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Größe: 175 cm Schrittlänge: 84 cm Gewicht: 70 kg Fahrstil/-können: Rennrad & Gravel, gute Ausdauer, wenig Power, volles Risiko bergab - wird allerdings selten belohnt
Nach unserer ersten Begeisterung über die Präsentation vom Ducati MIG-RR auf der EICMA Motorradmesse könnte man meinen, es gäbe zum E-MTB der Italiener nicht mehr viel zu sagen - jedoch weit gefehlt! Wir erfuhren noch mehr interessante Hintergründe, durften (bzw. mussten) es über technische Trails jagen und - last but not least - fand die Präsentation in den heiligen Hallen Ducatis in Bologna, genauer gesagt inmitten von Borgo Panigale, statt. So nahm Bikeboard-Oberhaupt NoPain all seinen Mut zusammen, warf sämtliche Bedenken vor offenen Oberschenkelhalsbrüchen über Board und erklärte das neue Ducati MIG-RR, welches in enger Zusammenarbeit mit dem italienischen Unternehmen Thok E-Bikes entstand, zur Chefsache.
Unsereiner kennt die Ducati Motor Holding S.p.A. in erster Linie als italienischen Motorrad-Hersteller und Betreiber eines der erfolgreichsten Werksteams in der Moto-GP. Die Wenigsten wissen allerdings, dass sich das im Jahr 1926 von Antonio Ducati gegründete Unternehmen zunächst mit Bauteilen für Radios, Mikrofonen, Filmprojektoren und Rechenmaschinen beschäftigt hat.
Um nach Ende des Zweiten Weltkrieges dem Drang nach Massenmotorisierung in Italien gerecht zu werden, begann Ducati 1946 damit, einen 48 cm³ großen Viertaktmotor namens Cucciolo in Lizenz zu fertigen. Die genügsamen Motoren verbrauchten nur rund einen Liter Sprit auf 100 Kilometer, leisteten maximal 1,5 PS und beschleunigten die gleichnamingen Motorfahrräder auf 50 km/h.Noch im selben Jahrzehnt begann die eigene Entwicklung kompletter Fahrzeuge. Design, Konstruktion und Fertigung der Modelle erfolgen bis heute in Bologna.
Das junge italienische Unternehmen Thok E-Bikes wurde im Jahr 2015 von Ex-MTB-Downhill-Profi Stefano Migliorini (hier oben links im Bild) und Livio Suppo gegründet. Letzterer, seines Zeichens MotoGP-Teammanager, führte in seiner Amtszeit das japanische HRC-Team sechsmal zum Hersteller- und gleich fünfmal zum Fahrer-WM-Titel. Außerdem brachte er zuvor Ducati in die MotoGP und feierte dort mit Casey Stoner den ersten und einzigen WM-Titel des italienischen Herstellers. Auf seine guten Kontakte zur Ducati Familie ist es wohl auch zurückzuführen, dass die Italiener gemeinsam mit der Marke Thok ihren nächsten großen Schritt in Richtung Massenmotorisierung, diesmal per MTB mit Elektromotor (vgl. 1946 mit Waffenrad und 4-Takt-Verbrennungsmotor), machen wollen. Die Zusammenarbeit zwischen Ducati und Thok E-Bikes basiert auf einem dreijährigen Lizenzvertrag.Bei der Entwicklung der Thok E-Bikes haben neben Mastermind Stefano, der seine Bikes ausgiebigst und am liebsten auf den anspruchsvollen Trails in Finale Ligure testet, aber auch noch andere, teils einschlägig bekannte Italiener ihre Hände mit im Spiel: Aldo Drudi und Paolo Picchi von D-Performance, dem legendären Designstudio von "VR46" (Grafik & Design), Luca Burzio, ein Industriedesigner mit großer Leidenschaft und Kenntnis der Mountainbikebranche (Geometrie & technische Lösungen), sowie Giuseppe Bernocco und Sebastiano Astegiano, beide Geschäftsführer der TCN-Gruppe (Entwicklung von Alu- und CNC-Teilen).
