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Ticino Tre Laghi

Ticino Tre Laghi

21.02.22 06:49 6.234Text: Markus SternFotos: Markus EmprechtingerWenn 3T nicht für einen Komponenten- und Bike-Hersteller steht, sondern für Traum-Trails im Tessin. Grenzüberschreitendes und -erweiterndes Enduro-Biken mit Blick auf Lago di Como, Maggiore und Lugano.21.02.22 06:49 6.270

Ticino Tre Laghi

21.02.22 06:49 6.27010 Kommentare Markus Stern Markus EmprechtingerWenn 3T nicht für einen Komponenten- und Bike-Hersteller steht, sondern für Traum-Trails im Tessin. Grenzüberschreitendes und -erweiterndes Enduro-Biken mit Blick auf Lago di Como, Maggiore und Lugano.21.02.22 06:49 6.270

Während es im heimischen Tirol mit den Temperaturen bereits steil bergab geht und das Biken zu einem frischen Erlebnis wird, brechen wir noch einmal zu einem Trip in Richtung Süden auf. Wir, das sind acht Menschen mit Bike, eine zusammengewürfelte Truppe aus unterschiedlichen Himmelsrichtungen und Ländern mit einem gemeinsamen Ziel: Trailspaß pur.
Überraschenderweise sind wir diesmal mehr passionierte Bikerinnen als Biker, und neben dem Guide und seiner Schuttle-Fahrerin überwiegt der Frauenanteil deutlich. Die Herren der Schöpfung fühlen sich deshalb wie die Hähne im Korb und der Titel „Single“-Trails im Tessin bekommt eine ganz neue Bedeutung … aber das ist eine andere Geschichte.
In der Vorankündigung unseres Guides Markus hieß es: „Enduro-Biken auf den besten Trails der südlichen Tessiner Region im Bereich von Lago Maggiore, Lago di Lugano und Lago di Como.”
So weit, so vielversprechend. Aber erst am Ende der bevorstehenden Woche werden wir wissen, ob die Reise dieser Ansage gerecht wird.

Vorspiel

Den ersten Stopp legen wir bereits bei der Anreise ein. Von Lumino geht es mit einer nostalgischen kleinen Seilbahn zum Ausgangspunkt unserer ersten Trail-Tiefenmeter, dem Monte di Sauru. Klein, versteckt, aber sehr flowig, wird dieser Prolog zum Auftakt in die Woche. Dem noch namenlosen Downhill geben wir den treffenden Namen "Empi-Log", in Anlehnung an den Nachnamen unseres Guides und Fotografen Markus Emprechtinger.
Zurück am Ausgangspunkt, hat das Trailfieber nun auch den Letzten gepackt und das Abenteuer kann beginnen.

Ausgehend von unserer ersten Unterkunft in Locarno geht es am nächsten Tag schon früh los, um nach der morgendlichen Shuttle-Fahrt auf den umliegenden Trails etliche Steinstufen und Laubwaldabschnitte unter die Stollen zu nehmen.
Zurück von der Vormittagsrunde, wartet gleich der nächste Uplift auf die Cimetta. Die Haustrails von Locarno sind echt eine Klasse für sich!
Unsere fragenden Blicke nach den Gründen für die quer montierten Sessel der Seilbahn werden alsbald von der grandiosen Aussicht auf den Lago Maggiore beantwortet. Eine Idee, die man bei heimischen Seilbahnern vergeblich sucht.
Uns kommt der Sager "Wer hat's erfunden? Die Schweizer!" in den Sinn.

Urban Downhill

Am Gipfel der Cimetta angekommen fahren wir, nach dem Genuss der Tiefblicke zum Lago Maggiore, auf abwechslungsreichen und flowigen Trails talwärts. Ob Farnwiesen oder steinverlegte Stufen: Es wird fast alles mitgenommen, was uns unter die Räder kommt.
Vorbei an menschenleeren Steindörfern und durch enge Gassen, die uns wieder einmal der guten alten Zeiten gedenken lassen, als die Lenker schmal genug waren, um hier anstandslos durchzufahren ... Das grande Finale bietet die vielleicht längste Treppenabfahrt der Schweiz mit über 300 Höhenmeter Stufen.
Auch der Ride durch die angrenzenden Restaurants knapp oberhalb von Locarno wird mit einem Lächeln quittiert und scheint niemanden zu stören. Biker sind hier willkommen.
Nach gefühlt Tausenden Treppenstufen sind wir dem Getränk eines englischen Spezialagenten gleich: geschüttelt, nicht gerührt. Dennoch is keinem von uns mehr das extra breite Grinsen im Gesicht zu nehmen - genauso wenig wie das obligatorische Getränk am Stadtplatz.

