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Porträt: Gerhard Zadrobilek

Das Leben ist Veränderung - und Gerhard Zadrobilek hat sich schon oft verändert. Heute ist der ehemalige Rad-Profi Wirtschaftscoach, Motivationstrainer, Landwirt, ORF Co-Kommentator und Betreiber eines Online-Portals.
Text: NoMan Fotos: NoMan, privat

Schwere Schuhe, fleckige Hose, hochgekrempelte Ärmel, fester Händedruck. Mit dem aus "Dancing Stars" und "Seitenblicke" genährten Bild vom smarten Entertainer passt dieser Auftritt nur bedingt zusammen. Das gewinnende Lächeln ist gleich, und das adrett melierte Haar. Ansonsten aber steht hier eine Version von "Zadi", die in natura wahrscheinlich die wenigsten kennen: Zadi, der Landwirt, Zadi, der Rinderzüchter.
"Ein wenig herumbuddeln und -basteln, das brauche ich", erklärt er fast entschuldigend. Minuten später ein gänzlich anderes Erscheinen: Mit schlichtem Polo-Shirt und frisch gewaschener Jean lehnt der 49-Jährige in gemütlichen Outdoor-Polstermöbeln, vor sich eine formschöne Glaskaraffe mit Holunderblütensaft. Zadi, der Lebemensch, Zadi, der Genießer.

Im sanften Hügelland von Laab am Walde hat sich der ehemalige MTB- und Straßenprofi 1990 seinen Bubentraum vom eigenen Bauernhof verwirklicht. Mit einem klassischen Agrarbetrieb hat seine Landwirtschaft allerdings wenig zu tun. Ein modernes Holzhaus mit gemauertem Stock und großzügigem Teich kuschelt sich rücklings an den Roppersberg; nach vorne öffnet sich der trendige Rustikalbau mit einer riesigen Terrasse und hohen Fensterfronten zu Wiesen, Wald und Bach. Zwei hellbraune, zottelige Stiere wandern gemächlich über die Weideflächen.
Sie sind der letzte Rest von Gerhard Zadrobileks landwirtschaftlicher Karriere Nummer 1. Der neue und ganze Stolz des Hausherrn steht nebenan im Stall: Vor einem guten Jahr hat der Nebenerwerbs-Bauer von der bereits außergewöhnlichen Zucht schottischer Hochlandrinder auf die noch viel ungewöhnlicher Zucht japanischer Kobe-Rinder umgestellt. Das exklusive Fleisch dieser auch als "Wagyu" bekannten Tiere soll eine neue Ära auf seinem Hof einläuten.
"Nur den Kühen beim Fladen Legen zuzusehen, wie ich mir das in meiner Profi-Zeit erträumt habe, ist mir zu wenig", erklärt Gerhard Zadrobilek seine Beweggründe, während er einem der schwarzen Jungtiere über den Rücken streicht. "Ich liebe Gegensätze; einerseits die Ruhe, das Zurückziehen, dann aber auch wieder die Anspannung, die Herausforderung - und das Erfolgserlebnis."
Und gerade Challenges gab's im Zuge der Umstellung zu Hauf, denn der Fortpflanzung im romantisch-zufälligen Sinn (Männlein trifft Weiblein, heraus plumpst ein Kalb) kommt bei der Wagyu-Zucht keine Bedeutung mehr zu. Die Jungtiere entstammen sündteuer importierten Embryonen (ein- bis zweitausend Dollar das Stück) und penibelst ausgewählten Trägertieren, die Verpflanzung ist ein wissenschaftlicher Akt, das Resultat ein Hasardspiel mit einer Erfolgsquote von 20 bis 50 %.
Das Know-how zur neuen Passion verdankt Gerhard Zadrobilek seiner Wissbegier und Offenheit gegenüber Unbekanntem, den ersten Erfolg (zwei Stiere gingen mittlerweile ans Steirereck) seiner Fähigkeit, Dinge durchzuziehen. Und wer den bis heute einzigen Profi mit sowohl einem Straßen- als auch einem MTB-Weltcupsieg in den Palmarès von Logo-Entwicklung, Markenrechten und der Topgastronomie als potenziellem Abnehmer reden hört und gleichzeitig seine Augen blitzen sieht, der ahnt rasch: Dieser Mann überlegt sich genau, was er macht - und wenn er etwas macht, dann macht er es ganz.

