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Größe: 175 cm Schrittlänge: 84 cm Gewicht: 70 kg Fahrstil/-können: Rennrad & Gravel, gute Ausdauer, wenig Power, volles Risiko bergab - wird allerdings selten belohnt
Fahrradgigant Merida weiß, wie man qualitativ hochwertigen Rahmen und Gabeln Leben einhaucht. Und so vertrauen viele renommierte Bikehersteller seit bald 45 Jahren auf die Wertarbeit der taiwanesischen Manufakturen. Vergangenen Herbst ergänzte Merida sein Lineup um das erste dedizierte Allroad/Gravel-Bike, welches von der betriebseigenen Designabteilung in Magstadt entwickelt wurde. Vollgepackt mit jahrelanger Erfahrung im Rahmenbau und vielen eigenständigen Ideen hebt sich das Silex (lat. für Kieselstein) nicht nur technisch, sondern auch optisch mitunter deutlich vom Mitbewerb ab. Darüberhinaus lässt sich das Bike aufgrund seiner enormen Einsatzbandbreite gar nicht so leicht in die herkömmliche Gravel-Schublabe stecken. Features wie die CNC-gefrästen Kühlrippen an der hinteren Bremse zur Wärmeableitung, die Vorbereitung für eine Teleskopsattelstütze, das große Sortiment an Gepäcktaschen, MTB-29er-Felgen mit 21 mm Innenbreite für bis zu 44 mm breite Rennradreifen sowie die Option, das Rad mit 650B-Laufrädern und bis zu 2,2″ breiten Reifen fahren zu können, eröffnen viele neue Möglichkeiten: Von Bikepacking, Fernreisen, Graveln, Heizen über Asphalt und Pendeln zur Arbeit ist bis zum leichten Singletrail-Biken alles drinnen. Bikeboard.at durfte Meridas Interpretation des perfekten Gravelbikes vom Winter bis ins Frühjahr ausgiebig testen.
Unser Testbike, das Silex 9000, repräsentiert die aktuelle Speerspitze in Meridas Allroad-Universum. Trotz des moderaten Listenpreises von € 3.699,- sind Rahmen und Gabel in hochwertigem CF2-Carbon gehalten und bringen 1.050 g bzw. 500 g auf die Waage. Wer ca. 450 Gramm Mehrgewicht beim Rahmen in Kauf nimmt, könnte auch zu den günstigeren Modellen mit hydrogeformten Alurahmen greifen und bekäme dann ein BSA-Tretlager anstelle der an unserem Langzeittester verbauten PF86-Variante. Doch bleiben wir beim Carbonmodell Silex 9000.
Der Rahmen besitzt viele clevere Details, wie etwa den von Meridas Disc-Rennrädern bekannten Disc-Cooler an der Hinterradbremse, bei welchem kleine Kühlrippen rund um die Flatmount-Aufnahme die Bremshitze effizient vom Rahmen ableiten, eine diskret integrierte Sattelklemmung oder 12-mm-Steckachsen vorne wie hinten. Sämtliche Züge sind innen verlegt und dank kleiner Klemmungen an den Einlässen weitgehend rüttelfrei.
Außerdem bietet das Silex genügend Freigang für bis zu 44 mm breite 700c Gravel/Allroad-Reifen. Wer es noch fetter mag, kann auch zu 27.5" MTB-Laufrädern greifen und Pneus bis zu einer Dimension von 2.2" aufziehen. Wegen des breiten Einsatzbereichs von Gravel über Reise und bis hin zum Commuting führt Merida ein großes Sortiment an Gepäcktaschen und Zubehörteilen. Vorhandene Ösen für Schutzbleche, Rahmentaschen und Satteltaschen verstehen sich da von selbst.