 Geschüttelt, nicht gerührt 

Nach dem Cimetta-Downhill sind wir dem Getränk eines englischen Spezialagenten gleich

Am nächsten Morgen geht’s zum Monte Tamaro - ein Berg, der uns auf diesem Trip noch ein zweites Mal sehen wird. Die Bahn mit ihren kleinen Gondeln und Sitzbänken aus einem Guss bringt uns schnell auf die Alpe Foppa.
Ab hier wird getreten und geschoben, je nach Willensstärke und Beinpower. Die Auffahrt zur Capanna Tamaro ist kurzweilig und steil. Dass das Ziel von Anfang an sichtbar ist, macht den Anstieg nicht leichter. Oben werden wir dafür mit Tessiner Spezialitäten wie der Tessiner Polenta überrascht. Würzig und ob des vielen Käses auch nicht die leichteste Kost, aber nun geht es ja tendenziell bergab. Oder kommt doch noch ein Cross Country? Wir trauen unserem Guide nicht so ganz …

Im Labyrinth der Seen

Vorbei am Monte Rotondo zweigen wir vor dem Monte Tamaro ab und biken über schier unendlich wirkende Trails in Richtung Lago Lugano. Freies Steppengelände und Wälder wechseln einander ab und das Trailherz kommt aus dem Aufregungsmodus gar nicht mehr heraus. Auch die super geshapten Trails der Black Deer Project-Community lassen den Puls aufgrund der zahlreichen (optionalen) Sprünge nicht wirklich zur Ruhe kommen. Eine richtige Verschnaufpause gibt's erst auf der kurzen Asphaltstrecke zur nächsten Seilbahn auf den Monte Lema.
Am Gipfel liegen uns Lago Maggiore und Lago di Lugano wie zu Füßen. Die atemberaubende Landschaft samt der tief stehenden Nachmittagssonne zwingt uns zu vielen Fotostopps.
Außerdem stellen wir uns des Öfteren die Frage, welcher Wasserarm nun zu welchem See gehört? Hier den Überblick zu bewahren, verlangt schon einen guten Orientierungssinn.

Der Trail beginnt, wie auch am Monte Tamaro, in einem Steppengelände und geht nach rasanter Fahrt über Flowtrails nahezu nahtlos in Birkenwälder über. Der massive Fahrspaß auf diesem Downhill lässt uns die Anstrengungen so mancher blockiger Passage schnell wieder vergessen.
Vom Trailende rollen wir dann quasi direkt in den Gastgarten unserer nächsten Unterkunft. Den Aperol haben wir uns definitiv wieder verdient!

Nach einer geruhsamen Nacht steht sofort die nächste Trailabfahrt bevor: Flow pur hinunter zum Lago di Lugano! Es folgt eine klassische Tessiner Shuttlefahrt: Einen kühlen Kopf bewahren und hoffen, das niemand in der Kurve entgegen kommt …
Danach heißt es in die Pedale treten. Wir wollen zum Rifugio Venini Galbiga, welches uns als Ausgangspunkt für einen epische Trail hoch über dem Comer See dienen soll.
Vorbei an den Stellungen aus vergangenen Kriegen biken wir im Cross-Country-Stil unterhalb des Monte di Tremezzo bis zur eigentlichen Abfahrt.

Steil, steiler, stolz!

