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Größe: 180 cm Schrittlänge: 85 cm Gewicht: 73 kg Fahrstil/-können: Gemütlicher Allround-Mountainbiker, gerne auch knackig bergab
Rennrad & Gravel: Das Abenteuer steht im Vordergrund
nicht mehr sehr blond, immer noch blauäugig, schokosüchtiger denn je
Zugegeben: Als uns Conway irgendwann im letzten Drittel des abgelaufenen Kalenderjahres „das Nyvo, das neueste Gravelbike“ zum Test anbot, herrschte redaktionsintern kurz Verwirrung. „Das haben’s doch schon vergangenes Jahr auf der Eurobike präsentiert, wieso kommt das erst jetzt?“Ein paar Webseitenklicks später war klar: Wir haben uns um ein „n“ verhört. Nicht das für 2025 auf den Markt gekommene E-Gravel war gemeint, sondern der für 2026 entwickelte Bio-Ableger.Bio-Ableger? In der Tat. Kamen früher die motorisierten Pendants im Schlepptau eines Push-Bikes daher, verhält es sich mittlerweile zunehmend umgekehrt: Erst das E-Bike, dann die Selbertreter-Version. So geschehen auch beim Conway Nyvo: Dem Bosch SX-befeuerten Nyvon ein „n“ abgezwackt, und fertig ist der rollende Entdecker.Ganz so einfach liegen die Dinge natürlich nicht, aber wem die markante Formensprache des neuen Conway oder eben auch sein Name irgendwie bekannt vorkommen, der kennt nun den Ursprung dieses Gefühls.
Nyvon – n = neu
Präsentiert wird das Nyvo herstellerseitig als „bereit für jedes Abenteuer“. Angesichts der relativ zahnlos wirkenden Schwalbe-Gummis muss diese Behauptung von Anfang an um „sobald die Reifen getauscht sind“ relativiert werden.Grundsätzlich wirkt der Newcomer mit seinen bewusst kantigen Rohrformen, den wuchtig designten Schnittpunkten und dem gesprenkelten Farbkleid an der Gabel, das auf kontrastierendem Hintergrund die matte Haupttönung aufgreift, jedoch schon sehr geländeaffin.Angeboten wird es in einer achtteiligen Serie, die aus zwei Alumodellen und drei Carbon-Bikes besteht. Wer jetzt aufgepasst hat und uns der Rechenschwäche bezichtigen möchte: Beide Leichtmetall-Varianten um 1.499,95 (Modell 2.0) bzw. 1.699,95 Euro (Modell 4.0) haben jeweils auch noch ein mit Gepäckträger, Schutzblechen und Lichtanlage bestücktes Pendant um 200 Euro Aufpreis. Ebenso verhält es sich bei den drei Kohlenstoff-Versionen (10.0, 12.0, 16.0), von denen das mittlere um 2.999,95 ebenfalls in „C“-Bestückung – das Kürzel steht wohl für „complete“? – zu haben ist.Der Carbon-Einstieg gelingt mit € 2.499,95,-, exakt 2.000 Euro mehr sind für das hier getestete Topmodell 16.0 zu bezahlen.
Werfen wir eingangs einen Blick auf die technischen Fakten: Mit einem Lenkwinkel von 71 bzw. 72 Grad und den kompakten Kettenstreben zielt die Geo vor allem auf jene Gravelbiker ab, die sportliche und agile Bikes mögen. Sportlicher ist dabei auch der Reach ausgelegt.Dass Langstreckenfahrer und Abenteurer trotzdem nicht das Nachsehen haben, dafür sorgen die zahlreichen Befestigungsmöglichkeiten und Ösen am Rahmen inklusive des praktischen Staufachs im Unterrohr. Selbst eine Montagemöglichkeit für einen Seitenständer gibt es an der Kettenstrebe.
Carbon soweit das Auge reicht: Vom klassischen Diamantrahmen bis zu den Newmen-Laufrädern macht das Conway Nyvo 16.0 schon auf den Standfotos in unserem Studio einen edlen und schnittigen Eindruck. Nicht zuletzt aufgrund der geradlinigen und kantigen Designsprache.Die Kabel sind alle sauber im Rahmen geführt, der Übergang vom Lenker in den Vorbau erfolgt an der Vorbau-Unterseite. Dort sind die Züge zwar nicht voll integriert, dafür aber leichter zu warten. So gibt's beim Umbau des Vorbaus oder der Spacer keine Schwierigkeiten.
