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Merida Scultura Endurance 6000

Merida Scultura Endurance 6000

28.08.23 07:56 7.558Text: NoPain
Martin Ganglberger

Größe: 175 cm
Schrittlänge: 84 cm
Gewicht: 70 kg
Fahrstil/-können: Rennrad & Gravel, gute Ausdauer, wenig Power, volles Risiko bergab - wird allerdings selten belohnt

Klicke für alle Berichte von NoPain
Fotos: Erwin Haiden
Langzeittest des sportlichen Endurance-Rennrads auf Anyroad- und Gravel-Abwegen.
Plus: Road/Granfondo/Gravel "One-For-All" Kaufberatung28.08.23 07:56 33.393

Merida Scultura Endurance 6000

28.08.23 07:56 33.39313 Kommentare NoPain
Martin Ganglberger

Größe: 175 cm
Schrittlänge: 84 cm
Gewicht: 70 kg
Fahrstil/-können: Rennrad & Gravel, gute Ausdauer, wenig Power, volles Risiko bergab - wird allerdings selten belohnt

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Erwin Haiden
Langzeittest des sportlichen Endurance-Rennrads auf Anyroad- und Gravel-Abwegen.
Plus: Road/Granfondo/Gravel "One-For-All" Kaufberatung28.08.23 07:56 33.393

Seit seiner Einführung im Modelljahr 2021 steht das Merida Scultura Endurance für ausgezeichneten Komfort, hohe Alltagstauglichkeit und den klaren Fokus auf Langstreckeneinsätze. Zwischen dem Scultura ProTour-Rennrad und dem Silex-Gravelbike positioniert, spricht es Freizeit- und Hobbyfahrer wie auch ambitionierte Rennradfahrer gleichermaßen an und besitzt - je nach Ausstattungsvariante - auch eine erschreckend hohe Vielseitigkeit: Vom zuverlässigen Pendlerbike übers sportliche Trainingsrad bis hin zum komfortablen Endurance-Rennrad.

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Merida Road/Endurance/Gravel

Reacto Scultura Scultura Endurance Scultura Endurance GR Silex
Modelljahr seit 2021 ab 2024
Einsatzbereich Aero Allrounder Long Distance Gravel Racing Gravel Adventure
Onroad % 100% 100% 90% 70% 30%
Offroad % - - 10% 30% 70%

Gemäß des Grundsatzes "never change a winning team" ist der Carbonrahmen- und Carbongabelsatz bis heute unverändert geblieben, um Jung und Alt mit seiner direkten Kraftübertragung, durchwegs guten Dämpfungseigenschaften sowie der maximalen Reifenfreiheit von bis zu 35 Millimetern zu erfreuen. Darüber hinaus erstrahlt das hier vorgestellte Scultura Endurance 6000 diese Saison in einem frischen Look mit edler Metallic-Lackierung, semi-integrierten Bremsleitungen sowie einem technischen Upgrade in Form der neuen Shimano 105 Di2 12-fach Gruppe.

Um die Möglichkeiten des Komfortrenners besser einzuschätzen, haben wir ihn sowohl mit den serienmäßig montierten 32 mm Rennradreifen als auch mit 36 mm Anyroad- und Gravelreifen des Herstellers Challenge getestet. Das Ergebnis dieses Vergleichs präsentieren wir euch am Ende des Artikels in Form einer One-For-All-Kaufberatung für "Road vs. Granfondo vs. Gravel". Dort könnt ihr herausfinden, welche Offroad-Einsatzbereiche mit dem Scultura Endurance 6000 abgedeckt werden können, ob die Basis auch für einen Gravel-Racer taugt und was alles für einen würdigen Umbau nötig wäre.

