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Test: Haibike Greed RC 29

Test: Haibike Greed RC 29

04.06.13 19:47 17.479Text: NoBrainFotos: Erwin Haiden (Studio), BigAir (Action & Langenlois), Bernhard Stohl (Steinberg Trophy)Die beiden fuhren, Hand im Hand, im Glücksrausch alles durcheinand: Waldweg, Donauau und Langenlois. Doch die Freude währt nur kurz, das Haibike kriagt an Eh-nicht-Sturz, bricht und sagt dem Dasein Lebewohl.04.06.13 19:47 17.515

Test: Haibike Greed RC 29

04.06.13 19:47 17.5152 Kommentare NoBrain Erwin Haiden (Studio), BigAir (Action & Langenlois), Bernhard Stohl (Steinberg Trophy)Die beiden fuhren, Hand im Hand, im Glücksrausch alles durcheinand: Waldweg, Donauau und Langenlois. Doch die Freude währt nur kurz, das Haibike kriagt an Eh-nicht-Sturz, bricht und sagt dem Dasein Lebewohl.04.06.13 19:47 17.515

... Aber alles der Reihe nach: Ende 2012 hatte die Bikeboard.at R&D Team-Leitung die Idee, mich für die Saison 2013 mit einem leichten 29er-Hardtail auszustatten. "Deine Zweifel, was größere Laufräder betrifft, gehen doch auf keine Kuhhaut, die gehören aus dem Weg geräumt. Wie sieht das denn aus, Testfahrer bei Österreichs führendem Radsport-Magazin, aber dem Neuen gegenüber skeptisch wie meine Großmutter gegenüber Computern", schimpfte NoPain.
Des Schmerzlosen Wahl fiel auf ein Carbon-Hardtail von Haibike, genauer das Greed RC 29.

Ende Jänner war es dann soweit. Ich wurde ins NYX'sche Büro bestellt, um das Bike abzuholen.
Ein erstes Foto-Shooting fand statt, Saison-Ziele wurden besprochen, technische Fakten von der Haibike-Homepage mit den tatsächlichen Gegebenheiten verglichen; außerdem gebaren wir die Idee, zusätzlich zu den beiden großen Bikeboard-Storys (eine Einleitung, ein Testbericht) auch einen Blog zu verfassen, um aktuelle Informationen zeitnah an die Leser zu bringen. NoMan´s Abhandlung zu alledem findet ihr hier. 

Spezifikationen Haibike Greed RC 29

Tech Specs

RahmenUD Carbon High Modulus InnenlagerSram PressFit
GabelRockShox SID RL, Pushloc, 100 mm KurbelSram S2210, 38/24 Z.
Größen40-44-48-52 cm
SchalthebelSram X0, Trigger
SattelFizik Tundra 2 SchaltwerkSram X0, 20-Gang
VorbauHaibike Alu superlight, oversize UmwerferSram X0, High Clamp, Dual Pull, 34,9 mm
LenkerHaibike Ergo-Flatbar Carbon, 720 mm ZahnkranzkassetteSram PG-1070, 11-36 Z., 10-Speed
SteuersatzFSA SX-Pro semi-integr., 1 1/8" - 1 1/2" KetteSram PC 1071, 10-Speed
SattelstützeHaibike Flex Post, 27,2 mm Bremse vo/hiSram X0, 180/180 mm
LaufräderCrankbrothers Cobalt 3 m. Steckachse
(vo. 15/hi. 12 mm)
ReifenSchwalbe Racing Ralph Evo, 29x2,25"
Gewicht9,9 kg (ohne Pedale) Preis€ 4.299,-

Leider musste ich witterungsbedingt mit der Jungfernfahrt noch eine gute Woche warten. Denn erst Anfang Februar lag in Wien kurz, ganz kurz nur, kein Schnee. Schon am Weg hinauf auf den Kahlenberg musste ich allerdings feststellen, dass im Wienerwald noch immer tiefster Winter herrschte.
Entsprechend kurz fiel mein erster Ritt auf dem Haibike Greed aus. Es reichte aber für die Feinabstimmung der Sitzposition: Der Sattel musste nach vorne und etwas weiter runter, der Lenker wurde leicht gedreht. Ob ich auch einen kürzeren Vorbau montieren sollte, wollte ich mir noch ein wenig überlegen.

Die nächste Testausfahrt verzögerte sich, wiederum witterungsbedingt, um einen ganzen Monat. Schließlich wollte ich einem neuen Carbon-Racer die Tonnen von Salz, die in Wien gestreut werden, ersparen.
Anfang März war dann endlich der Schnee weg, ich tauschte den 29er gegen meinen Winterhobel und entführte ihn erstmals auf eine längere Tour. Mein Rücken musste sich noch an das lange Oberrohr (625 mm) gewöhnen. Ein wenig Rückentraining daheim und mehrere Ausfahrten schafften dieses kleine Problem jedoch schnell aus der Welt.

