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Test: Sram GX DH & Truvativ Descendant

Test: Sram GX DH & Truvativ Descendant

24.10.16 11:24 4.927Text: Ralf HauserFotos: Chiara Stifter, NR22Mit der spezifischen Downhill-Schaltgruppe GX DH will Sram Abfahrer glücklich machen, ohne dass diese ein Loch in ihren Geldbeutel brennen müssen.24.10.16 11:24 4.961

Test: Sram GX DH & Truvativ Descendant

24.10.16 11:24 4.961 Ralf Hauser Chiara Stifter, NR22Mit der spezifischen Downhill-Schaltgruppe GX DH will Sram Abfahrer glücklich machen, ohne dass diese ein Loch in ihren Geldbeutel brennen müssen.24.10.16 11:24 4.961

Wie bei Komponentenherstellern oft der Fall, profitiert auch Srams preisgünstigere DH-Gruppe von den teuer erarbeiteten technologischen Neuheiten der Top-Gruppen wie der bereits existierenden X01 DH - nur eben etwas später.
Die GX DH teilt also einige innovative Features, welche auf die hohen materialfordernden und spezifischen Ansprüche des Abfahrtssports eingehen. Sie besteht aus drei Bausteinen: Der 7-fach Kassette, dem Schaltwerk und dem Schalthebel.

Passend zur Gruppe ist auch die neue Descendant DH-Kurbel aus dem Sortiment von Truvativ vom Stapel gelaufen.
Damit bietet Sram eine komplette Gruppe an, die vor allem auf günstigeren Downhill-Modellen zu finden sein wird und Fahrer mit kleinerem Geldbeutel anspricht.
Gut zu wissen: Alle Teile der GX DH sind mit der X01 DH kompatibel.

Die Daten

Anders als bei der X01 DH benötigt die GX DH nur einen herkömmlichen Freilaufkörper zur Montage der 7-fach Kassette und keinen speziellen XD-Driver Freilaufkörper. Dafür kann naturgemäß das kleinste Ritzel nur eine Größe von minimal 11 Zähnen aufweisen.
Die PG 720-Kassette kommt mit einer Abstufung von 11, 13, 15, 17, 19, 22 und 25 Zähnen, wobei die einzelnen Ritzel durch Spacer getrennt sind und lose auf dem Freilaufkörper aufgefädelt. Ein spezieller leichter Abstandshalter sorgt für den Abschluss. Durch die geringere Anzahl von Gängen ist der Wechsel vom kleinsten zum größten schneller vollzogen. Preis: € 36,–
Das 220 g leichte Ritzelpaket ist auch kompatibel mit der Sram X01 DH-Schaltgruppe.

Dank des parallelogrammartig aufgebauten X-Horizon-Designs wird die Bewegung des GX DH X-Horizon-Schaltwerks entlang der Horizontalachse begrenzt und damit Ghost-Shifting, sowie die aufzuwendende Schaltkraft, reduziert. Durch den großen Versatz des oberen Schaltröllchens mit zwölf Zähnen wird ein konstanter Kettenabstand in jedem der sieben Gänge gewährleistet. Das Gewicht beträgt 263 g.
Die Roller Bearing Clutch-Technologie hält die Kette unter ständiger Spannung und reduziert das Kettenschlagen. Mittels Cage Lock kann der Käfig für simpleren Radaus- und -einbau in Vorwärtsposition arretiert werden.
Das Schaltwerk ist nur mit einem Käfig mit mittlerer Länge erhältlich und auch mit der X01 DH-Gruppe kompatibel und kostet €119,–.

Mit dem GX DH 1 x 7 X-Actuation Trigger-Schalthebel wird das Schaltwerk über einen längeren Seilzug angesteuert, welcher die Lebensdauer erhöht.
Der Hebel mit 133 g ist in zwei Positionen an der Klemmschelle zu befestigen, um für den gewünschten Abstand zum Lenkergriff mit verschiedenen Bremsgriffen zu sorgen. Der Trigger ist mit MatchMaker X kompatibel, um den Schalthebel direkt mit Bremshebeln von Sram oder Avid zu verbinden. Preis: € 48,–.

