das Cannondale Slice RS einen größeren Lenkeinschlag (bzw. Bikes mit traditionellen Vorbau-Lösungen).
Vorbau-Integration ●●●●●Die neuen Vorbauten (TT & Tri) sind um rund 90 Gramm leichter als beim Plasma 3 und werden zwischen dem oberen und dem unteren Steuerlager mit dem Gabelschaft verbunden. Durch den vergrößerten Abstand der beiden Lager konnte die Torsionssteifigkeit des Steuerrohrs um 47% verbessert werden. Neben bester Aerodynamik können sowohl die Di2-Kabel als auch die Bowdenzüge der vorderen und hinteren Bremse direkt durch den Vorbau geführt werden. Der Anschlag der Vorderbremse befindet sich hinter einer Carbon-Abdeckung an der Unterseite des Vorbaus.Einmal gerade ausgerichtet und mittig zwischen den beiden Steuerlagern montiert, braucht kein Gedanke mehr daran verschwendet werden. Weder der Vorbau noch das Steuerlager lockerten sich während des Tests.
Tretlager und Powermeter ●●●●○Das Plasma 5 ist für Standard-Pressfit-Innenlager mit 41 mm-Außendurchmesser konzipiert und deshalb für Shimano- und SRAM-Kurbeln mit 24 mm Achsen optimal geeignet. Dennoch haben wir das Tretlager mit einem Rotor 4130 Innenlager für breite 30 mm Kurbelachsen gepimpt, um in weiterer Folge unsere Rotor 3D+ Kurbel samt Power2Max Powermeter einzubauen. Da dieses Innenlager ohne durchgehende Schutzhülle auskommen muss, haben wir die herumschwirrende Di2-Junction im Unterrohr angeklebt und die Kabel mit einem Stück Schaumgummi vor der sich drehenden Kurbelachse geschützt.Gerade für Tri und TT wäre in meinen Augen ein Tretlager-Standard für 30 mm Achsen wünschenswert (z. B. BB386Evo), aber wo ein Wille ist, da ist bekanntlich auch ein Weg. Unabhängig von der verwendeten Kurbel überträgt der neu gestaltete, massive Tretlagerbereich die Kraft ohne spürbare Verluste.
Vorderradbremse ●●●●●Die integrierte Vorderradbremse wurde in Zusammenarbeit mit Tektro entwickelt, ermöglicht dank ihrer schmalen Konstruktion die Verwendung einer Frontabdeckung als aerodynamisches Zusatzelement und sorgt so für eine effiziente Anströmkante des Steuerrohrs. Per Mittelzug angesteuert, erlaubt die Zweigelenksbremse eine große Bewegungsspanne der Bremspads und besitzt ein gutes Übersetzungsverhältnis bei hoher Steifigkeit.Von allen mir bekannten integrierten "Eigenkreationen" funktioniert die Scott-Bremse mit Abstand am besten: easy zum Einstellen, schneller Belagstausch, mächtig Biss und ein reibungsarmer Rückholmechanismus. Während der gesamten Testdauer musste die Bremse kein einziges Mal nachgestellt oder serviciert werden - selbst mehrere Regenfahrten taten der Performance keinen Abbruch.Gleichzeitig ist das Plasma 5 dank entsprechender Bohrungen auch mit Standard Direct Mount sowie Kaliperbremsen kompatibel. In diesem Fall kann die Bremsabdeckung vorne jedoch nicht mehr angebracht werden.
Freigängigkeit der Gabel ●●●●○Grundsätzlich bietet die Gabel ausreichend Platz für nahezu alle gängigen Laufräder und Reifengrößen. Selbst das breite Zipp Firecrest 808 Vorderrad mit einem 26 mm Turbo Cotton Faltreifen fand darin ausreichend Platz. Zuvor musste ich allerdings die Bremsbeläge etwas anschleifen, da sie ansonsten im Wiegetritt die Felge berührt hätten. Das klingt zwar nicht sehr professionell, ist aber die einfachste Möglichkeit, ultrafette Laufräder in einen TT-Rahmen zu bekommen. Das gleiche Problem hatte ich schon beim Slice RS, Speedmax CF und Warp TT... eigentlich bei jedem TT-Bike mit integrierten Bremsen.
Hinterradbremse ●●●●○Hierbei entschieden sich die Entwickler für den Direct Mount Standard von Shimano, da dieser im Zusammenspiel mit der Konstruktion des Plasma 5 die beste Performance aufweist. Die Bremse lässt sich per Inbusschraube an der Non-Drive-Side präzise ausrichten, die Schrauben der Bremspads sind an beiden Seiten gut erreichbar und der Bowdenzug wird in einem Stück vom Bremshebel durch den Rahmen bis hin zum Anschlag der Bremse geführt.Im Praxisbetrieb glänzt die Bremse durch beste Funktion, geringe Bedienkräfte und ihren kräftigen Biss. Es kam auch kein einziges Mal vor, dass die Pads während der Fahrt streiften oder hängen blieben. Einzig die große Öffnung an der linken Seite der Bremsabdeckung bietet Schmutz ungehindert Zutritt. Nach längeren Regenfahrten empfiehlt es sich, die Abdeckung abzunehmen und den Bremsmechanismus gründlich zu reinigen.
