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3-Länder Enduro Trails um Nauders und Reschenpass

3-Länder Enduro Trails um Nauders und Reschenpass

11.07.22 04:41 1.754Text: NoManFotos: Erwin HaidenZuhause ist, wo dein Herz ist. Und ans Wegenetz des 3-Länder-Ecks am Reschensee haben wir das unsere schon vor langer Zeit verloren. Neuerdings könnte das auch MTB-Neulingen passieren, wie unser jüngster Aufenthalt im Naturtrail-Eldorado zeigte.11.07.22 04:41 2.032

3-Länder Enduro Trails um Nauders und Reschenpass

11.07.22 04:41 2.0326 Kommentare NoMan Erwin HaidenZuhause ist, wo dein Herz ist. Und ans Wegenetz des 3-Länder-Ecks am Reschensee haben wir das unsere schon vor langer Zeit verloren. Neuerdings könnte das auch MTB-Neulingen passieren, wie unser jüngster Aufenthalt im Naturtrail-Eldorado zeigte.11.07.22 04:41 2.032

„Wiederkommen! Bald!“ Mit dieser Direktive hatte unser letzter Besuch der 3-Länder Enduro Trails vor zwei Jahren geendet. Und wie unglaubwürdig wären wir als Regions-Scouter, würden wir unsere eigenen Weisungen nicht befolgen?
Deshalb einmal mehr freudig eingepackt unsere sieben Bike-Sachen, mäßig freudig die lange Anreise nach Nauders in Kauf genommen und frohen Mutes eingerollt im Paradies.

 Wie Heimkommen, nur besser 

Ab zum Reschen! Jedes Mal wieder eine Freude ...

A sort of homecoming

Es ist, wie schon vor quasi Jahrzehnten: Ein fester Händedruck, und du bist drin. Der, der dich hereinbittet, heißt Harry Ploner, ist Hotelchef und Bikeguide, beides aus Passion. Dort, wo es liegt, ist Österreich, ist Italien, ist Schweiz, ist das Dreiländereck am Reschenpass.
Was für ein Empfang, den uns der MTB-Pionier der Region und Herr des Viersterne-Hotels Central bereitet! Unsere Ankunft fühlt sich ein bisschen an wie Heimkommen nach längerem Auslandsaufenthalt - nur besser, weil seltener am Programm. 2008 waren wir zuletzt bei Harry zu Gast. Mittlerweile erhält er tatkräftige Unterstützung durch seinen Sohn Michael - passionierter Biker auch er, und ein Meister der Küche, des Service und der Bar.
Außerdem: Welch Kulisse, die sich in dem auf fast 1.400 m gelegenen Hochtal noch immer auftut!

Nauders liegt eingebettet zwischen der Sesvennagruppe und den Ötztaler Alpen, an jenem schon um 50 nach Christus rege genutzten Handelsweg zwischen Römischem Reich und dem heutigen Augsburg, dessen Name gar wohltönend in den Ohren unzähliger Alpencrosser klingt: Via Claudia Augusta.
Harmlos, fast lieblich, muten die Beinahe-Dreitausender an, die - bis weit oben grün und bewaldet - auf den türkisblauen Reschensee schauen; und idyllisch schmiegen sich die Wiesen, Straßen und Dörfer an die Ausläufer und Almen, welche ihnen zu Füßen liegen.
Von unseren luxuriösen Suiten blicken wir zwar nicht mehr, wie damals, bevor der Hotelnachbar gebaut hat, auf Schloss Naudersberg. Dafür grüßen, wenn man genau schaut, die Anfangsmeter des 2021 fertiggestellten Zirmtrails von der Bergkastelspitze bis hinunter zu uns ins Central.