Die Sattelklemmung versteckt sich gut zugänglich hinter einer kleinen Abdeckung im Oberrohr. Nicht nur ein echter Hingucker, sondern zukunftsweisend funktional ist der Fizik Vento Argo Sattel: Was mit konventionellen Methoden nicht oder nur sehr schwer zu erreichen ist, schafft Fizik mit einer neuartigen 3D Druck Technologie. DLS (Digital Light Synthesis) nennt sich das Verfahren, das mit Hilfe von UV-Licht den weichen Kunstoff aushärtet und so präzise die unterschiedlichen Dämpfungszonen des Sattels druckt.
Auch sonst ist am Conway alles verbaut, was Rang und Namen hat und vor allem in der Preisregion so nicht immer zu erwarten ist.Die Sram Force XPLR AXS-Schaltgruppe mit T-Type-Technologie schaltet 13 Gänge elektronisch und kabellos. Die Übersetzung (10-46er Kassette) bietet eine solide Bandbreite trotz 1-fach Kettenblatts.Der Newmen Advanced G.34 Laufradsatz setzt aufs MTB-erprobte angewinkelte Hookless-Felgendesign, die Speichen sind in einer Kombination von Straightpull- und J-Bend-Einspeichung verbaut, um deren Anzahl und damit auch das Gesamtgewicht zu reduzieren.Die mögliche Reifenbreite liegt zwischen 35 mm und 50 mm. Das höchstzulässige Systemgewicht liegt beim Conway Nyvo 16.0 bei 130 kg.
„130 kg? Besser als nix“, unkte der zuletzt in Sachen Zuladung etwas limitierte Michael M. und griff dankbar zu, als das Bikeboard’sche Testangebot kam.Ganz Mann, goutierte er zuallererst die schlichte Optik und ansprechende Carbon Raw Matt-Lackierung. Erst dann widmete er sich auch den Specs und Eigenschaften des Bikes, befand diese als seiner würdig und rauschte mit dem Hobel ab, um ihn auf Herz und Nieren zu prüfen.
Befund Nr. 1: Auf seinen sehr leichten Newman Carbonlaufrädern (1.410 g), kombiniert mit den Schwalbe-G-One-RS-Pro-Evo Reifen in 40 mm Breite beschleunigt das Nyvo wie in echtes Rennrad. Durch die wenig bis gar nicht profilierten Reifen fühlt man sich am Asphalt und im leichten Schotter allerdings deutlich wohler als im Gelände.Dort kam der Reifen schnell an seine Grenzen und konnte die Bremspower der neuen Sram Force Bremse nicht auf die Straße bringen, der Reifen blockiert sehr schnell und das Rad war auf derlei Terrain schwer zu beherschen.Die Dämpfung der Schwalbe-Pneus war allerdings überzeugend und bot gemeinsam mit dem Carbonrahmen einiges an Komfort.Nichtsdestotrotz würde ich als Tuningtipp hin zu einem breiteren Einsatzbereich den Wechsel auf profiliertere Gummis empfehlen, zumal die größtmögliche Reifenbreite von 50 mm hier ja einigen Spielraum lässt.
Wer sich nicht nur auf Asphalt und Schotter, sondern auch im Gelände wohlfühlen will: Reifen tauschen!
Ausgesprochen positiv überrascht war ich von der Bremspower der neuen Force-Bremse. Bis dato war ich eher kein Fan von Sram Bremsen, aber die überarbeiteten Schalt-Bremshebel bieten wirklich massig Bremskraft bei gleichzeitig hervorragender Dosierbarkeit.An der neuen Sram Force XPLR 13 fach Schaltung gibt’s ebenfalls nichts zu meckern. Sie schaltete auch unter Last schnell und präzise, ihre Bandbreite war dank 10-46er-Kassette großzügig und die Übersetzung in Kombination mit dem 40er-Kettenblatt gut gewählt. Einzig die Feinjustage musste öfter gemacht werden, was via Micro Adjust aber auch einfach während der Fahrt vonstatten gehen kann.
