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Größe: 175 cm Schrittlänge: 84 cm Gewicht: 70 kg Fahrstil/-können: Rennrad & Gravel, gute Ausdauer, wenig Power, volles Risiko bergab - wird allerdings selten belohnt
Das Wort 'Silex' stammt aus dem Lateinischen und bedeutet 'Kieselstein'. Treffender konnten Meridas Entwickler im Erscheinungsjahr 2018 ihre Interpretation des perfekten Gravelbikes kaum benennen. Bereits zu jener Zeit wollte uns die betriebseigene Designabteilung in Magstadt weder einen Cyclocrosser mit nach außen gebogenem Lenker, noch ein Granfondo-Rennrad mit Stollenbereifung als "Gravelbike" verkaufen - stattdessen entwarfen sie mit dem Silex ein völlig neues Konzept für einen extrem breiten Einsatzbereich. Vollgepackt mit eigenständigen Ideen hob sich das Silex nicht nur technisch, sondern auch optisch vom Mitbewerb ab und verzeichnete trotz seiner polarisierenden Front einen Verkaufserfolg sondergleichen.Jetzt - sechs Jahre später - war es an der Zeit, eine Weiterentwicklung vorzunehmen. Allerdings, ohne dabei das Handling und die Vielseitigkeit zu beeinträchtigen, welche die erste Version so erfolgreich gemacht hatten. Mit größerer Reifenfreiheit, einem flacheren Lenkwinkel und 180 mm Discs ist das neue Merida Silex komfortabler und souveräner, während das kürzere Steuerrohr gepaart mit der längeren Gabel für einen sportlicheren Auftritt sorgt. Die semi-integrierte, klapperfreie Kabelverlegung, eine im Oberrohr integrierte Sattelstützenklemme und die Fidlock-Basisbefestigung am Unterrohr unterstreichen die cleane Optik. Obendrein kommt das Silex ohne Einschränkungen bei 1x- oder 2x-Antrieben trotz maximal breiter Reifen und bietet die Möglichkeit zur Montage von Schutzblechen, versenkbarer Sattelstützen, Taschen und Dynamos.
Obwohl Merida während der Präsentation nicht müde wurde, auf die Mountainbike-inspirierte Geometrie für eine entspannte und komfortable Fahrposition mit verbesserter Stabilität hinzuweisen, insbesondere wenn das Fahrrad mit Bikepacking-Ausrüstung beladen ist, ereignete es sich zwei Tage vor dem Presslaunch, dass ein gewisser Herr Matej Mohoric auf einem neuen Silex die UCI Gravelweltmeisterschaft für sich entschied.
Der frisch gekrönte UCI-Gravelweltmeister ist Matej Mohoric, und das bei seinem ersten Gravelrennen. "Ich hatte immer den Wunsch, an einem Mountainbike-Rennen teilzunehmen, und es war schon ziemlich nah dran", scherzte der Slowene im Ziel. Dabei spielte er auf die teilweise sehr anspruchsvollen Abschnitte der 169-Kilometer-Strecke im norditalienischen Veneto an. Der Profi von Bahrain Victorious, dem 2,5 Kilometer vor dem Ziel in einer Kurve auf Laub sogar noch das Vorderrad wegrutschte, kam mit 43 Sekunden Vorsprung auf den Belgier Florian Vermeersch und mit 3:40 Minuten auf Connor Swift in Pieve di Soligo ins Ziel.Nicht schlecht für ein "Bikepacking Bike"...Bikeboard.at war für euch bei der dreitägigen Präsentation in Scandiano/ITA dabei und konnte die neue Universalwaffe in vier abwechslungsreichen Rides ausgiebig testen.
Since 2018.
Auch wenn es auf den Fotos oder für Außenstehende keineswegs so aussieht, ist die Fahrposition auf dem neuen Silex fast identisch mit seinem Vorgänger; so ist man ist auf nahezu allen Untergründen komfortabel und kontrolliert unterwegs. Meridas Entwickler bemühten sich sehr, die ursprünglich vom Mountainbike inspirierte Geometrie beizubehalten und griffen tief in die Trickkiste, um sowohl Handling als auch Optik positiv zu beeinflussen, ohne dem Verkaufsschlager seine DNA zu nehmen.
