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Ultegra Di2

Elektronisch schalten für alle! Im Test: Shimanos Prosumer-Gruppe mit elektrisiertem Schaltvorgang.
Text: BigAir Fotos: BigAir

Im Jahr 2008 wurde die Dura-Ace Di2 als erste serienmäßig produzierte elektronische Schaltgruppe vorgestellt, die sich am Markt etablieren konnte. Sie sollte die erste Gruppe werden, die nicht auf konventionellem mechanischen Weg die Schaltvorgänge ausführt und eine echte Alternative zu den auf Seilzug basierenden Versionen darstellt. Neu war das allerdings nicht. Schon Jahre davor gab es von Mavic unter den Namen ZAP und Mektronic Entwicklungen in die gleiche Richtung. Während die ZAP Gruppe wie die Di2 auf Signalübertragung mittels Kabel setzt, war die Mektronic funkgesteuert. Aber beide fristeten nur ein Nischendasein. Hie und da wird in Foren mit den seltenen Teilen gehandelt. Diese Produkte kamen nie über den Status eines Liebhaberobjekts hinaus.

Anders hat sich die Dura-Ace entwickelt. Sie wurde sowohl von Profifahrern bei großen Rundfahrten verwendet, als auch von Fachmagazinen hoch gelobt. Seither hat sich die Top-Gruppe des japanischen Herstellers auch bei finanzkräftigen Hobbyrennfahrern etabliert. 2011 wurde ein logischer Schritt in Richtung weiterer Verbreitung der Di2 Technologie getan und eben diese in die Ultegra Gruppe integriert. Ein logischer Schritt insofern, als die beiden Konkurrenten Campangolo und Sram diesbezüglich noch keine wirkliche Alternative anbieten können (die homöopathischen Dosen der Campagnolo EPS ausgenommen). Das wird von Shimano genutzt, um teils den verlorenen Boden am Rennradsektor gegenüber Sram wieder gut zu machen - mit Erfolg?

Den ersten guten Resonanzen und größeren Vorbestellungen ist es zuzuschreiben, dass wir erst gut ein Jahr nach der Ankündigung der Gruppe einen Praxistest präsentieren können, der über eine kurze Testrunde im Hinterhof hinausgeht. Gut 2.500 km hat die Gruppe - bei der Bremsen, Kurbel und Kassette ident sind mit der mechanischen 6700er Gruppe - nun auf dem Buckel. Vorweg, wenn auch schon etwas überstrapaziert: leider geil!

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Die Unterschiede zur Dura Ace sind optischer, technischer und logischerweise auch preislicher Natur - zumindest letzteres ist als eklatanter Unterschied herauszustreichen, denn der Preisunterschied liegt im oberen dreistelligen Bereich. Technisch gibt es Unterschiede betreffend der Steckverbindungen, weil die Kabeln nicht wie bei der Dura-Ace vier- sondern zweiadrig ausfallen. Die Stecker selbst sind dementsprechend deutlich kompakter, was das Einfädeln in den Rahmen erleichtern sollte. Mit den unterschiedlichen Steckverbindungen stellt sich die Frage nach der Kompatibilität nicht. Gruppenfremde Teile können nicht miteinander kombiniert werden.

Ein weiterer Unterschied ist - wie zu erwarten - das Gewicht. Je nach Konfiguration beträgt der Unterschied rund 250 Gramm (Herstellerangabe). Aufgrund der Inkompatibilität sind die von der Dura-Ace bekannten Zubehörteile, wie zum Beispiel die Lenkerendhebel (SW-7971) für Zeitfahrer und Triathleten nicht einsetzbar. Im Moment sind auch noch keine Ultegra-Di2 Zubehörteile auf dem Markt - vermutlich ist das aber nur eine Frage der Zeit. Bis dahin müssen Zeitfahrer und Triathleten tiefer in die Tasche greifen. Zum Leidwesen der Ästheten fällt das Gehäuse für die Stellmotoren an Schaltwerk und Umwerfer der Ultegra etwas wuchtig aus.

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Erzählt man radsportfernen Personen von einer elektronischen Schaltung, so sind die Antworten oft amüsant. Die meisten erwarten eine Art Automatik, denn welchen Vorteil sollte ein bloßes Ersetzen der mechanischen Übertragung mit der elektrischen Verstellung des Schaltwerks beziehungsweise des Umwerfers bringen? Gute Frage eigentlich. Bis man die Gruppe gefahren ist. Die Vorteile im Überblick:

Schaltperformance. Die Ultegra Di2 ist kinderleicht eingestellt (ohne Werkzeug) und bietet eine überragende Schaltperformance, die nur mit einer absolut perfekt eingestellten mechanischen Schaltung vergleichbar ist. Jeder Knopfdruck wird absolut präzise durch den Stellmotor ausgeführt und lässt die Kette niemals rattern oder schleifen.

