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Panchowheels überarbeitete dieses Jahr sein Portfolio und bietet nun auch neue Aero-Laufräder mit breiten U-Shapes an. Wir hatten Gelegenheit die neuen 50 mm hohen PW50 drei Monate lang zu testen. Eine Glaubensfrage bzw. die schwierige Entscheidung zwischen Clincher und Tubulars gab es in diesem Falle nicht, da der LRS ausschließlich für Schlauchreifen erhältlich ist. Unserem 82 Kilogramm Testfahrer brachten die Tubulars in erster Linie eine erhöhte Pannensicherheit bei Abfahrten, zudem konnten sie wegen der fehlenden Haken an den Bremsflanken sehr leicht gebaut werden. In Zahlen ergeben sich 1.259 Gramm (555 g + 704 g). Neben dem niedrigen Gewicht und dem breiten Felgenprofil von max. 28 mm, wurden die Bremsflanken für ein besseres Bremsverhalten mit Basalt beschichtet. Die Hardfacts entsprechen somit genau dem, was man sich von einem guten, modernen Laufradsatz erwartet.
Ich entschied mich die Continental Attack & Force Kombination (vorne 22 mm und hinten die komfortableren 24 mm) mit Hilfe von Tufo Extreme Klebeband zu kleben. Ich hatte beim ersten Versuch vor 2 Jahren nicht die besten Erfahrungen damit, wollte dem System aber nochmals eine Chance geben und wurde dieses Mal nicht enttäuscht. Die Schlauchreifen-Montage ist zwar aufwendiger und zeitintensiver als bei Clinchern, dafür können Montagefehler - wie beispielsweise ein eingezwickter Schlauch - vermieden werden und das System wird dadurch um noch eine Spur sicherer. Jeder hat schon den einen oder anderen zu schnell montierten Clincher am Start eines Radmarathons platzen gehört, nur weil am Vorabend oder in der Früh gehudelt wurde - das passiert bei den Tubulars definitiv nicht.
Zwei Wochen davor konnte ich die Carbon Clincher eines Freundes testen und war von seinen Laufrädern gar nicht begeistert - ganz anders jedoch von den Panchos. Gute Beschleunigung, kein Streifen der Bremsbeläge im Wiegetritt und ein subjektives schnelles Rollen. Die Freude war sehr groß. So wagte ich gleich mal einen Sprint nach dem anderen, um zu sehen wie steif die Teile wirklich sind: Beschleunigung und Steifigkeit waren top. Neben ihrem niedrigen Gewicht und dem reduzierten Gesamtgewichts meines schweren Aero-Renners (nun nurmehr 7,2 kg), boten die Laufräder noch dazu eine brachiale Brems-Performance, so dass man fast schon Angst hatte, bei zu starker Betätigung der Bremse einen Abgang über den Lenker zu machen. Gerade diese Eigenschaft mag vielleicht für den einen oder anderen zu bissig und aggressiv sein, mir sagt sie jedoch sehr zu. Trotz der schnell einsetzenden Bremsleistung lässt sich die Bremskraft hinten hinaus sehr gut modulieren. Selbst bei Regen bleiben Wirkung und Modulation auf höchstem Niveau, allerdings sind die Bremsen nicht ganz so bissig wie im trockenen Zustand.
