Das neue Merida Lithos im Test

Das neue Merida Lithos im Test

19.06.26 09:00 2.824Text: Ralf Hauser
Ralf Hauser
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Fotos: Erwin Haiden
Neuer Name, neues Bike und mit dabei: viel Federweg, viel Hightech, viel Speed. Wie sich das Topmodell Merida Lithos 10k 2027 schlägt, durften wir bereits herausfinden.19.06.26 09:00 4.995

Das neue Merida Lithos im Test

19.06.26 09:00 4.9955 Kommentare Ralf Hauser
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Erwin Haiden
Neuer Name, neues Bike und mit dabei: viel Federweg, viel Hightech, viel Speed. Wie sich das Topmodell Merida Lithos 10k 2027 schlägt, durften wir bereits herausfinden.19.06.26 09:00 4.995

Das Lithos ist das neue Flaggschiff unter den E-MTBs von Merida. Benannt nach dem altgriechischen Wort für Fels oder Stein, wurde es für ambitionierte Enduro-und Rennfahrer entwickelt - dementsprechend liegt der Fokus auf maximaler Geschwindigkeit, unabhängig von der Beschaffenheit des Trails. Erreichen will Merida dies unter anderem durch einen Vollcarbon-Rahmen mit 170 mm Federweg an der Front und 174 mm am Heck.

Während bei anderen Bosch-betriebenen E-Bikes von Merida der Fokus auf erschwinglicher Leistung (Etmo) oder Fahrspaß im Bikepark (eOne-Eighty) liegt, ist das Lithos kompromisslos auf maximale Performance ausgelegt. Basierend auf der langjährigen Erfahrung des Herstellers wurde bei der Entwicklung allerdings auch hier ein besonderes Augenmerk auf Vielseitigkeit, Haltbarkeit und Zuverlässigkeit gelegt. Aus diesem Grund arbeitet Merida mit Bosch zusammen, um die zuverlässigen CX- und CX-Race-Motoren zu integrieren - unterstützt durch einen bewährten, weltweiten Service-Support.

Bei der Entwicklung des neuen Lithos testete Merida eine Vielzahl von Carbon-Layups, um das optimale Maß an Nachgiebigkeit (Compliance) im Hinterbau zu erzielen. Diese Nachgiebigkeit beschreibt, wie stark sich das Material unter Last flexen lässt, und kann durch das gezielte Hinzufügen oder Entfernen von Materialschichten abgestimmt werden. Ein Rahmen muss zwar steif genug sein, um unter hohen Belastungen präzise und berechenbar zu reagieren, zu viel Steifigkeit kann jedoch die Traktion verschlechtern: Das Hinterrad neigt bei kleinen Unebenheiten dann eher zum Springen, anstatt den Bodenkontakt zu halten. Ein zu steifer Rahmen fühlt sich zudem unkomfortabel an und gibt Vibrationen des Untergrunds direkt an den Fahrer weiter, was zur Ermüdung beiträgt.
Um die richtige Balance zu finden, führte Merida Blindtests mit den unterschiedlichsten Fahrertypen durch - von Enduro-Weltcup-Fahrern (EDR) bis hin zu Hobbybikern, die sich auch in Statur und Gewicht stark unterschieden. Das Endergebnis war eindeutig: Ein im Vergleich zu früheren Modellen geringfügig nachgiebigerer Hinterbau wurde von allen Testfahrern bevorzugt.

 "Bosch Race-Motor, Akku mit Schnellentnahme, elektronische Schaltung, elektronischer Dämpfer... Technologieliebende, was wollt ihr mehr? " 

Vollgestopft mit Hitech-Komponenten
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Der Rahmen

Der Vollcarbonrahmen des Lithos erlaubt eine interne Kabelführung durch den sogenannten Wireport-Steuersatz. Wer von dieser Art der Verlegung nichts hält, kann die Kabel nachträglich auch seitlich bei den Thermo-Gate-Lüftungsrippen einziehen, welche zudem kühle Luft zur Batterie leiten. Die Rippen sind passgenau konstruiert, wodurch kein Klappern der Kabel zu befürchten ist. Eine zusätzliche Abdeckung ohne Löcher für den Acros-Steuersatz wird bei jedem Bike mitgeliefert. In beiden Fällen werden die Kabel durch einlaminierte Carbon-Kanäle im Inneren des Hauptrahmens geleitet. Die interne Kabelführung im Hinterbau wurde durch den Einsatz von durchgehenden Führungshüllen optimiert. Der entnehmbare Akku ermöglicht zudem einen schnellen und unkomplizierten Zugriff auf alle intern verlegten Züge.

Ein integrierter Fender an der Kettenstrebenbrücke hält Schmutz vom unteren Bereich des Rahmens fern. Es existiert auch eine längere Version, welche für zusätzlichen Schutz sorgt.
Ein massiver Kettenstrebenschutz sowie jeweils ein Fersenschutz auf der linken und rechten Seite bewahren den Rahmen vor Abschürfungen. Zudem ist der gesamte Hinterbau großflächig mit einer transparenten Schutzfolie versehen.

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Bei der Konstruktion wurde ein besonderer Fokus auf einfache Wartung und hohe Kompatibilität gelegt. Dies zeigt sich durch den ausschließlichen Einsatz von Standardlagern sowie die Kompatibilität mit Standard-Vorbauten und -Spacern. Größere Lager sollen dabei für eine erhöhte Haltbarkeit sorgen. Beim sogenannten Flexpivot-System wird auf ein Lager im Bereich des Dropouts verzichtet; stattdessen wird an gezielten Stellen ein Flex in den Carbon-Rohren des Hinterbaus erzielt.

Die maximale freigegebene Reifendimension ist 29 x 2,4".

