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Buchsteinrunde

Wo sportlicher Anspruch auf Bilderbuch-Landschaften trifft. In den Bergen hoch über den wilden Wassern von Salza und Enns.
Text: NoMan Fotos: NoSane

Wir sind in unserem Leben wahrlich schon schlechter empfangen worden als von Paul Guttmann, Hausherr des Gasthof Hensle in St. Gallen in der Grünen Mark. Obwohl sein Betrieb Ruhetag hatte, wurde extra für uns der Kochlöffel geschwungen und köstliches Gulasch serviert. Und obwohl der Abend danach definitiv nicht mehr jung war, hat uns der umtriebige Wirt anschließend noch in „sein Wohnzimmer“ tief unter der Erde gebeten. Denn auch, wenn „MTB 1“ am Nummernschild seines Autos steht: Die wahre Leidenschaft des Paul Guttmann gehört dem Wein.
Nun, am Beginn unserer Dreitages-Tour durch Eisenwurzen und Gesäuse, sind wir jedoch geneigt, diese nächtliche Aufwärm-Runde leise zu verfluchen. Allerdings währt der Anfall nur so kurz, wie der erste Anstieg hinüber in die Unterlaussa dauert. Danach sind die edlen Tropfen aus dem schmucken Keller endgültig verdampft und unsere Köpfe wieder so klar und frisch wie die kühle Herbstluft, die uns umgibt.

MTB-touristisch betrachtet, bewegen wir uns auf geschichtsträchtigem Boden. Als 1998 mit der Alpentour Österreichs erste beschilderte Etappenstrecke aus der Taufe gehoben wurde, waren der Gasthof Hensle in St. Gallen und der Stiegenwirt in Palfau, unsere heutigen Start- und Zielorte, bereits mit von der Partie. Und auch als es jüngst darum ging, regionale Nachfolgeprojekte für den seit Herbst 2010 nicht mehr zentral verwalteten MTB-Weitwanderweg auf die Beine zu stellen, bewiesen die beiden erneut Engagement. Sie holten den Kölblwirt mit ins Boot, überarbeiteten eine bestehende Zweitages-Tour und kombinierten sie mit der Johnsbacher Almrunde zur „Buchsteinrunde neu“ (die deshalb auch nur in Teilen mit jener Buchsteinrunde übereinstimmt, die beispielsweise auf bergfex.at zu finden ist, Anm. d. Red.).
Für uns heißt das einerseits, dass uns auf unserem Weg „durchs Xeis“ die persönliche Betreuung und Hilfsbereitschaft echter Pioniere sicher sind. Andererseits bringt die Neuauflage der Buchsteinrunde auch eine gediegene sportliche Herausforderung mit sich - nämlich bis zu 2.000 Höhenmeter am Tag.

Entlang sprudelnder Wasser, durch tiefgrüne Wälder und unter turmhohem Kalk geht unsere Fahrt durch die beeindruckende Landschaft der Ennstaler Alpen. Schilder mit der Aufschrift BSR und GPS-Koordinaten weisen uns den Weg hinauf zur Pflegeralm und über den Erbsattel wieder hinunter zum Schloss Kassegg. Die mächtigen Mauern und der riesige Schlosspark dieses Hotels schreien förmlich nach einer kurzen Fahrtunterbrechung. Nach Besichtigung von Rittersaal & Co. geht's weiter zur tiefgrünen Enns.
Kurz gewährt uns die türkise Salza Geleit, dann folgt mit dem Anstieg auf die Bergbauernalm die nächste Bergwertung. Rund 750 Höhenmeter in drei Stufen - eine gute Übung für die 700 am Stück, die uns am nächsten Tag zur Hochscheibenalm erwarten. Umso verdienter wäre oben die Einkehr in der Naturfreunde-Hütte – wenn diese Ende Oktober noch geöffnet hätte.

