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Werbefuzzi mit Hang zur Selbstüberschätzung. Alter: 43 Größe: 188 cm Schrittlänge: cm Gewicht: 80 kg Fahrkategorie: MTB-Enduro Fahrkönnen: 100% Wald- und Wiesenfahrer am Wochenende ohne Training und sportliche Ziele. Eher untalentiert.
Grafenwörth (NÖ) nahe der Donau. Samstag, 18.5.2013 – 9:00 Uhr. Die Fahnen werden gehisst. Die Mann- und Frauschaft ist in Uniform an Deck angetreten. Das Lager des neuen Flaggschiffs ist voll aufmagaziniert, um dem Ansturm der kommenden Stunden zu trotzen. Der Kapitän betritt das Oberdeck. Alle stehen stramm. Das Kommando ertönt: "Fertigmachen zum Enteeeeeeern!"Auch ich, RICH:ART, das Pulveräffchen (Schifffahrtsbezeichnung für den Burschen, der das Pulver für die Kanonen ranschafft, damit es richtig laut kracht), bin Teil dieses Schauspiels. Mikro & Wiener Schmäh sollen jedoch statt Schießpulver & Kanonenkugeln für eine Bomben-Stimmung sorgen. Aber rücken wir die Szenerie erstmal ins rechte Licht. Das Flaggschiff ist der neue Flagship-Store des „Bis-dato-Online-Händlers“ Bikepirat.at. Der bartlose, zweiäugige, zweibeinige und viel zu sympathische Kapitän ist Anton Schweighofer. In drei Jahren hat sich der frühere IT-Spezialist und dreimalige Iron-Man-Starter von einer „One-Pirat-Show“ zum Captain gemausert, um mit seiner zehnköpfigen Crew die raue See der Bike-Branche zu befahren.
Die gute Anbindung an die See- bzw. Schnellstraßen S5 und S33 waren Grund genug für den gebürtigen Grafenegger, diese Piraten-Bucht mit Hochregal-Höhle zu besetzen. Wien liegt rund 70 Kilometer entfernt, Tulln und St. Pölten steuert man nach 30 Kilometern an. Krems ist mit rund 8 Kilometern Entfernung unmittelbares Piraten-Revier. Kein Wunder also, dass die ersten Landratten bereits eingetroffen sind und den Piraten-Schatz genauer ins Visier nehmen. Unter ihnen auch zahlreiche raubärtige, aber glattbeinige Bikeboarder, die einen gemeinsamen Raubzug ins Kamptal geplant haben. In zwei Gruppen schwärmen sie auf das Kommando des Captains hin aus. Bei den "Veteranen" werden keine Gefangenen gemacht. Wer nicht mithält, wird zurückgelassen. Sogar Reflektor-Armbänder werden ausgegeben, damit die Zurückgelassenen im Straßengraben nächtens gut aufgelesen werden können. Die Gruppe der "einfachen Matrosen" lässt es hingegen ruhiger angehen und labt sich an den landschaftlichen Schätzen des Kamptals ...
4 Stunden und 1.000 Höhenmeter später sollten die Veteranen, um einige Mann dezimiert und mit salzverkrusteten Gesichtern von der peitschenden See, wieder im Hafen beim Bikepirat.at Shop ankern. Die "einfachen Matrosen" hingegen legen gut gelaunt bereits Minuten zuvor an und laben sich an neumodischen, isotonischen Getränken und gepressten, trockenen Kornriegeln, statt an typischem Inländer-Rum mit Schweinshaxe. Einige kümmern sich liebevoll um ihre zahllosen unehelichen Kinder, die in in der Zwischenzeit schon an diversen Puky-Bikes ihr Piraten-Training absolviert haben und nun hungrig auf Beute in Form von Fahrrädern, Rollern und Helmen sind. Prrrrrost – Mahlzeit!