Eine spezielle Tube Base Plate (eine Befestigungsplatte vor der Dämpferaufnahme) ermöglicht die sichere Mitnahme eines Ersatzschlauchs direkt am Rahmen. Der abnehmbare Hebel der Hinterrad-Steckachse ist mit einem integrierten 4- und 6-mm-Inbusschlüssel ausgestattet. Praktisch: Sämtliche Schrauben am Rahmen lassen sich mit einem 4-mm- und 6-mm-Inbusschlüssel festziehen.

Für einen Flaschenhalter oder einen Range Extender ist genügend Platz im Rahmendreieck vorhanden. Mehrere Bohrungen zur Befestigung des Flaschenhalters erlauben eine flexible höhere oder niedrigere Justierung der Position.

Das Steuerrohr nutzt den Standard IS52 oben und ZS66 unten.

Der Rahmen wiegt in Größe M 3.170 g (ohne Achse und Sitzrohrklemme). Für den Einsatz im Bereich der Kategorie 4 gewährt Merida eine lebenslange Garantie für den Erstbesitzer. Das maximale Systemgewicht des Lithos beträgt 140 kg.

Kinematik

Durch den gezielten Flex der Carbon-Sitzrohre wird auf ein Lager verzichtet, dadurch ist das System allerdings auch als Eingelenker mit Dämpferanlenkung zu kategorisieren.
Durch den Verzicht auf ein Dämpfer-Yoke und einen regulären metrischen Dämpfer werden seitliche Belastungskräfte und Verschleiß reduziert, was die Lebensdauer des Dämpfers spürbar erhöht.

Empfohlen wird ein Federungs-Setup mit einem Sag von 30%.

Die 174 mm Federweg am Heck werden in Kombination mit einem 27,5"-Hinterrad über ein Dämpfermaß von 230 x 62,5 mm erzielt. Dies führt zu einem durchschnittlichen Hebelverhältnis von 2,78. Die Gesamtprogression beläuft sich auf 29,9%.
Wird stattdessen der Flip-Chip auf 29" gestellt, wodurch das Hebelverhältnis geändert wird, reduziert sich der Gesamtfederweg auf 160 mm und das durchschnittliche Hebelverhältnis ändert sich auf 2,56 : 1.

Die Federungskinematik wurde auf Basis der Modelle eOne-Sixty SL und eOne-Eighty entwickelt.

Das Hebelverhältnis des Lithos ist für den Einsatz von Stahlfederdämpfern sowie großvolumigen Luftdämpfern mit Ausgleichsbehälter optimiert. Da diese Dämpfer eine sehr lineare und berechenbare Federkennlinie aufweisen, hat Merida die Rahmenkinematik entsprechend progressiver ausgelegt als zum Beispiel beim eOne-Sixty SL (optimiert auf kleinere Ausgleichsbehälter), um harte Durchschläge effektiv zu verhindern.

Wechselt man von einem 27,5"-Hinterrad auf 29", reduziert sich der Federweg auf 160 mm. Die Progression folgt dennoch einer sehr ähnlich verlaufenden Kurve.
Durch den Einsatz eines 29"-Hinterrads fällt das Übersetzungsverhältnis geringer aus, weshalb für denselben Sag etwas weniger Luftdruck (bzw. möglicherweise eine weichere Feder) gefahren werden muss.

  • Hebelverhältnis 27,5".Hebelverhältnis 27,5".
    Hebelverhältnis 27,5".
    Hebelverhältnis 27,5".
  • Hebelverhältnis 27,5" (grün) vs. 29" (rot).Hebelverhältnis 27,5" (grün) vs. 29" (rot).
    Hebelverhältnis 27,5" (grün) vs. 29" (rot).
    Hebelverhältnis 27,5" (grün) vs. 29" (rot).

Merida wollte im ersten und mittleren Federwegsbereich ein ausgewogenes Maß an Anti-Squat erzielen, um eine effiziente Tretperformance zu bieten. Daher liegt der Anti-Squat im SAG-Bereich leicht über 100 %. Je tiefer man in den Federweg eintaucht, desto deutlicher nimmt der Anti-Squat-Wert ab, da die Effizienz beim Treten in solchen Situationen kaum noch eine Rolle spielt. Das Endergebnis ist ein Fahrwerk, welches kaum Antriebseinflüsse (Pedal-Bob) zeigen soll, in Abfahrten und bei harten Schlägen jedoch aktiv und ungehindert arbeiten kann.

  • Anti-Squat 34/51t
    Anti-Squat 34/51t
    Anti-Squat 34/51t

Im SAG-Bereich liegt der Anti-Rise knapp über 100%, was dazu beiträgt, das Bike beim Bremsen stabil zu halten. Tiefer im Federweg nimmt der Anti-Rise ab. Das sorgt für einen deutlich aktiveren Hinterbau und mehr Traktion beim Verzögern in rauem Gelände oder nach hohen Drops.

  • Anti-Rise
    Anti-Rise
    Anti-Rise
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Motor & Batterie

Beim Ausstattungspaket des 10k kommen nicht nur exklusivere Komponenten zum Einsatz, sondern auch der Bosch Performance Line CX-R-Motor. Dieser weist in der Gen-5-Variante zwar dieselben maximalen Leistungswerte wie die Standardversion CX auf, ist dank seines Magnesiumgehäuses mit 2,7 kg jedoch etwas leichter und verfügt über ein spezifisches, aggressiveres Leistungsprofil im exklusiven Race-Modus.

Der Bosch Performance Line CX-R Gen 5 liefert serienmäßig 100 Nm Drehmoment - nach dem seit Mai erhältlichen Performance-Update 2.0 sind sogar bis zu 120 Nm möglich. Dazu kommen 750 W Spitzenleistung und bis zu 400% Unterstützung (nach dem Update maximal 600% bis zu einer Geschwindigkeit von 15 km/h). Über die Bosch eBike Flow App lassen sich alle Fahrmodi individuell anpassen und zahlreiche weitere Funktionen konfigurieren.

