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Rose Root Miller 3 2021 im Test

Rose Root Miller 3 2021 im Test

24.08.20 06:00 13.781Text: Luke BiketalkerFotos: Erwin HaidenTrail- und Tourenbike auf langen Stelzen - wir haben das vielseitige Rose Root Miller über die Trails gescheucht.24.08.20 06:00 14.156

Rose Root Miller 3 2021 im Test

24.08.20 06:00 14.1561 Kommentare Luke Biketalker Erwin HaidenTrail- und Tourenbike auf langen Stelzen - wir haben das vielseitige Rose Root Miller über die Trails gescheucht.24.08.20 06:00 14.156

Gerade Linien, lang gezogene Lichtkanten und ein optisches Gesamtpaket, das den Alu-Rahmen für Laien nur schwer von einem Carbon-Pendant unterscheidbar macht. Mit seinem Vorgänger hat das aktuelle Rose Root Miller eigentlich nur noch Namen und Einsatzzweck gemein.
150 mm Federweg und überrollfreudige 29“ Laufräder mögen zwar ein Leben als Enduro suggerieren - tatsächlich titulieren und konstruieren die Bocholter Direktversender ihr langbeiniges Fully aber als Trailbike oder Allmountain. Entsprechend moderat und vielseitig präsentiert sich der Preiskracher auch in seiner Geometrie. Wir haben das Topmodell Root Miller 3 unter anderem über die Trails von Nauders gescheucht - soviel vorweg: Vielseitiger Fahrspaß muss nicht teuer sein.

In der Designsprache seiner Rennräder geht Rose ja bereits seit geraumer Zeit neue Wege. Mit dem Root Miller (und dessen kleinem Bruder, dem Ground Control) zieht der Bocholter Versandriese nun auch am MTB Sektor die optischen Zügel straffer. Klare Linien und kantige Rahmenformen treffen auf moderne Lackkleider. Die neue Fully-Generation ergänzt die traditionellen Rose-Stärken Preis/Leistung und Verarbeitungsqualität nun auch um ein ansprechendes Äußeres.
Im Kern dieses Äußeren steckt ein gut gearbeiteter Alu-Rahmen mit 150 mm Federweg aus einem klassischen Viergelenk-Hinterbau mit Trunnion-Mount Dämpfer. Wenn auch knapp - trotz Ausgleichsbehälter findet so auch eine Trinkflasche im Rahmendreieck Platz. Der Rahmen ist auf 29“ Laufräder ausgelegt und erlaubt zwischen den Kettenstreben bis zu 2.6“ breite Gummis. Gabelseitig wird das Root Miller mit 150 mm Varianten ausgeliefert - wer nach etwas mehr Schluckfreudigkeit sucht, darf aber auch 160 mm Forken montieren.

Sämtliche Leitungen und Züge treten am Steuerrohr in den Rahmen ein, gehen unter dem Tretlager in die Kettenstreben über und kommen erst an ihrem Bestimmungsort wieder im Profil sichtbar zum Vorschein. Erfreulicherweise setzt Rose beim Tretlagerstandard auf BSA Lager. Eine Kettenführung kann optional genau so montiert werden, wie ein Umwerfer für 2-fach Antriebe. Kettenstreben wie Unterrohr sind dazu vor Kettenschlagen respektive aufwirbelnden Steinen mittels Kunststoffschonern geschützt.
Auch wenn der Rahmen äußerst organisch und somit beinahe wie aus Carbon gebacken wirkt: Er ist, wie bereits eingangs erwähnt, aus Aluminum gefertigt, bleibt aber mit um die 3.000 Gramm im mehr als vertretbaren Rahmen. Erst recht, wenn man den Einstiegspreis von 1.899 Euro beachtet.