Die empfohlene Kette für die GX DH ist die PC-1130. Mit PowerLock Verschlussglied und chromverstärkten Stiften ist sie in ihrem Aufbau eine der stabilsten Modelle im Lineup von Sram. Mit 114 ungekürzten Kettengliedern wiegt sie 259 g und ist um € 25,– zu haben.

Mit 725 g für die Kurbeln samt Achse (plus 110 g für 83 mm GXP Lagerschalen) mit montiertem 34er Kettenblatt ist die Descendant DH richtig leicht, vor allem für den veranschlagten Preis.
Gefertigt aus Aluminium, verfügt das Weltcup-erprobte Design der Kurbel über einen 94 mm Lochkreis. Erhältlich ist sie für GXP 83 und GXP 104,5/107 mm bzw. PressFit 30 Tretlagerschalen. Preis: € 166,– bis € 214,–.

An der Front findet sich ein X-Sync Kettenblatt mit NarrowWide-Form, um die Kette vor einem Herunterfallen zu bewahren. Verschiedene Größen mit 94 mm Lochkreis sind erhältlich (30, 32, 34, 36 und 38).
Der Preis variiert von € 72,– bis € 82,–.

Click und weg

Unscheinbar sieht das schwarze, sowohl matte als auch glänzende Schaltwerk aus, und dennoch kann es seine Verwandtschaft zum weitaus teureren X01 DH Kollegen nicht verbergen. Der praktisch wahrnehmbare Unterschied zwischen X01 DH und GX DH ist jedenfalls geringer, als das Preispickerl vermuten lassen würde.
Das Setup ist im Nu vollbracht - scheinbar vereinfacht die Limitierung auf sieben Gänge auch die Einstellarbeit.
Auch mit entschlossenem Tritt in die Pedale schaltet das Siebenfach-Setup selbst unter Last vertrauenerweckend rasch die Gänge. Die Geräuschentwicklung hält sich dabei in Grenzen und es kommt kaum das Gefühl auf, dass man der Schaltung mit einer derartig groben Behandlung etwas Schlechtes tun würde.
Dementsprechend hoch ist die Präzision des Gangwechsels. Die Gänge rasten sicher und definiert in ihrer Position ein. Ein eventuelles Nachdrücken mit dem Daumen, um der Kette beim Hinaufschalten auf den höheren Gang zu helfen (wie es bei manch anderen Schaltgruppen in der Vergangenheit der Fall war, bzw. bei nicht perfekt justierter Einstellung vielleicht immer noch ist), ist nicht nötig.

Eine der feinsten Nebenerscheinungen der GX DH ist, wie leise die Gruppe arbeitet. Hauptsächlich dafür verantwortlich ist das Schaltwerk, welches durch seine Parallelogramm-Konstruktion sämtliche Schaltvorgängen nur in horizontaler Richtung stattfinden lässt und dadurch das Kettenschlagen stark reduziert wird. Durch eine starke Rückholfeder wird dieser Effekt weiter verstärkt.
Selbst auf Wurzelstrecken surrt das Bike somit in leiser Manier über den Trail. Auch im Versuch mit abgenommenem Kettenstrebenschutz gibt die Downhill-Schaltung keine ablenkenden Geräusche von sich, obwohl wir je nach Design und Lage der Kettenstreben nicht behaupten wollen, dass es zu keinerlei Kontakt der Streben mit der Kette kommen kann.

MIt einem 34er-Kettenblatt an der Front würde sich mit dem 10er Ritzel einer X01 DH an der Kassette ein Verhältnis von 3,4 ergeben, im größten Gang mit 24er Ritzel 1,42. Kalkuliert man mit selbiger Kettenblattgröße bei der 11-25er Kassette der GX DH, ergibt sich ein Verhältnis von 3,09 im härtesten Gang, 1,35 im leichtesten.
Es liegt also nahe, auf ein größeres Kettenblatt zu wechseln, wenn der durchs Treten zu erreichende Top-Speed im Vordergrund steht. Um ein zur X01 DH vergleichbares Gangverhältnis zu erreichen, müsste man dann zu einem 38er-Blatt greifen. Dann würde sich mit dem 11er Ritzel ein Verhältnis von 3,45 ergeben, allerdings auch eine höchste Gangübersetzung von nur 1,52 mit dem 25er Ritzel.

