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CeramicSpeed Keramik-Hybridlager

Der Upgrade auf seidenweich laufende Keramik-Hybridlager, im folgenden kurz Keramiklager genannt, gilt als eine der letzten Tuning-Maßnahmen für Schaltröllchen, Tretlager und ultraleichte Carbon-Laufräder. Ihre High End-Vertreter versprechen Einsparungen sowohl am Reibungswiderstand als auch dem Gewicht und sollen - regelmäßige Pflege und Schmierung vorausgesetzt - ziemlich lange halten.

Demgegenüber stehen unverhältnismäßig hohe Kosten, und auch der von den Radsportlern gepriesene Nabenleichtlauf sollte nicht überbewertet werden. Denn die hier auftretenden Reibungsverluste sind aus physikalischer Sicht wirklich sehr gering und ergeben sich aus dem Reibungsmoment dividiert durch den Radius des Rades. Gemeinsam mit den relativ schnell drehenden Schaltröllchen und dem Tretlager kann, gemäß gängiger Theorie, bei etwa 30 km/h in der Ebene von 1-4 Watt Reibungswiderstand ausgegangen werden. Im Vergleich dazu erzeugt die Kette bei gleichem Tempo 3-6 Watt Reibungsverluste, und die Rollreibung der Reifen schlägt mit 35-50 Watt zu Buche.

Wie kann nun aber der Marktführer CeramicSpeed mit "6 bis 9 Watt" derart hohe Wattvorteile versprechen und warum fahren auch nichtgesponserte Profiteams mit keramischen Nachrüstlagern, obgleich ihre Räder von Hause aus mit hochwertigen, stressfreien Stahllagern ausgestattet wären? Ist es nur Marketing, Zauberei oder existieren in der Realität tatsächlich noch andere Reibungskräfte, welche in den theoretischen Berechnungen nicht einbezogen sind?

Mit detaillierten Hintergrundinformationen und der praktischen Erfahrung eines Langzeittests wollen wir dem Keramiklager-Mythos auf den Grund gehen. Außerdem haben wir mit drei Personen - Scotts ProTeam Technik-Guru, der wahrscheinlich besten Radmechanikerin Österreichs und dem CeramicSpeed Geschäftsführer - gesprochen, um Licht ins Dunkle zu bringen.

Hybridlager: Einsatz von Keramikwerkstoffen in Kugellagern
In der Fahrradbranche versteht man unter der Bezeichnung "Hybrid-Kugellager" bzw. kurz "Keramiklager" in fast allen Fällen gedichtete Kugellager mit Komponenten aus Keramik. Dabei werden ausschließlich die Kugeln aus Keramik gefertigt, während der Werkstoff der inneren und äußeren Ringe, zwischen denen die Kugeln laufen, weiterhin aus Stahl ist. Im Vergleich zu Stahl sind hochwertige Keramikkugeln härter, leichter und besitzen einen bis um die Hälfte geringeren Reibungskoeffizienten. Jedoch gibt es zwischen den am Markt erhältlichen Keramiklagern erhebliche Qualitätsunterschiede in Bezug auf Legierung und Fertigung, die sich wiederum sehr nachteilig auf ihre Haltbarkeit auswirken können.

Siliciumnitrid (Si3N4) spielt unter den Nitridkeramiken eine derzeit klar dominierende Rolle und verfügt über eine bislang von anderen Keramiken nicht erreichte Kombination von hervorragenden Werkstoffeigenschaften:
  • hohe Zähigkeit und Festigkeit, auch bei hohen Temperaturen
  • ausgezeichnete Temperaturwechselbeständigkeit, niedrige Wärmedehnung, mittlere Wärmeleitfähigkeit
  • hervorragende Verschleißbeständigkeit und gute chemische Beständigkeit
Siliciumnitridkeramik wird somit den extremsten Einsatzbedingungen gerecht und ist für Maschinenbauteile mit sehr hohen dynamischen Beanspruchungen und hohen Zuverlässigkeitsanforderungen geradezu prädestiniert. Allerdings finden sich nur wenige dieser Ansprüche am Fahrrad wieder. Perlen vor die Säue?

