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Test: FOX 36 Float FIT HSC/LSC

Test: FOX 36 Float FIT HSC/LSC

23.08.17 07:05 4.076Text: Ralf HauserFotos: NR22, Chiara StifterDer potente Glattbügler geht 2018 mit überarbeiteter Evol-Luftkammer und zahlreichen Detailverbesserungen auf die Piste. Wieviel diese bringen, soll der Bikeboard-Test zeigen.23.08.17 07:05 4.130

Test: FOX 36 Float FIT HSC/LSC

23.08.17 07:05 4.130 Ralf Hauser NR22, Chiara StifterDer potente Glattbügler geht 2018 mit überarbeiteter Evol-Luftkammer und zahlreichen Detailverbesserungen auf die Piste. Wieviel diese bringen, soll der Bikeboard-Test zeigen.23.08.17 07:05 4.130

Zur Zeit ist die orangefarbene Lackierung der Fox-Gabeln Werksfahrern und Testgabeln vorenthalten, die Innereien der 2018er Fox 36 Float sind allerdings auch in schwarzem Gewand ident . So spendiert Fox seiner 36er-Linie eine brandneue Evol Luftkammer, überarbeitete Federkennlinie und Dämpfungsabstimmung, welche den forderndsten All-Mountain- und Enduro-Ansprüchen gerecht werden sollen.

Die Daten

Erhältlich für 26" (160 oder 180 mm Federweg), 27,5" (150, 160 oder 170 mm Federweg) oder 29" (150 oder 160 mm Federweg) Laufradgrößen, bestimmen drei verschiedene Dämpfungskartuschen das Lineup der 36: die hier getestete FIT HSC/LSC-Version mit verstellbarer High- und Lowspeed Kompressionsdämpfung, eine FIT4-Kartusche mit 3-Positionshebel, beziehungsweise eine günstigere FIT GRIP-Variante.
Ein doppelter Kreislauf der Zugstufendämpfung erlaubt ein kontrollierteres Ausfedern nach starken Schlägen und schnellere Freigabe des Federwegs nach rapide aufeinanderfolgenden Schlägen.
Die Verwendung eines neues Dämpferöls mit PTFE sorgt für verbesserten Durchfluss bei Kompression und Rebound.

Die neue Evol-Technologie - mit extra Volumen in der negativen Luftfeder - sorgt für eine linearere Federkennlinie und verbessertes Ansprechverhalten im ersten Viertel des Federwegs, zusätzliche Unterstützung im mittleren Bereich und verbesserte Anpassung der Endprogression (diese kann mit Volumen-Spacer beeinflusst werden).
Die Float Evol Luftfeder arbeitet zusätzlich mit selbstregulierendem Druck in der Negativkammer, um für optimale Anpassung auf das Fahrergewicht zu sorgen.

Als Achsoptionen kann man zwischen 15 x 110 mm (Boost), 15 x 100 mm, beziehungsweise, dank konvertiblem Achssystem, zwischen 15 und 20 mm Adaptern wählen (15 und 20 mm Achsen sind inbegriffen).
Die Post Mounts nehmen 180 mm Bremsscheiben ohne Adapter auf.
Mit 2.035 Gramm bei voller Steuerrohrlänge fällt sie für ein Gravity-Modell ziemlich leicht aus.

Das Tapered Steuerrohr versteht sich heutzutage von selbst, die Kashima Beschichtung der Tauchrohre für butterweiches Ansprechverhalten bei den Factory-Modellen, zu welchen die 36 Float HSC/LSC zählt, mittlerweile eigentlich auch.
Die erhältliche Farbe beschränkt sich auf mattschwarz. Die Kosten belaufen sich auf happige € 1.399,–.

Auf dem Trail

Es ist schwierig, ein verdammt gutes Produkt noch besser zu machen. Um sämtliche Facetten der neuesten Entwicklungsstufe der 36 auch richtig austesten zu können, ließen wir uns gehörig Zeit und suchten einige der besten europäischen Enduro-Hotspots auf. Sölden, Ischgl, Nauders, Kronplatz, Dolomiten und ein zweiwöchiger Trip nach Finale Ligure standen ebenso auf dem Programm, wie eingestreute Bikepark-Sessions in Kàlnica oder am Semmering.

Mit einem überraschend niedrigen Gesamtgewicht gibt es bergauf grundsätzlich nicht viel zu berichten, außer, dass es weder eine dezidierte Kletterfunktion beim HSC/LSC-Modell gibt, noch irgendein Modell der 36er-Serie mit absenkbarer Talas-Technologie erhältlich wäre. Letztes finde ich persönlich etwas schade, ist vor allem ein steilerer Sitzwinkel bei langen Uphills einfach Goldes wert. Generell zeigt sich die Gabel von regulären Treteinflüssen ziemlich unbeeindruckt und relativ wippfrei, macht aber brav Unebenheiten den gar aus. Selbst im Wiegetritt hält sich der Schaukelstuhleffekt trotz 170 mm Federweg in Grenzen.
Wer nach zusätzlichem Gegendruck sucht, kann sich mit dem Einstellrad der Druckstufendämpfung oben am Gabelholm mit der Low-Speed-Verstellung spielen.
 