Gefahren werden kann das Lithos wahlweise mit einem 800-Wh-Akku (3.900 g) oder einem 600-Wh-Akku (3.000 g). Bei der 800-Wh-Variante wird das sogenannte Beluga-Cover benötigt, welches sich leicht von der Silhouette des Unterrohrs abhebt, um den dickeren Energiespeicher zu umschließen. Für das 600-Wh-Modell bildet das flachere Cover eine Linie mit dem Unterrohr und sorgt so für eine schlankere Optik. Der kleinere Akku kann bei Bedarf jedoch auch unter dem Beluga-Cover genutzt werden. Die Cover werden mittels mechanischen Fidlock-Verschlüssen sicher und klapperfrei am Unterrohr gehalten, der Akku selbst wird mit einem Abus-Schloss im Rahmen fixiert.

Das System wird durch das Kiox-400C-Display ergänzt, das bündig im Oberrohr integriert ist, sowie durch die kompakte, kabellose Bosch Mini Remote am Lenker. Beim Ladeanschluss setzt Merida auf eine Abdeckklappe mit schwenkbarem Cover, die sauber in die Abstützung des Umlenkhebels am Rahmen integriert ist. Zudem ist das Lithos mit dem 250-Wh-PowerMore-Range-Extender kompatibel.

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Ausstattung

Am Lithos 10k sind einige der exklusivsten Komponenten der Bike-Industrie verbaut. Der absolute Hingucker ist die markante Fox Podium Upside-Down-Federgabel mit 170 mm Federweg, einer Custom-Grip-X2-Dämpfungskartusche sowie separat einstellbarer High- und Low-Speed-Druck- und Zugstufe. Auch der elektronische Fox DHX Live Valve Neo-Stahlfederdämpfer ist ein absolutes Highlight, das man in freier Wildbahn nur selten zu Gesicht bekommt. Er arbeitet im Zusammenspiel mit zwei Sensoren, die an den Bremsaufnahmen der Federgabel und des Hinterbaus befestigt sind und bis zu 400-mal pro Sekunde Informationen an den Dämpfer senden. Dieser reagiert innerhalb von nur 1/70 einer Sekunde auf Schläge und passt sein Verhalten blitzschnell an - gesteuert über die in der Fox-App gewählten Parameter.

Die Einstellmöglichkeiten innerhalb der App bieten hunderte Kombinationsmöglichkeiten für Klettern, Ebene oder Abfahrt. Über eine mechanische Low-Speed-Druckstufenverstellung sowie eine Justage des Firm-Mode und der Zugstufendämpfung verfügt der Dämpfer obendrein.

Die SRAM Maven Ultimate-Bremsen sind an E-Bikes gern gesehene Partner: Enorme Bremskraft, dennoch gute Dosierbarkeit und eine werkzeuglose Hebelweitenverstellung stoppen das Bike und die stabilen DT Swiss HXC 1500-Laufräder mit griffigen Continental Kryptotal-Reifen absolut zuverlässig.

Der Vorbau stammt aus dem Hause Merida; an seiner Frontplatte ist das lichtstarke Lezyne Hecto STVZO E350-Licht befestigt. Der Scheinwerfer wird über ein Kabel direkt aus der Hauptbatterie gespeist. Das gilt ebenso für das elektronische SRAM X0 AXS-Schaltwerk - ein separates Aufladen von AXS-Akkus entfällt hierdurch komplett.

Alle Rahmengrößen sind mit der hauseigenen Merida Team TR II-Dropper-Post ausgestattet, deren Hub zwischen 30 und 230 mm stufenlos anpassbar ist, um für jede Körpergröße den maximal möglichen Verstellweg zu bieten.

Unser Testbike in Größe M wog 25,05 kg ohne Pedale, dafür mit installierten Schläuchen.

In Österreich ist das Bike in drei Ausstattungsvarianten erhältlich: das Lithos 6000 um € 6.999,- gefolgt vom Lithos 8000 um € 8.999,- und schließlich das hier getestete Topmodell Lithos 10k - erhältlich in den Farben Grey to Wild Honey oder Grey to Gunmetal - um € 11.999,-.

Tech Specs

Rahmen: Lithos CF Carbon, 174 mm Federweg Kassette: Sram XS-1295 T-Type, 10-52t, 12-fach
Größen: XS/S/M/L/XL Kette: Sram X0 Eagle Transmission, Flattop
Antrieb: SRAM X0 Laufräder: DT Swiss HXC 1500, 29"/27,5"
Batterie: Bosch PowerTube 800 Wh Reifen: Continental Kryptotal F Ultra Soft 29 x 2,4"
Continental Kryptotal R Soft 27,5 x 2,4"
Display: Bosch Kiox 400C Steuersatz: Acros ICR Merida Integrated Neck mit Blocklock
Gabel: Fox Podium Factory, 170 mm Vorbau: Merida Expert eTR II, 40 mm
Dämpfer: Fox DHX Factory Live Valve Neo, SLS Stahlfeder Griffe: Merida Expert TR
Kurbel: Sram X0 Eagle, 160 mm, 36t Sattel: Proxim Altius Tirox mit V-Mount Adapter
Lenker: Race Face Era Carbon, 780 mm Sattelstütze: Merida Team TR II, 34,9 mm, 30-230 mm
Bremse vorne: Sram Maven Ultimate, 220 mm Bremse hinten: Sram Maven Ultimate, 200 mm
Schalthebel: Sram AXS Pod Controller Gewicht: 25 kg (BB-Messung)
Schaltwerk: Sram X0 Eagle Transmission AXS Preis: € 11.999,- UVP
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Geometrie

Mit 64 Grad fällt der Lenkwinkel ausreichend flach für harte Enduro-Einsätze aus, ohne dabei ins Extreme abzuwandern. Ein steiler Sitzwinkel von 78,5 Grad sorgt zudem für eine höchst effiziente Tretposition im Uphill.