  • Zadis ganzer Stolz einst ...Zadis ganzer Stolz einst ...
    Zadis ganzer Stolz einst ...
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  • ... und jetzt. Am knuffigen Kobe-Kalb... und jetzt. Am knuffigen Kobe-Kalb
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  • ... haben auch die Nachbar-Kinder ihre Freude.... haben auch die Nachbar-Kinder ihre Freude.
    ... haben auch die Nachbar-Kinder ihre Freude.
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In diesem Licht ist auch des Gourmetfleisch-Züchters jüngste Rolle zu sehen: Zadi, der Homepage-Betreiber.
Im Frühjahr ging die Plattform upmove.eu online, eine Art Interessensvertretung, deren Ziel die Vernetzung von Mountainbikern und Skitourengehern ist. "Die Grundidee ist, dass sich Non-Locals, die zum Beispiel wo auf Urlaub sind, mit Locals zusammentun können, um mit ihnen Touren zu fahren. Um diesen Guiding-Gedanken herum bietet das Portal viele Funktionen und Vorteile, vom Touren-Archiv, Forum oder Webshop über Hotel- und Shop-Rabatte bis zu einem einzigartigen Versicherungspaket", erläutert der Niederösterreicher, ganz Geschäftsmann.


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Gemeinsam mit dem Unternehmer und eigentlichen Ideenspender Dietmar Gruber sowie drei weiteren, stillen Gesellschaftern hat er das Produkt entwickelt und auf eine finanzielle Basis gestellt. Einem Budget "im sechsstelligen Bereich" stehen nach einem Dreivierteljahr on air knapp 400 zahlende Mitglieder und 20 Partner gegenüber. Für den Neo-IT-Unternehmer kein Grund, zu (ver)zweifeln.
Im Gegenteil: "Bis sich upmove rechnet, werden wahrscheinlich Jahre ins Land ziehen. Aber mein vorrangiges Ziel war es noch nie, Geld zu scheffeln. Vorrangig muss mir ein Projekt Freude bereiten, und das tut upmove ganz ungemein."
Beim Abklopfen des Potenzials seines neuesten Steckenpferdes, beim Offenlegen unmittelbar bevorstehender funktioneller oder inhaltlicher Verbesserungen, beim Schildern seiner Visionen läuft der vor allem fürs Marketing, die PR und die Branchen-Kontakte zuständige Geschäftsführer zur Hochform auf. "Ich denke nicht von vornherein ans Scheitern, denn auf diese Weise ist keinem Vorhaben Erfolg beschieden", lehnt er negative Gedanken kategorisch ab - und belegt damit eindrucksvoll, dass er auch lebt, was er predigt. Denn zusätzlich zu den bereits genannten Nebenjobs hat der umtriebige Mann auch einen ganz normalen Beruf: Zadi, der Motivationstrainer, Zadi der Wirtschaftscoach.

