Jump to content
×
Canyon Neuron CF LTD

Canyon Neuron CF LTD

07.09.20 05:48 7.003Text: MexFotos: Canyon (Markus Greber)Mehr Federweg für das Canyon Neuron. Kurztest des auf 100 Stück limitierten Sondermodells mit den entscheidenden 10 mm plus ...07.09.20 05:48 7.056

Canyon Neuron CF LTD

07.09.20 05:48 7.0561 Kommentare Mex Canyon (Markus Greber)Mehr Federweg für das Canyon Neuron. Kurztest des auf 100 Stück limitierten Sondermodells mit den entscheidenden 10 mm plus ...07.09.20 05:48 7.056

Direkt ins wunderschöne Südtirol, genauer gesagt nach Sulden am Ortler, lud Canyon kürzlich eine kompakte Journalisten-Delegation aus dem deutschsprachigen Raum ein, ohne dabei - abgesehen davon, dass es sich um die Modellfamilie Neuron handelt - zu verraten, was genau sie erwarten würde.

Der Presse-Event begab sich aber zu der Zeit, als die Bikeboard-Redaktion ihren wohlverdienten Urlaub zelebrierte. So wurde wieder der lange, schlaksige Mex in den Dienst gerufen. Üblicherweise für das Magazin 1000PS im Sattel von motorisierten Zweirädern unterwegs, schien er für den Test der Canyon Neuerscheinung der richtige Mann zu sein, hatte er doch zuletzt schon mit unserem Dauertest des Neuron CF 9.0 LTD einschlägige Erfahrungen sammeln können. Den Bericht dazu gibt´s übrigens hier nachzulesen.

Wo wir schon dabei sind: Sulden darf als echter Tipp für versierte Trailbiker gesehen werden, einige der schönsten Alpencross-Routen führen ebenfalls durch die Region im Vinschgau. Anspruchsvolle Mountainbiker finden hier prächtig vielfältiges, herausforderndes Terrain mit einem guten Mix aus technischem, grob verblocktem Gelände und herrlich flowigen Trails. Speziell bergab kommen geübte Pedalierer hier auf ihre Kosten.

Die geneigte Leserschaft fragt sich an dieser Stelle vielleicht, warum genau eine Neuheit aus der Neuron Familie auf diesem Terrain präsentiert wird? Das Schlüsselwort lautet Federweg. Das vorgestellte, auf 100 Stück limitierte Sondermodell, bietet davon vorne einen Zentimeter mehr. Manchmal kommt's eben doch auf die Länge an …

Erstmals in der Geschichte der Neuron Familie setzt man für dieses Projekt auf eine allumfassende Partnerschaft mit DT Swiss. Neben den gängigen Laufrädern stammen diesmal auch Dämpfer und Gabel am Neuron CF LTD von den Schweizer Spezialisten. Gleichzeitig nutzt man die Partnerschaft dafür, dem Neuron etwas mehr Bergab-Performance einzuhauchen.
Der Rahmen selbst bleibt dabei unangetastet, die Winkel am Rad ändern sich durch die längere Gabel allerdings dennoch leicht. Lenk- aber auch Sitzwinkel werden abgeflacht, Stack und Reach eine Nuance höher und kürzer.

Im flotten Fahrbetrieb auf anspruchsvollen Trails bergab ist ein deutlicher Nutzen des längeren Federwegs an der Front spürbar. Nach unzähligen Kilometern im Sattel des „normalen“ Neuron traue ich mich das mit Sicherheit zu behaupten. Einerseits durch großartige Reserven der schweizerischen Gabel und zum anderen durch - tatsächlich - mehr Stabilität.
Die DT Swiss F 535 ONE überzeugt gleich von den ersten Metern an mit ausgesprochen sauberem Ansprechverhalten. Die Progression in der Dämpfung verhilft zu solider Durchschlagsresistenz. Die Druckstufe lässt sich dabei in drei Stufen regeln (Open, Drive, Lock). Optisch ein Leckerbissen ist die großflächige Abdeckkappe über dem linken Gabelholm, sie sorgt für eine sehr aufgeräumte Erscheinung an der Front. Im Hebel der vorderen Steckachse ist ein Torx-Tool integriert, mit welchem besagter Deckel abgeschraubt werden kann, um den Weg zum Luftventil freizumachen. Außerdem kann mittels selbigem Werkzeug auch die Zugstufe eingestellt werden. Perfekte Funktion, cleane Optik mitsamt cleverer Finesse im Detail - das gefällt!