Ergonomie. Wer mit einer mechanischen Gruppe umgehen kann, kann auch mit einer Di2 umgehen. Die Position der Schalthebel ist ident. Großer Vorteil: der Hebelweg ist denkbar gering. Lange Hebelwege, die vor allem am Umwerfer auftreten, sind somit Geschichte. Das ist mitunter ein großer Vorteil für kleine, zarte Hände. Ein weiterer großer Pluspunkt betreffend des Schaltvorgangs ist die geringe Kraft, die man aufwenden muss, um einen der Taster zu betätigen. Der Vorgang ist vergleichbar mit einem Tastendruck am Notebook - vom Büro aufs Rad, und das ohne Umstellung.

Umwerfer. Der Umwerfer - ein technisches Wunderwerk. Wer kennt das nicht? Vorne heldenhaft die Kette auf das große Kettenblatt gelegt und es kommt eine kurze Steigung. Aufs kleine Kettenblatt will man manchmal nicht. Die Gründe dafür können vielfältig sein: Faulheit, Angst davor, die Kette zwischen Rahmen und kleines Kettenblatt rutschen zu sehen und zuletzt das Ego "hearst, gestern bin I do mim großn drübergfoahrn!". Also wird hinten auf den Rettungsring geschalten und schon beginnt die Kette am Umwerfer zu radieren; ein lästiges Geräusch. Der Umwerfer der Ultegra Di2 stellt sich je nach Position des Schaltwerks automatisch nach, ein manuelles Nachjustieren ist somit hinfällig.

Fazit

Ultegra Di2
Modelljahr:2012
Testdauer:2.500 km
+Funktion
+Ergonomie
+Preis-Leistungs-Verhältnis
0klobige Stellmotoren
BB-Urteil:oida, ur leiwand

Meiner Meinung nach kann man kompromisslos zu einer Ultegra Di2 Gruppe greifen, wenn man eine perfekt funktionierende Gruppe mit der Technologie der Zukunft fahren möchte.

Nicht geeignet ist die Ultegra Di2 im Moment für Zeitfahrer und Triathleten, für Leute mit Vorliebe für italienische Gerätschaften (denn immerhin steht ja Shimano auf den Teilen) und für Leute, denen die wuchtigen Stellmotoren ein Dorn im Auge sind.



Kurzvorstellung: Merida Reacto 907-E-COM

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Kurbel und Laufräder abweichend zur Serienausstattung

Tech Specs

Merida Reacto 907-E-COM
RahmenREVO Nano [Di2] SattelSelle Italia SL XC M
GrößeXS/S/SM/ML/L/XL Kurbel
Shimano Ultegra 50-34
GabelBC CF lite-S Taper SchaltbremshebelShimano Ultegra Di2
SteuersatzBig Conoid Neck CF SchaltwerkShimano Ultegra Di2
VorbauFSA UmwerferShimano Ultegra Di2
LenkerFSA Energy Ergo OS KassetteShimano Ultegra 11-28
LenkerbandMerida Bremse vo/hiShimano Ultegra
LaufräderMavic Cosmic Elite Gewicht7.9 kg (o. Pedale)
ReifenVittoria Rubino Pro Slick 23 Preis€ 4.599,-

M/L oder L, das war die alles entscheidende Frage am Beginn des Di2 Tests, der auf einem Merida Reacto Di2 durchgeführt wurde. Nach kurzer Beratung mit NoPain, der den Rahmen bereits ausgiebig testen konnte, griff ich zum M/L - richtige Entscheidung für eine sportliche Sitzposition.

Das Reacto E-COM besticht mit einem durchdachten Aero-Rahmen, der auch im Top Modell TEAM-COM zum Einsatz kommt. Die für 2012 neu entwickelte Sattelstütze sorgt mit einer Aussparung mit Elastomer-Einsatz für mehr Flex und ist ohne Sägen voll verstellbar. Mehr zum Reacto findet ihr hinter den unten angeführten Links. Außerdem serienmäßig mit einer Di2 Ultegra bestückt war das um 3.999 Euro wohlfeile Trek Madone 5.9, das wir im Frühjahr getestet haben - Link hierzu siehe ebenfalls unten.


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