Zusammenfassend sind die Vorteile der Keramiklager-Technologie:
  • längere Lebensdauer
  • geringere Reibung
  • minimal niedrigeres Gewicht
  • geräuschärmer*
  • vibrationsbeständig*
  • hitzebeständig*
* Eigenschaften, die bei Fahrradlagern unerheblich sind

CeramicSpeed Keramik-Hybridlager


Aufbau CeramicSpeed-Hybridlager
1. Innenring 2. Käfig
3. Keramikkugeln 4. Außenring

Ein Kugellager setzt sich aus seinen Kugeln, Dichtungen, Lagerringen, dem Käfig und Schmierfett zusammen. Alle fünf Bestandteile sind in den verschiedensten Materialien und Qualitätsstufen erhältlich. Bei Hybridlagern repräsentieren die Keramikkugeln die wichtigste Komponente. Deshalb verwendet CeramicSpeed ausschließlich Keramikkugeln aus Siliciumnitrid (Si3N4). Die hohe Bruchzähigkeit in Kombination mit kleinen Defektgrößen verleiht Siliciumnitrid die höchste Festigkeit unter den ingenieurkeramischen Werkstoffen. Im Schnitt wird eine CeramicSpeed Kugel 50-70 Tage lang behandelt, bis ihre Oberfläche den Grade 3, die höchstmögliche Genauigkeitsklasse dieses Kugeldurchmessers, erreicht.

Gegenüber Konkurrenzprodukten mit billigen Keramikkugeln minderer Qualität sollen die dänischen "CeramicSpeed balls" 15% härter, 100% glatter und 99% tragfähiger sein. Das möchte CeramicSpeed mit dem schlagkräftigen Hammertest-Video (siehe unterhalb) beweisen.

Wir halten fest: Nicht überall, wo "Keramik" draufsteht, ist die gleiche Keramikqualität drin. Das bekräftigen CeramicSpeed, andere Hersteller wie z.B. ZIPP, Profimechaniker und auch Wikipedia & Co., wenn man nach speziellen Begriffen wie z.B. Silicon nitride Si3N4 sucht. Wer nach der besten Kombination aus niedriger Reibung und hoher Lebensdauer verlangt, wird um die dänischen Hybridlager nicht herumkommen und sollte die deutlich günstigeren Parts aus China und Indien meiden.

Um einen möglichst niedrigen Reibungskoeffizienten zu erreichen, darf auch das Know-How im Zusammenspiel der verbleibenden vier Bestandteile nicht vernachlässigt werden. So fertigt CeramicSpeed schon seit der Jahrtausendwende im dänischen Werk alle Fahrradkugellager nach höchsten Qualitätsstandards von Hand.

CeramicSpeed "Standard" vs. "Coated": In Zusammenarbeit mit einem europäischen Beschichtungs-Experten wurde ein spezielles Coating für die Innen- und Außenringe entwickelt, um eine noch homogenere, glattere und langlebigere Oberfläche zu generieren. Es handelt sich um eine metallische HardCoat-Beschichtung, welche in einer Stärke von nur 0,003 mm auf die volle Fläche aufgetragen wird und 80% härter als Stahl sein soll.

Verschiedene Tests wollen beweisen, dass die dänischen Keramiklager eine bis zu 10 mal so hohe Lebensdauer wie am Markt befindliche Stahllager besitzen und bis zu vier mal so lange halten wie Keramiklager der Konkurrenz. Das unterstreicht CeramicSpeed auch mit ihrer Garantie von 4 Jahren auf Standard- bzw. 6 Jahren auf Coated-Produkte.

Für die optimale Balance zwischen niedrigster Reibung und längster Lebensdauer rät CeramicSpeed bei der Schmierung immer zum hauseigenen "blue grease". Im Falle des "TT grease" müssen die Lager deutlich öfter nachgeschmiert werden.