Ist mir aber grundsätzlich bei diesem Modell alles egal, was wirklich zählt ist die Funktion bergab. Und hier haben die Ingenieure wieder einmal ihre Magie spielen lassen, federt und dämpft die 2018er Edition der 36 Float auf einem Niveau der Extraklasse.

Dabei nutzte ich die lange Testphase um verschiedenste Setups auszuprobieren, zu evaluieren und wieder zu verwerfen, um zu meinem persönlichen Lieblingssetup zugelangen. Dabei sei angemerkt, dass bereits geringe Änderungen im Luftdruck in spürbaren Unterschieden im Federungsverhalten resultierten.
Empfohlen wird ein Sag von 15 bis 20 Prozent. Nach langem Hin- und her war ich mit einem Sag einen Hauch über 20 Prozent, keinem Volumen-Spacer und komplett offener Druckstufendämpfung am glücklichsten, wohlgemerkt mit dem Ziel Schläge aller Art möglichst effizient und ermüdungsfrei für die Hände zu eliminieren und das Maximum aus ihrer hervorragenden Sensibilität herauszuholen. Wäre ich ständig am Limit unterwegs und wäre die absolut schnellste Zeit bergab mein Ziel, würde ich die Gabel etwas härter fahren.

In dieser Form legt die 36 einen Komfort an den Tag, bei dem ich nach einem langen Shuttletag in Finale Ligure mit über 5.000 Tiefenmetern überrascht war, wie entspannt sich meine Hände noch anfühlten. Wäre für den Guide nicht Feierabend gewesen und unsere Gruppe im Laufe des Tages aufgrund der Temperaturen und zurückgelegten Strecke nicht auf zwei Personen von anfänglichen neun geschrumpft, hätte das Downhill-Spektakel ruhig weitergehen können. Keine Selbstverständlickeit, war mir das von einem Trip im Jahr zuvor auf anderem Material noch anders in Erinnerung.

Trotz des weicheren Setups, als ich normalerweise meine Federung abstimmen würde (meine Wahl des Luftdrucks befand sich auch einige psi unterhalb des für mein Gewicht empfohlenen Wertes von Fox), zeigte die Gabel guten Gegendruck im mittleren Federungsbereich um bei steileren Trails nicht wegzusacken und nicht bei jedem richtig harten Schlag durchzuschlagen. Vielmehr war es möglich den Federweg bei harter Fahrweise oft beinahe bis zum Ende auszunutzen und das Potenzial der 170 zur Verfügung stehenden Millimeter wenn nötig kontinuierlich auszureizen. Ab und an war der Federweg komplett ausgenutzt, ohne jedoch während der Fahrt einen Anschlag vernommen zu haben. Die Kontrolle in ständig wechselnden Gelände und bei variierenden Geschwindigkeiten war dabei faszinierend und inspirierend und lud zu einigen Hatzern ins Ungewisse, frei nach dem Motto: "die Gabel wird es schon richten", ein.
Dank fetter Tauch- und Standrohre gibt es auch für schwere Fahrer nichts in puncto Lenkpräzision und Verwindungssteifigkeit zu bemängeln.

Einzig für Sprünge oder pumptrackartige Streckenführung ist dieses Setup eher ungeeignet, sucht die Gabel vehement nach permanentem Bodenkontakt und lässt sich nur wiederwillig von Mutter Erde lösen. Etwas höherer Luftdruck in Richtung der empfohlenen Werte und ein paar extra Clicks der Kompressionsdämpfung ändern dieses Verhalten allerdings schnell. Begleitet wird die Federungsarbeit durch oftmalig schmatzende Töne, die von sensiblen Gehören zwar Anfangs als etwas störend wahrgenommen werden könnten, irgendwann aber nur mehr zum Nebengeräusch mutieren.

 Fügt man alle Spacer hinzu, kann vermutlich auch King Kong mit einem beherzten Sprung vom Empire State Building hinunter nicht den vollen Federweg ausnutzen ... 

Kaum Grenzen beim Tuning-Potenzial der Fox 36 2018.

