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Fatbike Festival Kirchberg

Fatbike Festival Kirchberg

Text: NoMan Fotos: NoSaneAuf richtig breiten Reifen durch Tiefschnee, Matsch und Gatsch. Unsere Fahreindrücke vom europaweit ersten Winter-Festival für fette Brummer im Brixental.09.02.15 09:04 14.458

Oft kommt es im 21. Jahrtausend ja nicht mehr vor, dass eine ganze Gruppe von Bikern vor einem völlig neuen Erlebnis steht. Von den Twentyninern wollte man uns mit Ankunft der ersten Vertreter einreden, dass sie ein gänzlich anderes Fahrgefühl vermitteln würden; bei den E-Bikes hat sich diese Prognose dann schließlich sogar bewahrheitet. Mit den Fatbikes soll es sich nun, den Stimmen jener zufolge, die es bereits ausprobiert haben, erneut so verhalten.

Das Einsatzgebiet der Fatbikes wird nur durch deine eigene Vorstellungskraft limitiert.

… wurde in der Einladung zum Fatbike Festival behauptet

Entsprechend gespannt waren die Gesichter der Teilnehmer am Vorabend des 1. Fatbike Festivals in Kirchberg in Tirol.
Eine Flotte von 30 Testbikes hatten Initiator Sepp Berger und Bikeacademy-Inhaber Kurt Exenberger aufgestellt – die angesagtesten Marken der hierzulande noch jungen Fatbike Szene: Surly, Salsa, Borealis, Norco; dazu einzelne Modelle von Turner, Maxx und Cogburn. Mit ein Grund für diese Auswahl: „Die großen, aber nicht auf Fatbikes spezialisierten Hersteller konnten allesamt Mitte Jänner noch nicht oder nicht mehr liefern“, so Exenberger.

Der Metzgerwirt mutierte zum Event-Hotel, in dem das Programm besprochen, Videos angeschaut und die leer gefahrenen Speicher genussvoll wieder aufgefüllt wurden. Sein Vorplatz wurde zum Testcenter, in dem Stahlrahmen neben Carbon-Boliden hingen, Starrgabeln auf Vollfederung trafen, mechanische Discs Einfach-Kurbeln begegneten. Mittendrin spendete ein holzbefeuertes Heizfass wohlige Wärme und Abstellflächen für das Afterride-Bier.
Mit geführten XC-Touren, geguideten Liftrides am Gaisberg, Fahrtechnik-Schulungen am Fleckalmtrail und dem Fat Ass Snow Eliminator wollten die Veranstalter den insgesamt rund 50 Teilnehmern das Thema Fatbike näherbringen. Letzterer fiel allerdings den unerbittlichen Plusgraden zum Opfer – nicht einmal der motivierteste Racer hätte in dem Matschhaufen, in den sich die für den Dual-Slalom vorgesehene Piste verwandelt hatte, noch Spaß gehabt.

Fatbiken also. „Ob im nabentiefen Powder bei Minusgraden oder auf aperen Trails bei Föhnwind: Mit den dicken Reifen surft man mühelos über jeglichen Untergrund!“ so das Versprechen von Sepp und Kurt.
Schön und gut, aber drängen sich da vorab nicht längst in den Urzeiten der ersten MTB-Ausfahrten vergessen geglaubte Fragen auf? Welchen Schlauch steckt man denn beispielsweise für den Fall einer Panne ein (Antwort: einen fetten), wie viel Luft gehört in diese Wuzzeln (Antwort: wenn der Reifen beim Bremsen Falten schlägt, ist's zu wenig; wenn alle fahren und nur du permanent liegst, war's eventuell zu viel - Richtwert: 0,5 bar) und käme man notfalls mit einer CO2-Patrone aus (Antwort: nein)?

Mit den ersten Metern setzte sich das faszinierend elektrisierende Gefühl, Neuland zu betreten, fort: Die Sitzposition gar nicht so viel anders als auf einem normalen MTB. Aber der Sound, den die Reifen beim Anrollen in den Asphalt wummern - jeder Dodge Ram-Besitzer erblasst da vor Neid! Die neugierigen Blicke, interessierten Fragen und ungläubigen Gesten der Schifahrer, Wanderer und Landwirte, die wir passieren! Und das Feeling, wenn man so ein dickes Ding erstmals um eine Kurve lenkt! "Total binär", bemerkte NoSane, wobei sich beim Durchwechseln der Räder rasch herausstellte, dass dieser abrupte Wechsel von Geradeauslauf zu Reinkippen nur bei wirklich breiten Reifen (ab 4,5") bzw. sehr hohen und festen seitlichen Stollen eintrat.
Das Rollverhalten und der Vorwärtsdrang hingegen waren - angesichts der gegenteiligen Optik und Komplettgewichten von 13 bis 16 Kilo - überraschend gut. Die richtige Übersetzung vorausgesetzt (nein, 32er-Einfachkurbeln zählen eindeutig nicht zu dieser Kategorie), strampelt es sich auch auf langen Asphaltanstiegen und trotz des höheren Q-Faktors sehr entspannt bergwärts; für Hillclimb-Rekordzeiten ist aber freilich eine andere MTB-Gattung zuständig.