Somit wird klar: an das Übersetzungsverhältnis einer X01 DH-Gruppe kann die GX DH nie heranlangen und der Bodenabstand ist mit einem größeren Kettenblatt naturgemäß geringer als bei einer X01 DH.

Mit dieser Erkenntnis liegt vermutlich der größte merkbare Unterschied am Tisch. Dafür kommt das System mit einem herkömmlichen Freilaufkörper aus, der vor allem auf preisgünstigeren und älteren Downhill-Bikes wohl immer noch zum Standard gehört.
Im Endeffekt hat sich ein 36er-Kettenblatt als gutes Mittelding in puncto Gangwahl herausgestellt, ohne dass das Gefühl entstehen würde, über mangelnde Bandbreite zu verfügen.
Wir sind uns sicher, dass Sram die Abstufung mit 25er-Ritzel als maximale Kassettengröße aufgrund der Schaltperformance unter Last gewählt hat. Interessieren würde es uns dennoch, ob die Schalteinheit darunter leiden würde, wenn die Kassette zum Beispiel auf den letzten beiden Gängen etwas größere Sprünge - beispielsweise bis hinauf zu einem 27er Ritzel - machen würde.

Dadurch, dass die X01 DH und GX DH Schaltgruppen untereinander kombinierbar sind, kann die GX DH auch mit einem XD-Driver Freilaufkörper verwendet werden - vorausgesetzt, man inkludiert die X01 DH Mini-Block-Kassette ins Setup, auch, wenn diese beinahe den neunfachen Preis kostet.

Wie schon von der X01 DH bekannt und geliebt, ist das schnelle Durchschalten vom kleinsten zum größten Gang einer der größten Vorteile der Downhill-spezifischen Gruppe.
So kann auch nach schlecht einsehbaren Kurven im Bedarfsfall rasch und unter Last hochgeschalten werden, sollte sich dahinter ein kleiner Anstieg befinden. Selbiges gilt außerdem, wenn ein gröberes Hindernis den Vortrieb stoppen sollte und man hastig wieder Schwung aufbauen muss.

Dabei können maximal vier Gänge auf einmal mit dem Daumen hochgeschalten werden, also mehr als die Hälfte der Bandbreite. Dazu müsste man allerdings die Handposition am Lenker drehen, da der Winkel des Hebels für normale Handgrößen zu weit ausfällt, um ihn ohne Positionsverlagerung über vier Gänge betätigen zu können. Im Normalfall schaltet man also bis zu drei Gängen gleichzeitig, durch die schnelle Schaltfunktion gelangt man aber auch auf diese Art schnell vom einen zum anderen Ende der Kassette.
Der Positionswinkel des Schalthebels ist im Gegensatz zum X01 DH Trigger nicht in seiner Position zu verstellen. Wirklich nötig ist dies aber nicht, ist doch die Grundeinstellung von Sram wie immer gut gewählt.
Hinunterschalten kann man nur in einzelnen Gangsprüngen, mit einer schnellen Daumenbewegung kann aber problemlos mit den Gangsprüngen mitgehalten werden. Notfalls könnte der Hebel zum Hinunterschalten auch mit dem Zeigefinger aktiviert werden, aber anatomisch vorzuziehen ist das nicht wirklich.
Die benötigte Handkraft zur Betätigung der Schaltung ist als eher gering einzustufen.

In puncto Qualität und Haltbarkeit ließ die GX DH auch unter schlammigen Bedingungen während des Testzeitraums keinen Grund zur Beanstandung aufkommen. Da wir hier aber nicht einmal von der Dauer einer gesamten Saison reden können, wollen wir in puncto Langzeithaltbarkeit kein Urteil fällen.
Die Verarbeitungsqualität und spielfreien Lager lassen aber auf positive Dauerhaltbarkeit hoffen. Der Schalthebel baut, verglichen zur X01 DH, auf deutlich mehr Plastik, wird also vermutlich in Sachen Schlagresistenz nicht ganz an die Vorgabe heranreichen.