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Geometrie & Technik

Wie sich dem Modellnamen entnehmen lässt, basiert der Rahmen des Scultura Endurance auf dem supersportlichen Allround-Renner Scultura, der seit vielen Jahren auch im Profisport eingesetzt wird. Größter Unterschied ist die aktualisierte Geometrie, welche auf die Bedürfnisse von Langstrecken- und komfortorientierten Fahrern abgestimmt wurde. Die aufrechtere Fahrposition und die Möglichkeit breite Reifen zu montieren, verleihen dem Scultura Endurance nicht nur ein angenehmeres Fahrgefühl auf rauen Straßen, sondern bieten auch zusätzliche Kontrolle auf anspruchsvollerem Terrain.

Um den vertikalen Flex am Heck zu erhöhen und nervige Vibrationen zu reduzieren, verfügt das Scultura Endurance über ein schmales Sitzrohr für Meridas Expert CC Sattelstütze mit 27,2 mm Durchmesser und 15 mm Setback. Obendrein verleiht die spezielle Formgebung von Sitz- und Kettenstreben dem Scultura Endurance eine blattfederähnliche Nachgiebigkeit.

Trotz der höheren Stabilität aufgrund des flacheren Steuerrohrwinkels und des etwas längeren Radstands bleibt aber festzuhalten, dass das Endurance keinesfalls weichgespült wurde und nach wie vor extrem zackig um die Ecke geht.

Geometrie

  XS S M L XL
Laufradgröße (Zoll) 28" 28" 28" 28" 28"
Reach (mm) 366 376 380 389 397
Stack (mm) 552 565 584 603 629
Oberrohrlänge (mm) 524 538 553 568 583
Sitzrohrlänge (mm) 470 490 510 530 560
Steuerrohrwinkel (°) 71 72 73 73 73.5
Sitzwinkel effektiv (°) 74 74 73.5 73,5 73,5
Steuerrohrlänge (mm) 152 161 177 197 222
Kettenstrebenlänge (mm) 418 418 418 418 418
Radstand (mm) 997 1001 1001 1017 1026
Überstandshöhe (mm) 767 785 803 823 852
Tretlagerabsenkung (mm) 66 66 66 66 66
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Für ein aufgeräumtes Cockpit kombinierte Merida sein "Wire Port System", bei dem sich die Bremsleitungen durch das Steuerrohr führen lassen, mit einem FSA SMR ACR Vorbau inklusive FSA ACR Steuersatz. Grundsätzlich handelt es sich dabei um eine technisch solide Basis, nur waren die Leitungen unseres Testbikes ab Werk etwas zu lang, weshalb die Kabelverlegung unterhalb des Vorbaus nicht besonders schnittig aussah.

Funktionell und schön fanden wir hingegen die versteckte Sattelstützenklemme, die zur glatten Formensprache beiträgt und nebenbei Luftverwirbelungen reduziert, sowie die beiden proprietären und stylischen "Disc Cooler". Diese geschmiedeten Aluminiumbauteile unter den Bremssätteln verfügen über CNC-gefräste Kühlrippen und sollen um rund 35% mehr Bremshitze abführen.

Scultura Endurance 6000

Rahmen Scultura Endurance CF3 Carbon Rahmen, 142x12 mm, max. 700x35C (max. 32C mit Kotflügeln), BB86 Pressfit Gabel Scultura Endurance CF3 Carbon Disc Gabel, 100x12 mm, max. 700x35C
Größen XS, S, M, L, XL Steuersatz FSA ACR
Vorbau FSA SMR ACR Tretlager SM-BB71-41B, Pressfit 86.5
Lenker Merida Expert SL, Alu, XXS/380 mm, XS-S/400 mm, M-L/420 mm, XL/440 mm Lenkerband Merida Road Expert Grip-Tape
Schalthebel Shimano 105 Disc Di2 Kette Shimano CN-M6100-12
Schaltwerk Shimano 105 Di2 Bremsen Shimano 105, Shimano RT64 160 mm mit Disc Cooler
Sattelstütze Merida Expert CC, Carbon, 27,2 mm, SB 15 mm Umwerfer Shimano 105 Di2
Sattel Merida Expert SL, V-Mount inkl. Merida Tool Kurbel Shimano 105 FCR7010 50-34
Laufräder Merida Expert SL, Alu, TLR, 22 mm Höhe, 17mm Innenbreite Reifen Maxxis Detonator 700x32C
Kassette Shimano CS-R7100, 11-34, 12-fach Steckachsen Merida Expert SL Achsen
Gewicht* 8,7 kg selbst gewogen Preis € 3.399,-