Auf den ersten Blick recht unscheinbar - attraktive Lackierungen zählten noch nie zu den Stärken Meridas - besticht das Silex neben der vielen Detaillösungen auch mit seiner außergewöhnlich mutigen Geometrie. Denn es handelt sich dabei weder um ein Granfondo-Bike mit erhöhter Reifenfreiheit, noch um einen zurechtgetrimmten Crosser. Vielmehr ließen sich die Entwickler für ihr Allroad-Projekt aus der MTB-Ecke inspirieren, was die Geländefähigkeiten des Gravelers stark verbessert und der Langstreckentauglichkeit nicht im Wege steht.
Dementsprechend eigenständig fiel die Geometrie aus: Ein langes Ober- und Steuerrohr sorgen für einen großen Reach (415 mm in Large) und in Kombination mit dem kurzen Vorbau (90 mm in Large) und dem flachen Lenk- (71°) und steilen Sitzwinkel (74°) erhält man vor allem eines: Absolute Laufruhe, viel Komfort und die totale Fahrsicherheit. Allesamt Geo-Daten, wie man sie bis vor wenigen Jahren beinahe an Marathon-Hardtails finden konnte. Wer aber nachrechnet, wird feststellen, dass der Reach von Sattel zum Lenker Gravel-typisch in etwa gleichbleibt, und so sitzt es sich am Silex eher mäßig gestreckt und recht aufrecht, dafür mit mächtig Druck am Vorderrad ohne Überschlagsfeeling. Ein hoher Gabeloffset wirkt dem flachen Lenkwinkel und dem langen Radstand entgegen und sorgt für ein unaufgeregtes, neutrales Lenkverhalten.
Zusätzlich zur hohen Lenkkkopfsteifigkeit und -präzision platziert das lange Steuerrohr den Lenker ohne Spacerturm auf einer komfortablen Höhe; auch die Bögen bleiben für die weniger rennorientierte Kundschaft angenehm erreichbar. Echte Cracks fahren das Bike dagegen die meiste Zeit wohl in der Unterlenkerhaltung, was gerade auf ruppigem Terrain kein Fehler ist, und - dank der immer noch relativ hohen Position - viel Kontrolle bietet. Wer sich an der eigenwilligen Optik des Gesamtkunstwerks nicht stört, erhält ein absolut souveränes Gravelbike mit breitem Einsatzbereich.
Geometry follows function.
Stimmig zum sonstigen Geländetrimm liefert Merida die Silex-Serie vorrangig mit 1-fach Gruppen und hydraulischen Discs. Auch unser Topmodell läuft mit bewährter Sram Force 1x11, einer recht sportlichen 44er Kurbel und der breit abgestuften 10-42 MTB-XD-Kassette vom Band. Vorbildlich und lobenswert: Merida verbaut bereits ab Werk große 160 mm Discs vorne und hinten mit dem hauseigenen Disc-Cooler, was besonders bei schweren Fahrern, schwerer Beladung und/oder in schwierigem Gelände mehr als nur Sinn macht.Darüberhinaus wurde zusammen mit dem Reifenspezialisten Maxxis ein neuer 35-mm-Semi-Slick mit Schulterstollen entwickelt, der dank Silkworm-Technologie besonders pannensicher sein soll. Hoher Luftdruck soll auf der Straße das Tempo steigern, bei weniger Druck im Gelände soll sich die Traktion durch die seitlichen Profilblöcke verbessern. Noch ist der Razzo exklusiv am Silex erhältlich. Montiert wurden die Pneus auf robusten Fulcrum Red Passion 3 Laufrädern, die eigentlich aus Fulcrums MTB-Sortiment stammen und mit 1.500 g sogar recht leicht sind und mit 21 mm Maulweite genügend Abstützung für die 35 mm breiten Reifen bieten.Neben dem Prologo Scratch 2 Sattel wird die Ausstattung von Merida-gelabelten Komponenten abgerundet. So ist die hauseigene Sattelstütze mit einer Flexzone im oberen Drittel aus Carbon, Lenker und Vorbau aus Aluminium gefertigt. Die Summe aller Teile unseres Testbikes (Größe Medium) brachte solide 8,02 Kilogramm auf die BB-Werkstattwaage - in Anbetracht der Robustheit des Boliden und seines eher günstigen Kaufpreises ein sehr guter Wert.