Meine ersten Touren kreisten in und um die Lobau (= höhenmeterlose Donauauen), wo alsbald die hintere Disc zu schleifen begann. Ein prüfender Blick von oben zeigte, dass die Bremsscheibe trotz bis dato nur weniger Bremsvorgänge leicht verbogen war. Daheim gelang es mir jedoch rasch, die Scheibe mit den Händen zurecht zu biegen.
Bis zum Testende gab es sodann keine weiteren Probleme mehr mit der Avid X.0 - auch bei längeren Abfahrten oder im Rennstress erfüllte die Bremse ohne Murren die ihr zugedachten Aufgaben zur vollsten Zufriedenheit.

Dann führten mich meine Test-Rides auf und rund um den Kahlenberg (= Wiener Hausberg, 484 m). Dabei freundete ich mich zusehends mit dem Greed 29 an.
Aufgrund des recht kleinen großen Kettenblattes (38 Zähne) war es möglich, auch schwere Steigungen "auf der Scheibe" zu bewältigen. Das ersparte unnötige Schaltmanöver, wenn es wieder ans Runterfahren ging und sorgte ganz allgemein für ein "heut rollt's aber gut"-Feeling.
Nicht unwesentlich bei einem Athleten jenseits des Teenager-Alters: der Fahrkomfort. Auch hier konnte das Race-Bike überzeugen, wofür ich einerseits die Flex Post-Sattelstütze, andererseits den superbreiten Lenker verantwortlich machte. Mit 72 cm Breite sorgte Letzterer außerdem für die notwendige Balance.

Darüber hinaus entpuppte sich das Bike trotz der großen Laufräder als sehr wendig; enge Kurven konnte ich sowohl bergauf als auch bergab ohne größere Schwierigkeiten durchfahren - tatsächlich bemerkte ich hier keinen Unterschied zu meinem 26-Zoll-Bike.
Dennoch lief das Greed ruhig und stabil rauf und runter, und natürlich bemerkte ich allenthalben den vielzitierten "Drüberroll"-Effekt. Das Mehrgewicht eines Twentyniners löste sich zwar nicht in Luft auf, wurde von demselben aber ausreichend kompensiert. Mitte März war ich dann auch endgültig mit der Sitzposition zufrieden, die kleinen Nachjustierungen haben geholfen. Kurzum: Ich fühlte mich mit dem Greed sehr wohl und blickte voller Vorfreude einer abwechslungsreichen Saison entgegen.

Die Zeichen für den ersten Renneinsatz standen also gut. Und tatsächlich: Die traditionelle Saison-Eröffnung der XC-Biker in Langenlois - steile, lange Uphills, schnelle Downhills, ein paar Wurzelpassagen und einige entscheidende Kurven - schafften das Haibike und ich mit Bravour: 1. Platz in meiner Altersklasse!
Bei der Steinberg Trophy in Stronegg - auch diese ob des langen Winters, ähnlich wie mein Testbeginn, von 1. April drei Wochen nach hinten verlegt - setzten wir sogleich noch einen drauf. Nach vier knackig kupierten Runden in der verwinkelten "Hölle des Nordens" erreichten wir das Ziel auf dem 5. Gesamtrang - nicht schlecht für einen jungen Hupfer und einen alten Mann!

Wo viel Licht, da auch (kleine) Schatten: Nicht wirklich überzeugen konnte mich - im Vergleich zu 26-Zöllern - die Steifigkeit des Bikes. Vom Rahmen wird mein Eindruck von zu viel Flex und Nachgiebigkeit nicht herrühren, das haben die Kollegen von der BIKE anhand des Vorjahres-Modells eindrücklich mit Laborwerten belegt (STW 85,1, vgl. Ausgabe 1/2012). Gabel und Laufräder hingegen hinken den 26"-Modellen wohl noch nach ...
Ein Problem hatte ich weiters mit dem rechten Schalthebel: Ich schaltete teilweise unabsichtlich, vor allem beim Übergang in den Wiegetritt, wenn ich mit dem Daumen zuckte. Eine Bremshebel-Position ohne unfreiwillige Schaltvorgänge konnte ich bis zum plötzlichen Testende nicht finden.

Auch bekam ich als eingefleischter Tubeless-Fan die Schwalbe-Reifen trotz verschiedenster Tricks (mehr Milch, Kompressor-Einsatz, Felgenflanke mit Dichtmittel bepinseln ... ) nicht wirklich dicht. Im Ruhezustand hielt die Luft tagelang, beim Fahren aber selten länger als zwei Stunden. Mein Plan, es alternativ zu den Schwalbe Racing Ralphs mit einem Satz Vredestein Black Panther zu versuchen, wurde dann ebenfalls vom überraschenden Testende vereitelt.
Und zu guter Letzt begleiteten mich Knacksgeräusche unbekannten Ursprungs. Am ehesten waren sie der Radmitte zuzuordnen. "Pressfit-Lager setzen sich mit der Zeit und neigen dann zum Knacksen", sprach der Mechaniker meines Vertrauens, woraufhin ich es vorsichtig ein wenig ölte. Ein anderer behauptete, dass Cobalt-Laufradsätze am Übergang von den extralangen Alu-Nippel zu den Speichen zur Geräuschentwicklung neigen würden. Also WD40 drauf - das Knacksen wurde weniger, ganz weg ging's nicht.

