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Endura Winterbikewear

Endura Winterbikewear

05.01.21 07:44 15Text: Lukas Salzer, NoManFotos: Erwin HaidenWeil gute Kleidung für kalte Zeiten kein Haus kosten muss ... Wir haben eine Primaloft-Jacke sowie Hand- und Überschuhe der Schotten getestet.05.01.21 07:44 3.198

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05.01.21 07:44 3.198 Lukas Salzer, NoMan Erwin HaidenWeil gute Kleidung für kalte Zeiten kein Haus kosten muss ... Wir haben eine Primaloft-Jacke sowie Hand- und Überschuhe der Schotten getestet.05.01.21 07:44 3.198

Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung - abgedroschen, aber wahr. Biken im Winter und die damit einhergehende Kleiderwahl ist ein schwieriges Thema, hat doch jede/r ein unterschiedliches Kälte- und Komfortempfinden. Aus der Fülle an Möglichkeiten das passende Stück zu finden, ist keine leichte Angelegenheit, zumal gute Kleidung meist auch teuer ist.
Wer hat nicht schon enttäuscht festgestellt, in der als ultimativ warm angepriesenen Hose trotzdem zu frösteln? Wer hat nicht schon Lage um Lage über seinen Körper geschichtet und sich nach dem Ankleidemarathon gefühlt wie in Saitling gezwängte Weißwurstbrät? Wer ist nicht schon am Berg vor Hitze explodiert, nur, um bergab alsbald zu zittern wie Espenlaub?
So findet manch großartiges Kleidungsstück erst nach langer Zeit und Sucherei den Weg in den Kleiderschrank. Enduras Pro SL Primaloft Jacket II gehört für mich eindeutig in diese Kategorie ...

Wenn man die Jacke zum ersten Mal in die Hand nimmt, kommt Skepsis auf: Wie soll denn ein so leichtes (gewogene 275 g in Gr. M) und an den Seiten dünnes Jäckchen zuverlässig warm halten? Aber immerhin: Schick ist sie, und in Pumpkin Orange - in Fachkreisen auch 48er Orange genannt - zudem kaum zu übersehen. Noch mehr Sichtbarkeit bringen reflektierende Elemente; besonders jene an den Ärmeln finde ich clever.
Auch mit meiner Größenwahl war ich zufrieden: Für meine Körpermaße mit ca. 180 cm und knapp über 70 kg passte M perfekt. Konzipiert fürs Rennrad, fällt der Schnitt etwas enger aus, macht aber auch am Gravel- oder XC-Bike eine gute Figur.

 Isolation, Atmungsaktivität und Tragekomfort auf einem mir völlig neuen Niveau! 

Da ist jemand von der Endura Pro SL Primaloft Jacket II begeistert ...

Jacke

An Front und Ärmeln ist in Kammern unterteiltes Primaloft Gold Material eingearbeitet; detto am Großteil des Rückens, hier allerdings ohne Unterteilungen. Die Seitenteile am Torso und die Rückseite der Ärmel sind aus dünnem, nicht isoliertem Stretch Windstopper Gewebe in doppellagiger Ausführung. Bei starkem Seitenwind leidet das Wärmeempfinden deshalb minimal - aber das ist jammern auf sehr hohem Niveau.
Wer den Fahrtwind gern ganz aussperrt, wird von den elastischen Bündchen an Ärmel, Kragen und Seite effektiv unterstützt. Umgekehrt erleichtert das Stretchmaterial am Armabschluss das An- und Ausziehen - zumal, wenn man große Hände hat. Hinten befinden sich die üblichen drei Eingrifftaschen plus zusätzlich eine Seitentasche mit Zipp, in der selbst große Smartphones Platz finden. Sämtliche Taschen sind auch für ungelenke Personen wie mich leicht erreichbar, geräumig und - nicht zuletzt dank verstärkter Nähte - haltbar.

Belüftungslöcher unter den Achseln sorgen für gute Ventilation, sobald man den Kragen etwas öffnet. Ist die Jacke geschlossen, gibt's keinen störenden Durchzug. Lüften kann man außerdem von unten, denn der Reißverschluss ist zweiteilig, lässt sich also beiderseits (der obere einhändig, der untere etwas fummelig, ergo besser beidhändig) öffnen. Wirklich fein ist der 2-Wege-Zipp fürs Verrichten der Notdurft. Generell flutscht er aber nicht ganz so wie konventionelle Reißverschlüsse und verhakt sich beim Öffnen immer wieder - das einzige Manko, das ich im Testzeitraum finden konnte.
Verarbeitung und Material hinterlassen einen wertigen Eindruck. Zu vermuten ist allerdings, dass die Pro SL Primaloft ob ihres Federgewichts nicht zu den robustesten Jacken unter der Sonne gehört; Anstreifen an Ästen oder Gestrüpp sollte damit wohl eher vermieden werden.