Merida setzt weiterhin auf die bewährte Agilometer-Geometrie. Diese kombiniert ein kurzes, gerades Sitzrohr für maximale Einstecktiefe mit einer hauseigenen, von 30 bis 230 mm hubverstellbaren Dropper-Post. Dadurch haben Fahrer die Freiheit, die Rahmengröße unabhängig von der Beinlänge nach den bevorzugten Fahreigenschaften und der gewünschten Reichweite (Reach) zu wählen. Während der Reach über die Größen hinweg deutlich wächst, fallen die Unterschiede bei der Sitzrohrlänge bewusst gering aus: Beim Rahmen in Größe Short misst das Sitzrohr 400 mm, pro Rahmengröße wächst es jeweils um nur 5 mm an.

Die maximale Einschubtiefe für Sattelstützen beträgt 330 mm für XShort und Short, 360 mm für Mid, 370 mm für Long und 390 mm für XLong.

Ein Flip-Chip an der Verbindung von Sitzstrebe und Umlenkhebel (Link) ermöglicht den Wechsel zwischen einem reinen 29"-Setup für maximale Geschwindigkeit und dem standardmäßigen Mullet-Setup (29"/27,5") für eine hohe Balance aus Stabilität und Agilität - ohne Veränderung der restlichen Geometrie. Im reinen 29"-Setup beträgt die Kettenstrebenlänge 449 mm, während das Mixed-Setup eine Kettenstrebenlänge von 447 mm aufweist.

Die Stack-Höhe wurde bei allen Rahmengrößen spürbar erhöht. Im Vergleich zum eOne-Sixty SL sind die Steuerrohrlängen je nach Größe um 10 mm (Größe M) bis zu 25 mm (Größe XL) angewachsen.

Der Rahmen ist in fünf Größen erhältlich: XShort, Short, Mid, Long und XLong.

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Geometrie

Rahmengröße XShort Short Mid Long XLong
Reifengrößen 29/27.5 (Zoll) 29/27.5 (Zoll) 29/27.5 (Zoll) 29/27.5 (Zoll) 29/27.5 (Zoll)
ST Sitzrohr (mm) 400 410 425 445 465
TT Oberrohr (mm) 553 570 593 621 650
CS Kettenstrebenlänge (mm) 447 447 447 447 447
HTA Lenkwinkel (Grad) 64 64 64 64 64
STA Sitzrohrwinkel (Grad) 78.5 78.5 78.5 78.5 78.5
BD Tretlagerabsenkung (mm) 10 10 10 10 10
HT Steuerrohr (mm) 100 110 120 130 145
FL Gabel-Länge (mm) 586 586 586 586 586
FO Gabel-Versatz (mm) 44 44 44 44 44
R Reichweite (mm) 425 440 460 485 510
S Stapel (mm) 628 637 646 655 669
WB Radstand (mm) 1216 1235 1259 1289 1320
SH Überstandshöhe (mm) 757 762 762 765 769
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Im Gebüsch

Bikes mit Stahlfederdämpfer bieten gewisse Vorteile. Beim Setup ergibt sich jedoch meist der Nachteil, dass man für sein Körpergewicht exakt die passende Federhärte finden muss - es sei denn, die ab Werk mitgelieferte Feder passt zufällig.

Das minimalistische Motor-Cover gefällt uns gut und verleiht dem Lithos eine schlanke Silhouette im Tretlagerbereich. Die seitlichen Kühlrippen des Motors erhalten auf diese Weise die maximale Kühlluft. Ob ein seitlich hochgeschleuderter Stein diese exponierten Rippen allerdings signifikant beschädigen könnte, bleibt abzuwarten. Nach unserem Testbetrieb ließen sich bereits ein paar minimale Macken in der Oberfläche der Kühlrippen feststellen; es ist also offensichtlich, dass Steine den Weg dorthin finden.
Auch das Beluga-Akku-Cover trägt weniger auf, als wenn das gesamte Unterrohr wuchtig dimensioniert wäre, da vor allem der Steuerrohrbereich seine schlankere Form behält. Mit dem Cover des 600-Wh-Akkus wirkt die Silhouette des Bikes nochmals deutlich dezenter.

Die Einstellung der Hublänge der Sattelstütze ist im Handumdrehen erledigt und ein geniales Feature, um den maximalen Hub für die jeweilige Beinlänge herauszuholen. Beim XShort-Rahmen beträgt die Sitzrohrlänge 400 mm, um die lange Merida Teleskopstütze komplett versenken zu können. Ein solider Wert - es gibt allerdings Konkurrenten, die das Sitzrohr bei einem so kurzen Reach noch kompakter bauen. Bei den größeren Rahmengrößen fällt dies weniger ins Gewicht. Ginge es nach mir, würde ich dennoch das Sitzrohr des XShort-Rahmens noch weiter kürzen, um gegebenenfalls eine kürzere Teleskopstütze verbauen zu können, die für kleine Personen mit kurzen Beinen dann trotzdem mehr effektiven Drop erzielen können. Danach würde ich alle von Merida gewählten Sitzrohrlängen um eine Stufe verschieben. Ein deutlicher Längenunterschied zwischen Reach und Sitzrohrlänge von 50 mm oder mehr hat sich in der Bike-Industrie in den letzten Jahren schließlich mehrfach bewährt.