* Testrad in Größe Medium inkl. Merida V-Mount inkl. Tool und ohne Pedale

Versteckte Schutzblechhalterungen an Rahmen und Gabel sowie eine abnehmbare Brücke (F-Mount) zwischen den Sitzstreben eröffnen weitere Einsatzgebiete - beispielsweise als vielseitiges Winterrad. Reifenempfehlung mit Kotflügeln: maximal 32 Millimeter.

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In der Praxis

Das Scultura Rennrad steht seit jeher für ausgeprägte Sportlichkeit, Steifigkeit und Agilität - besonders seit Merida als Radsponsor in die ProTour eingestiegen ist. Dies kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen, da ich bereits das Vergnügen hatte die Modelle Scultura Evo (2010), Scultura SL (2013) und Scultura LTD (2016) ausgiebig zu testen. Als Amateur-"Rennfahrer" schätzte ich damals geradezu die enorme Stabilität des Rahmens, die tiefe Position des Lenkers sowie das direkte Handling. Doch als leidenschaftlicher "Radtourist" muss ich gestehen, dass mich diese Eigenschaften heute eher stören als unterstützen.

Aus meiner Sicht stellt das aktuelle Scultura Endurance für die meisten Rennradfahrer die optimale Wahl dar. Wer nicht gerade an den Wochenenden regelmäßig Kriterienpunkten nachjagt oder Klassiker bzw. Bergetappen für sich entscheiden möchte, findet in der Granfondo-Variante seinen perfekten Partner - mit entspannter, aber dennoch sportlicher Geometrie, einem wunderschönen Design, durchwegs hochwertiger und stimmiger Ausstattung, breitem Einsatzbereich und einem - für ein Fachhandelsrad - guten Preis-/Leistungsverhältnis. Aber nun mal der Reihe nach.

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Handling und Komfort

Das Steuerrohr ist etwas länger und führt logischerweise zu einer aufrechteren Sitzposition. Gleiches gilt für den Radstand sowie die Kettenstreben, was der hohen Laufruhe zuträglich ist. Folglich büßt das Handling gegenüber dem Scultura-Rennrad zwar ein wenig an Agilität ein, bleibt aber dank der verwindungssteifen Carbon-Gabel und dem nicht zu flach geratenen Lenkwinkel weiterhin lebhaft - sogar mit den montierten 32 mm breiten Maxxisreifen. Die Endurance-Version bietet zudem die von den Scultura-Modellen gewohnt hohe Steifigkeit im Tretlagerbereich, die zur insgesamt direkten Kraftübertragung beiträgt.

Der Dämpfungskomfort im Sitzbereich geht dank der Flexstay-Konstruktion der Ketten- und Sitzstreben, der schlanken Sattelstütze und der breiten Reifen mehr als nur in Ordnung, könnte aber am Lenker etwas höher sein. Zumindest ein besser dämpfendes bzw. dicker gewickeltes Lenkerband wäre hier notwendig, da sowohl die Gabel als auch der Aluminiumlenker die Stöße äußerst intensiv auf die Handgelenke übertragen.

An dieser Stelle möchte ich für den Merida Expert SL Sattel eine Empfehlung aussprechen. Das Design und die Form weisen klare Parallelen zur Specialized Power-Sattelreihe auf und garantieren einen ebenso hohen Sitzkomfort in jeder Radposition.

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Design

Die Schönheit liegt, wie so oft, im Auge des Betrachters; was aber das Rahmendesign und die Matallic-Lackierung betrifft, dürften sich wohl alle einig sein: Merida hat beim Scultura Endurance wirklich tolle Arbeit geleistet.

