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Conway eWME 829

Conway eWME 829

06.05.19 08:27 13.139Text: Luke Biketalker; MOtomanFotos: Erwin HaidenE-Fully mit schlankem Fuß: Das Conway eWME 829 schlägt mit 29" Laufrädern einen etwas anderen Weg ein als das Gros der Konkurrenz.06.05.19 08:27 13.461

Conway eWME 829

06.05.19 08:27 13.4611 Kommentare Luke Biketalker; MOtoman Erwin HaidenE-Fully mit schlankem Fuß: Das Conway eWME 829 schlägt mit 29" Laufrädern einen etwas anderen Weg ein als das Gros der Konkurrenz.06.05.19 08:27 13.461

Oftmals entwickelt sich ein Trend in eine gewisse Richtung, und alle strömen der Masse hinterher: Alle deutschen Limousinen sehen irgendwie gleich aus; ein Smartphone aus einiger Distanz nach seinem Fabrikat zu unterscheiden, ist genauso schwer, wie diverse Schuhmodelle auseinander zu halten. Irgendwann hat sich mal ein Weg als gut herausgestellt, und alle sind gefolgt, ohne viel zu hinterfragen.
Genau so scheint es momentan bei E-MTBs zu sein: Federwege zwischen 140 und 160 mm, dazu fette Plus-Reifen für viel Traktion, das scheint vielen Herstellern - nicht ganz ohne Grund - aktuell als Erfolgsrezept. Schön, wenn dann doch jemand aus der Reihe tanzt.
Lange ist es her, dass ein E-Fully mit weniger als 2.6“ Reifenbreite in der Redaktion parkte. Um so neugieriger waren wir darauf, wie sich das Conway eWME 829 rund um seine 29" Pneus am Trail schlagen würde.

Unter dem Motto WME - We Make Enduro - machte Conway vor einigen Jahren mächtig Wind für seine Enduro-Raketen. Damals wahlweise in Alu oder Carbon, allerdings noch ohne motorische Unterstützung.
Die eWME Serie ist nun die logische Weiterführung dieses Konzepts - und das eWME 829 das Aushängeschild der 29“-Vertreter im Sortiment. Entsprechend orientiert sich das E-Fully rein äußerlich an seinen Plattform-Brüdern und nimmt stark Anleihe an den WMEs. Sowohl das tief gezogene Oberrohr samt kleiner Dreiecksverstrebung wie auch das durch den Dämpfer oder besser gesagt durch dessen Anschlagpunkte geteilte Sitzrohr lassen die Familienzugehörigkeit erkennen.


Clevere Details wie etwa der Fender für den RockShox Monarch Plus R oder die gummierte Motorschutzplatte zeugen von Liebe zum Detail. Liebe, die man an den Schweißnähten etwas vermissen mag. Für ihre E-Fullys setzten die Niedersachsen konsequent auf den Werkstoff Aluminium; die Schweißnähte, mit denen die Rohre verbunden sind, hat man allerdings auch schon mal dezenter oder zumindest schöner verschliffen gesehen. Im Gegenzug - aber diesem Umstand können die Bilder leider nicht genügend Rechnung tragen -, ist das schwarze Lackkleid äußerst gelungen und tröstet über die Nähte hinweg.

Geometrie

Rahmengröße: 41/S 44/M 47/L 50/XL
Sitzrohr (mm): 410 440 470 500
Oberrohr gerade (mm): 565 590 615 640
Lenkwinkel: 67° 67° 67° 67°
Sitzwinkel: 75° 75° 75° 75°
Kettenstrebe (mm): 450 450 450 450
Tretlagerabsenkung (mm): 30 30 30 30
Steuerrohr (mm): 100 100 105 110
Radstand (mm): 1158 1182 1208 1233
Reach (mm): 414 437 467 494
Stack (mm): 606 611 615 620

Da sich das eWME der 29er Serie die Plattform mit der MX-Serie (Laufrad-Mix aus 27.5+ und 29“) teilt, ist der Federweg am Heck via Flip-Chip verstellbar. Ausgeliefert wird mit 140 mm, 150 mm sind aber ebenso möglich. Firmenintern munkelt man, dass Prüfstände den Serienrädern noch ein paar Millimeter mehr attestieren.

