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Ortler Alpine Super Trails

Ortler Alpine Super Trails

16.05.22 05:29 1.566Text: Markus Stern (Story), NoMan (Infokästen)Fotos: Markus EmprechtingerHoch, höher, Ortlergebiet! Vier intensive Tourentage auf den Signature-Trails und unbekannteren Wegen des mächtigen Südtiroler Gebirgsmassivs. Ein epische Reise samt Wintereinbruch, fantastischen Panoramen und trockenen Socken - oder auch nicht ...16.05.22 05:29 2.464

Ortler Alpine Super Trails

16.05.22 05:29 2.4645 Kommentare Markus Stern (Story), NoMan (Infokästen) Markus EmprechtingerHoch, höher, Ortlergebiet! Vier intensive Tourentage auf den Signature-Trails und unbekannteren Wegen des mächtigen Südtiroler Gebirgsmassivs. Ein epische Reise samt Wintereinbruch, fantastischen Panoramen und trockenen Socken - oder auch nicht ...16.05.22 05:29 2.464

„Hochalpine Trails der Superlative. In dieser Woche überschreiten wir die 3000er-Marke mehrmals.“
So die Ankündigung des Veranstalters flat.sucks und Chef bzw. Guide Markus.
Dass der Ort, an dem wir diese Höhenflüge erleben dürfen, zudem höchst geschichtsträchtig ist, erfahren wir erst, als wir am Blut- und Eisenberg stehen ...

Biken am Ortler

Nachdem dieser Klotz von einem Berg nicht nur in Bergsteigerkreisen ein Begriff ist, kann sich das Ziel der Reise auch unter Bikern sehen lassen. Ob unsere Erlebnisse der Woche, analog zu ihrem Titel, auch in die Superlativen gehen werden? Wir werden sehen ... und am Ende des Artikels werdet auch ihr dann wissen, wie es uns ergangen ist.

Das Ortlergebiet befindet sich zwischen dem Vinschgau und Bormio. Der Weg zum höchsten Gipfel Südtirols führt durch einen der größten Nationalparks Europas und über den höchsten Straßenpass der Ostalpen - das Stilfser Joch, welches uns als Ausgangspunkt dient.
Ausgehend von der Tibet-Hütte, die auf einer Höhe von 2.800 m.ü.A. liegt, werden wir Bekanntschaft mit ein paar der schönsten Mountainbike-Trails im Ostalpenraum machen. Schon die Namen dieser Wege lassen unsere Trailherzen bei der kurzweiligen Anfahrt vom Stubaital höher schlagen. Nicht alle Tage fährt man auf Pfaden mit so klingenden Namen wie Tibet-, oder Goldseetrail.

 5 x über 3.000 Meter 

Wenn das keine Ansage ist ...

Gleich bei der Ankunft werden wir beim Parken unserer Bikes von jeder Menge Winterausrüstung im Abstellraum unseres Hotel überrascht. "Wo sind die Fahrräder dieser unbekannten Mitbewohner versteckt?" fragen wir uns, als wir die beeindruckende Mengen an Skiern sehen.
Erst später wird sich herausstellen, dass die Ausrüstung zum japanischen Nationalteam gehört, das hier oben sein Sommertraining absolviert.
Und hier sollen wir biken ? Flat.sucks und deren Ideen ... naja, wir werden ja sehen!

In der Nacht überrascht uns leichter Schneefall, und das im August. Plötzlich scheint es uns viel klarer, was das japanische Skiteam hier zu suchen hat. Dieses wiederum staunt ebenfalls nicht schlecht, als wir mit den Bikes aus dem Skistall kommen!
Es geht also eher ungemütlich und eisig los, aber nach ein paar Höhenmetern zum Schieben ist am Einstieg dann doch jedem warm - zumindest ein bisschen.
Im Tagesverlauf werden wir noch durch tief winterliche Landschaften unsere Bikes tragen und von Temperaturen überrascht werden, mit denen niemand von uns gerechnet hat; aber man wächst ja bekanntlich mit seinen Aufgaben.

Hochsommerliche Wintergrüße

Zum Auftakt machen wir früh morgens Bekanntschaft mit dem oberen Teil des Goldseetrails, der sich uns in winterlichem Weiß und in tieferen Höhenlagen in einem eigentümlichen Braun-Gold präsentiert. Daher wohl auch der Name des Trails.
Nach den ersten, vierstelligen Tiefenmetern geht es in weiterer Folge noch aufs Madritschjoch. Auf über 3.000m ü. A. gelegen, erreichen wir mittels Schieben und einer Schneewanderung mit geschulterten Bikes endlich das Joch, wo uns ein eisiger Wind in Orkanstärke begrüsst.
Aufgrund der massiven Winde ist das Joch selbst stellenweise schneefrei und unsere Füße bleiben trocken.
„No wet socks mit flat.sucks“, meint lakonisch ein Teilnehmer unserer Runde mit zitternder Stimme. Ein Leitspruch, der uns die nächsten Tage begleiten und noch einige Male zum Lachen bringen wird - aber dazu später mehr.