Geometrie

Wie bereits angemerkt, will sich das Root Miller trotz seiner langen Federwege und der großen Laufräder nicht als Enduro verkaufen. Vielmehr möchte es dem klassischen Allmountain- und Trailbiker mit einem Plus an Federweg mehr Sicherheitsreserven auf Tour und Feierabendrunde geben. Entsprechend halten die Bocholter auch in ihrer Geometrie an traditionelleren Zahlen fest.
Zwar wuchs der Reach gegenüber seinem Vorgänger deutlich an und auch der Sitzwinkel wurde um einiges flacher gezeichnet. An unserem Testbike in Größe Large als Referenz gemessen, bedeutet dies einen Reach von 470 mm, einen Stack von 623 mm sowie einen Sitzwinkel von 76,4°. Nicht übermäßig progressiv, aber doch mit durchaus modernen Zügen und vor allem massentauglicher Passform. Deutlich moderater fallen hier der verhältnismäßig steile Lenkwinkel von 66° sowie die mittellangen 442 mm Kettenstreben aus.

Tech Specs

Rahmen: Aluminium, 150 mm Federweg, ca. 3020 g
Vorbau: Level Nine Race, 6°, Ø 31,8 mm, 45 mm
Gabel: Fox 36 Float FIT4 DPS, Factory Kashima; black, black decal 29" Boost, 150 mm Federweg Griffe: Ergon GA20
Dämpfer: Fox Float DPX2, Kashima black, black decal, 205 mm Laufräder: DT Swiss M 1700 Spilne
Trigger: Sram GX Eagle 12-speed black 12-speed Reifen: Schwalber Magic Mary/Hans Dampf 29 x 2.35"
Schaltwerk: Sram XO1 Eagle 12-speed black Bremsen: SRAM G2 RSC; 200 mm/180 mm
Kette: Sram GX Eagle 12-speed silver Sattelstütze: Rose-Dropper; 31,6 mm/459 mm/150 mm Hub
Kassette: SRAM XG-1275, 12-speed 10-50 Sattel: Selle Italia X3 Flow black/black
Kurbel: Truvativ Descendant Carbon Eagle, DUB, 32T, black 175 mm Gewicht: 14,3 kg (Testbike Large)
Lenker: Level Nine Race, Rise 15 mm, Back Sweep 9°, UP Sweep 5°, Ø 31,8 mm, 800mm Preis: € 3.399,-

Dran und drin

Ein Topmodell für 3.399 Euro? Alu-Rahmen und Direktversand-Modell ohne Zwischenhändler machen es möglich. Los geht es übrigens schon für unschlagbare 1.899 Euro, und auch die Mittelklasse ist mit 2.399 bereits gut bestückt. Wir hatten aber das Aushängeschild Rose Root Miller 3 unterm Hintern.
Hier spendiert Rose mit Fox 36 Factory FIT4 Gabel und Float DPX2 Factory Dämpfer ein nobles Fahrwerk und mit den verbauten DT Swiss M 1700 einen bewährten, modernen Laufradsatz. Schalbes Magic Mary/Hans Dampf Kombo in 29 x 2.35“ sorgt im Standard-Trim für Bodenkontakt. Verzögert und geschalten wird mit Produkten aus dem Hause Sram. Bremsseitig sind hier G2 RSC mit 200/180 mm Scheiben montiert, beim Antrieb ein etwas ernüchternder Mix aus hochwertigem X01 Schaltwerk, günstiger und schwerer XG-1275 10-50 Kassette und GX Kette und Shifter. Hier wäre eine hochwertigere Kassette mit ebensolchem Shifter in Kombination mit einem günstigeren Schaltwerk die vielleicht ehrlichere Lösung. Aber man jammert ob des günstigen Preises schon auf hohem Niveau.

Die 175 mm Kurbel mit 32er Kettenblatt kommt mit der Truvativ Descendant Carbon ebenfalls aus dem Hause Sram/RockShox. Dafür setzt man beim Dropper auf eine Stütze aus dem eigenen Sortiment. Diese bietet 150 mm Hub. Gesessen wird auf einem Selle Italia X3 Flow, das Cockpit stammt mit Level Nine Race aus dem Regal von PMG, einem der grössten Fahrradkomponenten-Hersteller weltweit. Unterm Strich landet unser Testrad in Größe Large bei knapp unter 14,3 kg - und unterschreitet somit die Werksangabe um 100 g.