Während sich Alt und Jung also auf ihren Raubzügen befanden, erklärte uns Captain Toni, wie es zu all dem eigentlich kam.___________________________"Wir sind den umgekehrten Weg gegangen."Von digital zu analogStatt den typischen Bikeshop – als Zeichen der Zeit – um eine halbherzige Website zu erweitern, stach der Bikepirat schon zu Beginn mit einem durchdachten Online-Store und angebundener Warenwirtschaft in See. Prompte Lieferungen und positives Kundenfeedback führten rasch zu guten Bewertungen und steigender Beliebtheit bei Online-Käufern (Geizhals benotet heute mit 1.01, bei 91 ungefakten Bewertungen – Piraten-Ehrenwort vom Kapitän).Fake hin oder her, die Geschäfte laufen gut und der Bote fährt mittlerweile täglich mit einem LKW voller Paletten seine Lieferungen aus, statt wie anfänglich mit PKW und VW-Bus. Diesem Trend konnte, laut Aussage der Piraten, auch der harte Winter nichts entgegen setzen. Der Schritt zum Ladengeschäft wurde aufgrund höhere interner wie externer Serviceansprüche, verbunden mit steigenden Absatzmengen, nötig und als logischer Entwicklungsschritt der jungen Firma betrachtet.Aktuell zählt der Piratenschatz rund 10.000 lagernde Produkte. Das Sortiment reicht von High-End-Bikes und -Parts über solide Mountainbikes für unter 1.000 Euro bis hin zu E-Bikes und dem zweiten, wachsenden Standbein „Kiddy-Bikes.at“. Abgerundet wird das Angebot ab sofort mit dem persönlichen Vor-Ort-Service für alle Radtypen inklusive entsprechender Kaufberatung.
________________________________________________„Wir versuchen, die fairen Preise der Online-Shops mit dem Servicegrad der physischen Shops zu kombinieren. So fad das klingt, das Konzept geht bis dato auf.“ Anton SchweighoferService wurde beim Bikepirat.at Opening groß geschrieben. Landratten reisten extra aus Wien und Kärnten an,um sich über das exklusive Material höchst persönlich beraten zu lassen – anschließende Testfahrten auf den 10.000-Euro-Hobeln waren dabei Ehrensache. Andere wiederum suchten neue, bereifte Partner für gelegentliche Ausfahrten am Wochenende oder für den Stadtverkehr.Mehr als zehn Austeller boten in Zelten ihre Waren feil. Alle, denen die bis zu 50 % ermäßigten Bikepirat.at-Opening-Preise noch immer zu hoch waren, hatten schon mit dem Kauf eines Energie-Riegels die Chance auf den Hauptgewinn beim großen Gewinnspiel.
Auftritt Pulveräffchen: Es schlägt 15:00 Uhr. Der Piratenschatz wurde schon im fairen Tauschgeschäft gegen bedrucktes Papier radikal dezimiert. Aber noch gibt es genug Artikel unters Volk zu bringen. Weil Captain Toni vielleicht kein Robin Hood der Seefahrer ist, aber ein großes Herz für Kinder und zukünftige Bikepiraten hat, verschenkt er auch schon mal gerne etwas.Das Pulveräffchen, also ich, erhält hunderte Rechnungsnummern, unter denen es die Gewinner der Hauptpreise zu ermitteln gilt. Zur Seite gestellt bekomme ich zwei angehende Matrosen, die weder lesen noch schreiben können – unbefangene Richter über das Schicksal. DJ Peda sorgt mit dramatischer Musik für die entsprechende Inszenierung vor der Verlesung der Gewinner. Ich beschwöre wie ein Alchimist die Box mit den Rechnungsnummern, bevor einer der Zwerge beherzt eine Nummer zieht.Und so geht´s dahin: Socken, T-Shirts, Helme, Absperrschlösser, Pulsuhren, Kinderroller und ein Mountainbike als Hauptpreis. Die Assistenten erhalten für ihren Einsatz Tretroller überreicht, mit denen sie nun schneller die Befehle an Deck übermitteln können. Ich hingegen muss mich mit einer Banane abfinden – nun ja, der Affe freut sich.
Auch wenn sich die recherchierte Wikipedia-Definition des prototypischen Piraten/Seeräubers (bei Seeräuberei handelt es sich um Gewalttaten, Eigentumsdelikte oder Freiheitsberaubungen, die zu eigennützigen Zwecken unter Gebrauch eines See- oder Luftfahrzeugs auf hoher See oder in anderen Gebieten verübt werden, die keiner staatlichen Gewalt unterliegen) nicht zu 100 % mit jener des Radhändlers deckt, darf man trotz dieses anarchischen Zugangs ausreichend Vertrauen in die Fähigkeiten, Produkte und Servieleistungen von Kapitän Toni und seiner adretten Mannschaft haben.Ich darf an dieser Stelle zu einem österreichischen, musikalischen Kleinkunst-Werk von Alfred Dorfer verlinken (gesungen von Josie Prokopetz), dessen letzter Refrain sich bei der Heimfahrt in meinem Kopf festgesetzt hat. Für alle Ungeduldigen – ab Minute 2 reinhören.In diesem Sinne: Sind wir nicht alle Piraten - Ja, das sind wir schooon!
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