Hinter dem schneefreien Gipfel erwartet uns eine ordentliche Schneewechte und ein vom Wintereinbruch angezuckerter Trail.
Nach einer erklecklichen Menge Schnee, Eis und Matsch erreichen wir schließlich die Zufallhütte, auf der uns sensationelles Hirschgulasch serviert wird.
Gut gestärkt, biken wir auf feinen Trails vorbei am Zufritt-Stausee und durch das schier unendlich wirkende Martelltal, bis wir nach einem langen Tag im Hochgebirge wieder in der Zivilisation ausgespuckt werden.

Bei diesem Trip wird das Nützliche mit dem Angenehmen verbunden, denn zurück zum Stilfser Joch bringt uns ein Shuttle-Dienst. So können wir auf der Rückfahrt das Erlebte schon mal Revue passieren lassen und etwas fachsimpeln.
Morgen werden wir zu Grenzgängern: Piz Umbrail is waiting!

Doch bevor wir losstarten, gesellt sich noch ein trailaffines weibliches Wesen zu unserer männlich dominierten Gruppe. Vivian reist mit so wenig Gepäck an, dass wir uns allesamt fragen, wie sich das wohl ausgeht mit der großen Kälte und der kleinen Tasche, die da im Hotelflur steht.

Ab in die Schweiz

Top fit dank eines ausgiebigen Frühstücks geht es am nächsten Morgen also los mit einem kleinen Ride hinunter auf den Umbrailpass, um dort die Bikes zu schultern und sie auf den Piz Umbrail zu tragen.
Mit warmen Sonnenstrahlen im Gesicht ist dieser Tag gefühlt schon deutlich angenehmer als der vorherige.
Vorbei an einer ewigen langen Geröllpassage durchsteigen wir einen Klettersteig. Alle packen ihren Gleichgewichtssinn aus, um das Bike am Rücken nicht zu verlieren, da die Hände am Stahlseil Halt finden müssen.

Überwältigt von der 360° Rundumsicht am Gipfel, überrascht uns der Shared-Trail-Gedanke auf den italienischen und Schweizer Wegen. Gleich am Gipfelkreuz wird auf Tafeln an den gegenseitigen Respekt zwischen Bikern und Hikern erinnert.
Die nordgerichtete Abfahrt führt uns über eine unendlich wirkende Hochebene zum Lai da Rims, der mit seinen Reizen nicht gerade geizt und uns sein schönstes Blau zeigt. An dem kitschig schönen Bergsee vorbei biken wir geradewegs zum Mittagessen in Santa Maria.

Mit aufgefüllten Energiereserven zurück am Umbrailpass, geht es am Nachmittag auf die Bocchetta di Forcola.
Der Trail schlängelt sich durch eindrucksvolles Gelände langsam nach oben. Vorbei an Militäreinrichtungen aus dem ersten Weltkrieg, welche die Nachschublinie zur ehemaligen italienischen Frontlinie bildeten, wechseln wir über eine Hochebene mit kurzen Uphills zur Bocchetta di Pendenolo.
Ab hier geht’s rasant über einen Flowtrail, der schon vor über 100 Jahren terassenähnlich im steilen Gelände angelegt wurde und heute u.a. auch für Biker paradiesische Bedingungen offeriert.
Vorbei am Lago di Cancano wartet noch ein kleiner Uphill unterhalb des Monte delle Scale auf uns, um nach einem gefühlt ewig langen Tag endlich den letzten Downhill in Angriff zu nehmen.

Nach sehr viel trockener Luft, die wir bei strahlendem Sonnenschein auf über 3.000 m.ü.A. und fast 4.000 Tiefenmeter Abfahrt eingeatmet haben, schmeckt das Bier bei Sonnenuntergang in Premadio besonders gut. Da sind auch die Passagen, in denen Schwindelfreiheit von Vorteil war, schnell vergessen.

 Wet socks ohne flat.sucks 

Oh, verflixt!

Kurz hat uns der Guide nicht im Blick, schon kommt einem in der Gruppe die Idee, ein letztes Bier im Shuttlebus zu konsumieren. Dass dies ob des "geschüttelten" Transports nicht die beste Idee ist, werden wir wenig später bei einer Bierdusche bemerken.
Nach überstandenen Eis- und Schneepassagen läuft uns jetzt doch allen Ernstes das Bier in die Socken. "Wet socks ohne flat.sucks", sozusagen.