  • Coaching-Seminare passieren in-Coaching-Seminare passieren in-
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  • und outdoor. Seit 2005 kann dasund outdoor. Seit 2005 kann das
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  • Wesentliche nachgelesen werden.Wesentliche nachgelesen werden.
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Als solcher verdient er gut und kann sich, O-Ton, "Spompanadeln" wie die Wagyu-Zucht oder das Web-Portal leisten. Was seine vor allem firmeninterne Beratungs- und Seminartätigkeit betrifft, hatte der gelernte Installateur wohl einfach das Glück, früher als alle anderen - nämlich Mitte der 1990er-Jahre - die im Sport gemachten Erfahrungen für die Bedürfnisse der Wirtschaft zu adaptieren. Noch lange vor Wolfgang Fasching, Herbert Meneweger & Co. entwickelte er diesen Switch zwischen den Welten zur Methode, absolvierte eine Ausbildung und verdingte sich fortan als Trainer für namhafte Firmen wie Denzel, Porsche oder Raiffeisen. Coaching-Schwerpunkte: Team-Entwicklung, Motivation, das Erreichen von Zielen, Kommunikation und Erfolg durch Balance.
Seit 2005 sind Zadrobileks Ausführungen auch einem breiteren Publikum zugängig, denn da erschien der 160-Seiten-Schmöker "Ist Erfolg nur Zufall? Von Siegen und Niederlagen und was ich daraus lernte".
Und wieder hatte sich die zielorientierte Neugierdsnase ein Stück weit neu erfunden, hin zu Zadi, dem Buchautor. Oder sollte es besser heißen: Zadi, der Medienmensch?

  • So lässt sich's arbeiten.So lässt sich's arbeiten.
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  • So auch.So auch.
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  • Bilder einer Karriere:Bilder einer Karriere:
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  • mit E. Merckx und A. Hampstonmit E. Merckx und A. Hampston
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  • MTB-Weltcup-Sieg 1992MTB-Weltcup-Sieg 1992
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Denn 2005 war es auch, dass er auf Anfrage des ORF (nach einer kurzen Übungseinheit im Rahmen der MTB-WM in Kaprun 2002) erstmals die Österreichische Radrundfahrt mit-kommentierte. Die Premiere war ein Sprung ins kalte Wasser, hatte dem dreifachen Tour de France-Teilnehmer und immer noch jüngsten Ö-Rundfahrts-Sieger ever doch niemand verraten, wie man sich vor Kamera und Mikro zu artikulieren habe, welche Inhalte wann zu bringen seien oder wie man sich schnellstmöglich mit dem eigentlichen Kommentator koordinieren könne.
Trotzdem: "Das interessiert mich. Immerhin war dieser Sport 15 Jahre lang mein Leben." Zwischen und vor allem unmittelbar vor seinen jährlichen TV-Einsätzen versucht sich der Adabei und begnadete Netzwerker via Eurosport und Fachmagazinen am Laufenden zu halten. An sich hat der ehemalige Mit-Organisator des MTB-Weltcups und Projektleiter von "Mountainbike NÖ" aber mit dem Straßensport abgeschlossen.
Als Hobby-Biker genießt er seine regelmäßigen Ausfahrten in den Wienerwald und gelegentliche Urlaube auf Gran Canaria - "weil's mir Spaß macht, gesund ist und ein gutes Ventil". Von Renneinsätzen will er nach 20 Jahren Leistungssport jedoch nichts mehr wissen: "Das brauche ich nicht, dass sich heute jemand freut, den Zadi abgehängt zu haben."

  • Getreu den Anliegen seiner Mountain Sports CommunityGetreu den Anliegen seiner Mountain Sports Community
    Getreu den Anliegen seiner Mountain Sports Community
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  • ist Zadi nicht nur geübter Mountainbikerist Zadi nicht nur geübter Mountainbiker
    ist Zadi nicht nur geübter Mountainbiker
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  • sondern auch begeisterter Skitourengeher.sondern auch begeisterter Skitourengeher.
    sondern auch begeisterter Skitourengeher.
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Was der Vielbeschäftigte aber auch weiterhin brauchen wird, sind die Gegensätze und die Herausforderungen. Und die Freiheit und Freude, etwas zu tun.
Insofern kann man gespannt sein, welche Rolle Gerhard Zadrobilek als nächstes bekleidet. An dieser Stelle eine Prognose: Zadi, der Pensionist, wird's so bald sicher nicht ...