Der sechs Kilometer lange Flowtrail mit zig Wellenbahnen und Kurven, Sprüngen, Anliegern und Steinfeldern zählt zu einer von zwei Empfehlungen, welche der örtliche Tourismusverband für unseren diesjährigen Besuch ausgesprochen hat. Die zweite ist noch jüngeren Datums bzw. genau genommen sogar nach wie vor in Bau, hört auf den Namen Schöneben Flow Trail und ist, wie auch der Zirmtrail, als S0 klassifiziert.
Murmelbahnen im Mekka des Naturtrail-Juwels? Langweiliges Runterrollen über seelenlose Pisten, wo früher anspruchsvolles Spielen mit dem Gelände und den Gegebenheiten war?
Wer nun sogleich um die mindestens so einzigartige wie unter Könnern geschätzte Charakteristik des hiesigen Wegenetzes bangt und sämtliche Alarmglocken schrillen hört, sei beruhigt: All das, wofür die 3-Länder Enduro Trails bislang so geliebt wurden, ist immer noch da. Aber ergänzend bekommen nun auch Einsteiger, Familien mit Kindern oder Fans von Airtime sowie Styler zunehmend Möglichkeiten, die Gegend in ihr Herz zu schließen. Denn, so ehrlich muss man sein: Für das eine wie das andere Klientel war das Angebot in Nauders bis dato mau.

Kurvenorgie mit Zauberwald-Flair

Zweimal kurbeln, einmal reindrücken, und schon sind Annika und Felix entschwunden. Verschluckt vom Nebel, der an diesem Vormittag noch dicht über der Schöneben-Bergstation hängt.
Es ist verdächtig frisch für einen Tag, der in (fast) ganz Österreich als vorläufiger Höhepunkt der Hitzewelle eingehen wird. Und es ist verdächtig hoch, was mir der Garmin da als Herzfrequenz anzeigt. Keine 400 Meter gefahren, und schon weit über 140 Puls. Wir werden doch nicht zu tief in die Gläser voller Ploner'scher Flüssigmedizin - Hopfen, Blutwurz, Sanddornlikör - geschaut haben?
"Spürst du auch die Höhe?" interpretiert Kollege Lukas meinen erstaunten Blick ‘gen GPS-Gerät. Natürlich, die Seehöhe! Mehr als 2.000 Meter über Null, das ist für Flachländler wie unsereins schon akklimatisierungswürdig. Beruhigt, dass sich die Bar des Hotel Central doch nicht als Fitnessfalle mit unerwünschten Nebenwirkungen entpuppt, setzen wir Annika und Felix nach.

Oder besser: Wir versuchen es. Denn nur wenige Meter später wiederholt sich das soeben erlebte Schauspiel erneut. Unsere beiden Guides legen los - und hängen vor allem die Schreiberin dieser Zeilen binnen Sekunden ab. Ein einziger Anlieger genügt den Betreibern der in Reschen stationierten Bikeschule Peak3, um uns gnadenlos vor Augen zu führen, dass Kurventechnik nicht gleich Kurventechnik ist.
Die zwei katapultieren sich förmlich aus den Turns, stechen anfangs wunderbar hoch rein, werden eins mit ihren Bikes und der Fliehkraft, um sich dann mit elegantem Schwung nach unten raustreiben zu lassen. Woom - wooom - woooom. Immer und immer wieder, bis der erst vor kurzem aus der flachen Dortmunder Gegend zugezogenen Annika ein entzückt-entrücktes "Ahhh!" entfleucht.
Mag sein, dass beim Bau des Schöneben Flow Trail vorrangig an Familien und MTB-Neulinge ohne Trailerfahrung gedacht wurde. Aber wer kann, der kann hier auch als alter Hase seinen Spaß haben - oder aber, wie wir, erkennen: Du noch viel lernen musst ...

Die unterhalb der Schöneben-Gondeltrasse angelegte Kurvenorgie ist der jüngste Neuzugang im Wegenetz der 3-Länder Enduro Trails. Und ihr Name ist Programm.
Schön eben und deshalb auch geeignet für Menschen mit (noch) großem Respekt vor Gefälle und Speed, schlängelt sich das Band durch den dichten Wald, der die Nordseite des Zehner-Gipfels ziert. Flowig im Sinne von rund und flüssig geshapt führt es nach unten. Nur wenige Kurven kommen unerwartet oder machen unangenehm zu. Keine einzige Welle muss - aber viele können, zumal bei höherem Tempo - gesprungen werden. Und schmäler als manch überregionales Pendant, mithin optisch mehr Weg als Piste, ist der fünf Kilometer lange Trail mit 630 Meter Höhendifferenz außerdem.
Aktuell endet er auf rund 1.800 m Seehöhe an jener Forststraße, welche den Beginn des Transfers zur Rescher Alm markiert. An der Verlängerung bis hinunter zur Talstation wird noch gebaut. Einstweilen muss, wer zurück an die Gestaden des Reschensees will, entweder den Forstweg oder den - mit S2 deutlich schwierigeren - Schöneben Trail nehmen, auf den übrigens auch weiter oben schon mehrmals rübergewechselt werden kann.