  • Standard Pulley TestStandard Pulley Test
    Standard Pulley Test
    Standard Pulley Test
  • Oversized Pulley TestOversized Pulley Test
    Oversized Pulley Test
    Oversized Pulley Test
  • Beschichtete LagerschalenBeschichtete Lagerschalen
    Beschichtete Lagerschalen
    Beschichtete Lagerschalen
  • Lifetime Test vs. StahlLifetime Test vs. Stahl
    Lifetime Test vs. Stahl
    Lifetime Test vs. Stahl
  • Lifetime Test vs. andere KeramiklagerLifetime Test vs. andere Keramiklager
    Lifetime Test vs. andere Keramiklager
    Lifetime Test vs. andere Keramiklager

Tech Talk - Interview mit Lars Teutenberg (Scott)


Lars Teutenberg, Scott
Technical Race Support Road

Wie lange verwendst Du mit den Profi Teams bereits Keramik-Hybridlager?
Seit 6 Jahren.

Wie sind eure empirischen Erfahrungen damit (geringerer Reibungswiderstand, etc.)?
In erster Linie zählt für uns die deutlich längere Haltbarkeit. Der Wirkungsgrad der Lager ist in dieser Dimension schwer zu messen.

Gibt es bei den Keramikkugeln Qualitätsunterschiede?
Ja, billige Keramikkugeln gehen schneller kaputt als gute Stahllager.

Welches Fett verwendet ihr und wie oft werden die Lager geschmiert?
Wir verwenden für alle Rennräder das blaue Fett von CeramicSpeed. Außer bei den TT-Bikes, da kommt das weiße Spezialfett rein.

Wie hoch schätzt du generell den Reibungswiderstand der drehenden Teile ein sowie das Tuning-Potential mit Keramik-Hybridlagern?
Der reine Lagerwiderstand wird bei neuwertigen, gut eingefahrenen Stahllagern wohl insgesamt 1-2 Watt unter Last (Anm.: flache Strecke, 30 km/h, 200 Watt Leistung) betragen. Oftmals ist der Verlust durch Dichtungen und zähes Industriefett aber viel höher. Da spielt CeramicSpeed mit ihren Dichtungen und dem Spezialfett mit anderen Karten als Shimano und Co. Behandelt man gewöhnliche Stahllager genau so, dann würden sie - abgesehen von dem einen Watt Reibungsunterschied unter Last - ebenso gut rollen. Nur halten diese nachbehandelten Lager nicht sehr lange oder brauchen regelmäßiges Service. Das Gesamtpaket von CeramicSpeed (Lagerschalen, Keramikkugeln, Spezialfett und Dichtung) hält eine komplette ProTour-Saison und länger.

Was würdest du Endkunden raten, die beim Neukauf zwischen Stahl- oder Keramiklagern wählen können?
Wenn der Preis keine Rolle spielt, würde ich Marken-Keramiklager nehmen. Aber auch hochwertige Stahllager laufen sehr gut. Selbst, wenn man Stahllager drei Mal tauscht, ist das in Summe billiger als die Umrüstung auf Keramik.

Macht es für Endkunden deiner Meinung nach Sinn, nachträglich von Stahl auf Keramik umzurüsten?
Bei performanceorientierten Vielfahrern mit dicker Börse spricht nichts dagegen. Für den Hobbyradler mit wenigen tausend Schönwetter-Kilometern wird es sich wohl nicht rechnen.

Praxistest Part 1: Tuning unserer ZIPP-1er-Garnituren


links: Zipp-5-coated
rechts darunter: Zipp-4-coated

Gemäß dem Grundsatz "Every watt counts!" möchten wir mit speziell präparierten CeramicSpeed Lagern auch noch das letzte Watt Leistungsersparnis aus unseren ZIPP 808- und Super9-Disc-Garnituren herauskitzeln. Dazu bestellten wir die passenden Upgrade-Kits - "coated" selbstverständlich - denn für die totale Lesererfahrung war uns kein Aufwand zu groß und kein Listenpreis zu teuer.