Begleitet von ordentlichen Tiefblicken, geht es durch etliche Spitzkehren steil vom Il Dossone nach unten in Richtung Ca' Bianca. Die ein oder andere Stelle lässt so manchen fragend nach deren Fahrbarkeit zurück. Es wird getüftelt, probiert, zurückgeschoben, wieder probiert, geschwitzt ... jede und jeder durchlebt auf diesem Trail so ihre bzw. seine eigene Welt; und dennoch überwiegt am Schluss der Stolz, das Ding gerockt zu haben.
Erst am See angekommen können wir erkennen, durch welch steiles Gelände wir gerade gefahren sind. Unser Ego schiebt an wie ein Kleinkind in der Wachstumsphase. Also haben wir uns auch heute wieder ein Getränk verdient. Jeder einzelne Tropfen des kalten Bieres am Ufer des Lago di Como schmeckt nach dieser epischen Tour.
Unsere trailridende Shuttle-Fahrerin lässt es sich in ihrer Euphorie nicht nehmen, in den sehr sehr kalten Comersee zu springen. Als einzige! Die Herren haben gekniffen.

 Seen, Birken, Steppen 

Auf den Tessiner Traum-Trails immer dabei ...

Am nächsten Morgen starten wir in einen, gelinde gesagt, sehr langen Tag. Das werden wir jedoch erst am Abend feststellen. Begonnen wird mit zwei kürzeren Shuttle-Runs durch Tessiner Dorf-Labyrinthe. Klassische Navigationsgeräte kommen hier schnell ans Limit.
Vorbei an dichten Palmwedeln, spuckt uns der Trail aber dann doch irgendwann an der geplanten Mittags-Location aus. Traditionelle italienische Küche vom Feinsten. An den Preisen ist sofort ersichtlich, dass wir die Schweiz kurz verlassen haben.

Panorama-Cross Country

Nächstes Zwischenziel ist der Passo San Lucio genau an der Grenze. In der kurzen Trinkpause am Pass sehen wir zum ersten Mal unser Tagesziel, das sich in einer gefühlt unendlichen Entfernung fünf Täler weiter am Horizont befindet.
Wir fragen uns noch, ob wir das Ziel ohne Stirnlampen erreichen werden, bevor wir schon mittendrin sind in der aussichtsreichen Cross-Country Etappe. Es sollte dann aber doch noch einige Zeit dauern, bis wir das Tagesziel, die Capanna de Monte Bar, erreichen.
Die weite Landschaft, die Ausblicke und das traumhafte Herbstwetter lassen uns aber schnell die zurückgelegte Entfernung vergessen, und spätestens beim Bier am Ziel wird nur noch gelacht über die Anstrengungen und Hoppalas des Tages.

Auf der im modernen Stil neu erbauten Capanna werden wir nicht müde, den Sonnenuntergang zu genießen; auch nicht, als die Sonne schon längst untergegangen ist.
Am nächsten Morgen begrüßt uns schon früh ein wolkenloser Himmel und wir werden beim Sonnenaufgang von unserem Guide aufgeklärt, woher denn nun die Monte Rosa im selben Gebirgsmassiv ihren Namen hat.

Final Lake-down

Der letzte Tag unseres Trips ist also angebrochen, und es geht gleich früh morgens los mit einem Trail-Feuerwerk. Vorbei am Caval Drossa radeln wir über Flowtrails hinein in Birkenwälder und zügig runter ins Tal nach Rivera.
Von dort gönnen wir uns wieder die Bahn auf den Monte Tamaro, um diesmal den nördlichen Trail Richtung Lago Maggiore zu nehmen.

Diese Seite des Berges begrüßt uns anfangs noch mit sehr technischen, steinigen Trails, die durchaus fahrbar wären, wenn da nicht diese dünne Eisschicht wäre ... egal, kurz geschoben und ab auf den Flowtrail.
Der Weg führt durch endlose Wälder auf eine Wiese überhalb des Lago Maggiore, von der wir noch ein letztes Mal die traumhafte Aussicht genießen können.
Nachdem auch diese Eindrücke gründlichst aufgesaugt sind, führt uns der Carbon-Trail mit Blick Richtung Lago Maggiore nach Magadino. Die Abfahrt ist zwar nie wirklich schwer, aber die unglaubliche Länge lässt uns langsam, aber sicher ermüden.
Ein allerletztes Mal ziehen wir unsere Bremshebel am Seeufer des Lago Maggiore. Markus hat im Vorfeld wahrlich nicht zu viel versprochen. Die Trailwoche endet mit einem 360°-Grinser im Gesicht. Glücklich, dreckig und müde starten wir mit einem Bier in den Abschlussabend.