Ein echter Augenschmaus sind ferner die CNC-Fräsungen an den Kühlrippen der Disc Cooler und am Directmount-Mount des Schaltwerks, die in den Rahmen integrierte Sattelstützenklemmung und die Möglichkeit, die Brücke am Hinterbau komplett abzunehmen. Die hauseigenen Expert-Komponenten und die semi-integrative FSA Vorbau/Steuersatzlösung komplettieren den aufgeräumten Gesamteindruck.

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Schaltung & Bremsen

Die 105 Di2 12-fach markiert Shimanos Einstieg ins Segment der elektronischen Schaltgruppen und verbindet ein reibungsloses Schalterlebnis mit der bewährten Qualität der Japaner. Obwohl sie preislich nicht gerade günstig ist - sie liegt nur etwa 400 Euro unterhalb der Ultegra Di2 und deutlich über der mechanischen 105er - würden wir dennoch keine mechanische Schaltgruppe mehr wählen. Die neue Gruppe sieht nicht nur edel aus, sondern funktioniert auch hervorragend und ist dank 1:1-Übersetzung mit der 50/34 Kompaktkurbel und der 11-34-Kassette ausgewogen und passend gewählt.

  • Offensichtlich: Am Granfondo ist ein klassischer Rennradlenker montiert.Offensichtlich: Am Granfondo ist ein klassischer Rennradlenker montiert.
    Offensichtlich: Am Granfondo ist ein klassischer Rennradlenker montiert.
    Offensichtlich: Am Granfondo ist ein klassischer Rennradlenker montiert.
  • Shimanos 105er ist logischerweise besser auf der Straße aufgehoben,...Shimanos 105er ist logischerweise besser auf der Straße aufgehoben,...
    Shimanos 105er ist logischerweise besser auf der Straße aufgehoben,...
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  • ...  schlägt sich aber auch beim Graveln gut....  schlägt sich aber auch beim Graveln gut.
    ... schlägt sich aber auch beim Graveln gut.
    ... schlägt sich aber auch beim Graveln gut.
  • Allzu "schlammig" sollte es natürlich nicht werden, da die Kurbel dann wohl frühzeitig verdreckt.Allzu "schlammig" sollte es natürlich nicht werden, da die Kurbel dann wohl frühzeitig verdreckt.
    Allzu "schlammig" sollte es natürlich nicht werden, da die Kurbel dann wohl frühzeitig verdreckt.
    Allzu "schlammig" sollte es natürlich nicht werden, da die Kurbel dann wohl frühzeitig verdreckt.
  • Beim Graveln immer mit dabei: die Tatze MC-FLY Ti Pedale mit besonders großer Auflagefläche und perfektem Kontakt zum Schuh.Beim Graveln immer mit dabei: die Tatze MC-FLY Ti Pedale mit besonders großer Auflagefläche und perfektem Kontakt zum Schuh.
    Beim Graveln immer mit dabei: die Tatze MC-FLY Ti Pedale mit besonders großer Auflagefläche und perfektem Kontakt zum Schuh.
    Beim Graveln immer mit dabei: die Tatze MC-FLY Ti Pedale mit besonders großer Auflagefläche und perfektem Kontakt zum Schuh.
  • Vorsicht beim Balanceakt an der Ampel: der relativ sportliche Lenkwinkel und die super-breiten Reifen.Vorsicht beim Balanceakt an der Ampel: der relativ sportliche Lenkwinkel und die super-breiten Reifen.
    Vorsicht beim Balanceakt an der Ampel: der relativ sportliche Lenkwinkel und die super-breiten Reifen.
    Vorsicht beim Balanceakt an der Ampel: der relativ sportliche Lenkwinkel und die super-breiten Reifen.