Wäre ich öfter in Bikeparks mit höhen Drops unterwegs, würde ich einen Volumen-Spacer zum Setup hinzufügen. Fügt man alle Spacer hinzu, kann vermutlich auch King Kong mit einem beherzten Sprung vom Empire State Building hinunter nicht den vollen Federweg ausnutzen. Mit dem neuen Stecksystem lassen sich die Volumen-Spacer übrigens unkompliziert an der Innenseite des Top-Caps aneinanderketten. Je nach Federweg variiert die maximale Anzahl an Spacern, bei 170 mm Federweg sind es fünf.

Damit summieren sich die Eigenschaften der Einstellungsmöglickeiten zum Traum eines jeden Tüftlers. Mit etwas Hirn und ein bisschen herumprobieren, können verschiedenste Funktionsverhalten und Verläufe von Federkennlinien über ein sehr breites Spektrum erzielt werden. Um nicht die Nerven zu verlieren, darf man aber ruhig auf die empfohlenen Standard-Settings von Fox vertrauen, um sich über diese, Schritt für Schritt an sein Traumsetup anzunähern.

Erwähnenswert ist auch die hohe Reifenfreiheit, die für Reifen mit größerem Volumen Platz macht bzw. für sehr gute Gatschfreiheit sorgt.

Fox 36 Float FIT HSC/LSC
Modelljahr: 2018
Testdauer: 5 Monate
+ Schluckfreudige und ermüdungsarme Federungsperformance
+ Zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten
+ Variierbare Endprogression
+ Phänomenale Traktion
+ Relativ leicht
+ Sehr steif
o Nicht gerade billig
BB-Urteil: Federungsperformance der Extraklasse mit zahlreichen Einstellungen zur Individualisierung des Federungsverhaltens.


Seit nunmehr über einem Jahrzehnt ein fester Bestandteil der Enduro- und Freeride-Szene, legt die 2018er-Edition der Fox 36 Float mit neuer Evol Luftfederung eine Federungsperformance an den Tag, die alles glattbügelt, was ihr in den Weg kommt. Klar, ein Schnäppchen ist sie auch für ein Top-Modell nicht, dafür wird mit dieser Gabel Wegen, die einst eine echte Herausforderung an müde Arme stellten, der Biss genommen und durch höchste Kontrolle und Performance rücken Bestzeiten den Berg hinab in greifbare Nähe.
Dabei bietet sie mit anpassbarer Federkennlinie, High- und Lowspeed Druckstufenverstellung und sogar intern verstellbarem Federweg eine optimale Plattform, um Tüftler und Racer zum individuell gesuchten Federungsverhalten zu führen. Alles in allem, bekommen abfahrtsorientierte Biker mit der 36 Float Evol HSC/LSC ein Produkt spendiert, mit dem jeder zurückgelegte Tiefenmeter zum wahren Abfahrtsvergnügen wird.


Ergebnis 1 bis 4 von 4
  1. #1
    Registrierter Benutzer Avatar von NR22
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    FOX 36 Float FIT HSC/LSC

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  2. #2
    Geht scho! Avatar von FloImSchnee
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    Habe jetzt den Test nochmal nachgelesen, nachdem ich neuerdings auch eine 170er 36er-Luftgabel habe (2019 Grip2 allerdings), und verunsichert war, ob das gscheit ist, dass ich schon wieder (wie zuvor bei der 180er Van) bei ganz offenen Druckstufen lande.

    Beruhigend, dass es dir auch so ging.

    Der Gegenhalt passt bislang -- noch keine supertechnischen und steilen Trails allerdings bislang.
    Mir fällt nichts ein, das mich motivieren könnte, die Druckst-Dämpfung zu erhöhen?

    Grob 20% Sag, Federwegsausnutzung bei Sprüngen etwa 80-90%.

    Top Tests schreibst du übrigens immer!
    Hier kaufe ich ein: Bike-Station Bad Ischl

  3. #3
    Geht scho! Avatar von FloImSchnee
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    Nachsatz: bissl lästig, dass Fox nicht auch so wie Rockshox Skalen auf die Standrohre aufdruckt.
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  4. #4
    Registrierter Benutzer Avatar von NR22
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    @FlolmSchnee: Die Grip2 habe ich mittlerweile auch schon getestet: https://bikeboard.at/Board/Fox-Float...-DPX2-th242528

    Bei der Grip2 finde ich die Druckstufendämpfung viel harmonischer als ich es je bei einem System gespürt habe. Ich glaube ich fahre drei oder vier Click der High-Speed-Kompression von komplett offen bei Grip2. Hilft manchmal bei hohen Drops oder wenn sich eine Wurzel in der Landung versteckt und man ungewollt drauf landet, damit man nicht ganz so hart durchschlägt.

    Freut mich, dass die Tests gefallen.

    Das mit der Skala auf den Standrohren habe ich mich auch beim letzten Testbike gewunschen, auch wenn man das Setup nicht so oft vornimmt.