Redefining Boundaries

Das (absolut passend gewählte) Motto des Events

Aber vorrangig will man ein Fatbike ja haben, um damit zu fahren, wo normal nichts mehr geht: im Winter speziell auf schmal ausgetrampelten Schneepfaden, hart gefrorenen Pisten, tückischen Eisplatten, tief verschneiten Forststraßen, sulzigen Rinnen und matschigen Wegen.
Gelegenheiten für all das und noch viel mehr boten die Trails und das Wechselbad der Temperaturen in den Kitzbüheler Alpen genug. Zögerlich erst, immer sicherer dann, tasteten wir uns an die neuen Grenzbereiche heran.

Ein kurzes Zupfen an der hinteren Bremse, und schon rutschte man kontrolliert durch die Kehren (slide, don't ride ;) - unterm Schnee halb verborgene Wurzeln waren den dicken Gummis – auch bereits den 3,8 Zoll „schmalen“ – völlig egal; durch den Tiefschnee pflügten die Dinger spurtreu wie ein Autobus (ebenso sicher schnellte aber auch der Puls ans Maximum); und so lange das weiße Gold halbwegs kühl und das Bike kurz übersetzt (wegen dem lockeren, runden Tritt wär's) war, stellten auch verschneite Anstiege kein Problem dar.

Drei willkürlich ausgewählte Testmodelle im Detail
  • Salsa Beargrease Carbon 1
€ 3.399,-
    Salsa Beargrease Carbon 1
    € 3.399,-
  • Norco Bigfoot 6.1
€ 1.700,-
    Norco Bigfoot 6.1
    € 1.700,-
  • Borealis Echo XX1
€ 7.499,-
    Borealis Echo XX1
    € 7.499,-

Je wärmer es wurde, desto schwieriger war es, die Fuhre kontrolliert nach unten, oben oder geradeaus zu bewegen; umso lustiger gerieten allerdings auch im Gegenzug unsere Surfeinlagen und Ausritte in die Horizontale.

Wo durch die zum Schluss bereits sehr matschigen Schneereste die Erde durchkam, herrschten sodann fabelhafte Traktion und eine unglaubliche Leichtigkeit des Seins. Kein Versinken, Wegschmieren, Steckenbleiben – Schlammpassagen, Gatschlöcher: völlig egal!

Fazit

Unser Eindruck nach zwei Tagen auf dem Lisi Osl-, Gaisberg- und Fleckalmtrail sowie dazwischen: Physikalische Wunder können diese Räder auch keine bewirken. Aber unter o.a. Bedingungen so viel mehr Spaß machen und Vorwärtskommen garantieren, dass man aus dem Grinsen, Staunen und Selbstbewusstsein Sammeln gar nicht mehr herauskommt.
Oder um es mit den Worten von Marathon-Racerin Karin Daschner zu formulieren: „Für mich war das Fahren über die rutschigen Wurzeln eine Offenbarung. So viel Grip – ein Wahnsinn!“
Darüber hinaus ist es extrem spannend, nach so vielen Jahren am MTB wieder mal etwas völlig Neues zu erleben und zu erfahren. Ob die Fatbikes den Sprung vom Nischen- zum Volumsmodell schaffen werden, sei dahingestellt. Das Zeug zum lustigsten Trend seit langem haben sie allemal.

Offseason-Fan Kurt Exenberger und Ganzjahres-Enthusiast Sepp Berger sehen das übrigens ähnlich. Und werden angesichts der vielen, lachenden Gesichter 2016 sicher wieder ein Fatbike Festival organisieren. Same time, same station und mindestens genauso fein, aber vermutlich nicht mehr ganz so klein!




Ergebnis 1 bis 3 von 3
  1. #1
    früher mal Weltmeisterin Avatar von NoMan
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    1.543

    Fatbike Festival Kirchberg

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  2. #2
    Registrierter Benutzer Avatar von gonzoburg
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    Wien
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    38
    Ich als Teilnehmer wäre interessiert an weiteren Bildern.
    Gibt es eine Möglichkeit zu weiteren zu gelangen?

  3. #3
    Admin Avatar von NoSane
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    am besten eine PM an mich schicken...