Ein Manko in meinen Augen, das mich schon von Anfang an ein wenig störte, ist das asymmetrische Design. Im Stand sieht ein Laufrad immer anders aus als das andere und im Fahren flackert regelmäßig ein weißer Punkt vorne auf - ähnlich einer Warnblinkanlage. Abgesehen davon frage ich mich, warum Panchowheels, so wie die meisten High-End-Hersteller, die Decals nicht in einer komplett schwarzen Variante anbietet. Gerade dieser Tage sollten die Laufräder eher in den Hintergrund treten und das Design des Rahmens betonen. Die Laufräder würde ich zu keinem komplett schwarzen Rahmen fahren wollen, geschweige in einem edlen Maßrahmen von Festka, Pasculli oder Parlee. Die Laufräder sind zwar schön verarbeitet und das matte UD Finish passt zu den meisten neuen Rahmen, aber der weiße rundliche Schriftzug schlägt sich hingegen mit den Logos vieler Rahmen. Davon abgesehen werden weiße Decals auf Laufrädern schnell mal dreckig.Selbstverständlich ist und bleibt das Design eine Frage des persönlichen Geschmacks. Ich für meinen Teil würde mir wünschen, dass nächstes Jahr eine komplett schwarze Variante angeboten wird. Aber genug der optischen Werte, viel wichtiger sind ja doch die Inneren.
Die anfängliche überschwängliche Begeisterung legte sich mit der Zeit und ich fing an die Laufräder wirklich zu testen und deren Schwächen auszuloten. Da nach einem Bremsbelagwechsel auf einmal Brake-Rub auftrat, wollte ich die Speichenspannung überprüfen lassen. Achter hatte ich keinen, aber vielleicht hatte die Speichenspannung auf mysteriöse Weise nachgelassen? Auf Nachfrage beim Hersteller sollte das Vorderrad beidseitig und das Hinterrad antriebsseitig 1.200 N Spannung besitzen; bzw wären maximal 1.300 N erlaubt. Aber wer will das Maximum schon ausreizen? Da in meinem Fall aber gerade mal eine Spannung von knapp unter 1.000 N vorhanden war, erhöhten wir diese auf ca. 1.050 N. Das Ganze passierte nach ca. 650 Kilometern. Da die gefühlte Speichenspannung danach recht hoch war, beließ ich es dabei. Der Brake-Rub ging damit zwar nicht vollständig weg, aber die Steifigkeit war subjektiv besser. Dennoch bilde ich mir ein, dass sie nicht mehr so hoch war wie out of the Box. Die Laufräder beschleunigten nach wie vor gleich gut und auch im Sprint hatte ich ein gutes Gefühl, nur eben störte ein minimaler Brake-Rub. Verglichen mit den Zipp 404 FC oder Mavic Cosmic Carbone sind die PW50 signifikant steifer, aber definitiv nicht so steif wie Mavics aktuelle CC 40T oder CXR 60T. Aber irgendwie muss sich der Gewichtsunterschied auch in der Steifigkeit bemerkbar machen und ich bin der Meinung, dass Panchowheels beim Stiffness-to-Weight-Verhältnis großartige Arbeit geleistet hat. Gleichzeitig verzeihen die Laufräder unruhigere Straßen. Andere, steifere Laufräder geben hier jeden Schlag 1:1 an Rahmen und Gabel weiter, die Panchos schlucken gewisse Schläge besser und machen supersteife Rahmen dadurch eine Spur bequemer. Sehr hilfreich sind hier 24 mm bzw. 25 mm breite Schlauchreifen. Nicht immer sind die schnellen, breiten U-Shape-Profile das Gelbe vom Ei. Denn noch sind nicht alle Rahmen für breite Felgen und Reifen ausgelegt. In meinem Fall ist der 24 mm Schlauchreifen am Hinterrad das Höchste der Gefühle. Denn sogar hier bleibt das eine oder andere Steinchen mal zwischen Profil und Strebe hängen und reibt lautstark an meinem schmal gebauten Aerorahmen. Vor der Umrüstung auf breitete Felgen bzw. Reifen lohnt es sich also in jedem Fall die Rahmenkompatibilität zu prüfen (siehe Cervelo S5 2014 und 2015).