Shimano feilte außerdem an der Ergonomie der Brems-/Schalthebel und entwickelte höher gezogene Hörnchen sowie eine auf mehr Komfort und Kontrolle in jeder Fahrposition getrimmte Hebelform. Analog zu den Dura Ace- und Ultegra-Updates wurde darüber hinaus am Bremssystem selbst Hand angelegt: Trotz des um 10% größeren Belagabstands in der Ruheposition greifen die Bremsen schnell und zuverlässig und machen den Bremsvorgang selbst kraftvoller und besser kontrollierbar.

  • Top: die verbesserte Ergonomie der Brems-/Schalthebel.Top: die verbesserte Ergonomie der Brems-/Schalthebel.
    Top: die verbesserte Ergonomie der Brems-/Schalthebel.
    Top: die verbesserte Ergonomie der Brems-/Schalthebel.
  • Topper: die Shimano RT64 Discs machen keinen Mucks.Topper: die Shimano RT64 Discs machen keinen Mucks.
    Topper: die Shimano RT64 Discs machen keinen Mucks.
    Topper: die Shimano RT64 Discs machen keinen Mucks.

Das Ergebnis: Die Scheibenbremsen mit ihren beiden 160-Millimeter-Discs zeigten im Testzeitraum keine Schwächen. Eingefahren - heiß gebremst - eingestellt. Danach machten die Shimano RT64 Discs keinen Mucks mehr. Selbst an schnellen und steilen Downhills gelang es nicht, sie durch gezieltes Überhitzen zum Klingeln oder Klimpern zu bringen.

Wie gewohnt lässt sich das Schaltsystem auch mittels "E-Tube Project" am Smartphone individuell konfigurieren, indem beispielsweise die Schaltgeschwindigkeit, die Anzahl der Schaltvorgänge bei gedrückt gehaltener Taste oder die Synchro-Shift- und Semi-Synchro-Shift-Funktionalität entsprechend eingestellt werden. Darüber hinaus lässt sich das System mit vielen Fahrradcomputern von Drittherstellern koppeln, darunter Garmin und Wahoo. So lässt sich auf diesen Geräten beispielsweise der aktuell eingelegte Gang oder der Akku-Ladezustand anzeigen.

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So geht "Gravel": Schönberg Runde 01

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Challenge Strada Bianca vs. Getaway

Um der Vielseitigkeit des Komfortrenners auf den Zahn zu fühlen, führten wir Tests mit sowohl 36 mm breiten Anyroad-Reifen als auch Gravelreifen des Herstellers Challenge durch. Und weil wir mit Schläuchen fahren wollten, wählten wir bei beiden Modellen jeweils die "Tube Type" Variante.

Strada Bianca vs. Getaway

Dimension Typ Karkasse Gewicht*  Druckempf. Material UVP
Strada Bianca Pro
700 x 36C
Faltreifen kein TLR 260 tpi, SuperPoly Black/Tan 392 g 2,3 - 3,8 bar
(max. 6,0 bar)
PPS2 Pannenschutz,
Smartprime-Compound 
€75,90
Getaway Pro
700 x 36C
Faltreifen, kein TLR 260 tpi, SuperPoly Black/Tan 445 g 2,3 - 3,8 bar 
(max. 6,0 bar)
PPS2 Pannenschutz,
Smartprime-Compound
€67,95

* Gewicht selbst gewogen

Beide mit Schlauch zu fahrenden Reifen besitzen einen Puncture Protection Strip (PPS2), bei dem ein zweiter Pannenschutzstreifen aus speziellen Aramid-Gewebe zwischen der Lauffläche und Karkasse des Reifens sitzt, um die Widerstandsfähigkeit zu erhöhen.

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Challenge Strada Bianca

Der großvolumige Strada Bianca in 36C rollt schnell und sicher über schlechte Straßen und ist ein idealer Vollgasreifen für Schotterpisten und Kopfsteinpflaster. Seine lateral weitläufigen Lamellen sorgen auch in schnellen Kurven für hervorragende Haftung.