Performance meets style
Grundsätzlich basiert die Ducati auf dem 2017 vorgestellten Thok MIG-R E-MTB, erhielt aber neben dem rassigen Ducati-Design, zahlreichen Detailverbesserungen, einer hochwertigeren Ausstattung und neuen Federelementen auch Laufräder mit unterschiedlichen Durchmessern. So arbeitet nun vorne ein 29er Mavic E-XA Drifter Laufrad mit einer Fox 36 Float Factory Kashima Federgabel mit 170 mm und hinten ein 27,5" Laufrad mit einem Fox DPX2 Factory Kashima Dämpfer mit 160 mm. Als weitere Highlights sind der Oversize-Carbonlenker von Renthal, die grippigen Maxxis Minion DHF/DHR EXO+ Reifen, 4-Kolben-Shimano Saint Bremsen, der Shimano XT-Antrieb mit 11 Gängen inkl. 11-46er Kassette, die versenkbare Race Face Turbine Dropper Sattelstütze und der solide Vorbau sowie Lock-on Griffe mit Ducati-Logo aufzuzählen.
Der gut verarbeitete Rahmen mit innenverlegten, klapperfreien Zügen und sauberen Schweißnähten entspricht prinzipiell jenem vom Thok MIG-R, wurde allerdings durch einen minimal geänderten U-Link am Rocker an die neue Geometrie angepasst und erhielt eine aufwendige Lackierung. So wurde der Alu-Rahmen gebürstet, partiell grundiert, in Ducati-Rot lackiert, mit Decals versehen und nachträglich nochmals mit einer dünnen Schicht Klarlack geschützt.
Gleichgeblieben ist das Herzstück des E-MTBs mit Shimanos kompaktem Steps E-8000 Motor und dem kopfüber, unterhalb des Unterrohrs positionierten Akkus, was für einen tieferen Schwerpunkt sorgt, das Handling im schwierigen Gelände verbessert und Platz für einen kleine Trinkflasche innerhalb des Rahmendreiecks schafft. Darüberhinaus verfügt das MIG-RR gegenüber der Thok-Schwester über eine verbesserte Akkuaufnahme, ein Sichtfenster zum Ablesen des Akku-Ladezustands und einen besser erreichbaren und mit weniger Kraftaufwand bedienbaren Ein/Aus-Taster. Das Display blieb mit dem SC-E8000 gleich, der Modi-Wechsel funktioniert nun allerdings mit der SW-E6010-R Schalteinheit, welche wir üblicherweise vom E-6000 kennen. Hier wollte man allerdings nicht ein paar Euros sparen, sondern die Bedienung des Shimano-Computers vereinfachen - denn die Schalteinheit vom E-6000 verfügt über einen dritten, mittig angebrachten Knopf zum Umschalten der Anzeige.
Man mag über Kooperationen zwischen Motorrad- (bzw. Auto-) und Fahrradherstellern denken, was man möchte; beim MIG-RR handelt es sich nicht nur um ein Ducati-gebrandetes Statussymbol, sondern um ein waschechtes und hochperformantes E-Enduro mit lupenreinster Ausstattung und einem relativ niedrigen Gesamtgewicht von 22,5 Kilogramm (ohne Pedale und Flaschenhalter).
Um sich vom "hausinternen" Mitbewerber zu unterscheiden, wollten die Ducati-Verantwortlichen neben dem Design und bewährten Rennsport-Komponenten noch mehr den sportlichen Charakter ihres Bikes herausstreichen. Deshalb verbrachte Stefano viele Stunden sowohl in der Werkstatt als auch am Trail und probierte verschiedenste Varianten mit unterschiedlichen Laufradkombinationen und Federwegen aus. Schlussendlich empfand er folgende Kombination als optimal: 29“ Vorder- und 27,5“ Plus-Hinterrad, 170 mm Federweg vorne sowie 160 mm hinten. Aufgrund der geänderten Federelemente und der aktuellen Kinematik musste der U-Link am Rocker neu entwickelt werden.Das Re-Enginieering und das adaptierte MX-Laufradkonzept haben sich allerdings ausgezahlt. Abgesehen davon, dass der Lenkwinkel eine Spur flacher und das Tretlager höher ausfielen, sieht das MIG-RR nun auch optisch wie eine echte Enduro aus. Ein echter Leckerbissen mit garantiertem Downhill-Spaß.