Bezüglich Aerodynamik kann ich nicht viel sagen, auch liegen mir keine Ergebnisse aus dem Windkanal vor. Generell zeigen uns Zipp, Bontrager, Enve und HED, dass die neuen U-Shape-Profile dem V-Shape in fast allen Bereichen überlegen sind. Subjektiv fühlen sich die Laufräder schnell an, sind auf alle Fälle nur wenig seitenwindanfällig und selbst das freihändige Fahren fühlt sich sicher an. Selbst bei starken Windverhältnissen braucht man nie viel Kraft um das Rad zu steuern und hat immer alles unter Kontrolle. Definitiv ein großer Vorteil, wenn man bei Gruppeausfahrten oder in Rennen mit starkem Wind, ruhiger und leichter die Spur halten kann.
Laufräder aus Carbon besitzen ja nicht immer die besten Bremseigenschaften und sind den Alu-Bremsflanken gerade bei Nässe deutlich unterlegen. Mit den PW50 samt Basaltbremsflanken besitzt Panchowheels wirklich ein problemloses Produkt. Die Bremseigenschaften sind out of the Box etwas bissig, werden mit der Zeit aber sanfter und pendeln sich nach einer gewissen Kilometerleistung in einem perfekten Bereich ein. Sehr gut modulierbar, aber im Falle des Falles bringt man wirklich mächtig Bremskraft auf den Hobel und schafft sehr kurze Bremswege. Das Anbremsen von Kehren ist somit sehr effektiv, denn das später mögliche Bremsen führt zu schnelleren Abfahrtszeiten. Meiner Meinung nach ist die Bremsleistung gemeinsam mit dem Gewicht das größte Plus dieses Laufradsatzes. Die Laufräder wurden mit mehreren Bremsbelägen getestet, das Bremsverhalten war immer ähnlich. Am Besten haben sie dennoch mit den originalen Bremsbelägen von Pancho funktioniert, welche nur einen geringen Verschleiß aufwiesen. Ich schaffte mit dem ersten Bremsbelagssatz, welcher noch länger nicht am Limit ist, 2.300 Kilometer. Der Hersteller empfiehlt natürlich die eigenen Beläge zu verwenden, zu welchen ich wegen der besseren Bremsperformance ebenso raten würde.
Meiner Meinung nach ist der Laufradsatz perfekt für den Einsatz bei Radmarathons, im hügeligen und sogar bergigen Gelände gut geeignet. Das geringe Gewicht macht den LRS zu einem Kletterer, die gute Bremsleistung zu einem sehr guten Abfahrer, die aerodynamischen Eigenschaften sind für Flachpassagen zwischen den Anstiegen perfekt und die Tubulars sorgen für ein Höchstmaß an Sicherheit. Also genau das richtige für ordentlich Höhenmeter und flache Rollerpassagen zugleich. Aber auch für nicht allzuschwere Kriteriumfahrer bietet sich der Laufradsatz an. Das geringe Gewicht lässt sich enorm gut beschleunigen und zusätzlich profitiert man von den guten aerodynamischen Eigenschaften. Ich bin mit meinen 82 Kilogram allerdings nicht das Paradebeispiel, für das diese Laufräder gebaut wurden.
Ein solider Laufradsatz mit bester Bremsperformance, guten Komfortwerten, schneller Beschleunigung und großartigen Klettereigenschaften in Folge seines geringen Gewichts. Das Fahrergewicht sollte nicht zu hoch sein, da die Seitensteifigkeit dann schnell an ihre Grenzen gerät. Anzunehmen ist die bessere Aerodynamik im Vergleich zu klassischen V-Shape-Profilen, deutlich spürbar das sichere Handling bei Seitenwind und Gegenwind. Der Allround-Laufradsatz eignet sich besonders für den Einsatz bei Radmarathons, Straßenrennen, Kriterien, sowie für die KOM-Attacke auf deinem Lieblings-Strava-Segment. Die Kompatibilität des Rahmens für die breiten Laufräder und stimmige 24/25 mm Bereifung sollte vor der Montage geprüft werden. Defekte oder ähnliche Probleme hatte ich während der 2.300 Kilometer keine.
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