 Schön. Eben. Flow. Trail 

Der Name des neuen Singletracks ist Programm

Wir arbeiten uns vom Pumptrack-artigen Anfang in den Wiesen unterhalb der Belpiano-Bahn über die weiten, zumeist offenen Anlieger des waldigen Mittelteils bis hinunter zum erst unlängst eröffneten Finale, wo die Kurven eng und enger werden, bis sie sich schließlich in einem gar zauberhaften Märchenwald förmlich übereinander zu stapeln scheinen.
Der Grip ist aufgrund der vorangegangenen Regenfälle fantastisch, und nach Richtungsänderung Nummer 325 oder 26 haben auch wir den Bogen allmählich raus.

Ist der Schöneben Flow Trail glattgeleckt? Ja. Ausgeputzt? Ziemlich. Festplaniert? Selbstredend, sonst landete er mitsamt dem nächsten Gewitterregen unten im Tal.
Aber er ist auch wirklich harmonisch in die Landschaft gebaut, schmiegt sich gekonnt ins Gelände; an nicht bloß einer Kurve leckt frech moosiger Grasboden über den Rand. Und er bleibt so respektvoll schmal, wie es sich für eine Region mit dem Ruf, naturnah und behutsam zu bauen, geziemt.
Besser kann man, so will es uns nach zwei Durchläufen scheinen, MTB-Neulinge nicht an die hiesige Interpretation des Geländeradfahrens heranführen. Und verschmitzter kann man vermeintlichen Obercheckern nicht demonstrieren, dass Mountainbiken lebenslanges Lernen ist …

Ride, eat, repeat

Genug gekurvt, wir haben Hunger. Unsere bevorzugte Raststation auf dieser Seite des einst unter Mussolini ohne Rücksicht auf Verluste, Siedlungen oder Wirtschaftsweisen aufgestauten Reschensees, die Hofschank Giern, hat Sperrtag. Aber Annika und Felix schütteln umgehend würdigen Ersatz aus dem Ärmel:
Bergiges Grün statt plätscherndem Türkis, modernes Almflair statt rustikaler Seeterrasse - das mitten im Corona-Chaos stylish um- und ausgebaute Bergrestaurant Schöneben weiß sich mit italienisch angehauchten Snacks und österreichischen Hüttenklassikern einzuschmeicheln in unser aller Geschmacksnerven und Verdauungstrakt.

Eine rumpelig-scheppernde Fahrt über das mal wurzelige, mal felsige und dann wieder erdige Terrain zwischen Schöneben und Haideralm später entspannen wir dann doch noch auf einer Restaurantterrasse direkt an einem Gewässer. Am Westufer des idyllischen Haider Sees, kurz hinter St. Valentin direkt am Vinschgauer Radweg gelegen, hat vor kurzem das Zeress eröffnet.
Noch sitzen uns der Obere und Untere Spin Trail mit ihren Stufen und Absätzen, ihren Verschneidungen und Gegenanstiegen, ihren Wurzelpassagen und kleinen Sumpflöchern in den Knochen. Noch knabbern wir am Umstand, dass diese herrlichen Naturtrails, gleich wie der anschließend genommene Grein Trail, permanente Aufmerksamkeit und einen aktiven Fahrstil erfordern und Kopf und Körper entsprechend ermüden. Noch konkurrieren die im Gedächtnis gebliebenen Bilder von verwunschen hängenden Flechten, dicht wuchernden Heidelbeeren und türkisblau heraufblitzenden Wassern mit jenen von König Ortler, der sich in St. Valentin erstmals vor uns aufgebaut hat in umwölkter Pracht. Da gemahnt uns ein aufkommendes Gewitter zur Eile.

Über die flachere der beiden Möglichkeiten, via Reschensee-Ostufer und vorbei am versunkenen Kirchturm von Alt-Graun, treten wir wohl oder übel an zur Flucht nach vorn.
Schade um den köstlichen Cappucchino, den wir nun so ungewollt schnell hinunterstürzen müssen! Schade um das hier, in Italien, gewiss noch köstlichere Gelato, auf das wir angesichts der heraneilenden Front doch lieber verzichten! Und schade um die tiefenentspannte Stimmung unter dem einladenden Vordach des architektonisch mutigen, nordisch-tiefrot gestrichenen Holzhauses an dem kleinen, beschaulichen See!