Freigängigkeit des Rahmens ●●●●○ Ähnliches Resumé wie bei der Gabel. Selbst für die ultrafette Zipp Super-9 Carbon Clincher Disc mit 26 mm Drahtreifen bietet der Rahmen ausreichend Platz mit Reserven in sämtliche Richtungen. Aber auch hier mussten die Bremsbeläge der Shimano Direct Mount Bremsen großzügig abgeschliffen werden, um ein Streifen im Wiegetritt zu verhindern.
Neben hoher Anpassbarkeit und guten Fahreigenschaften sind es oft Kleinigkeiten, die darüber entscheiden, ob man sich auf seinem Rad wohlfühlt oder nicht - ganz besonders im TT oder Triathlon, wo der Sportler den Großteil seiner Trainingszeit im Wettkampfsetup verbringt. Beim Plasma 5 ist es Scott offensichtlich gelungen, die Anforderungen beider Welten optimal unter einen Hut zu bringen.Die hohe Lenkkopfsteifigkeit sorgt für perfekte Kontrolle - selbst Lenkbewegungen bei hohen Geschwindigkeiten bringen das Rad nicht ins Schwimmen, was dem Piloten viel Sicherheit gibt. Die Bremsen lassen sich fein einstellen und bringen die Fuhre in jeder Lebenslage optimal zum Stillstand. Um der Problematik "schmale Trainingslaufräder vs. breite Renngarnitur" Herr zu werden, legte ich mir eine zweite, breite Trainingsgarnitur von Profile Design zu und muss nun an den Bremsen überhaupt nicht mehr herumzangeln.Auch in puncto Standfestigkeit besitzt das Plasma 5 mein uneingeschränktes Vertrauen: > 3.000 Kilometer knarzfrei, kein überraschendes Verstellen irgendwelcher mechanischer Teile, kein lose gerütteltes Steuerlager oder verloren gegangene Madenschrauben, keine abgenudelten Mini-Inbusschrauben, die Stütze und alle anderen Anbauteile verbleiben fest in ihrer Position... super!Nörgeln auf höchstem Niveau: obwohl das Plasma 5 In den meisten Details konsequent zu Ende gedacht wurde, bleiben dennoch kleinere Kritikpunkte. Zu erwähnen wären die fehlenden Flaschenhalter-Bohrungen am Sitzrohr, denn eine Trinkflasche ist für jedes längere Training zu wenig. Abhilfe schaffen zusätzliche Flaschenhalter an den Sattelrails, welche vor wichtigen Rennen mühevoll demontiert werden müssen. Weiters - nur bei Rahmengröße Small - sorgt der steile 72° Lenkkopfwinkel für immense Agilität und lässt die Schuhspitze am eingeschlagenen Vorderreifen anstupsen.Was die Reisetauglich betrifft, so gelang selbst den Entwicklern von Scott kein lang ersehntes Wunder. Denn das Verstauen eines solchen Rades im Radkoffer ist ein Horror und verlangt viel Geduld und großen Überblick. Wer bei der Assemblierung des Bikes die kürzesten Di2-Kabel gewählt bzw. die Bremsbowden so kurz wie möglich abgelängt hat, der empfängt spätestens hier und jetzt seine gerechte Strafe (Tipp: unbedingt ein paar Tage vor der geplanten Reise ein Trockentraining durchführen).
Drei, zwei, eins... go! Schon auf den ersten Metern offenbart das Plasma 5 seine unverkennbaren Wettkampf-Gene. Das steife Cockpit sorgt für beste Kontrolle, die hohe Verwindungssteifigkeit des Rahmens für brachiale Beschleunigung, und einmal auf Speed gebracht, läuft das Plasma wie auf Schienen - bei gleichzeitig agilem Handling. Zudem lässt sich das Bike dank seines kurzen Radstands und des steilen Lenkwinkels auch in den engsten Kehren und an knackigen Wendepunkten sicher um jede Ecke bringen.Hingegen summieren sich bei der Rahmengröße Small die steilen 72,0° des Lenkkopfs, kurze 403 mm Kettenstreben und der insgesamt recht kurze Radstand von 965 mm zu einem aggressiven Fahrverhalten. Was dem Amateur und Profi gefällt, könnte dem Hobbyfahrer fast schon zuviel sein - einstellbare Rake-Shifts an der Gabel zur Verlängerung des Radstands und Entschärfung der Geometrie wären hier wünschenswert. Bei den anderen Rahmengrößen besteht mit 73° bzw. 73,5° Steuerwinkel kein Anlass zur Sorge.Unabhängig von Rahmengröße und gewähltem Vorbau ist das neue Plasma 5 ein wandlungsfähiger Supersportler mit großem Fun- und Poserfaktor und hoher Alltagstauglichkeit. Das bei der Triathlonvariante vorbildlich integrierte Trinksystem schließt sauber mit dem Rahmendesign ab und zählt derzeit zu den schönsten und vor allem schnellsten Lösungen am Markt.
In wenigen Minuten gratis inserieren – mit Fotos, Preis und Spion-Reichweite in der Bikeboard-Community.
Alle Kommentare (33) im Forum