Geometrie

S M L XL
Sattelrohr (mm): 410 440 470 500
Oberrohr (mm): 565 592 621 650
Steuerrohr (mm): 95 100 110 120
Lenkwinkel: 66° 66° 66° 66°
Sitzwinkel: 76.6° 76.5° 76.4° 76.2°
Kettenstrebe (mm): 442 442 442 442
Tretlager Höhe (mm): 348 348 348 348
Radstand (mm): 1176 1203 1232 1261
Reach (mm): 420 445 470 495
Stack (mm): 609 613 623 632

Aufgesessen

Auch wenn Roses Homepage meine 180 cm und 86 cm Schrittlänge auf einen Medium-Rahmen gesetzt hätte, sitzt es sich bei meiner „Größe“ auch am Large-Rahmen komfortabel sportlich und absolut langstreckentauglich. Die 445 mm Reach des Medium wären für meinen Geschmack viel zu kurz gewesen, ein „Upsizeing“ auf Large stellt mit 75 cm Sitzhöhe auch mit langen Droppern absolut kein Problem dar. Ob der recht langen Sitzrohre sollten sich Interessenten mit kurzen Beinen aber die Geo nochmals im Detail ansehen, um die richtige Dropper-Länge zu wählen.
Ein angenehmer Nebeneffekt der „nächstgrößeren“ Rahmenhöhe: Der Sattelauszug bleibt im Rahmen und der Sitzwinkel so angenehm steil. Beim Level Nine Lenker fehlen leider ersichtliche Markierungen, was für eine korrekte Einstellung der Mittigkeit ein Maßband und viel Zeit nötig macht. Doch auch mit größerem Zeitaufwand wollte der Lenker den Handgelenken nie so richtig schmeicheln - hier wäre ein kleiner Vermerk im Bestellformular eine Empfehlung. Man munkelt, dass sich trotz aktuell nicht vorhandenem Konfigurator auf diese Weise kleinere Änderungen der Specs durchbringen ließen.

Bergauf

Bergauf machen sich die angenehme Sitzposition - Rückenschmerzen Fehlanzeige - sowie die etwas längeren Kettenstreben positiv bemerkbar. So hält das Rose auch in steilem Gelände sicher die Spur, ein steigendes Vorderrad kommt eigentlich so gut wie nie vor. Das lässt Spielraum in technisch anspruchsvollen Anstiegen.
Im Gelände bleibt auch ein Griff zur Dämpfer-Plattform unnötig - hier liefert der offene Hinterbau viel Traktion. Auf Forstwegen und Asphalt hilft dann vor allem bei hohen Kadenzen besagte Plattform aus. In niedrigeren Kadenzen und vor allem mit etwas strafferem Hinterbau - so wie ich es bevorzuge - fällt das Wippen des Hinterbaus nicht weiter ins Gewicht. Bei sehr hohen Trittfrequenzen, vor allem in der Ebene, wird dann aber doch ein Wippen spürbar. Aber wie gesagt, nichts, dass die Plattform nicht regeln könnte.
Auch wenn der Preis gut ist - das Gewicht von 14,3 kg lässt sich natürlich nicht aus der Gleichung nehmen. Tatsächlich präsentiert sich das Rose aber als guter und zuverlässiger, wenn auch gemächlicher, Kletterpartner.

Ob seiner gefühlt hohen Steifigkeit animiert das Rad im welligen Terrain zu Zwischensprints. Perfekt, um in kurzen Gegenanstiegen aus dem Sattel zu gehen und über Kuppen zu drücken, um den Flow aufrechtzuerhalten.
Leise Kritik muss sich der breite Hinterbau gefallen lassen. Selbst mit Schuhgröße 43 bleibt Kontakt zu den Kettenstreben nicht aus - das ist mitunter nervig. Und ja - besagter Lenker schmerzt nach einiger Zeit genauso wie der Selle Sattel. Aber das ist ja beides rasch und kostengünstig ausgetauscht.