Als wärmstes Stück der Winterkollektion trägt sich die Jacke überaus angenehm, luftig und leicht und schmiegt sich gut an den Körper an, ohne einzuengen. Ihr größter Benefit sind die hervorragende Isolation, egal, welches Tempo man fährt, sowie die herausragende Atmungsaktivität. Selbst mit nach der Auffahrt völlig nassgeschwitztem Unterhemd hält die Primaloft-Füllung im anschließenden Downhill zuverlässig warm und wird der überschüssige Wasserdampf schnell nach außen geleitet.
Die Ärmel sind erfreulich lang und etwas weiter geschnitten. Der beherzte Griff zur Trinflasche gelingt also mit voller Bewegungsfreiheit und ohne die Handgelenke unfreiwillig bloß zu legen.
Leger fällt auch die Kragenweite aus, wodurch ein Langarmshirt mit hohem Kragen plus Halstuch auch bei geschlossenem Zipp locker Platz finden. Wirklich winddicht ist die per se sehr wohl 100% windabweisende Jacke im Umkehrschluss aber nur mit derlei Zubehör zu bekommen.
Der verlängerte Rücken schützt gut vor Spritzwasser und wird durch einen umlaufenden Gummizug mit Silikongripper verlässlich an seinem Platz gehalten. Ein kurzer Nieselregen macht der Primaloft-Jacke nichts aus, für echtes Regenwetter empfiehlt es sich jedoch, auf ein Hardshell-Pendant zurückzugreifen.

Als idealer Temperaturbereich haben sich +5°C und weniger herauskristallisiert; meine Obergrenze wären +10°C. Um den Gefrierpunkt herum genügten mir ein Kurz- und ein Langarmshirt darunter. Deutliche Minusgrade - bis dato im Osten Mangelware - sollten mit passender Thermounterwäsche also ebenfalls gut zu bewerkstelligen sein.
Bei flotter Gangart um 40 km/h und mehr auf der Landstraße noch völlig lautlos, fiel mir bei Geschwindigkeiten ab 60 km/h ein Flattern im Bereich der Schultern auf. Die Ärmel bewegten sich dann ebenfalls, aber in vernachlässigbarem Ausmaß. Trotzdem: Vertretern der Aero-is-everything-Fraktion mag sie einen Hauch zu weit geschnitten sein.
Allen anderen Outdoor-Maniacs kann ich die in sechs Größen (XS-XXL) erhältliche Endura Pro SL Primaloft Jacket II nur wärmstens empfehlen - zumal sie mit ihrem UVP von € 159,99 relativ günstig ausfällt und mit drei Farben zur Wahl (schwarz, pumpkin orange und kingfisher) wohl jeden Geschmack bedient. Und falls doch nicht: Eine 90-tägige Zufriedenheitsgarantie gibt's obendrein!

Handschuhe

Aber ein warmer Oberkörper ist nur die halbe Miete. Ganz wichtig sind im Winter auch wohltemperierte Finger und Zehen. Ersteres versprechen Enduras Pro SL Windproof II Handschuhe. An Handrücken und Fingern bestehen sie aus ca. 2 mm dickem elastischem Softshell Material, welches innen leicht angerauht und über die Handgelenke verlängert ist. Die Handflächen werden durch weiches, zwecks besserer Atmungsaktivität teilweise perforiertes, Kunstleder und an neuralgischen Punkten zusätzlich durch eine dünne Polsterung geschützt.
Zeige- und Mittelfinger sind für besonders viel Grip mit Silikonapplikationen versehen, dank Touchfähigkeit können die Handschuhe beim Telefonieren, Fotografieren oder Bedienen des Garmin-Geräts ruhig angezogen bleiben. Winterlichen Tropfnasen begegnen die Gloves mit einem flauschigen Frotteebesatz an beiden Daumen. Reflektierende Elemente bieten z.B. auch beim Abbiegen erhöhte Sichtbarkeit.