Auch am nächsten Tag sind Raststationen in luftigen Höhen rar gesät. Sowohl die Köpplalm als auch die Hochscheibenalm sind nicht bewirtschaftet. Dennoch lohnen die Auffahrten auf jeweils knapp unter 1.200 m Seehöhe ungemein, und für das leibliche Wohl ist auch in den zwischenliegenden Ortschaften bestens gesorgt. Umgeben von beeindruckender Stille und herbstlicher Farbenpracht, schieben sich immer wieder Buchstein, Tamischbachturm und Hochtor ins Blickfeld, aus manchen Blickwinkeln auch der Lugauer, wegen seiner markanten Form gelegentlich das „Steirische Matterhorn“ genannt.
Dazwischen wartet mit der wildromantischen Nothklamm ein weiteres Naturjuwel. Tief hat sich hier der tosende Gamsbach in den schroffen Fels gegraben, und würde angesichts des Tagespensums nicht die Zeit ein wenig drängen, wäre ein Abstecher auf die 700 m lange Steiganlage oder auch in die nahe liegende Kraushöhle durchaus empfehlenswert.

Mit Johnsbach und seinem berühmten Bergsteigerfriedhof erreichen wir das Herz des Gesäuses. Schon in Gams oder Gstatterboden hätten geologische Zentren ausführlich über die Besonderheiten dieses 16 Kilometer langen Durchbruchtals der Enns und seiner früheren Bedeutung für die Erzgewinnung, Holztrift und Köhlerei informiert. Nun erradeln wir uns das besondere Flair dieser Gegend auf unserem Weg über drei (diesmal bewirtschaftete) Almen und durch die bizarren Felsformationen des eigentlichen "Xeis" einfach selbst.
Leider ist der Abschluss der Buchsteinrunde mit Ausnahme des Buchauer Sattels sehr Asphalt-lastig, auf Singletrails hofft man bis zuletzt umsonst. Dafür bleibt auf den Forststraßen viel Zeit und Muße für Naturbetrachtungen und Plaudereien. Somit ist diese Runde wie geschaffen für einen Ausflug mit Freunden. Die geringe Maximalhöhe prädestiniert sie außerdem für das frühe Jahr oder den späten Herbst. Und zu guter Letzt kommen dank Gepäckservice, Abkürzungsmöglichkeiten und der zum Shutteln bereiten Wirte auch Biker mit weniger strammen Waden mit.

Alle Infos zur Buchsteinrunde

Kurzbeschreibung: Bestehende Strecken und neue Wegabschnitte im Nationalpark Gesäuse und dem Naturpark Eisenwurzen wurden zu einer dreitägigen Runde mit Abkürzungsmöglichkeiten (u.a. auch auf 2-Tages-Tour) zusammengefasst. Endlose Wälder an spektakulären Berghängen und kristallklares Wasser in zahllosen Bächen prägen das Landschaftsbild im Dreieck zwischen den etablierten Fixpunkten der ehemaligen Alpentour, St. Gallen und Palfau, sowie Johnsbach, dem Kerngebiet des "Xeis". Gefahren wird vorrangig auf Forststraßen, v.a. am Anfang und Ende wartet auch manch Meter Asphalt.

Eckdaten: Dreitagestour mit 147 km/4.700 Hm, höchster Punkt 1.272 m (Ebneralm)

Beste Reisezeit: April - Oktober 

1. Etappe
  • Streckendaten: 55 km/1.809 HmStreckenverlauf: St. Gallen/GH Hensle - Dörfl - entlang Laussabach durch Unterlaussa - Weißenbach an der Enns - entlang Südufer über Vorau, Mitterau, Hinterau auf Pflegeralm - Erbsattel - Großreifling - Ennsbrücke - Bergbauern-Lackneralm - Palfau/StiegenwirtDownload GPS-Track 

    Streckendaten: 55 km/1.809 Hm

    Streckenverlauf: St. Gallen/GH Hensle - Dörfl - entlang Laussabach durch Unterlaussa - Weißenbach an der Enns - entlang Südufer über Vorau, Mitterau, Hinterau auf Pflegeralm - Erbsattel - Großreifling - Ennsbrücke - Bergbauern-Lackneralm - Palfau/Stiegenwirt

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2. Etappe
  • Streckendaten: 49 km/2.012 HmStreckenverlauf: Palfau/Stiegenwirt - Salza-Brücke – Köpplalm – Krautgraben – Nothklamm – Gams bei Hieflau – Radstatthöhe – Mooslandl – Lainbach – auf B 115 nach Hieflau – Ennsbrücke – Hochscheibenalm – Gstatterboden – auf B 146 durchs Gesäuse bis Bachbrücke – Johnsbach/Kölblwirt Download GPS-Track