Bergab

Sind alle Zug-Klemmungen korrekt montiert, präsentiert sich das Rose bergab selbst über ruppiges Geläuf als außergewöhnlich leises Rad. Einzig hörbares Geräusch ist das Schmatzen der 36er Fox.
Der Hinterbau saugt große Schläge gut weg, zählt aber ganz bestimmt nicht zu den feinfühligsten seiner Art. Leichte Piloten könnten gut beraten sein, sämtliche Volume-Spacer aus dem Dämpfer auszubauen. Dennoch gibt es speziell bei niedrigerem Tempo so gut wie kein „Hängenbleiben“ am Hinterrad. Steine und Wurzeln werden brav überrollt, ohne Gleichgewicht und Flow zu stören.
Apropos Flow - der ist dem agilen Root Miller ein deutlich besserer Geselle als die ruppige Felspiste. Denn während flachere, verspielte Trails und Wurzelteppiche mit kleineren Sprüngen ein breites Grinsen ins Gesicht zaubern, verlangen ruppige Abschnitte, grobe Felspassagen und höhere Geschwindigkeiten nach einer strengen Hand. Hier kann die Front des Root Miller schon mal nervös werden - aber es ist ja auch ein Trailbike mit einem Plus an Federweg und kein High-Speed EWS-Racer.

 Will aktiv gefahren werden - belohnt dies aber auch. 

Das Root Miller am Trail

Unterm Strich präsentiert sich das Fully als Rad für aktive Piloten. Das Rose verlangt nach einer sehr aktiven Fahrweise, unterstützt diese aber auch und belohnt dann mit agilen Fahreigenschaften bis in den mittleren Geschwindigkeitsbereich. Trotz der großen Laufräder und ihrer Reserven liegen dem 150 mm Bike enge Passagen und Spitzkehren absolut.

Leider kommen die G2 Bremsen bei angepasster - sprich langsamer - Fahrweise über steile, verblockte Trails schnell an ihre Grenzen. An einem Einsteiger-tauglichen Trailbike mit Sicherheitsreserven - was das Root Miller unbestreitbar ist - würde sich eine etwas standfestere Bremse besser machen. Für flowige Trails bleibt aber alles im grünen Bereich.
Ein weiteres Manko stellt, wenn man so möchte, der Rose-Dropper dar. Dieser zeigt sich äußerst schwergängig, verlangt nach vollem Gewichtseinsatz um ihn abzusenken und macht für den vollen Auszug immer wieder den Griff zur Sattelspitze nötig. Das muss 2020 auch in diesem Preisbereich souveräner funktionieren.

Fazit

Rose Root Miller 3
Modelljahr: 2021
Testdauer: 2 Wochen
Preis: € 3.399,- UVP
+ Optik
+ Ausstattung
+ Preis
+ Verarbeitung
+ Sitzposition
o Lenkwinkel dürfte flacher sein - muss es für den Einsatzzweck aber nicht
o Bremsen nicht sehr standhaft
- unkomfortabler Lenker
- hakeliger Dropper
BB-Urteil: Trail- und Tourenfully mit Sicherheitspolster

Mit dem Root Miller 3 liefert Rose genau das ab, was auf der Homepage versprochen wird: ein zuverlässiges, vielseitiges Trail- und Allmountain-Bike mit gutmütigem Charakter und hoher Agilität zum fairen Preis.
Am wohlsten fühlt sich das moderat geschnittene 150 mm 29er bis in mittlere Geschwindigkeiten, wird es zu ruppig und die Gangart zu rau, kündigt das Rad seinen Grenzbereich rechtzeitig durch eine leicht nervöse Front an. Das Bike verlangt nach einer aktiven Fahrweise, unterstützt diese aber auch.
Wer nach Reserven auf seinen Touren sucht, den Flow und verspielte, teils enge Trails liebt, und Fullface-Helme maximal aus Gatschupfer-Zeiten am Mofa kennt, ist gut bedient. Auf der Suche nach einem waschechten Enduro oder Trailbike für die harte Gangart wird man aber anderswo glücklicher.

Zu einem absolut vernünftigen Preisen liefert Rose mit dem Root Miller ein vielseitiges Fully für Touren in mittelschwerem Gelände. Und mit der nicht zu extremen Geometrie dürfte das Rad auch eine große Vielfalt an Ansprüchen abdecken.


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