Sich mit mir über das kinematische Verhalten eines Enduro-Bikes im Grenzbereich zu unterhalten, ist in etwa so, wie von einem von Geburt an blinden Menschen mehr über das Sonnenlicht zu erfahren. Nichtsdestotrotz bin ich in der Lage, größere Unterschiede zu erfahren, Meinungen von Dritten gegeneinander abzuwägen und mir ein stimmiges Gesamtbild zu machen, wenngleich es mir nicht möglich ist, die Performance auch nur annähernd auf die Straße bzw. in den Gatsch zu bringen.Positiv fiel mir als Kenner des Thok MIG-R der Wechsel auf 29 Zoll vorne und 27,5" hinten auf. Obwohl das jetzt um 16 mm höhere Cockpit das Lupfen des Vorderrads etwas begünstigte, überwogen die Vorteile bergauf und ganz besonders bergab beim Überrollen von Hindernissen und generell bei der Kontrolle. Absolut einig waren sich auch sämtliche Journalisten über das Ansprechen der Federelemente. "Smooooth" meinte der Engländern, "Suuupersoft" die Germanen und was die Spanier, Italiener und Franzosen davon hielten, habe ich nicht verstanden. Ihrer Mimik zufolge waren sie ebenfalls zufrieden und so schloss ich mich mit einem "Leiwand" der Experten-Meinung an. Ebenfalls positiv überraschend - zumindest für mich als Roadie - war der immens hohe Grip der Maxxis Reifen.
Wir fassen zusammen: Geometrie, Kinematik, Federelemente, Laufräder und Reifen top. Es gab also keine Ausreden; einziger limitierender Faktor war wie immer der Fahrer. In puncto Geometrie fiel mir erneut auf, dass der Rahmen mit seinem Reach eher auf der kurzen Seite ist. Wer sich also zwischen zwei Größen wiederfindet, kann meiner Meinung nach ruhig zum größeren Rahmen greifen - zu lange wird er einem ziemlich sicher nicht. Wie bei seinem Pendant sorgt auch beim MIG-RR der sportliche Shimano E-8000 Motor für die nötige Power - sein Akku mit 504 Wh befindet sich ebenso gut erreichbar, unterhalb des Unterrohrs, inklusive einem Sichtfenster zum Ablesen des Ladezustands und einem besser erreichbaren Ein/Aus-Taster. Als mein Akku den letzten Strich der Ladeanzeige erreichte, wurde dieser aus Sicherheitsgründen getauscht. Ich hatte wohl den Boost-Modus zu oft bemüht. Bei dieser Gelegenheit konnte ich mir persönlich ein Bild über die Funktionsweise der neuen Akkuaufnahme machen. Resultat: der vollkommen verdreckte Akku konnte wirklich sehr rasch ausgetauscht und die Akkuhalterung trotz aller Matschablagerungen wieder sicher eingesetzt und verschlossen werden.
Das Ducati MIG-RR wird ab sofort zu einem Listenpreis von 6.250 Euro über das Ducati Händlernetz (136 Händler innerhalb Europas) vertrieben. Zudem kann es auch online unter www.ducati.com bestellt und wahlweise beim Händler abgeholt oder an die Heimadresse versandt werden.
Einsteiger und anspruchsvolle Fahrer dürfen sich auf ein in vier Größen erhältliches E-MTB mit edelstem Auftritt, niedrigem Gewicht, sehr tiefem Schwerpunkt, kurzem Radstand und agilem, aber präzisem Handling freuen.
In wenigen Minuten gratis inserieren – mit Fotos, Preis und Spion-Reichweite in der Bikeboard-Community.
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