Nimmt man den Dämpfer aus dem Hinterbau, steht das Heck aufgrund des flexenden Carbon-Hinterbaus (Flexpivot) unter Spannung. Komprimiert man den Hinterbau ohne Dämpfer, spürt man einen deutlichen Widerstand. Inwieweit dieser das Federungsverhalten im Detail beeinflusst, ist schwer zu quantifizieren. Einen negativen Effekt im Fahrbetrieb konnten wir jedenfalls nicht feststellen, und da Merida diese Konstruktionsart bereits seit Jahren erfolgreich an unterschiedlichsten Modellen einsetzt, scheint das System zu funktionieren.

Viele Pluspunkte bekommt Merida von mir dafür, dass sie auf ein Dämpfer-Yoke verzichten. Die Anzahl an Dämpfern, die ich bisher an Bikes aufgrund der seitlichen Belastungen durch ein Yoke zerstört habe, ist leider nicht unerheblich.

Der in den Rahmen integrierte Acros-Steuersatz ist optisch wohl nicht jedermanns Sache: Lenkt man ein, wirkt die Integration visuell etwas unterbrochen.

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Bergauf

Viel Federweg schreckt von Haus aus manche Gemüter ab; vor dem Lithos braucht man sich allerdings nicht zu fürchten. Die Federung ist schluckfreudig, sackt aber nicht ungewollt wie ein Jelly unter Belastung ein. Ob die elektronische Live-Valve-Hinterradfederung entscheidend dazu beiträgt, lässt sich schwer isolieren; in puncto Sensibilität wird auf alle Fälle nichts eingebüßt, sofern man den Dämpfer in den App-Einstellungen auch bergauf ungehindert arbeiten lässt. Das Bike eliminiert bereits kleinste Unebenheiten und bügelt größere Brocken glatt, ohne den Vorwärtsdrang zu beeinträchtigen. Hierbei ist anzumerken, dass sich dieses Verhalten mittels der Fox-App auch komplett anders gestalten lässt: Wer ab einem vordefinierten Anstiegswinkel ein strafferes Fahrwerk bevorzugt oder die Sensibilität herunterschrauben möchte, kann sich sein Wunschfahrwerk digital zusammenklicken.

Dank des angenehm steilen Sitzwinkels fällt die Treteffizienz hoch aus. Der Sattel selbst ist vermutlich nicht jedermanns Sache - aber welcher Sattel ist das schon?
Greift man beim Rangieren des Bikes an die Rückseite des Sattels, fällt das Multitool auf der Unterseite auf. Die Gummikappe sitzt nicht unbedingt fest, und so hat sich das Werkzeug irgendwann unbemerkt aus der Haltehülle verabschiedet.

Der Bosch Performance Line CX-R-Motor ist ein extrem kraftvoller Begleiter, besonders nach dem installierten Performance-Update 2.0. Der größte Unterschied zum regulären CX-Motor liegt neben dem geringen Gewichtsvorteil mittlerweile nicht mehr in der Hardware, sondern in der Software. Der Race-Modus verfügt über eine spürbar aggressivere Abstimmung, die unter anderem das Herausbeschleunigen aus Kurven maximal unterstützt. Schraubt man die Unterstützung auf die vollen 600% und 120 Nm hoch, lässt sich das Ansprechverhalten vor allem bei niedrigen Geschwindigkeiten nur als giftig bezeichnen. Unter 10 km/h ist von Dosierbarkeit kaum noch zu sprechen - das Anfahren im steilen Technikabschnitt wird zum Geduldsspiel, bei dem das Hinterrad schnell ungewollt durchdreht.
Aber dafür ist der Race-Modus auch nicht gemacht: Er soll den Fahrer so schnell wie möglich den Berg (oder die Sondersektionen bei Rennen) hinaufschieben und den Schwung im steilen Gelände aufrechterhalten. Diese Vorgabe erfüllt er sehr gut, und wer es zahmer mag, kann den Modus via App jederzeit entschärfen.

Die 600% Unterstützung stehen nur bis 15 km/h zur Verfügung, danach regelt das System auf die bekannten 400% herunter. Dieser Wechsel ist deutlich spürbar. Fährt man an steilen Anstiegen genau im Bereich dieser 15-km/h-Grenze, kann die Geschwindigkeit unangenehm fluktuieren: Überschreitet man die 15 km/h, fällt der Schub spürbar ab. Fällt man dadurch wieder unter die Grenze, schiebt der Motor im Race-Modus schlagartig wieder an und drückt das Bike erneut über das Limit - das Spiel beginnt von vorn. Hier könnte Bosch ruhig nachbessern und an einem flüssigeren Übergang feilen. Sinnvoller wäre es zum Beispiel, die Unterstützung von 15 bis 20 km/h (oder sogar bis 25 km/h) linear von 600 auf 400% abzubauen, sofern eine solche selbstauferlegte Regulierung überhaupt erforderlich sein muss.

Das Cockpit-Rundumpaket mit dem sauber im Oberrohr integrierten Kiox-400C-Display und der kabellosen Mini Remote am Lenker lässt ergonomisch kaum Wünsche offen. Der neue dynamische Screen ist zeitweise jedoch etwas irritierend, da sich die Anzeige regelmäßig von selbst umstellt und nicht immer die Anzeige gewünscht ist, die sich die Entwickler vorgestellt haben. Persönlich wäre es mir lieber, wenn man sich die gewünschten Datenfelder auf einem Screen frei konfigurieren könnte - ähnlich wie man es von einem Garmin-Radcomputer kennt.

Dicke Bonuspunkte sammelt das Lithos für das unkomplizierte Akku-Wechselsystem. Ich kann kaum aufzählen, wie oft ich auf Roadtrips schon froh um einen entnehmbaren Akku war. Abgesehen davon sind manche der besten Biketage jene, an denen man einfach zwischendurch den Zweitakku einsteckt, um ungehindert weiter Runden zu drehen. Ein großes Lob an Merida, dass sie sich hier dem aktuellen Trend der fest verbauten Akkus widersetzen.