Die vom Hersteller empfohlene Felgeninnenweite sollte zwischen 17 und 23 mm betragen. Allerdings gestaltete sich die Montage auf den Merida Expert SL-Laufrädern (17 mm Innenbreite) als äußerst herausfordernd und wir mussten vom Einsatz unserer Tubolito-Schläuche absehen - sie hätten die Prozedur garantiert nicht überlebt.

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Challenge Getaway

Der Getaway in 36C ist hingegen ein idealer Gravel-Allrounder für alle Fahrer, die neben hoher Performance und Lebensdauer auf Komfort nicht verzichten möchten. Er kommt mit dezentem, aber griffigem Laufflächenprofil, kräftigen Schulterstollen und bietet dank seines großen Volumens massig Grip und Komfort.

Absolut easy gelang uns die Montage auf den Mavic Allroad Pro Carbon SL Laufrädern mit 23 mm Innenbreite, weshalb schlussendlich die Tubolito CX/Gravel Schläuche zum Einsatz kamen. Ein weiterer Vorteil der einfachen Montage war außerdem, dass wir unterwegs keine Angst mehr vor einem Patschen haben mussten. Im Laufe des Tests hatten wir dann sogar wirklich einen brutalen Durchschlag. Zum Glück erwies sich der Schlauchwechsel selbst unterwegs am Trail als völlig problemlos.

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Scultura Endurance "One-For-All" Kaufberatung (Road vs. Granfondo vs. Gravel)

Auch wenn die Verlockung groß ist, sein aktuelles Endurance-Rennrad in einen Gravel-Racer (oder überhaupt gleich in ein Gravel-Adventure-Bike) zu transformieren und dies aufgrund der Rahmenbasis gar nicht einmal so abwegig erscheint, so steckt der Teufel wie so oft im Detail.

Scultura Endurance als Gravel-Racer?
Genauso verhielt es sich beim hier getesteten Scultura Endurance. Durch den Einsatz breiterer, profilierterer Reifen konnte seine Offroad-Eignung zwar von 10% auf etwa 20% gesteigert werden, doch aufgrund der verbauten Komponenten waren weitere signifikante Verbesserungen innerhalb eines finanziell vertretbaren Rahmens nicht möglich. Denn abgesehen von dem geraden Alulenker und dem unbequemen Lenkerband waren die schmalen Laufräder sowie die hauptsächlich auf den reinen Straßeneinsatz ausgerichtete Schaltgruppe bzw. deren Übersetzung vorne für anspruchsvollere Offroad-Einsätze hinderlich.

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Scultura Endurance als Gravel-Adventure-Bike?
Während ein "Gravel-Racer" zumindest theoretisch machbar ist, bleibt die Vorstellung eines "Gravel-Adventure-Bikes" reine Träumerei. Im Klartext: Trotz des Einsatzes von viel Zeit und Geld durch den engagierten Bastler lässt sich auf Basis der Scultura-Endurance-Rahmenplattform kein "echtes Gravelbike" für raues Gelände, Bikepacking oder andere Abenteuer umsetzen. Dafür wären noch mehr Reifenfreiheit, ein deutlich flacherer Lenkwinkel und vielfältigere Befestigungsmöglichkeiten an Rahmen und Gabel nötig.

Prinzipiell ist auch festzuhalten, dass ein Endurance-Rennrad näher an einem Allround-Rennrad positioniert ist. Daher erweist sich die Adaptierung zu einem anständigen Gravelbike in den meisten Fällen als unwirtschaftlich. Auf der anderen Seite kann der Umbau von einem 2-fach Gravelbike zu einem Endurance-Rennrad wesentlich einfacher und kostengünstiger realisiert werden - es erfordert lediglich das Aufziehen schmälerer Reifen. Das geschulte Auge des Besitzers muss jedoch über die Optik des ausgestellten Lenkers und die erhöhten Reifenfreiräume hinwegsehen.

 Gravel-Racer theoretisch ja, Gravel-Adventure-Bike nein. 

