Passwort vergessen?
nicht mehr sehr blond, immer noch blauäugig, schokosüchtiger denn je
Bislang haben wir Conway auf dieser Plattform vor allem als XC-orientierte Marke mit einem Faible für schnelle Bikes zum fairen Preis kennengelernt – etwa in Gestalt des Carbon-Hardtails Q-MLC 2012 oder des Race-Fullys Q-MFC 2011. Zu seinem 20. Geburtstag wagte sich das 2008 komplett neu aufgestellte Label des norddeutschen Zweirad-Großhändlers Hartje allerdings auf bislang unbekanntes Terrain: Mit einer dreiteiligen All Mountain-Serie und einem Downhiller betrat es 2013 erstmals die Welt der höheren bis höchsten Federwegsklassen. Logisch, dass wir neugierig waren. Und logisch, dass wir uns nicht entscheiden konnten. Deshalb gibt’s hier und jetzt einen Testbericht vom Q-AM 900; ein weiterer vom Downhiller DH1 wird in absehbarer Zeit folgen …
Das Q-AM 900 ist das Topmodell der neuen All Mountain-Serie und verfügt wie seine beiden kleineren Brüder namens 800 und 700 über 150 mm Federweg. Basierend auf einem VPP-Viergelenkssystem, zeichnete einmal mehr german:A-Frontmann Thomas Kamm für die Entwicklung verantwortlich.Prinzipiell hat er das bei Conway „Intelligent Moving Pivot“ genannte System von den 29er- bzw. 26er-Marathon-Fullys übernommen; freilich jedoch nicht, ohne es für den AM-Einsatzbereich zu überarbeiten. Bekannt straff-dynamisch, weitgehend wippfrei und speziell abwärts den höheren Belastungen angepasst soll die Kinematik sein – mehr dazu in Kürze.Interessant ist am Q-AM auf den ersten Blick zweierlei: Der Rahmen besteht aus Alu, verhübscht und belastungsoptimiert per Hydroforming. "Aus Alu baut man unempfindliche Räder fürs Leben", bricht Product Manager Andreas Banse eine Lanze für den Image-mäßig etwas ins Abseits geratenen Werkstoff. "Vom Preisvorteil ganz abgesehen." Und er steht auf 26-Zoll-Rädern – wenn's um Neuentwicklungen geht, mittlerweile beinahe schon eine Seltenheit. Möge Conway für dieses Festhalten an Bewährtem von den Bigfoot-Skeptikern dieser Welt belohnt werden!Um dem All Mountain Bike gründlich auf den Zahn zu fühlen, wurde das allzeit kritische BB-Crash Test Dummy Stefan Herr beauftragt. Seine Eindrücke gibt’s gleich nach den nackten Zahlen und Daten.
Normalerweise entkommt mir ein Statement à la „So eine Maschine MÜSSEN wir uns zulegen!“ ja nicht so leicht. Aber nach der dritten Testfahrt mit dem Conway Q-AM 900 über die legendäre Bobbahn in Weidling konnte ich nicht anders, als meinem gesamten Trainingsumfeld (wobei, eigentlich würde ich sogar wildfremden, beinbehaarten Citybikern dazu raten) dieses All Mountain wärmsten zu empfehlen. Selbst wenn man nicht darauf steht, über Steilkurven, Drops und Tabletops zu fliegen, bietet das Conway einen hohen Spaßfaktor, gepaart mit Stabilität und agilem Fahrverhalten – sowohl bergauf als auch bergab.Aber der Reihe nach: Was mir gleich vor der ersten Ausfahrt auffiel, war das schnittige Design. Vorbau und Lenkereinstellung sind jedoch Geschmackssache (ich habe den Vorbau umgedreht und die Spacer eliminiert, man will ja zumindest sportlich wirken).Mit großen Augen habe ich die verstellbare Sattelstütze betrachtet – objektiv betrachtet eine tolle Sache für Biker, die ohne große Fummelei ihr Gemächt aus der Gefahrenzone bringen wollen; für mich als alten XC-Haudegen ist das natürlich ein rotes Tuch (wobei, in zehn Jahren vielleicht …).Gespannt war ich auch auf Dämpfer und Gabel, bei denen jeweils drei Grundsetups (C-Climb, T-Trail, D-Descent) zur Verfügung stehen, da bei All Mountain Bikes ja der Uphill nicht ganz außer Acht gelassen wird.
Nach der Grundeinstellung ging's zur ersten Testfahrt, natürlich auf eine der härtesten Teststrecken in Wiens unmittelbarer Umgebung. Zunächst bergauf Richtung Windischhütte - auf Asphalt und moderaten Forststraßen fiel das Conway durch eine stabile Dämpfereinstellung auf (C), ich versuchte vergeblich, die Maschine zum Wippen zu bringen und gab verschwitzt wieder auf. Dann der erste Downhill über die "Freedride Line" hinunter nach Weidlingbach. Ein Lächeln bildete sich auf meinem Gesicht, das mich nicht verlassen sollte, solange der Trail unter meinen Reifen war. Endlich ein Hobel, bei dem man bei größeren Sprüngen und Drops keine unmittelbare Angst haben muss, dass er unter dir zusammenbricht! Wo man mit einem Hardtail oder Race-Fully zu überlegen beginnt, schaltet das Q-Am 900 Gedanken an die Linienwahl von vornherein einfach aus. Sowohl schwierigere Wurzelpassagen als auch flowige, schnelle Abschnitte oder auch ordentliche Luftstände (und ja, hier ist die verstellbare Sattelstütze doch recht angenehm) machten auf dem Conway richtig viel Spaß. Und die Bremsen griffen übrigens, dass mir Angst und Bang wurde.Auch die nächsten Ausfahrten bestätigten den positiven Eindruck meiner All Mountain-Entjungferung, förderten jedoch auch einige wenige Mängel zu Tage: Bereits nach der ersten Eingatschung waren die Schrauben am Vorbau leicht angerostet, andere sollten folgen. Bei wenig Luft (1,3 bar) fielen die schmalen Felgen auf, die eine Instabilität bei den Laufrädern nach sich zogen. Außerdem ließ sich die Kette im Downhill nur allzu leicht dazu überreden, ihren angestammten Platz am großen Blatt zu verlassen.
Selbst die schwierigsten Gardasee-Trails brachten mich am Conway nicht aus der Ruhe, und das hat bis jetzt noch kein Mountainbike geschafft!
Eine dringende Empfehlung für alle, die etwas Mehrgewicht für Stabilität und ein vor allem bergab großartiges Fahrverhalten gerne in Kauf nehmen.
Und fotografiert euren Gesichtsausdruck, wenn ihr unten angekommen seid ...
In wenigen Minuten gratis inserieren – mit Fotos, Preis und Spion-Reichweite in der Bikeboard-Community.
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