Ein Gravel-Allrounder fürs tägliche Pendeln zur Arbeit bis hin zur Weltreise.
Die Camelbak Podium Dirt Trinkflaschen sind mein persönlicher Tipp für Graveler. Einerseits verhindert die selbstschließende "Jet Valve Technologie" das Versauen des Rahmens durch Auslaufen und Tropfen des Flascheninhalts, andererseits hält die neue "Mud Cap" das Mundstück immer schön sauber.Features:- Volumen: 620 ml- Abmessungen: 7 x 7 x 24 cm- Gewicht: 113 g- Farben: Stealth, Olive und Teal- Neu gestaltetes "Jet Valve" mit größerem Ventildurchmesser für mehr Durchfluss- Trutaste: Polypropylen garantiert absolute Geschmacksneutralität- Schutzkappe über dem Mundstück- Lockout für auslaufsicheren Transport- Antibakteriell durch HydroGuard- Mundstück ist leicht abnehmbar- Flasche lässt sich zusammendrücken- Garantiert ohne gesundheitsgefährdendes BPA, BPS und BPF- Preis: € 15,- UVP
Eat dirt, but don't drink it.
Das Silex fühlte sich trotz seines recht niedrigen Gewichts (8,03 kg, Rahmen 1.050 g, Gabel 500 g) und der guten Balance aus Komfort und Steifigkeit wie der sprichwörtliche Panzer an. Rahmen und Gabel machten optisch, haptisch und selbst in voller Fahrt auf der Rumpelpiste einen vertrauenswürdigen Eindruck. Ideal für schwere Fahrer bzw. eine schlechte Linienführung. Tadellos funktionierte die Mountainbike-inspirierte Geometrie mit langem Oberrohr und kurzem Vorbau, welche für ein unaufgeregtes und sicheres Handling sorgte. Auch der wegen des langen Oberrohrs ca. drei Zentimeter höher als gewohnt positionierte Lenker gefiel und ich hatte nie das Gefühl, unsportlich zu sitzen; vielmehr genoss ich entweder die komfortable Sitzposition oder fuhr im technischen Gelände sehr lange in der Unterlenkerposition. Die Geometrie an sich ist für großgewachsene Piloten ein echter Geheimtipp. Wer lieber sportlich unterwegs ist und das Gravelbike auch als Rennrad einsetzen möchte, für den ist das Silex eher ungeeignet.Auch die Maxxis Semi-Slicks passen ins Allround-Konzept und rollen auf festem Schotter exzellent. Ihre Schulterstollen bieten bei moderater Fahrweise im Gelände ausreichend Traktion und die Reifenmischung garantiert auch mit höherem Druck auf trockenem und nassem Asphalt guten Grip. Dafür ist der Maxxis in punkto Rollwiderstand nur Durchschnitt und bei sportlicher Fahrweise im Gelände fehlen ihm jegliche Reserven.Verbesserungswürdig ist die Optik der Verlegung von Schaltzug und der hinteren Bremsleitung. Zwar ließ sich das Rad freihändig völlig spannungsfrei geradeaus steuern, aber der voluminöse Leitungsbogen, die Hydraulikkupplung und der Zug-Adjuster sahen schrecklich aus. Außerdem stieß ich immer wieder mit dem Knie gegen die Bremsleitung. Ich würde die Züge maximal kürzen und auf den Adjuster und die Kupplung vollkommen verzichten.Die restliche Ausstattung war stimmig: Den hässlichen Prologo Sattel fand ich anfangs zwar eher auf der harten Seite, auf längere Sicht stellte sich dieser jedoch als überraschend komfortabel heraus. Und auch die Sram Force 1×11 mit 10-42-Kassette hielt einwandfrei durch und deckte die Bandbreite einer Kompaktkurbel mit 11-32-Kassette zu 98% ab, weshalb sich auch schwächere Fahrer keine Sorgen um die Übersetzung machen müssen. Merida ist mit dem neuen Silex ein großer Wurf gelungen. Über Geschmack lässt sich streiten, aber das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt.
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