Die positive Überraschung: Bremsen mit der Force
Befund Nr. 3: Meine absolutes Lieblingsteil auf dem Rad war der 3D-gedruckte Fizik Vento Argo Sattel. Aur denselben setzt man sich drauf - und denkt dann die ganze Fahrt nicht mehr daran bzw. darüber nach. Für einen Fahrradsattel ist dieses vollkommene Verschwinden aus der Wahrnehmung das größte Kompliment, bedeutet es doch, dass er in Sachen Passform und Bequemlichkeit wahrhaftig ins Schwarze getroffen hatSehr angenehm war übrigens auch das samtig weiche Lenkerband von Velo mit dem schmucken Namen "VLT-1051 black". Auch wenn's schwerfält: merken!Befund Nr. 4: Als grundsätzlicher Staufach-Fan gefielen an der Conway-Lösung speziell die Position und der Verschluss. Um den zusätzlichen Stauraum im Inneren des Unterrohrs zu öffnen, kann die Flasche im Halter verbleiben. Und der Hohlraum bietet wirklich ausreichend Platz für Schlauch, Pumpe und Minitool.
Was die Geometrie und das Fahrverhalten betrifft, drängen sich zwei Zuschreibungen in den Vordergrund: Tourenorientiert und antriebsstark, letzteres speziell auch bergauf.Der Lenker und der Gabel-Vorlauf sorgten für Spurstabilität, der Rahmen wirkte seitensteif, bot aber, wie schon weiter oben erwähnt, eine gute Eigendämpfung.Von so gerade angenehmer Agilität das Nyvo ist und so grundsätzlich willig es einlenkt: In engen Kurven benötigte es etwas Nachdruck. Aber als wendigen Racer hat Conway sein neues Gravel-Flaggschiff ja auch nie tituliert, insofern geht das völlig in Ordnung.Befund Nr. 6: Bikepacker werden an den vielen Montagepunkten an Rahmen und Gabel ihre Freude haben, und generell verdient die Ausstattung des Nyvo 16.0 ein fettes Lob. So viele hochwertige Teile für dieses Geld – damit legt Hartjes Eigenmarke der Konkurenz einiges vor.
Im Rahmen der berühmt-berüchtigten Weinbergtropghy in Grossengersdorf nützte ich übrigens die Gelegenheit, das Gesamtpaket Nyvo 16.0 auch im Rennenbetrieb zu testen. Da ich unter akutem Trainingsmangel leide, startete ich allerdings nur in der 3-Runden-Wertung.Wer diesen traditionsreichen Saisonabschluss-Bewerb im Norden Wiens kennt: Die Strecke in den Weinbergen war wie geschaffen für das Nyvo. Wem das eignetlich für Mountainbiker konzipierte, sportlich-stimmungsvolle Come-Together nichts sagt: Die langen Geraden mit hohem Asphaltanteil und die nur wenigen technischeren Passagen sind grundsätzlich perfekt fürs Graveln. Dazwischen holt einen ein kurzer, aber giftiger Wiesenanstieg verlässlich vom Rad, sofern man nicht zur Radlergattung Berggämse zählt.Für das schnelle Rennen waren die leichten Newman Laufräder gepaart mit den flotten Schwalbe-Reifen jedenfalls die perfekte Wahl, und in der ersten Runde konnte ich mit der 40/10-46-Übersetzung sogar die 30% Steigung des Heartbreakhill bezwingen. In den beiden Folgerunden reichte meine Kraft dafür aber nicht mehr aus.Am Ende konnte ich den 3. Platz in der 3h-Wertung einfahren und feierte also mit dem Conway Nyvo sogar einen gelungenen Renneinsatz.
Dezidiert empfehlen würde ich es für derlei Zwecke trotzdem nicht. Dies allerdings nicht mangels Eignung.Vielmehr besticht das Nyvo 16 mit seiner kantig-schlichten Optik, den durchdachten Details und seinem steifen, spurtreuen Carbonrahmen als Gesamtpaket dem man nicht gerecht werden würde, verschöbe man es in eine Ecke der vielen Spielarten des Gravel-Sports.Einzig für den verstärkten Geländeeinsatz bräuchte es offroad-tauglichere Reifen. Aber derlei ist ja rasch und mit geringen Kosten organisiert und aufgezogen.Darüber hinaus ist Conways Newcomer ausstattungsmäßig über alle Zweifel erhaben. So viele hochwertige Parts an entscheidender Stelle um dieses Geld - das ist definitiv ein starkes Argument für das Gravelbike ohne "n".
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