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 "Das Lithos 10k klebt am Boden wie die Gelse am Fliegenpapier... mit dem Unterschied, dass es munter weiterrollen kann." 

So viel zum Thema elektronischer Stahlfederdämpfer
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Bergab

Die Hinterradfederung arbeitet mit einem butterweichen Ansprechverhalten und gleitet scheinbar über Unebenheiten hinweg. Das ist sicherlich eine spürbare Charaktereigenschaft des Stahlfederdämpfers, die potenziell durch die elektronische Live-Valve-Steuerung unterstützt wird. Auch die Position des Hauptlagers dürfte eine Rolle spielen: Es befindet sich nur knapp hinter einer vertikal gedachten Linie des Tretlagers auf Höhe des 36er-Kettenblattes, wodurch die Raderhebungskurve eine Spur rückwärtsgerichteter ausfällt als bei Konstruktionen mit engerem Radius. Dabei scheint es nicht ins Gewicht zu fallen, dass dem Lithos im Grunde ein physisches Lager im Bereich des Ausfallendes fehlt. Durch den gezielten Flex der Carbon-Sitzrohre ist das System als Eingelenker mit Dämpferanlenkung einzuordnen.

Müsste ich tief in der Detailanalyse wühlen, hatte ich gelegentlich das Gefühl, dass der Hinterbau auf ausgeprägten Bremswellen während des Bremsvorgangs einen Tick früher zu stempeln beginnt als ein echter Viergelenker. Gedanken verschwendet man im Trail-Alltag daran allerdings nicht.

Vom elektronischen Arbeiten des Fox DHX Live Valve Neo-Dämpfers bekommt man während des Fahrbetriebs nichts mit. Was man jedoch sehr wohl merkt, ist, dass das Bike förmlich am Boden klebt und sein wahres Potenzial erst entfaltet, wenn man es richtig laufen lässt. Je schneller man fährt, desto ruhiger liegt das Lithos. Je nach Untergrund und eigenem Fahrkönnen ist naturgemäß irgendwann Schluss, der Grenzbereich des Fahrwerks mit seinen satten 174 mm Federweg ist hierbei jedoch selten der limitierende Faktor.

Wie gut das Fahrwerk funktioniert, zeigt sich auch daran, wie souverän das Heck mit fragwürdigen Absprungkanten und Drops umgeht: Selbst wenn eine Kante im Weg steht oder ein Absprung schlecht gebaut ist, werden Unregelmäßigkeiten vor dem Abflug einfach geschluckt, ohne dass das Hinterteil bockt und das Bike aus der Balance bringt.

Dabei arbeiten Gabel und Dämpfer in ihrer Feinfühligkeit harmonisch und auf ähnlich sensitivem Niveau. Dass sich das Bike am Boden gerne "festsaugt", bringt jedoch Vor- und Nachteile mit sich. Der Vorteil: höchste Kontrolle und enormer Fahrkomfort. Der Nachteil: Um das Bike vom Boden zu lösen, braucht es spürbar mehr Nachdruck. Energie, die man für den Impuls einbringt, verpufft geradezu im schluckfreudigen Fahrwerk - hier macht sich das Gesamtgewicht von rund 25 kg bemerkbar. Bunny Hops werden so zu einer kleinen Qual. Als "poppig" kann man das Lithos nicht gerade bezeichnen; mittels gezieltem App-Tuning gäbe es hier vermutlich noch Spielraum - dies im Detail zu eruieren, hätte jedoch den Rahmen dieses Tests gesprengt.

Bei flachen, harten Landungen spielt der elektronische Fox-Dämpfer seine Trümpfe voll aus: Hier merkt man deutlich, wie die hydraulische Unterstützung den Aufschlag mit hohen G-Kräften zielgerichtet abfängt.

Während einer recht kopflastigen Landung nach einem Drop habe ich es geschafft, die Gabel in den harten Durchschlag zu zwingen, was in einem unangenehmen Metall-auf-Metall-Geräusch endete. Dabei handelte es sich jedoch um einen Einzelfall; die Mischung aus Komfort und nutzbarem Federweg war in der Regel hervorragend.
Auch über mangelnde Steifigkeit der Upside-Down-Federgabel kann man sich keineswegs beklagen - im Gegenteil: In hängenden Wurzelsektionen hätte ich mich über eine Spur mehr Nachgiebigkeit nicht beschwert. Apropos Nachgiebigkeit: Wie von Merida in der Produktpräsentation hervorgehoben, bietet die Steifigkeit des Rahmens tatsächlich eine sehr gelungene Mischung aus Spurtreue und Fahrkomfort.

Läuft das Bike erst einmal, spürt man vom Gewicht überraschend wenig. Es lässt sich willig von Kurve zu Kurve schwenken, liegt extrem satt, folgt zielstrebig der gewählten Linie und generiert kontinuierlich Geschwindigkeit.

Zeigt der Trail allerdings richtig steil bergab, macht sich das höhere Gewicht unweigerlich negativ bemerkbar: Das Bike neigt dann zum Schieben und will in engen Kehren im steilen Gelände eher geradeaus rollen, als leichtfüßig um die Ecke zu zirkeln. Ich habe mich mehr als einmal dabei ertappt, wie ich meine liebe Mühe hatte, das Bike rechtzeitig einzufangen, wenn ich mit gewohnter Geschwindigkeit in die Steilsektionen meiner Haustrails hineingestochen bin. Wer extremen Steilabfahrten ohnehin wenig abgewinnen kann, wird dieses Phänomen in der Praxis natürlich kaum vorfinden.