 Schade um Cappucchino und Gelato! 

All-out um den See statt Dolce Vita am See

Heulend pfeift uns der Wind entgegen, gnadenlos drücken die Böen unseren Speed. Ausgerechnet beim Glockenturm, dem aus Denkmalschutzgründen einzig verbliebenen Rest der 1950 planierten und gefluteten Dörfer und Weiler im heutigen Reschensee, peitscht der Sturm so heftig um die Kurve, dass wir nur mittels Schräglage in bester Flow Trail-Manier die Spur halten können.
Aber die Himmelsschleusen halten halbwegs dicht und wir haben Glück: Wir werden nur ein bisschen nass und haben im Gegenzug für eine halbe Stunde Vollgas das rechtschaffene Gefühl, uns unser delikates 5-Gang-Wahlmenü nun aber wirklich verdient zu haben.

Rookies im Fokus

Wer’s noch kreativer und opulenter will: Michael Ploner und Central-Küchenchef Jürgen Mathoy laden neuerdings gemeinsam mit einem weiteren Freund drei Mal wöchentlich ins Gourmetrestaurant s’Kammerli. Angesiedelt direkt im Hotel, in einer wunderschön erhaltenen Stube aus dem Jahr 1593 (!), kredenzt das Team in 13 Überraschungsgängen, was es in gefeierten Genusstempeln wie dem Noma in Kopenhagen oder bei Starköchen wie Johann Lafer gelernt und zu Hause, mit regionalen Mitteln, perfektioniert hat.
An den übrigen Vormittagen schwingt der Juniorchef für den elterlichen Betrieb den Kochlöffel und klinkt sich außerdem abends mit spürbarer Freude am Tun ins Service und den Barbetrieb des Central ein. Vater Harry bleibt dadurch noch mehr Zeit, als er sich ohnehin schon immer genommen hat, für die täglichen Tourenbriefings mit seinen Gästen und Betreuung der Tourismus-Delegationen von nah und fern.

Immer öfter seien die 3-Länder Enduro Trails das Ziel von Best-Practice-Exkursionen anderer Tourismusverbände, erzählt der engagierte Hotelier, in dessen Schubladen schon zu Zeiten des legendären Snowdownhill Pläne für einen MTB-Freeride-Park schlummerten. Und immer einfacher werde es nun, da der Erfolg des Projekts für alle sichtbar sei, es weiter voran zu treiben.
Aktuell eben in Richtung einsteigertaugliche Angebote. „Mountainbiken wird immer mehr zum Familienthema“, weiß der ehemalige Tourismusobmann, der seit seiner bereits 1995 erfolgten Schwerpunktsetzung als Bike-Hotel die Trends unmittelbar an seinen Gästeschichten ablesen kann.
Ergänzend zu den beiden jetzigen S0-Lines samt der landschaftlich sensationellen Querung des Hochmoors Plamort stehe am Bergkastel deshalb ein weiterer Trail für Anfänger kurz vor der Fertigstellung. Nächstes Jahr kämen ebendort eine Jumpline sowie erneut eine einfache Strecke hinzu. Außerdem noch diesen Herbst die Fertigstellung des Schöneben Flow Trail.
Und dann? Mal schauen, wohin die Reise geht.