Die gute Passform und das feine Griffgefühl überzeugen, sogar die funzeligen Tasten meines Garmin 530 lassen sich gut bedienen. Der Komfort ist dank des elastischen Materials ähnlich gut wie bei Sommerhandschuhen, außerdem gibt’s keine störenden Nähte oder Falten. Das Kunstleder bietet guten Halt und die Silikonbesätze an den Fingern verhindern sehr effektiv ein Abrutschen an den Bremshebeln – am MTB fast zu effektiv: Hier kann der Finger beim Ziehen des Bremshebels nicht mitgleiten und erreicht den Druckpunkt in ungewohnter Haltung, was aber weiter kein Drama ist.
Generell bieten die Handschuhe einen Kompromiss aus hohem Griffgefühl und einem Mindestmaß an Isolation, sprich: Es gibt wärmendere Exemplare – etwa aus gleichem Haus den Pro SL Primaloft – für Biker, die sich an dickeren Gloves nicht stören. Für mich war mit diesen absolut winddichten Vertretern bei Temperaturen knapp überm Gefrierpunkt Schluss, interessanterweise verbesserte sich aber ihr Isolationsvermögen von Ausfahrt zu Ausfahrt – oder gewöhnten sich einfach meine empfindlichen Finger an die Kälte?
Egal, das Isolationsvermögen war angesichts des dünnen Materials gut, darüber hinaus machten die Pro SL Windproof II Handschuhe einen guten Eindruck mit sauberer Verarbeitung, viel Komfort, guter Atmungsaktivität und – wie der Name schon sagt – absoluter Winddichte sowie einem erneut fairen Preis: UVP € 59,99!

Fehlt last, but not least, was Schützendes an den Füßen. Und das leider länger als geplant. Während die vorgenannten Teile Anfang November geliefert wurden, erreichten die FS260-Pro Slick Überschuhe die Redaktion erst kurz vor Weihnachten. Dementsprechend sind auch die Praxiserfahrungen vorerst nur rudimentärer Art bzw. nicht mit den zwei Monaten Dauereinsatz von Jacke und Handschuhen vergleichbar. Trotzdem:
Meine Füße sind ungleich härter im Nehmen als meine Finger, darum genügen mir normalerweise dünne, wasser- und winddichte Überzieher ohne isolierenden Extras – eine Punktlandung für die aus einem hochelastischen, leichten PU-Obermaterial gefertigten und mit schlau platzierten Refletoren versehenen FS260-Pro Slick II!

Einmal mehr gut verarbeitet und von den verstärkten Nähten über den breiten Silikon-Abschluss bis zum mit gut fassbarem Ziehgriff versehenen Reißverschluss robust ausgeführt, wirkt lediglich der schmale Verbindungssteg an der Sohle etwas schwachbrüstig. Dafür bleibt mit diesem denkbar offenen Design genug Platz für wirklich jedes Schuhprofil und Cleat-Modell.
Der hohe Schaft vermeidet gut eventuelle Kältebrücken am Treffpunkt von zu kurzen langen Hosen, Socken und Schuhen und schützt bis in „hohe Lagen“ verlässlich vor Spritzwasser. Speziell im Bereich des Knöchels einengend, wie anfangs befürchtet, ist er nicht. Je nach Kompatibilität von Schuh und Größe des Schuhs bzw. Überschuhs (erhältlich: S-XXL) kann das An- und Ausziehen, nicht zuletzt aufgrund des recht hoch ansetzenden Zipps, ein wenig dauern. An meine 46er-Füße passte das von den Schotten empfohlene XL-Modell ganz gut, leichter zu handhaben wäre aber wohl XXL gewesen. Wer also gemäß Enduras Größentabelle am oberen Skalenrand liegt, sollte zur nächstgrößeren Ausführung greifen.
Summa summarum: Wenn der FS260-Pro Slick Überschuh II auch nur annähernd so lange hält wie sein zuletzt ob der Last der treuen Dienstjahre brüchig gewordener Vorgänger von Odlo, ist sein UVP von € 34,99 eine mehr als lohnenden Investition!


Ergebnis 1 bis 4 von 4
  1. #1
    früher mal Weltmeisterin Avatar von NoMan
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    Endura Winterbikewear

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  2. #2
    Moderator Avatar von NoWin
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    Endlich mal ein wenig Farbe!

  3. #3
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    Die Endura Primaloft Jacke ist wirklich sehr zu empfehlen. Einzig der hakelige Reißverschluss zeigt eindeutig, dass sich nicht nur die Schließung der Bosch-Wischerforschung, sondern auch die Einsparung des Instituts für Reißverschlusstechnologie im Nachhinein als große Fehler erweisen!

  4. #4
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    Vieles von meiner Winterkollektion ist von Endura

    Die Primaloft MTR als Beispiel habe ich bei Bike Components im Vorweihnachts-Angebot um 80 Euro geschossen, die fahre ich bis minus 10 Grad mit einem Langarmtrikot darunter.
    Grandioses Teil, die Ärmel könnten einen Ticken länger sein, mit meinen etwas längeren Handschuhen aber auch keine Kältebrücke.

    Die Hummvee Flipjak aus dem gleichen Angebot (mit sehr langen Ärmeln) verwende ich zum Wandern, für´s Radfahren ist sie mir zu schade.

    Die beiden Jacken sind zwar nicht wasserdicht sondern nur wasserabweisend, jedoch für englisches Wetter konzipiert und halten viel ab.
    Besser ein warmes Bier
    als ein kaltes Herz
    Dr. Marco Pogo