Es finden sich nur wenige Stellen, an denen man an der hochwertigen, aber eben abfahrtsorientiert robusten Ausstattung sinnvoll abspecken könnte - es sei denn, man verzichtet auf die exzellente, aber recht schwere Upside-Down-Federgabel und den elektronischen Stahlfederdämpfer des 10k-Modells. Doch dann könnte man auch gleich zu einer anderen Modellvariante greifen. Ein leichterer Laufradsatz würde zwar ebenfalls ein paar hundert Gramm einsparen, dafür müsste man jedoch sehr tief in die Tasche greifen. Rund 200 g kann man mit Umstellung auf Tubeless einsparen. Durch die Demontage des Lichts ließ sich nochmals etwas unter 100 Gramm einsparen, die zudem recht ungünstig direkt vor dem Cockpit hängen.

Persönlich würde ich schon allein aus diesem Grund zum 600-Wh-Akku greifen, um 900 g Gewicht an einer fahrwerksrelevanten Stelle einzusparen - dem Handling käme das in fast jeder Situation zugute. Abgesehen davon sorgt das kleinere Cover für eine deutlich schlankere Silhouette.

Der 64-Grad-Lenkwinkel sorgt für hohe Laufruhe, selbst in der von uns getesteten Rahmengröße Mid. Die Geometrie liefert also gute Werte, um auf Bestzeit-Jagd zu gehen, bietet aber genügend Allround-Eigenschaften, die das Bike in allen Lebenslagen willig auf Inputs reagieren lassen. Für mich persönlich dürfte die Kettenstrebe ruhig noch etwas länger sein, vor allem bei größeren Rahmengrößen, um die Balance aufrechtzuerhalten; aber 446 mm sind ein guter Wert zwischen Laufruhe, Klettervermögen und Druck auf dem Vorderrad.
Wer flachere Lenkwinkel bevorzugt und mit dem Gedanken spielt, trotz des 27,5"-Hinterrads auf das 29"-Setting des Flip-Chips zu wechseln, würde alle Winkel zwar um etwa 1,5 Grad abflachen - das Tretlager senkt sich dann allerdings auf ein gefährlich niedriges Niveau ab. Aufschlagende Pedale oder Motor-Cover könnten die Folge sein und zu Stürzen führen, ist also dringend zu vermeiden. Aufgrund des oberen IS52 Steuersatzmaßes oben, ist auch der Einsatz eines winkelverändernden Steuersatzes nicht möglich.

  • Das neue Merida Lithos im Test
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Komponenten-Check

Das absolute Highlight des Lithos 10k ist zweifellos das Fahrwerk: Exklusiver und teurer als mit der Fox-Podium-Gabel an der Front und dem Fox DHX Live Valve Neo am Heck geht es in der Bike-Industrie beinahe nicht. Neben den gefühlt Millionen Einstellmöglichkeiten beider Federelemente ist die Performance auf dem Trail beeindruckend.

"Es werde Licht" - ein Motto, auf das ich beim Lithos gut hätte verzichten können. Zumindest würde ich mir wünschen, dass das Bike ohne Scheinwerfer ausgeliefert wird. Einerseits passt diese "SUV-Erstausstattung" unserer Meinung nach überhaupt nicht zu einem High-End-Enduro dieser Preisklasse und verursacht bei Puristen Augenkrebs, andererseits sorgte das Licht im Test für einen problematischen Kontakt mit der Bremsleitung: Beim Einfedern legte sich das Kabel regelmäßig über das weit vorstehende Gehäuse und blieb dort ab und zu hängen. Wir mussten den Scheinwerfer dementsprechend so weit wie möglich aus dem Weg klappen. Merida betont hierzu, dass an den Serienrädern die Bremsleitung kürzer verlegt sei und es somit zu keinem Kontakt komme.
Schade ist zudem, dass sich das Licht nicht einfach per Steckverbindung demontieren lässt; stattdessen muss das Kabel direkt am Motor abgeklemmt und mühsam aus dem Rahmen ausgefädelt werden. Ein spontanes Anbringen für gelegentliche Nachtfahrten ist somit unmöglich. Für diejenigen, die das Lithos als Commuter-Bike zulegen oder Nachtfahrten auf der wöchentlichen Ausflugsliste stehen, macht das Licht natürlich Sinn.

Die SRAM Maven-Bremsen gehören zu den am stärksten zupackenden Stoppern auf dem Markt, auch wenn die Bedienkräfte am Hebel etwas höher ausfallen als bei manchen Konkurrenten. Sind sie einmal sauber entlüftet und wurden die Kolben ordentlich mobilisiert (Piston Massaging), zeigen sie sich im Fahrbetrieb weitgehend unauffällig. In puncto Wartung sind sie jedoch leider alles andere als pflegeleicht: Gefühlt muss man das System regelmäßig entlüften, damit der Leerweg am Hebel nicht überhandnimmt. Schade - die absolut perfekte Bremse steht damit wohl immer noch aus.

Der Blocklock-Steuersatz von Acros ist eine smarte und unsichtbare Lösung, um vor Beschädigungen durch rotierende Lenker im Fall eines Sturzes zu sorgen. Der Einlenkwinkel ist ausreichend, dass man sich im Fahrbetrieb nicht eingeschränkt fühlt.

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Fazit

Merida Lithos 10k
Modelljahr: 2027
Testdauer: 4 Wochen / 140 km
Preis: € 11.999,- UVP
+ Fahrwerk klebt am Boden
+ Abfahrtsfreundliche Geometrie
+ Geschwindigkeit durch Traktion
+ Entnehmbarer Akku
+ Unzählige Einstellungsmöglichkeiten des Fahrwerks
o Preis
- Gewicht schiebt in Steilsektionen
- Licht
BB-Urteil: Viele Optionen, viele Einstellungsmöglichkeiten, viel Speed, viel Fahrspaß.