 27 Singletrails, 58 Kilometer, 5 Bergbahnen 

Die Zähler für 2022 sind schon wieder ein Stückchen vorgerückt

Jedenfalls übertrifft das 2015 eröffnete Wegenetz des 3-Länder-Ecks schon heute seine ursprüngliche Zielsetzung von 22 Trails um ganze fünf Stück. Und wenn man sich vergegenwärtigt, welch breites Publikum das Angebot anlockt, braucht man sich um Ideen für künftige Stoßrichtungen nicht zu sorgen:
Anbieter von verschiedensten Touren- und Fahrtechnik-Camps sind liebend gerne in der Region, die Ausbildungsschienen diverser Verbände und Vereine machen hier regelmäßig Station. Die Father & Son Days ködern Anfang August Alt und Jung, zwei Wochen später rocken waschechte Profis, aber auch viele Hobbysportler im Rahmen des 3-Länder Enduro Race die Trails. Dazu unbedarfte Familien auf der Suche nach einem kleinen Urlaubsabenteuer, Trekking- und E-Biker auf (mehr oder weniger absichtlichen) Abwegen und klassische Tourenbiker auf Horizonterweiterung.
Sie alle haben auf der weitläufigen Kombination von Aufstiegshilfen, Downhill-Trails und Transfer-Strecken ihre Berechtigung und ihren Platz. Ganz zu schweigen davon, dass das kulturell so vielschichtige Grenzgebiet auch seine Angebotsklassiker hegt und pflegt. "Val d'Uina" klingt nach wie vor verwegen in der Mountainbiker Ohren; Transalps haben noch immer Saison und speziell mit dem Hotel Central auch eine beliebte Bleibe. Und die anfangs nur per Rennrad machbare 3-Länder-Tour gibt's mittlerweile auch in Varianten für MTBs, E-MTBs, mit Singletrail-Plus sowie als Trailrunning-Paket.
Aber das sind nun wirklich durchwegs andere Geschichten. Zurück zu unseren Enduro Trails. Und ab ins Bett!

Enduro-Klassiker im 3-Länder-Eck

Neuer Tag, noch mehr Glück. Es ist stabiles, freundliches Hochdruckwetter angesagt - perfekte Bedingungen für den ob seines umwerfenden Panoramas und überschaubaren Anspruchs beliebten Zirmtrail.
Zuvor allerdings statten wir noch einmal dem Vinschgau einen Besuch ab und spitzeln hinüber ins Engadin: Wir wollen via Schöneben Trail zur Rescher Alm, und dann über Grünen und Schwarzen See zum Mutzkopf, von dem eine wahrlich beeindruckende Zahl an Trails und damit Möglichkeiten hinunter nach Nauders führt.

Somit heißt's nach knackigem Downhill-Auftakt erst mal fleißig treten. Das zweite Frühstück auf der Rescher Alm mit ihrem fantastischen Ausblick auf die "Terra Raetica" samt Bergen und See lohnt die Mühen aber allemal; davon abgesehen, dass auch der zweite Transfer-Teil bis kurz vorm 3-Länder Grenzstein am Piz Lad nicht mit Reizen geizt. Auf den Wiesen ringsherum blühen mehr Blumen, als ein Naturführer fassen kann, und je höher wir kommen, desto weiter wird der Blick.
Wir sind umgeben von tief eingeschnittene Bergrücken, die sich trotz ihrer beachtlichen Höhe durchwegs begrünt aus trocken knackenden Latschenfeldern erheben. "Hier oben sieht es aus wie auf einer Vulkaninsel", bemerkt Annika.

Als frisch Zugezogene hat die gebürtige Deutsche noch ein ähnlich bewunderndes Auge für ihre neue Heimat wie wir als Gäste für nur kurze Zeit. Gelernte Hotelfachfrau, Immobilienmaklerin und Mental Coach, hat die Camp-Anbieterin vergangenen Herbst nur zwei Tage benötigt, um ihre Zelte in Deutschland abzubrechen, als sie ein spontanes Jobangebot in ihrer Herzensregion erhielt.
Nicht minder flexibel ihr Geschäftspartner Felix Thöni. Skiführer, MTB-Guide und, wie es ihn von Jahr zu Jahr gelüstet, BWL-Lehrer auf Zeit, träumte der Local schon länger von einer eigenen Bikeschule. Traf im Dezember im Aktivhotel Edelweiss in Reschen auf Service-Neuzugang Annika, und fertig war das Dreamteam für Peak3.

Das alles und mehr erfahren wir, während wir über den 3-Länder Trail zurück nach Österreich schweben. Das saftige Almwiesen-Intermezzo dieses Klassikers vermag immer wieder zu verzücken. Es zwitschert und zirpt, es raschelt und flirrt in den unendlichen Grünflächen, durch die uns ein schmal gesteckter Holzzaun führt.
Kurz vor dem Grünen See dann die kleinen Holzbrücklein, die uns übers zunehmend sumpfige Terrain geleiten. Dort und da ist eine Sprosse gebrochen. Es wird gewiss nicht lange dauern, bis die dreiköpfige Trailbau-Crew, welche während der Saison täglich im Einsatz ist, um Löcher zu stopfen, Mulden aufzufüllen, Bremsrillen einzuebnen oder Abgerutschtes zu sanieren, auch hier nach dem Rechten sieht.