Verbesserte Offroad-Fähigkeiten: Abgesehen von minimalen Retuschen hielt Merida am Konzept der hohen Front, des kurzen Vorbaus und des steilen Sitzwinkels fest, verpasste dem neuen Silex aber einen um 1,5° flacheren Lenkwinkel, der - gemeinsam mit den breiteren Reifen - die Stabilität bei hoher Geschwindigkeit auf rauem Gelände bzw. bei schwerer Beladung verbessert.Sportlichere Optik: Um dem neuen Silex ein aggressiveres Erscheinungsbild zu geben, wurde das Steuerrohr deutlich verkürzt und die Gabel verlängert. Dadurch bleiben die Lenkerhöhe und die Fahrposition etwa gleich, aber die Optik wirkt dynamischer, ähnlich wie bei einem Reacto oder Scultura. Außerdem ist die aktualisierte Rahmengeometrie mit der letzten Generation von Gravel-Federgabeln kompatibel.
Vom MTB inspiriert - mit hoher Front, kurzem Vorbau und steilem Sitzwinkel.
Fading adé: Um den nun möglichen höheren Geschwindigkeiten im Gelände Paroli zu bieten, wurden sowohl die Carbon- als auch Alu-Modelle vorne und hinten mit 180 mm Bremsscheiben ausgestattet. Das Gewichtsplus im Vergleich zu den zuvor verwendeten 160 mm Bremsscheiben ist gering, der Zuwachs an Bremsleistung jedoch signifikant, vor allem bei Fahrten mit schwerer Beladung auf langen Abfahrten.Um die Bremsen schneller abzukühlen und so die Leistung und Zuverlässigkeit noch mehr zu steigern, verwenden alle Carbonmodelle an Rahmen und Gabel Meridas proprietäres Disc Cooler System unter den Bremssätteln. Die geschmiedeten Aluminiumbauteile leiten über CNC-gefräste Kühlrippen Wärme ab und reduzieren die Temperaturen um rund 35%, was der Funktion merklich zugutekommt. Wer dennoch kleinere 160er Discs fahren möchte, kann dies gerne tun, muss jedoch auf den Einsatz der Disc Cooler verzichten.
180mm Discs + Disc Cooler
Die neu konstruierte, längere Gabel begünstigt nicht nur die schmucke Optik, sondern auch die erhebliche Erhöhung der Reifenfreiheit. Ab sofort ist es möglich, vorne und hinten 45 mm breite Reifen auf 28" (700C)-Felgen zu fahren, was sowohl den Komfort als auch den Grip verbessert. Dabei sorgt der größere Gesamtdurchmesser der Räder für eine sanftere, stabilere Fahrt, ohne auf schwere und komplizierte Federungssysteme zurückgreifen zu müssen. Mit montierten Schutzblechen sind maximal 42 mm breite Reifen möglich.Um den Abstand zwischen dem Kettenblatt und dem Hinterreifen zu vergrößern, setzte Merida auf stark abgesenkte Kettenstreben im Rahmendesign. Dies hilft dabei, die Kettenstreben kürzer zu halten, das Fahrverhalten reaktionsfreudig zu gestalten und bietet auch mit den breitesten Reifen die Wahlmöglichkeit zwischen 1x- oder 2x-Antriebssystemen. 1x-Antriebe reduzieren das Gewicht und vereinfachen die Bedienung, während 2x-Setups geringere Abstände zwischen den Gängen für eine gleichmäßige Kadenz besitzen.Theoretisch könnten auch 650b-Laufräder verwendet werden. Während der Präsentation betonten die Techniker von Merida jedoch mehrfach, dass die Verwendung kleinerer Räder (650b) mittlerweile keine signifikanten Vorteile mehr bietet. Dies liegt daran, dass die 700c-Räder nun mit breiteren, geländegängigeren Reifen kombiniert werden können, die zudem bessere "Roll-Over"-Eigenschaften besitzen.