Aus vielerlei Gründen setzen die deutschen Ingenieure auf Shimanos E8000 Antrieb mit aufgesetztem Akkupack. Zugegeben: Ganz so elegant wie bei vollintegrierten Varianten wirkt das, was da am Unterrohr geschieht, nicht. Doch dank geschickter optischer Manipulation mit Form und Farbe erscheint das eWME 829 dennoch verhältnismäßig schlank.
Und schlank ist es auch tatsächlich: Denn als eines der Hauptargumente gegen die Integration des Akkus gibt Conway das günstigere Rahmengewicht an. Mit selbst gewogenen 21,5 kg in Größe Large, trotz Alu-Rahmens, robuster Ausstattung und 29“ Laufrädern, darf sich das Fully tatsächlich im sicheren Hafen des E-Bike-Leichtbaus wähnen. Manch Konkurrent wiegt da trotz teurem Carbon-Rahmen deutlich mehr.

Apropos schlank: Es wird zwar in unseren Testberichten wiederholt herausgestrichen, doch das Argument pro Shimano Steps E8000 ist einfach ein zu starkes, um darüber hinwegzusehen. Sowohl der 504 Wh Akku als auch die Motoreinheit gehören zu den grazilsten Vertretern am Markt. Das erlaubt einerseits mehr Freiraum für die Entwickler in Bezug auf Kinematik und Kettenstrebenlänge (respektive -kürze); vor allem aber liegt dank des kompakten Motorgehäuses der Q-Faktor der Kurbeln auf selbem Niveau wie an der aktuellen Shimano XT: 177 mm. Einige andere Hersteller gehen da empfindlich mehr in die Breite. Der Cowboy lässt grüßen …

Dran & drin

Einmal alles: Wenn es um ihre Topmodelle geht, verlieren sich die Jungs bei Conway gern mal in den obersten Regalen ihrer Zulieferer. So geschehen auch am eWME 829.
Den leichten Alu-Rahmen ergänzen die Produktmanager mit einer kompletten Shimano XTR 12-fach Gruppe. Von den Lieferschwierigkeiten der Kurbel ist ein E-Bike ob eigenständiger Kurbellösung unbeeindruckt, Vier-Kolben-Bremsen, Schaltwerk, Kassette und Kette waren ja verfügbar und durften somit ans Fully.
Die 140/150 mm Federweg am Heck verwaltet ein RockShox Monarch Plus R, im kurzen Steuerrohr steckt eine Pike RC mit 140 mm. DT-Swiss spendiert den Laufradsatz. Der HX1501 One ist speziell für den Einsatz am E-MTB entwickelt, am Conway ist er als Version mit 30 mm Maulinnenweite verbaut. Die rund 2.067 g schweren DT-Swiss rollen auf Schwalbes Enduro-Powerduo Magic Mary/Hans Dampf - zwei der brauchbarsten Produkte von Schwalbe.
Seitens der Sattelstütze vertrauen die Deutschen auf einen Redaktionsliebling: die Fox Transfer in nobel güldenem Factory-Outfit, angesteuert durch einen handlichen Trigger aus eigenen Reihen. Cockpit und Sattel der Hausmarke runden das Conway eWME 829 ab und lassen die Waage bei 21,5 kg stoppen. Preislich sind € 6.299,95 ausgerufen.