Merida Scultura Endurance 6000 Umbaumöglichkeiten
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Einsatzbereich: Gravel-Race

Eignung Eigenschaften
Reifenfreiheit und Eignung der Laufräder (Innenbreite) Selbstverständlich wäre "noch breiter" noch besser, aber Meridas angegebene maximale Reifenbreite von 35C (reale Reifenfreiheit von ca. 36 mm) geht für reine Gravel-Race Einsätze vollkommen in Ordnung. Ein limitierender Faktor sind leider die recht schmalen Alu-Laufräder (17mm innen), die den Reifenwechsel zur Geduldsprobe machen.
Unser Tipp: max. 32C Anyroad-Reifen mit den Originallaufrädern oder max. 36C mit richtigen Gravel-Laufrädern (>19 mm innen).
Geometrie Die sportliche Endurance-Geometrie mit dem nur minimal kürzeren Reach, einem höheren Steuerrohr und dem knackigen Radstand resultiert in einer komfortablen, leicht vorgebeugten Sitzposition mit gutem Handling und viel Kontrolle über dem Vorderrad. Dank des relativ steilen Lenkwinkels bleibt die ausgezeichnete Agilität auch noch mit 36 mm breiten Reifen erhalten. Top!
Offroad-Komfort Rahmen, Gabel, Lenker und Laufräder sind extrem steif, das Lenkerband sehr dünn, der Lenkwinkel eher steil. Daher ist auch der Offroad-Komfort auf der harten Seite.
Mit breiten Reifen und einem dickeren Lenkerband ließe sich zwar auch ein "Strade Bianche"-Marathon mit Anstand überstehen, es bleibt aber festzuhalten, dass sich das Endurance Rennrad (in der Originalkonfiguration) in erster Linie auf gutem bis schlechten Asphalt wohlfühlt.
Ergonomie (Lenker, Lenkerband & Schalthebel) Während der Lenker ohne Flare, das Lenkerband und der Shape der Shimano Di2 Schalthebel bei flotten "Strade Bianche"-Einsätzen auf festem Untergrund noch in Ordnung gehen, stößt man damit im rauen Gelände - besonders bergab - schnell an seine Grenzen.
Schaltgruppe Shimanos 105 Di2 funktioniert großartig auf der Straße bzw. bei straßentypischen Bedingungen. Erst an extremen Steigungen und auf besonders matschigen Untergründen werden die Nachteile im Vergleich zu echten Offroad-Schaltgruppen deutlich.

Tipp: Wer out-of-the-box einen pfeilschnellen Gravel-Racer ohne Kompromisse sucht, dem sei das kürzlich vorgestellte Merida Scultura Endurance GR empfohlen, das sich zwischen dem hier vorgestellten Scultura Endurance (Granfondo) und dem Silex (Bikepacking- und Abenteuer-Gravel) einreiht.

Das neue GR-Modell basiert eins zu eins auf diesem Endurance-Rahmensatz und verfügt über die gleichen Charaktereigenschaften: Komfortable Sitzposition, stabiles Fahrverhalten trotz hoher Agilität und gute Dämpfungseigenschaften (sehr gut auf schlechtem Asphalt und ausreichend gut im Gelände); gravelspezifische Laufräder, breite Stollenreifen, ein ausgestellter Gravellenker sowie eine adäquate Gravel-Schaltgruppe runden die GR-Variante ab. Beste Voraussetzungen also, um alles von flotten Anyroad-Trainingseinheiten bis hin zu anstrengenden Gravel-Granfondos in souveräner Manier zu bewältigen. Die fehlenden Befestigungspunkte für Gepäckträger und Bikepacking-Taschen unterstreichen den sportlichen Anspruch.