Viel hilft viel.
Neben dem kürzeren Steuerrohr, das dem sportlichen Gesamtauftritt zugutekommt, wurden auch einige andere kleine, aber entscheidende Änderungen vorgenommen. Die Sattelstützklemme ist nun in das Oberrohr integriert, was das saubere Erscheinungsbild unterstützt. Außerdem verfügen die Unterrohre der Carbonrahmen über eine integrierte Fidlock-Basisbefestigung, die mit jedem Fidlock-kompatiblen Zubehör oder einer optionalen Abdeckplatte kompatibel ist.Auch die seitlichen Bohrungen im Steuerrohr konnten eliminiert werden; stattdessen hat Merida auf ihr bewährtes Wire Port-Kabelmanagement umgestellt, bei dem die Leitungen unterhalb des Vorbaus ins Steuerlager geführt und dann vollständig intern verlegt werden. Dies bietet auch weitere Vorteile, wenn eine Lenkertasche oder eine Bikepacking-Rolle am Lenker montiert wird.Last but not least sind sämtliche Rahmen mit innenverlegten absenkbaren Sattelstützen kompatibel und die Gabeln verfügen über eine interne Kabelführung für einen optionalen Nabendynamo zur Stromversorgung von Lichtern oder kleinen elektronischen Geräten.
Besser schön und schnell, als schiach und scheiße.
Das neue Silex wird sowohl in leichten CF-Carbonfaserrahmen als auch in hochwertigen LITE-Aluminiumrahmen erhältlich sein, wobei beide die gleichen Carbongabeln verwenden. Die Geometrie ist zwischen den beiden Rahmen identisch, aber der CF-Rahmen spart im Vergleich zur Aluminiumversion 680 g.Silex CF Carbon: Rahmen 1.220 Gramm + Gabel 540 GrammSilex LITE Aluminium: Rahmen 1.900 Gramm + Gabel 540 GrammAbgesehen vom Gewicht unterscheiden sich die beiden Rahmen in weiteren Punkten: So besitzt der Carbonrahmen Meridas Disc Cooler an der Hinterradbremse sowie eine Fidlock-Halterung, die in das Unterrohr integriert ist; der LITE-Rahmen verfügt hingegen zusätzlich zur Schutzblechhalterung auch über eine Aufnahme für einen hinteren Gepäckträger.
Carbon.
Aluminium.
Rund um Scandiano, einer italienischen Gemeinde in der Region Emilia-Romagna, erhielten wir drei Tage lang die Gelegenheit, Meridas neue Universalwaffe intensiv zu testen. Und da ich am ersten Tag bereits relativ früh angereist war, konnte ich das Silex 10K schon vor der offiziellen Präsentation auf eine längere Runde entführen, ohne irgendwelche Hintergrundinfos darüber zu kennen.Die Rahmengröße Medium war zwar für meine 175 cm mit 84 cm Schrittlänge tendenziell am oberen Limit, aber die Sattelposition ließ sich dennoch wunderbar einstellen. Und obwohl zwei Spacer vormontiert waren, fühlte sich die Fahrposition keineswegs touristisch an. Einmal in Fahrt, genoss ich die direkte Beschleunigung dank des steifen Rahmens sowie den guten Mix aus Grip/Traktion und hoher Laufruhe. Die Maxxis Rambler EXO in 45C zeigten mit dem Reynolds Black Label G700 Pro Tubeless Setup (25 mm innen) - mit 1,75 bar vorne und 2 bar hinten - eine tolle Performance.