Details zur Tour

Text und Fotos zu dieser Tourenstory wurden uns von Flat Sucks zur Verfügung gestellt. Ob abendliches Fahrtechniktraining oder mehrtägige Uphill-Flow E-Bike Days und Spitzkehren-Camps; ob Reisen in die Provence, ins Zillertal oder nach Georgien: flaches Gelände hat für die Crew von Flat Sucks wenig Anziehungskraft. Dementsprechend gestaltet sich das Programm der selbständigen Bergführer und Mountainbiketrainer, die ihre geballte Expertise und Leidenschaft für den Bergsport unter eben diesem Namen anbieten.
Die hier beschriebene Ticino Tre Laghi findet auch 2022 wieder statt - wahlweise im Frühling (8.-14.5.) oder Herbst (16.-22.10.), ganz der Eignung des Tessiner Südens als nebensaisonaler Traumdestination entsprechend. Im Laufe der sechstägigen Etappentour wird dem Enduro-Genuss gefrönt, unterstützt von Seilbahen und eigenem Shuttle-Fahrzeug. Am Programm stehen die schönsten Trails hoch über Lago Maggiore, Lago di Lugano und Lago die Como - charakteristischerweise flowig, ewig lang und eher flach. Solide Fahrtechnik im Bereich S2 und (trotz täglicher Shuttle-Unterstützung) Kondition für bis zu 1.000 Höhenmeter sollten vorhanden sein, detto ein Bike der Kategorie Enduro oder All Mountain.
Die Kosten betragen 1.590 Euro und beinhalten 7 Ü/F in täglich wechselnden Unterkünften, alle Shuttle-Dienste und Lifttickets, Gepäcktransfer, 6 Tage Guiding sowie die Anreise ab Innsbruck. Detaillierte Infos und Buchung auf www.flatsucks.at


Hui, sehr schön! :love:

 

Ob man wohl einen GPX-Track zu der Runde bekommen kann?

 

 

edit: bei den ganzen Guiding-Anbietern blick ich irgendwie nicht mehr durch: die hier von flatsucks.at vorgestellte Tour gibts wortgleich auch von bikefex.at - diese wiederum teilen sich diverse Touren mit trailxperience. Gehören die alle zusammen? :confused:

Bearbeitet von romanski
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Hui, sehr schön! :love:

 

Ob man wohl einen GPX-Track zu der Runde bekommen kann?

 

 

edit: bei den ganzen Guiding-Anbietern blick ich irgendwie nicht mehr durch: die hier von flatsucks.at vorgestellte Tour gibts wortgleich auch von bikefex.at - diese wiederum teilen sich diverse Touren mit trailxperience. Gehören die alle zusammen? :confused:

 

Ja ist mir bei so einer Elba Guiding Sache auch schon mal untergekommen. Ob sich die nicht untereinander „Vermieten“ oder so?

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Ja ist mir bei so einer Elba Guiding Sache auch schon mal untergekommen. Ob sich die nicht untereinander „Vermieten“ oder so?

 

Ja, schaut so aus als ob da kooperiert wird. So nehmen sie sich vermutlich gegenseitig die Kunden nicht weg und können trotzdem ein breiteres Angebot auf der Homepage anbieten. Win-Win. :)

 

Gibt eh einige sehr interessante Sachen in deren Angebot: das hier würd mich reizen, und Trans-Provence möcht ich auch schon länger fahren (das ist halt fahrtechnisch und konditionell eine andere Hausnummer, da müsste man ein wenig mehr in die Vorbereitung investieren).

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Ja, schaut so aus als ob da kooperiert wird. So nehmen sie sich vermutlich gegenseitig die Kunden nicht weg und können trotzdem ein breiteres Angebot auf der Homepage anbieten. Win-Win. :)

 

Gibt eh einige sehr interessante Sachen in deren Angebot: das hier würd mich reizen, und Trans-Provence möcht ich auch schon länger fahren (das ist halt fahrtechnisch und konditionell eine andere Hausnummer, da müsste man ein wenig mehr in die Vorbereitung investieren).

 

ja genau, jeder hat seine eigenen Reisen, und vermittelt aber auch Reisen von anderen. 🙂

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