 Man braucht zum Lernen ja auch Ziele, auf die man hinarbeiten will 

Die S2-Ikone Bunker Trail wäre solch ein Ziel ...

Dann das obligatorische Verweilen am Grünen und Schwarzen See. Das Sitzen an den Böschungen dieser beiden geschützten Kleinode, das Beobachten der Libellen, Zählen der Seerosen (übrigens eines der höchstgelegene Vorkommen Europas), Streicheln des Bockkäfers und Hineinhorchen in die Stille gehört mit zum Entspannendsten, was man am Schnittpunkt von Tirol, Vinschgau und Engadin machen kann.
Und schließlich der Showdown zurück ins Tal, über die flowig-abwechslungsreiche und technisch immer einfacher werdende Kombination von Kreuzmoostrail, Gerry Trail, Riatschwegele Trail samt Variante 2 und dann noch Family Trail.
Dergestalt "runtergefahren", sind wir bereit fürs Grande Finale: Ab auf den Zirmtrail, und über Plamort und Bunker Trail wieder ins Tal!

Letzteres gehört zu den absoluten Pflichtübungen in der Region. Und egal, wie oft wir hier schon über das verspielte Auf und Ab am malerischen Plamort-Plateau berichtet haben, wie häufig wir die berühmten Panzersperren erwähnt und den noch berühmteren Fotofelsen mit seinem sensationellen Dreitausender-Panorama abgelichtet haben: Es führt kein Weg daran vorbei.
Für uns wäre ein Nauders-Aufenthalt ohne diesen magischen Moment undenkbar: wenn der schneebedeckte Ortler hinter der Hügelkuppe auftaucht, sich mit jedem Pedaltritt höher aufbaut, bis er zum alles beherrschenden, imposanten Riesen wird. Und wenn sich dann am vermeintlichen Gipfel allen Kitsches auch noch der türkisblaue Reschensee von unten ins Bild drängt und sich zu allem Überfluss die hier heroben frei lebenden Pferde gebärden wie das zutraulichste Kuscheltier ...
Dank überschaubaren Anspruchs ist all dies auch jenen zugänglich, die noch nicht viel Trail-Erfahrung vorweisen können. Bloß für den Bunker-Trail gilt das nicht. Der ist wild, felsig, stufig, steil. Und in der Etsch Trail-Verlängerung wurzelig, kurvig, staubig, eng. Aber man braucht zum Lernen ja auch Ziele, auf die man hinarbeiten will ...

Hochschaubahn Zirmtrail

Apropos: Zirmtrail, nun aber wirklich! Frisch gestärkt durch Brettljause und Knödeltrio im Bergkastelrestaurant, gehen wir's an. Anders als bei unserer Premiere 2020 fährt diesmal dankenswerterweise der 8er-Sessellift. Mühelos beamt uns die Zirmbahn auf beachtliche 2.500 Meter Höhe, wo die sechs Kilometer lange Flowline über gut 300 Tiefenmeter vor wahrhaft prachtvollem Panorama beginnt.
Die schroffen, zerfurchten Wände von Bergkastelspitze und Plamorter Spitze zum Greifen nahe und zig weitere, italienische wie Schweizer Berge im Blick, fällt es uns schwer, uns auf die anstehende Aufgabe zu konzentrieren.

Dabei wäre das bitter nötig. Der angeblich so leichte Trail weist nicht nur unzählige Wellen und Doubles, Kurven und Anlieger, Kicker und Sprünge auf, die entweder entschlossen gedrückt oder sauber genommen werden wollen, um nicht mit falschem Körperschwerpunkt oder schlechter Richtung abzuheben, im Flachen einzuschlagen, oder schlichtweg den Schwung abzustechen. Auch ist der fein über der Piste liegende Schotter ziemlich rutschig, was uns immer dann zum Problem wird, wenn wir die Steilkurven zu zögerlich, sprich: zu weit unten, angehen.
Das alles resultiert freilich daraus, dass unsere Flowtrail-Fahrtechnik nicht mit unserer Geschwindigkeit mithalten kann. Würden wir das, was wir (noch) nicht beherrschen, einfach mit dem für Übende typischen Speed angehen, trügen wir den gleichen Grinser im Gesicht, wie die zahlreichen Kids, die hier mit schon beneidenswerter Sicherheit und unbestreitbarem Style hinuntersurfen.