Tech Specs

Rahmen: Conway Fully E8000, Alu 6061, Kassette: Shimano XTR M9100, 10-51 Z
Farbe: black stealth Kette: Shimano XTR M91000
Antrieb: Shimano Mittelmotor E8000, 250 W Felgen: DT Swiss Spline HX1501, 29"
Batterie: Shimano Lithium-Ionen mit BMS, 36 V, 14 Ah, 504 Wh Nabe VR: DT Swiss Spline HX1501, 15 x 110 mm
Display: Shimano SCE800, 3-Stufen, Remote Control, Schiebehilfe Nabe HR: DT Swiss Spline HX1501, 12 x 148 mm
Sensor: Tretkraftmessung im Motor + Geschwindigkeitssensor Reifen: Schwalbe Magic Mary/Hans Dampf, 65-584, faltbar
Gabel: RockShox Pike RC, 140 mm Lenker: Conway Low Rizer, 35 x 780 mm
Dämpfer: RockShox Monarch Plus R Lenkervorbau: Conway, 35 mm
Kurbel: Shimano FC-E8050, 34 Z., 165 mm Griffe: Conway Sport Fix
Innenlager: SHIMANO Sattel: Conway 1489 Sport Light
Bremsen: SHIMANO XTR BR-M9020 Sattelstütze: Fox Transfer Factory, 30,9 mm
Ø Bremsscheiben: 203 mm Gewicht: 21,4 kg (Testbike Größe L 21,5 kg)
Schalthebel: SHIMANO XTR M9100 Preis: € 6.299,95
Schaltwerk: SHIMANO XTR M9100 Shadow Plus, 12-fach

Aufgesessen

Mit 185 cm sitzt es sich am Conway in Größe Large sportlich und dennoch bequem. Der relativ steile Sitzwinkel kombiniert mit dem 467 mm langen Reach und der für ein 140 mm-Twentyniner niedrige Stack von nur 615 cm ergeben ein unverkrampft tourentaugliches Gesamtkonzept. Die zentrale Positionierung sorgt sowohl in der Ebene als auch am Berg für entspanntes und effizientes Vorankommen ohne unangenehmen Druck auf den Handgelenken.
Was - wechselt man häufiger zwischen unterschiedlichen Fully-Konzepten - sofort auffällt, ist die erfrischende Agilität des Conway eWME 829. Viele E-MTBs rangieren mit ihrer robusten Ausstattung und vor allem den mit niedrigem Luftdruck bewegten 27.5+ Pneus eher am behäbigen Ende des Farbspektrums und fühlen sich bei langsamer Fahrt an wie ein wirklich leichtes Motorrad. Dagegen lassen die deutlich schmäleren 29-Zöller und vielleicht auch das niedrigere Gewicht des eWME 829 echtes Mountainbike-Feeling aufkommen. Das Wörtchen "verspielt" trifft es wohl am ehesten.

Uphill

Passt die Sitzposition, ist bergauf am E-Fully schon mal viel gewonnen. Dämpferplattform und Antriebseinflüsse spielen ob der Zusatzwatt eine eher untergeordnete Rolle. Viel wichtiger ist da schon der Grip am Hinterrad - und davon hat das Conway eWME 829 mehr als genügend.
Die erwähnt zentrale Sitzposition gibt viel Gefühl für die Belastung von Vorder- wie Hinterrad, die agilen 29“ Räder tragen mit ihrem guten Überrollverhalten an Stufen und Wurzelteppichen ebenfalls zum Kletterverhalten bei. Einzig an wirklich steilen Rampen gerät das Rad an seine Grenzen. Doch dann sprechen wir von Gelände, in dem man bergab auch schon mal den Hintern über den Sattel hängen lässt. In „gewöhnlich“ steilen Szenarios glänzt das eWME 829 hingegen mit guter Vorderradkontrolle und entsprechend vertrauenerweckenden Richtungswechseln.