Ließ sich die GX DH also keine Abnützungserscheinungen anmerken, kann die Truvativ Descendant DH selbiges leider nicht von sich behaupten. Grundsätzlich muss man sich damit abfinden, dass eloxierte oder lackierte Kurbeln über kurz oder lang Schleifspuren im Schuhbereich aufweisen und das silberfarbene Metall darunter hervortritt.
Bei der Descendant DH war dies allerdings bereits nach nur drei Abfahrten geschehen - schwach. Wen diese optische Abnützung grundsätzlich stört, der sollte also bereits vor der ersten Abfahrt eine Schutzfolie anbringen.

Abgesehen davon gibt es allerdings nichts an der Kurbel zu bemängeln. Das Gewicht ist gering, die Steifigkeit liegt auf hohem Niveau. Aufgrund der sauberen Linienführung ohne viele Einbuchtungen bleibt außerdem wenig Matsch in Zwischenräumen hängen.
Direct-Mount Kettenblätter von Sram nimmt sie mit ihrem fixen Stern mit 94er Lochkreis zwar nicht auf, damit kann man aber leben.

Wir sind in unserem Testbetrieb ohne Kettenführung gefahren und hatten am Trail keinerlei Probleme mit einer herabfallenden Kette. Passieren kann es dennoch, wie sich beim Ablegen des Bikes am Parkplatz einmal herausstellte, bei welchem während einer anscheinend ungünstigen Rückwärtsbewegung der Kurbel die Kette vom Blatt fiel.
Sicherer ist die Verwendung mit Kettenführung vor allem im Rennbetrieb auf alle Fälle, aber ein Auskommen ohne - dank der X-Sync Kettenblätter und starker Kettenspannung des Schaltwerks - durchaus möglich.

Fazit

Sram GX DH & Truvativ Descendant
Modelljahr:2016
Testdauer:4 Wochen
+präzise Schaltfunktion, selbst unter Last
+schnelles Durchschalten der Bandbreite
+geringes Gewicht
+wenig anfällig für Schmutz
+geringe Chance für Herunterfallen der Kette vom NarrowWide Kettenblatt, erlaubt sogar die Nutzung ohne Kettenspanner
+Sehr gutes Preis/Leistungsverhältnis
+Kompatibel mit normalem Freilaufkörper
ogeringere Bandbreite als X01 DH-Kassette
BB-Urteil:Leicht, leise und präzise teilt sich die GX viele Vorzüge der X01 DH - bei weitaus geringerem Preis.

Mit einer Performance, die der einer X01 DH-Gruppe sehr nahe kommt, aber einem Preis, der keiner Aufnahme eines Kredits bedarf, ist die GX DH ein faszinierendes Stückchen Technologie, das auf allen Downhill-Strecken dieses Planeten begeistern kann.

Die Bandbreite der Übersetzung ist geringer als jene der X01 DH, dafür kann (bzw. muss) die Kassette der GX DH mit herkömmlichem Freilaufkörper verwendet werden.
Aufgrund der Kompatibilität mit allen X01 DH-Komponenten kann durch gezielte Wahl der Komponenten der Preis einer Ausstattung gedrückt werden.

Die Truvativ Descendant DH-Kurbel passt gut zum Gesamtbild der Gruppe, nur ihr leicht abschleifbares Oberflächen-Finish kostet sie Punkte.

Geringes Gewicht und ein großartiges Preis/Leistungsverhältnis werden die Downhill-spezifische Gruppe einem breiten Publikum zugänglich machen und dieses auch begeistern.


Ergebnis 1 bis 3 von 3
  1. #1
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    Test: Sram GX DH & Truvativ Descendant

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  2. #2
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    Mich würde mal interessieren, wie breit die Auflage der einzelnen Ritzeln ist. Früher bei den 7Fach Kassetten, haben sich die Ritzel immer schön in den Freilauf gefressen...

  3. #3
    Registrierter Benutzer Avatar von grey
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    Ist die Kassette auch mit 10fach Zeug schaltbar?