Zurück zum Test-Prozedere: Ende April hatte ich das erste Paar Bremsbacken vernichtet - doch nicht nur diese, wie ich mit Schrecken feststellen musste: Um das Wechseln der Beläge zu erleichtern, stellte ich das Rad auf den Kopf – und entdeckte ein veritables Loch an der Unterseite des Tretlagers!
Mir fiel vor Schreck alles Werk- und Putzzeug aus der Hand. Ein Steinschlag? Untypische Stelle. Irgendwo aufgesessen? Aber warum war dann nicht auch das Kettenblatt zerstört? Ganz abgesehen davon, dass ich keinerlei verdächtiges Geräusch gehört oder entsprechenden Widerstand verspürt habe und meinem braven Begleiter noch keinen einzigen extremen Trail oder wirklich technischen Ride zugemutet habe. Wienerwald, Lobau und Langenlois, mehr hat das Greed 29 noch nicht gesehen, ich schwöre!

NoMans Worte aus dem Eingangsbericht fielen mir ein: „Nicht, dass NoBrain ungeübt in Sachen Materialverschrottung wäre.“ Und: „Was vom Hirnlosen und seinem Untersatz am Ende der Saison noch übrig ist, wird sodann in einem großen Abschlussbericht stehen ...“
Hatte die Chefredakteuse das in unheilvoller Voraussicht geschrieben? Hatte sie gar den Teufel an die Wand gemalt? Zerknirscht rief ich NoMan an, um vom Malheur zu berichten.
Die stets gut gelaunte Cheffin war, gelinde gesagt, nicht erfreut, und Haibike wohl noch weniger. Mit einem Ersatzrahmen wollte (und konnte, mangels Verfügbarkeit) mich der deutsche Hersteller für die zu wörtlich genommene Erfüllung meines R&D-Auftrages jedenfalls nicht belohnen, weshalb ich nach nur drei Monaten schweren Herzens von dem feurig designten Rennhobel Abschied nehmen musste.

Fazit

Haibike Greed RC 29
Modelljahr:2013
Testdauer:3 winterliche Monate, ca. 700 km
+vui schee!
+Arretier-Knopf am hinteren Werfer zum kettenspannungsfreien Laufrad-Ein-/Ausbau
+Übersetzung für alle Lebenslagen
+alle 29er-Vorteile spürbar
-einige Nachteile (Steifigkeit LRS/Gabel; Gewicht) auch
-Knacksgeräusche
BB-Urteil:Ein viel zu kurzes Vergnügen

Ich hatte zwar nicht so viel Zeit wie geplant, um das Greed RC 29 zu testen, allerdings absolvierten wir am Ende doch circa 700 gemeinsame Kilometer. Da erhält man mehr als nur einen ersten Eindruck.

Besonders positiv ist mir trotz Anfangsschwierigkeiten die den 29ern eigene Sitzposition in Erinnerung geblieben. Obwohl ich, hätte ich nochmal die Wahl, einen kleineren Rahmen nehmen würde (Rahmengröße 44 statt 48 bei 180 cm Körpergröße), war ich mit der aufrechten, aber doch sportlichen Position am Bike sehr zufrieden. Auch der 74 Zentimeter breite Lenker hat stark dazu beigetragen, mich wohl zu fühlen.
Das Fahrverhalten des Haibike Greed überraschte mich positiv. Sowohl bergauf als auch bergab war ich mit meinen Ansprüchen als ambitionierter Gelegenheits-Cross Country-Racer und routinierter Marathon-Fahrer rundum zufrieden. Enge Kehren, steile Uphills, nasses Wurzelwerk - alles kein Problem, ganz abgesehen von den feinen Rolleigenschaften des Bikes.
Die Bremsen funktionierten, nachdem ich die Scheibe zurechtgebogen hatte, perfekt. Die Schaltung werkte, abgesehen von meinem nervösen Daumen, auch einwandfrei und die Übersetzung schien mir ideal gewählt.
Einzig an der Steifigkeit des Gesamtkunstwerkes ließe sich noch feilen - am ehesten wohl mit einem steiferen Laufradsatz - und den Knacksgeräuschen müsste man, zwecks Schonung des Nervenkostüms, gründlich nachgehen.

Alles in allem sei gesagt: Ich wäre sehr gerne mit diesem Bike bei den kommenden Langstrecken-Bewerben und Etappenrennen auf Medaillenjagd gegangen. Aber es hat leider nicht sollen sein. RIP, Haibike Greed RC 29 ...


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