Im Heck des Carbon-Rahmens verrichtet der DT Swiss R535 Dämpfer einen - im positivsten Sinne - unauffälligen Dienst. Er verwaltet, bei ebenfalls gutem Ansprechverhalten und angenehm berechenbarer Kennlinie 130 mm an Federweg und sorgt für Ruhe im Hinterbau, selbst in knackigen Downhillpassagen in hochalpinem, verblocktem Gelände auf 3.200 Metern Seehöhe.
Unten angekommen, dann im nächsten Bergauf-Sprint die Überraschung: Trotz etwa 30 % Sag gibt sich das Federelement herrlich straff in der Abstimmung. Absolut kein Wippen in der mittleren Hebelstellung bergauf. So stellen wir uns das vor. Ein „Schuldiger“ ist dafür rasch gefunden. Für das MY2021 haben die Entwickler eine neue Dämpfer-Anlenkung konstruiert. Unser „altes“ Dauertest-Neuron arbeitet hier spürbar mehr und nagt somit etwas an der Antriebs-Effizienz.
Aber: So gut das Heck auch funktioniert, insgesamt muss doch ein klein wenig Kritik angebracht werden. Denn der erhöhte Federweg an der Gabel bringt - wieder gemessen am Dauertester in der heimischen Garage - im anspruchsvollen Uphill doch eine leichte Tendenz zur steigenden Front mit sich.

Egal ob bergauf oder bergab, die Bereifung im Schwalbe Mix funktionierte in unserem Test großartig. Speziell der Nobby Nic (Modell 2020) sorgte im Heck des Neuron für massig Traktion. An der Front hält der bewährte Hans Dampf die Fuhre perfekt in der Spur.
Das Gesamtgewicht des Rades fällt mit 13.26 kg etwas höher aus als bei den übrigen Modellen der Familie. Zu einem großen Teil ist das natürlich der deutlich robusteren und griffigeren Bereifung geschuldet. Die potente Gabel mit etwas mehr Federweg tut ihr Übriges dazu. Und auch die Bremsen kommen am neuen Bike im Bergab-Trimm. Die Sättel der Sram G2 RSC dürfen sich nun in standesgemäß dimensionierte 203 mm Scheiben verbeißen. Bei Cockpit und Sattelstütze vertraut Canyon den vielfach bewährten Komponenten von US-Hersteller RaceFace. Zum Vergleich: Unser Dauertester Neuron CF 9.0 LTD bringt 12,2 kg und damit fast ein ganzes Kilo weniger auf die Waage.

Als weiteres Highlight präsentierte sich die elektronische Schaltgruppe Sram X01 Eagle AXS am Neuron LTD. Noch nie zuvor flutschte die Kette so einfach über die 12-fach Kassette. Ein kurzer Druck auf den kurzhubigen Schalthebel der Armatur reicht, und der Antrieb wechselt präzise in den nächsten Gang. Das funktioniert selbst unter Last erstaunlich gut und immer noch nahezu geräuschlos. Neben der aufgeräumten Optik macht die Schaltung insgesamt einen soliden, robusten Eindruck. Erwähnenswert an dieser Stelle: Der Akku ist wechselbar und kann - oder könnte - relativ preiswert als Ersatz mitgeführt werden.

Übernommen wurden am neuen LTD Modell auch die bekannten und ausgeklügelten Detaillösungen der Neuron-Familie. Darüber haben wir in unserem Dauertest bereits ausführlich berichtet. Kurz erwähnt sei es dennoch. Die Bremsleitung und Bowdenzüge sind beispielsweise hinter einer abnehmbaren Kunststoffschiene versteckt. Das sorgt beinahe für den optischen Effekt von innenverlegten Zügen und schützt gleichzeitig das Unterrohr. Löst man drei Schrauben, sind die Züge für Umbau- oder Wartungszwecke frei zugänglich. Das Beste aus beiden Welten, sozusagen. Auch was die Hinterbau-Lager betrifft, geht Canyon auf Nummer sicher, denn Abdeckungen aus Kunststoff schützen jedes einzelne davon perfekt vor Schmutz und Nässe. Aus Erfahrung ebenfalls eine bewährte Lösung: Der Lenkanschlagsbegrenzer am Oberrohr. Dieser sitzt nicht wie anderswo im Steuersatz, sondern blockiert über einen Zapfen am Gabelschaft - im Fall des Falles.

In typischer Canyon-Manier ergibt sich somit ein absolut durchdachtes neues Mitglied der Neuron Familie, welches sich nun speziell auch an bergab orientierte Fahrer richtet, die dem Trend nach mehr Federweg und etwas flacheren Winkeln folgen. Unser Kurztest hat bestätigt, dass sich dieses Konzept in harten Bergab-Passagen richtig gut schlägt und durchaus seine Berechtigung hat.
Dank der leichten DT XMC 1200 Carbon-Laufräder gibt sich das 4.999 Euro teure Neuron LTD immer noch leichtfüßig und spritzig in der Beschleunigung und erfüllt somit auch nach wie vor die Ansprüche von klassischen Tourenpiloten. Ergänzend weiß die ausgewogene Sitzposition und das ebensolche Handling der Neuron Familie zu begeistern. Summa summarum also ein "Do it all"-Bike ...


Zur Desktop-Version