 Tipp: Merida Scultura Endurance GR 

Kompromissloser Gravel-Racer auf Basis des Scultura Endurance Rennrads
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Fazit

Scultura Endurance 6000
Modelljahr: 2023
Testdauer: > 500 km
Preis: € 3.399,- UVP
+ Komfort-Geometrie
+ Sportliches Handling
+ Direkte Kraftübertragung
+ Lackierung & Design
+ Shimano 105 Di2
+ Disc Cooler
o Unschöne Kabelintegration unterhalb des Vorbaus
- Laufrad-Innenbreite von 17 mm nicht mehr zeitgemäß
- Lenkerband zu dünn
BB-Urteil: Das "bessere Rennrad" für fast alle Hobbyfahrer!


Das Merida Scultura Endurance 6000 erfüllt sämtliche Anforderungen eines vollwertigen Granfondo-Rennrads und positioniert sich zudem auf der sportlichen Seite innerhalb der Endurance-Kategorie. Unserer Meinung nach dürfte es für die meisten Rennradfahrer eine sinnvollere Wahl als ein ProTour-Rennrad sein.

Die Shimano 105 Di2 Schaltgruppe funktioniert einwandfrei, die sonstige Ausstattung ist insgesamt gelungen - inklusive der eigenen Merida-Komponenten wie Lenker, Sattelstütze und Sattel. Ein kleiner Minuspunkt liegt im dünnen Lenkerband und den leicht veralteten Laufrädern mit nur 17 mm Innenbreite, was die Montage breiterer Reifen, besonders mit Schläuchen, "anspruchsvoller" gestaltet.

Zusammenfassend ist das Merida Scultura Endurance ein ausgezeichnet ausgestattetes Rennrad mit einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis und souveränen Fahreigenschaften - perfekt auf der Straße und ausreichend komfortabel auf unbefestigten Wegen! Wer jedoch auf der Suche nach einem echten Gravel Racer ist, sollte eher auf das Scultura Endurance GR warten, da ein kompromissloser Umbau des 6000er-Modells zu kostspielig wäre.

  • Merida Scultura Endurance 6000

vor 7 Minuten schrieb Skippy:

erratum: der Herstellerlink auf die Merida Webpage funktioniert nicht. Das gleiche gilt auch für die Vorstellung des Merida Scultura Endurance GR sowie Magazin/Links/Bike Hersteller.

Probier bitte nochmals. Bei mir gehen alle Links. Möglicherweise ist die Merida Seite kurz "gestanden"?

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Feines Radl, der Inbegriff von Vernunft in auch ganz schickem Kleid. Und der Bericht sagt einem auch schonungslos, dass man nicht mehr braucht 🙂

 

Einzig die 17mm Innenweite ab Werk find ich etwas störend, vor allem bei einem Gerät mit Gravel-Eignung. Denn breite Felgen nehm ich auch als Durchschnittsfahrer als Gewinn war.

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vor 16 Minuten schrieb BikeBär:

Feines Radl, der Inbegriff von Vernunft in auch ganz schickem Kleid. Und der Bericht sagt einem auch schonungslos, dass man nicht mehr braucht 🙂

 

Einzig die 17mm Innenweite ab Werk find ich etwas störend, vor allem bei einem Gerät mit Gravel-Eignung. Denn breite Felgen nehm ich auch als Durchschnittsfahrer als Gewinn war.

Die Laufräder sind in der Tat nur fürs reine Straßensetup prädestiniert. Das GR Modell kommt mit anderen, deutlich breiteren Laufrädern.

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Wir wissen noch nicht 100%ig, wie die GR-Modelle ausgestattet sind. Aber ich denke mir, dass bei den Gravel-Race-Endurance Bikes eine 2-fach Schaltung am meisten Sinn macht. Denn für echte Schlammschlachten, wo 1-fach Schaltgruppen klar im Vorteil sind, fehlt es ohnehin an der Reifenfreiheit. Dementsprechend schnell wird das GR-Modell im tiefen Schlamm verdrecken und stecken. Klarerweise wird das mit dem Umwerfer noch früher geschehen, aber wie gesagt - dort sehe ich nicht den Einsatzbereich.

 

Der Umbau von 2-fach auf 1-fach ist aber auch möglich. Wenn Teile vorrätig sind, vielleicht sogar recht günstig.

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