Dass wir uns in einem geschichtsträchtigen Gebiet bewegen, war uns die letzten Tage schon bewusst geworden. Dass wir aber auf der dritten Etappe einen Berg, der als „Blut- und Eisenberg“ in die Kriegsgeschichte einging, mit den Bikes erklimmen werden, wurde uns erst an der Informationstafel am Weg klar.
Man kann nur erahnen, was sich in den Kriegsmonaten hier ereignete und woher der Name stammt. Surreal, dass wir über 100 Jahre später Gerätschaften aus Carbon und Aluminum nach oben schleppen, die damals noch niemand kannte – nur, um unserem Hobby nachzugehen, von welchem man zur damaligen Zeit maximal zu träumen wagte.

Der Blut- und Eisenberg

Der Monte Scorluzzo, nahe der Schweizer Grenze auf italienischem Staatsgebiet gelegen und mit gutem Blick auf das Stilfser Joch, war während des Ersten Weltkriegs ein strategisch wichtiger Ort und mithin – wie so viele weitere Alpengipfel – Frontschauplatz des Gebirgskrieges zwischen Österreich-Ungarn und Italien. Zu Kriegseintritt der Italiener von den Alpini besetzt, wurde der 3.095 m hohe Berg im Juni 1915 überraschend von einer kleinen Schar – Wikipedia spricht von 29 – Kaiserschützen gestürmt und bis zum Kriegsende gehalten.
Reste von Schützengräben, Stacheldrahtverhauen und Kavernen zeugen bis heute von den grausamen Vorgängen, welche dem Monte Scorluzzo im Soldatenjargon rasch den Beinamen „Blut- und Eisenberg“ einbrachten. Nachdem die Gebirgstruppe der österreichisch-ungarischen Monarchie Anfang November 1918 befehlsgemäß abgerückt war, fiel der Berg, den sie zuvor dreieinhalb Jahre lang vergeblich zu erobern versucht hatten, an die italienischen Gebirgsjäger zurück.

Der Gipfel des Monte Scorluzzo bietet uns erneut ein wunderbares 360° Panorama und wir können schon unseren Trail-Grat erkennen, der uns in das verfallene Soldatendörflein Filone del Mot führt. Von hier aus werden wir einen durchaus technischen Trail zum ehemaligen Casino dei Rotteri in Angriff nehmen
Die rasante Abfahrt nach Bormio gebietet es, die Bremsen keinen einzigen Moment außer Acht zu lassen.
Im bekannten Wintersport- und Skiweltcup-Ort angekommen, genießen wir nach so viel Geschichte erst mal eine Pizza und legen uns in die Sonne.

Die Bormio3000-Bahn bringt uns nach dieser genüsslichen Pause ganz entspannt auf die Lima Bianca, von der wir unsere nächsten Tiefenmeter unter die Stollen nehmen.
Hinunter zur Bocca di Profa und weiter bis Santa Catarina- was für ein rasanter und flowiger Ride durch ganz unterschiedliches Gelände! Anfangs durch Steinwüsten, dann über Wiesengelände merkt man, dass das ein oder andere Bike nach mehr als 10.000 Tiefenmetern anfängt, ungewollte Spompanadeln zu machen und vereinzelt Platten auftreten. Die sind aber schnell repariert, denn es wartet ja ein gekühlter Aperol-Spritz in Bormio, den wir natürlich nicht auslassen wollen.

Zum Abschluss nach Tibet

Der letzte Tag bricht mit einem atemberaubenden Sonnenaufgang an und die Regenwolken der vergangenen Nacht verziehen sich schnell.
Die zerrissene Wolkendecke gibt den Ortler noch einmal in all seiner Pracht frei, und wir sehen den Anfang des Tibet-Trails, der unmittelbar bei unserer Unterkunft, der Tibethütte, startet.
Tiefenmeter um Tiefenmeter auf diesem bekannten MTB-Aushängeschild bringen uns näher nach Trafoi, um unweit des urigen Bergdorfs auf der Furkelhütte unser Mittagessen zu genießen.

Über wunderbares Almengelände führt uns der Abschlusstrail auf einer Länge von mehr als 16 Kilometer zu unserem finalen Ziel nach Prad. Am Weg dorthin übersteigen wird noch einige Baumstämme und Weidezäune. Auch vor dem einen oder anderen Platten bleiben Einzelne nicht verschont. Die Tatsache, dass wir beim Flicken der Platten immer den Ortler im Blick haben, entschädigt uns jedoch für jede Pause, die wir einlegen müssen.
Die letzten Bachüberquerungen werden dann schlussendlich barfuß durchwatet, denn hier, auf den finalen Metern, wollen wir doch unserem im Laufe dieser Woche ungebrochenen Leitsatz treu bleiben: "No wet socks mit flat.sucks!"