Bis zum hochalpinen Pumptrack, zu dem sich der Zirmtrail auf seinen letzten Metern entwickelt, werden zwar auch wir mit dieser komplett ohne Fremdmaterial gebauten Piste leidlich warm. Das butterweiche Hineinschmieren unserer Räder in die Kurven, dieses smoothe Fließen und Gleiten, das uns am Schöneben Flow Trail letztlich ziemlich gut gelang, will uns hier herüben jedoch bis zum Schluss nicht wirklich von der Hand gehen.

Uns dünkt, das hat einen tiefen Grund: Sich weiterentwickeln und Neues wagen. Dabei das Alte, Bewährte nicht vergessen, es lieber behutsam fort-, vielleicht auch überführen. Seine Ziele verfolgen und auch bei Gegenwind nicht verzagen. Manchmal innehalten, aber nicht zu lange ruhen. Flexibel bleiben, nicht bequem werden und faul.
Das ist es, was uns Gastgeber wie Harry und Michi Ploner, Guides wie Annika Jeschke und Felix Thöni und Regionen wie das 3-Länder-Eck vorleben und lehren. Und wir sind willig, aber noch nicht am Ende unserer Lernkurve angelangt.
Es scheint, als müssten wir wiederkommen. Bald. Sehr bald.

Good To Know

Allgemeine Regionsinfos
www.nauders.com
www.reschenpass.it

Tourdaten, GPS-Download
Die Website der 3-Länder Enduro Trails bietet eine interaktive Karte, Tourenbeschreibungen, GPS-Tracks und weitere Detailinformationen wie Höhenprofile, Sehenswürdigkeiten oder Einkehrtipps zu vielen offiziellen Runden sowie den aktuell 27 Strecken des Enduro-Netzes: www. 3-laenderendurotrails.com

Zusätzlich wurde eine bei allen Partnerbetrieben und Tourismusbüros erhältliche MTB-Karte (3-Länder-Enduro-Trails) herausgebracht, die diese Informationen - abzüglich GPS-Daten - auch in gedruckter Form darbietet.

Über das erweiterte Wegenetz mit insgesamt 2.000 Kilometern Rad- und Bikewegen informiert www.nauders.com. Eine Radkarte mit Routen-Kurzbeschreibungen sowie detaillierte Radweg-Guides ergänzen das Informationsmaterial.

Betriebszeiten der Bergbahnen
• Bergkastelbahn Nauders: täglich geöffnet 26.05.2022 – 9.10.2022, 9-16:30 Uhr
• Mutzkopfsessellift Nauders: täglich geöffnet 20.05.22 – 23.10.2022, 9-16:45 Uhr
• Zirmbahn Bergkastel: täglich geöffnet 23.06.2022 – 25.09.2022, 9:15-16:00 Uhr
• Bergbahn Schöneben Reschen: täglich geöffnet 26.05.2022 – 9.10.2022, 9-16:30 Uhr
• Bergbahn Haideralm: täglich geöffnet 26.05.2022 – 9.10.2022, 9-16:30 Uhr

3-Länder Enduro Bike Ticket
Die Liftbenutzung ist zwar nicht verpflichtend, aber ob der vielen Höhen- und Tiefenmeter dringend anzuraten. Das 3-Länder Enduro Bike Ticket vereint dabei die Bergbahnen Nauders (Mutzkopf, Bergkastelbahn und Zirmbahn), Haideralm und Schöneben und inkludiert immer auch den Biketransport. Gültig an 3 Tagen (€ 95,-) oder 6 aus 7 Tagen (€ 125,-) zwischen 26.5. und 23.10.2022.
Tageskarte € 41,-/Halbtageskarte ab 14:00 Uhr € 20,50.

Für Kinder und Jugendliche gelten ermäßigte Tarife. Jahrgänge 2008 und jünger in Begleitung eines Erwachsenen mit 3-Länder Enduro Bike Ticket sind frei.
Außerdem sind die 3-Länder Enduro Trails Mitglied im GravityCard-Verbund.