    Streckendaten:
    49 km/2.012 Hm

    Streckenverlauf: Palfau/Stiegenwirt - Salza-Brücke – Köpplalm – Krautgraben – Nothklamm – Gams bei Hieflau – Radstatthöhe – Mooslandl – Lainbach – auf B 115 nach Hieflau – Ennsbrücke – Hochscheibenalm – Gstatterboden – auf B 146 durchs Gesäuse bis Bachbrücke – Johnsbach/Kölblwirt

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3. Etappe
  • Streckendaten: 48 km/1.230 HmStreckenverlauf: Johnsbach/Kölblwirt - Ebnerkreuzung ? durch Teufelsklamm auf Kölblalm ? Ebneralm ? Zeiringeralm Ebnerkreuzung ? auf Asphalt bis B 146 ? Gesäuse ? über Schwaighof nach Weng ? B 117 ? Rabisbacheralm (Buchauer Sattel) ? B 117 bis St. Gallen/GH HenslewirtDownload GPS-Track 

    Streckendaten:
    48 km/1.230 Hm

    Streckenverlauf: Johnsbach/Kölblwirt - Ebnerkreuzung – durch Teufelsklamm auf Kölblalm – Ebneralm – Zeiringeralm Ebnerkreuzung – auf Asphalt bis B 146 – Gesäuse – über Schwaighof nach Weng – B 117 – Rabisbacheralm (Buchauer Sattel) – B 117 bis St. Gallen/GH Henslewirt

    Download GPS-Track 

Einkehrtipps:
Bergbauern-Lackneralm (an Wochenenden v. Mitte Mai – Okt.) 0664/6178 236
Kölblalm (Mitte Mai – Ende Sept.) www.koelblwirt.at
Ebneralm (Juli – Sept. tgl. sonst Wochenende) 0664/3441 188
Zeiringeralm (Juni – Sept. tgl., Okt. Wochenende) 0664/2131 766

Sehens- & Besuchenswert: Burg Gallenstein, Wasserspielpark Eisenwurzen, Schloss Kassegg, Nothklamm, Kraushöhle, GeoZentrum Gams, Freizeitpark Landl, Nationalpark Pavillon Gstatterboden, Bergsteigerfriedhof Johnsbach

Bike-Shop:
Bici Sport Trantura, 8933 St. Gallen, 0664/311 32 35, www.bici-sport.at
Pörl-Sport, 8911 Admont, 03613/21521, www.poerl-sport-shop.at

Package-Angebot: 3 Übernachtungen plus Tourenkarte, Leih-GPS, Gepäcktransport, versperrbare Radgarage, Dusche am Abreisetag, Parkplatz
€ 175,- (DZ) bzw. € 199,- (EZ) pro Person mit Frühstück
€ 215,- (DZ) bzw. € 239,- (EZ) pro Person mit Halbpension

Buchung: direkt bei den teilnehmenden Betrieben

Nächtigung:
Gasthof Hensle, 8933 St. Gallen, 03632/7171, www.hensle.at
Stiegenwirt, 8923 Palfau, 03638/219, www.stiegenwirt.at
Kölblwirt, 8912 Johnsbach, 03611/216, www.koelblwirt.at




Ergebnis 1 bis 2 von 2
  1. #1
    früher mal Weltmeisterin Avatar von NoMan
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    Buchsteinrunde

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  2. #2
    Registrierter Benutzer Avatar von daybreak
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    537
    Ich liebe die Gegend innig (ursprünglich eher wegen der Bergsteig-/Klettermöglichkeiten) und kann daher nur jedem wärmstens abraten

    Aber eins muss man sagen: Mountainbikefreundlich ist man im Gesäuse nicht. Die beschilderten Strecken kann man an einer (teilamputierten) Hand abzählen, und so rabiat wie von der Forststrasse zum Buchsteinhaus bin ich noch nie von den grünen Freunden verscheucht worden ... zugegeben, ist ein Naturschutzgebiet, aber Forststrasse ist Forststrasse.