Der Shimano Steps E8000, respektive dessen Unterstützungsstufen sind via App zwar leicht konfiguriert, für den Test beließen wir jedoch alles auf Werkseinstellung. Wirklich fein, wie der Motor in den beiden Stufen Tour und Trail unterstützt, ohne dabei merkbar einzugreifen. Als hätte man heute einfach bessere Beine angezogen, geht es voran, frei von übermäßigem Schub und mit stets berechenbarer, gleichmäßiger Kraftentfaltung - wenn auch das laute Säuseln des Antriebs in den ihm lieben Kadenzen jenseits der 80 rpm etwas die erholsame Stille im Wald trübt.
Der Boost Modus scheint dann aber wohl eher nicht fürs Gelände, sondern nur für flottes Höhenmeterschrubben auf Forststraßen gedacht. Dieser gibt seine Kraft deutlich weniger harmonisch frei, reagiert empfindlich auf Trittfrequenz- und Rhythmuswechsel und will in erster Linie mit konstanter Kadenz vorwärts. Im Gelände macht dieser abrupte Wechsel zwischen voller Unterstützung und Standgas wenig Sinn und Ungeübten das Leben schwer. Doch darum gibt es ja auch einen dedizierten Modus mit dem Namen Trail.

Fein auch, wie Shimanos neue 12-fach XTR agiert. Trotz der hohen Zusatzbelastung des Antriebs muss für den Schaltvorgang nicht übermäßig vom Gas gegangen werden. Die japanische Top-Gruppe verrichtet auch in ihrer jüngsten Evolutionsstufe zuverlässig und präzise ihren Dienst.

Downhill

Um das Testprotokoll des MOtoman zu zitieren: „Einfach nur geil!!!“ Zentral über dem Rad platziert, steht man locker am, oder besser gesagt im eWME 829. Gegenüber anderen E-Bikes, die eher über das Heck gefahren werden wollen, kann man am eWME gut Druck über die Front aufbauen. Dies sorgt in einem recht breiten Spektrum an Gefällegraden und Kurvenradien für viel Kontrolle und Agilität. Conway scheint hier den Sweetspot zwischen Wendigkeit und Laufruhe recht gut getroffen zu haben.
Mit dem omnipräsenten Gefühl von Sicherheit im Hinterkopf ermutigt das Fully zu neuen Linien, unterstützt den stetigen Lernprozess und macht schlichtweg Laune auf flowiges wie technisches Geläuf. Was dem hohen Sicherheitsgefühl bestimmt auch den Rücken deckt, sind die neuen Vier-Kolben XTR-Bremsen. Niemals überfordert, präzise dosierbar und immer mit Reserven dürfte die XTR wohl Potenzial besitzen, wieder eine Referenz am Markt zu werden.

Fazit

Conway eWME 829
Modelljahr: 2019
+ Ausstattung
+ Steps E8000
+ Bergabperformance und Sicherheit
+ Agilität
+ Gewicht für ein Bike dieser Klasse
o Preis
o kein Flaschenhalter
- leicht nervöse Front an steilsten Rampen
BB-Urteil: Fein ausgestattetes E-Fully auf agilen Beinen.

Für € 6.299,95 packt Conway eine komplette Shimano XTR in sein eWME 829. Dazu kommt ein leichter Alu-Rahmen, der mit dem in vielerlei Hinsicht überragenden Shimano Steps E8000 Antrieb die Waage bei 21,5 kg stoppen lässt. Ein Wert, an dem auch manch im Ofen gebackener Carbon-Konkurrent zu knabbern hat.
Dank der 29-Zöller fährt sich das 140 mm Fully im Vergleich zur Plus-bereiften Konkurrenz deutlich spritziger, glänzt bergauf mit bequemer und zentraler Sitzposition und guter Traktion. Bergab kommt dem Bike seine ausgewogene Geometrie zugute. Dadurch schlägt es gekonnt die Brücke zwischen Laufruhe und Verspieltheit, vermittelt viel Sicherheit und verführt zum Ausreizen - fein für den Lernfortschritt am Trail.

In Summe ist es schwer, ein faules Ei am Conway zu finden. Vielleicht könnte man den laut säuselnden Shimano-Antrieb als störend empfinden oder den Preis als zu hoch - wobei hier im Konkurrenz-Check auch die XTR in Betracht gezogen werden muss. Diese findet man sonst so gut wie nirgendwo.
Auf jeden Fall darf man den fehlenden Flaschenhalter bemängeln. Darüber hinaus gab es am Conway eWME 829 über den Testzeitraum irgendwie nichts auszusetzen …


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