Danke Markus, für die eindrucksvollen Tage an diesem geschichtsträchtigen Ort!

Details zur Tour

Text und Fotos zu dieser Tourenstory wurden uns von Flat Sucks zur Verfügung gestellt. Ob abendliches Fahrtechniktraining oder mehrtägige Uphill-Flow E-Bike Days und Spitzkehren-Camps; ob Reisen in die Provence, ins Zillertal oder nach Georgien: flaches Gelände hat für die Crew von Flat Sucks wenig Anziehungskraft. Dementsprechend gestaltet sich das Programm der selbständigen Bergführer und Mountainbiketrainer, die ihre geballte Expertise und Leidenschaft für den Bergsport unter eben diesem Namen anbieten.
Der hier beschriebene Ausflug ins Otlergebirge findet auch 2022 wieder statt - wahlweise Anfang (3.-7.) oder Ende August (24.-28.), ganz der Notwendigkeit entsprechend, Trails in über 3.000 m Seehöhe besser im Hochsommer zu befahren. Im Laufe der fünftägigen Etappentour wird dem Trail-Genuss gefrönt, unterstützt von Seilbahnen und eigenem Shuttle-Fahrzeug. Am Programm stehen die schönsten Trails des Ortlermassivs, mit so klingenden Namen wie Goldsee- oder Tibettrail, aber auch manch unbekannterem Gustostück. Solide Fahrtechnik im Bereich S2, s3 und (trotz Shuttle-Unterstützung) Kondition für bis zu 1.000 tägliche Höhenmeter bergauf und über 3.000 bergab sollten vorhanden sein, detto ein Bike der Kategorie Enduro oder All Mountain, Schwindelfreiheit, warme Kleidung und Spaß am Bikewandern.
Die Kosten betragen 950 Euro und beinhalten 4 Ü/HP in der Tibethütte, alle Shuttle-Dienste und Lifttickets sowie 4 Tage Guiding. Detaillierte Infos und Buchung auf www.flatsucks.at


Hoch, höher, Ortlergebiet! Vier intensive Tourentage auf den Signature-Trails und unbekannteren Wegen des mächtigen Südtiroler Gebirgsmassivs. Ein epische Reise samt Wintereinbruch, fantastischen Panoramen und trockenen Socken - oder auch nicht ...
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ist die zeitliche Beschränkung für Radler am Goldsee nun aufgehoben? wenn nicht, dann bitte vergewissern, wann genau der Trail für Radler gesperrt ist. Als wir vor ein paar Jahren oben waren, war bis 1600 Uhr Sperre und wenn ichdran denk, dass selbst um die Zeit  gar net wenig Wanderer noch anzutreffen waren, ist die Sperre nicht umsonst

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vor 15 Minuten schrieb NoNick:

ist die zeitliche Beschränkung für Radler am Goldsee nun aufgehoben? wenn nicht, dann bitte vergewissern, wann genau der Trail für Radler gesperrt ist. Als wir vor ein paar Jahren oben waren, war bis 1600 Uhr Sperre und wenn ichdran denk, dass selbst um die Zeit  gar net wenig Wanderer noch anzutreffen waren, ist die Sperre nicht umsonst

Letztes Jahr gab es Timeslots für Biker und für Wanderer, zumindest am Goldseetrail. Die Shuttles richten sich eh danach, fahren also um etwa 7 Uhr früh mit den Bikern rauf und danach nicht mehr.

 

Probleme mit Wanderern habe ich dort noch nie gehabt. War auch nicht überlaufen von Bikern, manchmal gibt's halt einen Guide mit einer größeren Gruppe. Wobei ich dort immer erst Ende August - Anfang September bin.

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vor 1 Stunde schrieb Frank Starling:

Letztes Jahr gab es Timeslots für Biker und für Wanderer, zumindest am Goldseetrail. Die Shuttles richten sich eh danach, fahren also um etwa 7 Uhr früh mit den Bikern rauf und danach nicht mehr.

 

Probleme mit Wanderern habe ich dort noch nie gehabt. War auch nicht überlaufen von Bikern, manchmal gibt's halt einen Guide mit einer größeren Gruppe. Wobei ich dort immer erst Ende August - Anfang September bin.

Probleme haben/hatten wir auch nicht, solange keine österreicher rumsteigen ;) ich meinte eher, dass es auch zum radln unlustig ist, wenn man alle paar Meter stehen bleiben muß, weil ein wanderer entgegen kommt.

geshuttelt hamma net, sondern sind vorher von Prat die Straße mit ihren gefüllten 8000 kehren hoch getreten 😛.

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