Wer weiter ausholen will: Für die 3-Länder Card, welche zur freien Benützung (Biketransport je nach Verfügbarkeit kostenpflichtig) zahlreicher öffentlicher Verkehrsmittel ÖBB-Postbusse, Busse der Mobilität in Südtirol inkl. Vinschgerbahn, Schweizer Postautos) rund um den Reschenpass berechtigt, ist ein Bike-Upgrade für o.a. Bergbahnen erhältlich.

Radservice und -Verleih
Die Fachbetriebe und Verleiher der Umgebung sind auf der Homepage der 3-Länder Enduro Trails gelistet.

Bikeschulen
Peak3, Reschen - die Neue mit umfangreichem Guiding-Angebot und Spezialgebiet Mental Coaching
Biwak, Nauders - die Alteingesessene mit multisportivem Programm und Verleih

Kulinarik
Auch für sämtliche Hütten und Almen gibt’s an gleicher Stelle eine feine Übersicht.
Das Restaurant/Cafe Zeress allerdings ist so neu, dass es sich dort noch nicht findet – Burgeis 300, Tel. +39 345 348 7664

Events
Den aktuellen Überblick zu sämtlichen Veranstaltungen von diversen Camps über Father & Son Challenge bis 3-Länder Enduro Race liefert ebenfalls www.3-laenderendurotrails.com

Nächtigung
Rund um den Reschenpass gibt es auf italienischer wie österreichischer Seite zahlreiche qualifizierte Nächtigungsbetriebe, die sich auf bikende Gäste spezialisiert haben. Wir waren heuer nach langer Zeit wieder mal beim Pionier schlechthin, Harry Ploner und Familie, untergebracht.
Alpen-Comfort-Hotel Central****
Unterdorfstraße 196
A-6543 Nauders
Tel. +43 (0)5473 87221-0
info@hotel-central.at
www.hotel-central.at
Weitere Unterkünfte auf www.nauders.com


Zuhause ist, wo dein Herz ist. Und ans Wegenetz des 3-Länder-Ecks am Reschensee haben wir das unsere schon vor langer Zeit verloren. Neuerdings könnte das auch MTB-Neulingen passieren, wie unser jüngster Aufenthalt im Naturtrail-Eldorado zeigte.
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War heuer schon mal Anfang der Saison dort. Spannend wäre ein Vergeich Ende Sommer, aber ich glaube die Trails sind einfach immer gleich rough. :D

Bunker und Haider mMn schon im Juni am Limit, da is einfach kaum noch Erde am Gestein. Denke aber dass es gar nicht so die Frequenz ist sondern einfach der natürliche Verlauf dort. Die ShaperCrew hatte sich zu dem Zeitpunkt mal den Schöneben vorgenommen und dort im Mittelteil frische Erde verteilt.

Wetterglück sollt ma dort halt auch haben, bei Regen wirds auch im Sommer recht frisch und ungemütlich. Heuer 2 Tage Kaiserwetter, am dritten dann fängts am Morgen unerwartet regnen an, da war aber zum Glück eh Weiterreise geplant und etwas weiter südlich im Vinschgau wars dann schon wieder trocken mit ganz kurzen unergiebigen Schauern. 

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vor 49 Minuten schrieb noBrakes80:

War heuer schon mal Anfang der Saison dort. Spannend wäre ein Vergeich Ende Sommer, aber ich glaube die Trails sind einfach immer gleich rough. :D

Bunker und Haider mMn schon im Juni am Limit, da is einfach kaum noch Erde am Gestein. Denke aber dass es gar nicht so die Frequenz ist sondern einfach der natürliche Verlauf dort. Die ShaperCrew hatte sich zu dem Zeitpunkt mal den Schöneben vorgenommen und dort im Mittelteil frische Erde verteilt.

Wetterglück sollt ma dort halt auch haben, bei Regen wirds auch im Sommer recht frisch und ungemütlich. Heuer 2 Tage Kaiserwetter, am dritten dann fängts am Morgen unerwartet regnen an, da war aber zum Glück eh Weiterreise geplant und etwas weiter südlich im Vinschgau wars dann schon wieder trocken mit ganz kurzen unergiebigen Schauern. 

Bunkertrail ist am Ende des Sommers eigentlich immer eine zerbombte Stein- und Wurzelwüste aber trotzdem geil zu fahren  😍

 

Mitte September kann es in Nauders auch mal so aussehen :D:

IMG_6434.JPG

Der Elventrail bekommt dann ein zwei Schlüsselstellen dazu :D 

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