Das Fahrwerk des Lithos 10k ist im Downhill eine Macht: Es ist laufruhig, sensibel und klebt am Boden wie eine Gelse am Fliegenpapier – mit dem feinen Unterschied, dass es sich dabei rasant weiterbewegen kann. Das Bike generiert durch sein schluckfreudiges, aber keineswegs undefiniertes Absorptionsverhalten an allen Ecken und Enden Geschwindigkeit. Die ausgewogene Geometrie spielt ihm dabei in die Karten: Die Kettenstreben sind zumindest bei der getesteten Größe Mid ausreichend lang, um für eine gute Balance zu sorgen. Die Option, auf ein 29"-Hinterrad zu wechseln, ist ein gern gesehenes Feature.

Einzig das Gesamtgewicht in dieser Preisklasse drückt die Performance in Steilsektionen oder beim Bunny Hop spürbar – im wahrsten Sinne des Wortes.
Die sinnvollste Maßnahme zur Gewichtsreduktion liegt daher wohl im Wechsel auf den kleineren 600-Wh-Akku. Die Ersparnis von 900 g reduziert die Masse an einer für das Handling kritischen Stelle drastisch und dürfte das Fahrverhalten des Lithos nochmals verbessern. Eine klare Empfehlung für alle, die nicht permanent auf die üppige Reichweite des 800-Wh-Akkus angewiesen sind. Durch einen unkomplizierten Wechsel zwischen den zwei wäre man für jede Situation bestens gerüstet.

Braucht man das elektronische Fahrwerk, um auf dem Trail glücklich zu werden? Die meisten Fahrer werden diese Frage vermutlich mit einem Nein beantworten. Andererseits fällt mir bis auf einen Aspekt – eine weitere Batterie am Bike, die ab und an geladen werden muss – kein einziger Grund ein, der gegen die Funktion des elektronischen Dämpfers spricht. Im Gegenteil: Wer das nötige Federungs-Know-how mitbringt, kann sich hier sein persönliches Traumsetup konfigurieren, egal wie ausgefallen die Vorlieben sein sollten.

Dank der enormen Vielseitigkeit der Hinterradfederung, der ausgewogenen Kinematik in sämtlichen Lebenslagen und der – bei Bedarf – brachialen Unterstützung des Bosch Performance Line CX-R-Motors ist das Lithos nicht nur bergab eine Bank. Begünstigt durch den steilen Sitzwinkel lässt es sich auch stundenlang komfortabel pedalieren, um den ausdauernden Akku in die Knie zu zwingen.

Die einzige Komponente, mit der wir uns bei aller Liebe nicht anfreunden können, bleibt das Licht: Ein Anbauteil, das in den Köpfen vieler enthusiastischer Biker – unserer inklusive – schlichtweg nicht mit einem derartigen Einsatzgebiet und einem so radikalen Ausstattungspaket vereinbar ist.

Dass so viel Technik auch kostet, ist natürlich klar; wenn ein Bike aber knapp €12.000,– kostet, blutet einem dennoch das Herz. Bei manchen Konkurrenten ist es allerdings durchaus möglich, dass man für eine vergleichbare Ausstattung noch tiefer in die Tasche greifen muss...

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Geschrieben
Neuer Name, neues Bike und mit dabei: viel Federweg, viel Hightech, viel Speed. Wie sich das Topmodell Merida Lithos 10k 2027 schlägt, durften wir bereits herausfinden.



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Geschrieben

erster 😀... 

 

Ich hab Ralf versprochen, eine zweite Meinung einzubringen, denn ich durfte das Bike gestern über den Anninger bewegen, und hier kurz meine 2 Cent:

 

- fährt sich agiler als man vermuten würde

- mächtig Druck am Vorderrad, liegt sicher auch an meiner Sitzposition bei Gr. M bei mir, fast ein wenig frontlastig, dafür aber sensationeller Grip und top Kurvenlage

- das FOX Neo-Teil spürt man schon ganz gut bergauf wie ich finde, ohne Bergab-Kompromisse, trotzdem für mich eher ein Nice-To-Have für Technik-Freaks

- SRAM Schaltung schaltet butterweich und perfekt, selbst unter Volllast, selten so ein g'schmeidiges Schaltverhalten gehabt

- SRAM Bremsen nicht ganz mein Fall, aber das ist eine andere Geschichte

- Geräuschkulisse vom Motor ist arg leise, entweder so gut entkoppelt, oder so gut gekühlt oder beides, eines der leisesten Full-Power-eBikes, die ich je gefahren bin

- Sattelstützen-Hub ist auch sehr leiwand 

 

insgesamt macht das Lithos mächtig Gaude und im Reich der ausgewachsenen Full-E-Bikes ist das ein absolutes Highlight!

Geschrieben

36er Kettenblatt, da is man auf der Ebene schneller im 25 km/h Limit als man schaun kann

 

ich hab an meinem Moustache von 34 auf 32 umgebaut und nutze das 10er Ritzel garnie und auch das 12er selten, weil bei einer ~70er Kadenz ich vorher im 25er Limit bin😮

Geschrieben

@Kitschi gute Idee, wobei das natürlich stark davon abhängt, wieviel du in sehr schnellen Downhill-Sektionen noch pedalieren willst. Kollege Ralf lässt's gerne krachen, könnte mir gut vorstellen, dass er doch immer wieder mit 34/10 unterwegs ist, selbst im Gelände. Aber so ein Kettenblatt ist ja g'schwind getauscht

 

@pathfinder DJI Avinox geht eh in die Richtung 😈 ... ich mag ja Motorräder auch, aber Bikes noch lieber, daher würde ich trotzdem, wenn ich die Wahl hab, jederzeit zum eMTB greifen, wenn schon Motor...