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20. Alpentour Trophy Review

20. Alpentour Trophy Review

11.06.18 12:22 4.243Text: PM, NoManFotos: Regina Stanger, GiRoPhoto/Gilbert RomaneDie Jubiläumsausgabe des steirischen MTB-Etappenrennens endete mit Triple-Erfolgen für Tony Longo und Christina Kollmann-Forstner.11.06.18 12:22 4.274

20. Alpentour Trophy Review

11.06.18 12:22 4.2741 Kommentare PM, NoMan Regina Stanger, GiRoPhoto/Gilbert RomaneDie Jubiläumsausgabe des steirischen MTB-Etappenrennens endete mit Triple-Erfolgen für Tony Longo und Christina Kollmann-Forstner.11.06.18 12:22 4.274

Nach dem finalen Zeitfahren auf die Planai war alles klar: Die gebürtige Steirerin Christian Kollmann-Forstner, nunmehr wohnhaft in Oberösterreich, schaffte bei ihrem „Heimrennen“ den Hattrick. Und auch der Italiener Tony Longo konnte im Ziel auf der Schafalm über seinen – wenn auch nicht in Serie errungenen - dritten Gesamtsieg bei der Alpentour Trophy jubeln.
Verfügte die schnellste Dame jedoch bereits ab Tag 1 über ein komfortables Zeitpolster auf die schließlich zweitplatzierte Belgierin Githa Michiels sowie die Dritte, Jitka Škarnitzlová (CZE), entwickelte sich das Herren-Klassement zum Krimi bis zur letzten Minute. Denn Longo, Etappensieger auf der Dachstein- und Giglachsee-Etappe, hatte nach dem dritten Tag auf den Hauser Kaibling zwei Strafminuten für einen unerlaubten Laufradwechsel aufgebrummt bekommen und ging mit nur mehr 1:22 min. Vorsprung auf Vorjahressieger Daniel Geismayr und dessen Centurion Vaude Teamkollegen Markus Kaufmann (GER) ins alles entscheidende Bergzeitfahren.
„Das war heute richtig hart für mich, weil ich mich nicht so gut gefühlt habe wie an den anderen drei Tagen. Außerdem hat mich die Zeitstrafe geärgert, weil ich sie nicht fair fand. Ein Teamkollege hat mir ausgeholfen. Da wir ein so riesiges Team sind, ist er bei der UCI jedoch in der zweiten Mannschaft gemeldet. Meiner Ansicht nach war das ein reiner Formfehler“, resümierte der Italiener. Letztlich dürfte ihn die Strafe aber auch motiviert haben: 38 Sekunden rettete der 33-Jährige overall auf Tagessieger Daniel Geismayr, für den die Alpentour nach drei eher unrunden Tagen versöhnlich und mit den gewohnt guten Beinen endete.

Aber auch Christina Kollmann-Forstner dachte trotz zweier Etappensiege und über zehn Minuten Vorsprung nicht daran, beim Hillclimb die Füße hochzunehmen. "Das Bergzeitfahren wollte ich unbedingt gewinnen, das war mir wirklich wichtig." Als sie schließlich bei der Planai Mittelstation die Belgische Staatsmeisterin eingeholt hatte, war sie sich ihres Erfolges sicher. Zeit, die herrliche Aussicht zu genießen, sei zwar nicht geblieben, das Flair eines Heimrennens - Kollmann-Forstner stammt aus Haus im Ennstal - war für die Damen-Siegerin dennoch zu spüren. "Es war schon schön, meine Familie und auch die Einheimischen, die mich kennen, an der Strecke zu sehen, die mich angefeuert haben!”

Jubiläum im Zeichen des Friedens

Vor dem Showdown auf die Planai drehte sich in der Schaldming-Dachstein-Region bereits drei Tage lang alles um die Mountainbiker, die zahlreich wie noch nie - über 400 Anmeldungen waren eingegangen - zur 20. Ausgabe des Etappenrennens gekommen waren. Einzigartig dabei die Internationalität des Starterfeldes: Teilnehmer aus insgesamt 34 (!) Nationen fanden sich anlässlich des runden Trophy-Geburtstages gemeinsam an der Startlinie ein, darunter erstmals auch jordanische, israelische und palästinensische Radfahrer.
Die Abordnung aus dem Mittleren Osten fungierte sozusagen als Botschafter für ein Friedensprojekt der ganz besonderen Art: Im März 2019 wird nach vierjähriger Vorbereitung erstmals die "Middle East Cycling Tour" mit Start in Amman (8.3.) und Ziel in Jerusalem (14.3.) ausgetragen. Hauptinitiator dieses Rennrad-Rennens für Profis, Amateure und Hobby-Biker ist Trophy-Organisator Gerhard Schönbacher.
Im Rahmen der traditionellen, geselligen Abende im Schladminger Congress wurde der Bewerb über 600 Interessierten - Sportlern und deren Familien, Helfer und Ehrengäste - präsentiert und auch kulinarisch schmackhaft gemacht. Die Fahrer aus dem Mittleren Osten wiederum zeigten sich begeistert von Land, Leuten und ihren eigenen Leistungen. "Für mich wird ein Lebenstraum wahr werden, wenn Radsportler aus der ganzen Welt den Friedensgedanken im Sport gemeinsam bei der Middle East Tour 2019 unterstützen. Dass wir jetzt schon Athleten aus dem Mittleren Osten gemeinsam bei der Alpentour Trophy haben, beweist, dass Sport tatsächlich keine Grenzen kennt", so Gerhard Schönbacher.

Leiden für alle

… was nicht heißt, dass man als Trophy-Fahrer keine Grenzen kennt. So mancher der Hobby-Biker und Amateure, die in einer der Altersklassen bzw. der für Zweierteams reservierten Adventure-Wertung antraten, musste seine individuelle Komfortzone verlassen, um am Ende als erfolgreicher Finisher der Alpentour Trophy heimfahren zu können. Immerhin stellten sich ihnen insgesamt fast 200 Kilometer und über 9.000 Höhenmeter in den Weg.
Einzig die E-Biker, welche am Finaltag den Weg zur Schafalm mit eingebautem Rückenwind antraten, wirkten auch nach dem Bergzeitfahren noch tiefenentspannt. Als „Genussfahrt“ bezeichnete etwa Skeletonpilotinund e-Bike Challenge-Gewinnerin Janine Flock aus Innsbruck ihren Hillclimb.

Somit wurde eines der renommiertesten Etappenrennen Europas auch im Jahr seines 20. Geburtstages wieder vollauf seinem Ruf gerecht, ein Rennen für alle Mountainbiker zu sein. Während die Profis dank S1-Status der UCI um beachtliche Weltranglistenpunkte und ein sattes Preigeld ritterten, kämpften die Amateure gegen ihre Lieblingsgegner, die Strecke, die Elemente oder sich selbst. Am Ende hatten die einen wie die anderen bewundernswerte Leistungen vollbracht, die sie im Kreise Gleichgesinnter nachbesprechen, teilen und feiern konnten.
In diesem Sinne wird die Alpentour Trophy auch nächstes Jahr im Juni wieder in Schladming steigen und voller Elan und Freude ins dritte Jahrzehnt ihres Bestehens gehen ...


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