Schon nach einer Stunde war ich Feuer und Flamme und hatte die Überzeugung, dass beim neuen Silex wohl kein Stein auf dem anderen geblieben war. Es sah nicht nur stylischer und sportlicher aus, es vermittelte auch eine aggressivere Fahrposition. Das Handling wirkte hingegen etwas entspannter und neutraler - in der Ebene ausreichend agil, aber bergab selbst auf schwierigstem Terrain eine Bank.Umso überraschter war ich abends bei der Präsentation, als uns die Merida Designer lang und breit erklärten, nur minimale Änderungen an der Geometrie vorgenommen zu haben. Kleine Ursache, große Wirkung, kann ich nur sagen: Das neue Merida fährt sich meiner Meinung nach viel sportlicher, sicherer und schneller als sein Vorgänger, ohne auf die Komfortvorteile der mäßig gestreckten und eher aufrechten Sitzposition verzichten zu müssen. Dazu trugen die breiten Tubeless Reifen sowie die Laufräder mit 25 Millimeter Maulweite das Ihre bei.
Selbst im tiefen Schotter und auf losem Geröll fuhr sich das Merida wie auf Schienen; die Möglichkeit der versenkbaren Sattelstütze setzte dem Ganzen noch die Krone auf. Nicht, dass ich die 5 cm Travel als "must-have" bezeichnen würde, aber an steilen Abschnitten generierte die tiefere Sitzposition ein spürbares Plus an Vertrauen. Versenken ließ sie sich per Funk durch gleichzeitiges Betätigen der Taster an den Sram Red Etap AXS Hebeln, was das Cockpit obendrein clean hielt.Ein weiterer Vorteil der modernisierten Geometrie mit langem Reach, kurzem Vorbau und dem hohen Lenker ist, dass die Bögen des Rennlenkers auch für Normalsterbliche sehr gut erreichbar sind und automatisch häufiger genutzt werden. Das sorgt aufgrund der besseren Aerodynamik für schnellere Fahrgeschwindigkeiten in der Ebene und für eine optimale Kontrolle auf schlechtem bzw. rumpeligem Terrain.Hier findest du alle Infos zum Merida Silex.
Wer zwischen zwei Rahmengrößen steht, kann sich vor dem Kauf entweder wochenlang deppert machen oder trifft einfach seine Entscheidung gemäß seiner persönlichen Vorlieben.Kleinerer Rahmen: agiler, mehr Überhöhung möglich, mehr Flex an der Sattelstütze, sportlicher EinsatzGrößerer Rahmen: laufruhiger, größerer Reach, hohe Lenkerposition ohne Spacerturm, Commuting oder Bikepacking
Schon die erste Generation des Silex ließ sich aufgrund ihrer enormen Einsatzbandbreite nicht leicht in die herkömmliche Gravel-Schublade stecken. Das neue Bike eröffnet jetzt noch mehr Möglichkeiten: Es eignet sich für ernsthaftes Bikepacking und Fernreisen genauso wie für Graveln, schnelles Fahren auf Asphalt und zum Pendeln in die Arbeit. Egal, ob ihr es mit Packtaschen verwenden, um Einkäufe zu erledigen, oder mit Schutzblechen, um auf dem Weg zur Arbeit sauber zu bleiben - das Silex bringt euch dank seiner entspannten, aufrechten Fahrposition und seinem ausgewogenen Handling komfortabel ans Ziel.
Obwohl das Silex nicht darauf ausgelegt ist, Kilometer so schnell wie möglich abzuspulen, geraten selbst Vollblutracer neuerdings ins Schwärmen. Dies gilt insbesondere für Langstreckenrennen und Mehrtagesveranstaltungen, bei denen das stabile Handling und die Offroad-Fähigkeiten des Fahrrads gefragt sind. Es ist ein Fahrrad, das praktisch überall eingesetzt werden kann und die Robustheit eines MTBs mit der Effizienz eines Rennrads vereint.Für Kurzstrecken-Gravelrennen könnte jedoch das Scultura Endurance GR besser geeignet sein. Andererseits hat das Silex für den UCI Gravelweltmeistertitel 2023 ausgereicht.
Vom täglichen Commuting bis hin zum UCI Gravelweltmeistertitel.
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