Die hochwertigen Keramik-Hybridlager werden offen, inklusive Dichtungen, blauem Schmierfett und zahlreichen "CeramicSpeed"-Stickern zum Reinfetzen geliefert. Mit dem richtigen Werkzeug sollten sowohl der Originallager-Ausbau als auch der Tuninglager-Einbau rasch und unproblematisch von der Hand gehen. Im Gegensatz zu dem armseligen und zeitraubenden Selbstversuch vor einigen Jahren waren wir dieses Mal mit dem richtigen Werkzeug gerüstet.

Obwohl CeramicSpeed Lager als nahezu unzerstörbar gelten (mit bis zu 10facher Lebensdauer im Vergleich zu Stahllagern), sollten sie mindestens einmal pro Jahr nachgeschmiert werden.

Zutaten
  • LagerLager
    Lager
    Lager
  • SchmierfettSchmierfett
    Schmierfett
    Schmierfett
  • WerkzeugWerkzeug
    Werkzeug
    Werkzeug
Schritt 1: Vorbereitung und Schmierung der Keramiklager
Schritt 2: Ausbau der Originallager
Schritt 3: Einbau der Keramiklager

Zipp-4-coated Wheel Kit

Laufrad-KitZipp-4-coated f. 808-Clincher-Set 2014 188 v9 HR- und 88 VR-Nabe
Lager4x 61803 coated
2x 61903 coated
Gewicht58 Gramm inkl. Fett (ca. 7 Gramm leichter als das ZIPP-Original)
Konstruktionhochpräzise Keramik-Hybridlager mit beschichtetem Lagergehäuse
Schmierungentweder mit CeramicSpeed blue Grease (universal) oder CeramicSpeed TT Grease
WartungDie CeramicSpeed Lager müssen je nach Fett, Einsatz, Wetterbedingungen und Vehemenz der Radwäsche alle 5-10.000 Kilometer, jedoch mindestens einmal pro Jahr, geschmiert werden. Bei Offroad-Einsatz oder in Verbindung mit dem dünnflüssigen TT-Fett sind die Lager alle 1-3.000 Kilometer zu servicieren.
Preis€ 779,-

Zipp-5-coated Wheel Kit

Laufrad-KitZipp-5-coated f. Super-9-Clincher-Disc 2013 und neuer (schwarze 11s Nabe)
Lager3x 61803 coated
1x 61903 coated
Gewicht37 Gramm inkl. Fett (ca. 4 Gramm leichter als das ZIPP-Original)
Preis€ 509,-

Tech Talk - Gaffi über Keramiklager (BikeCity)


Gaffi, BikeCity.at
Chef-Mechanikerin

Welche Erfahrungen konntest du im Zuge deiner Mechanikerlaufbahn mit Keramik-Hybridlagern machen?
Vor Jahren haben wir zusammen mit Eri del Pozo und Wolfgang Kotzmann Keramiklager auf der Bahn getestet (Anm.: es wurden sechs Nabenlager vorne und hinten ersetzt, nicht aber Schaltröllchen und Tretlager). Der Unterschied im Reibungswiderstand war quasi nicht messbar, bzw. ging in der Messunschärfe des Versuch-Aufbaus unter.

Welche Vor- und Nachteile siehst du bei einer Umrüstung von Stahl auf Keramik?
Ich persönlich halte die Keramiklager generell für hochpreisiges Voodoo. Auch die längere Lebensdauer kann ich nicht bestätigen. Meiner Meinung nach ist diese bei gewöhnlichen Keramikkugeln eher geringer als bei guten Stahllagern. Jedoch sind mir die hier vorgestellten Lager von CeramicSpeed noch nicht bewusst untergekommen - also in dem Sinne, dass ich sie eingebaut oder serviciert hätte.
Bei Gewichtstuning im Endstadium sind Keramiklager wegen ihres geringeren Gewichts (Anm.: es gibt 12-14 drehende Lager in einem durchschnittlichen Rad) unumgänglich.

CeramicSpeed wirbt mit ihren besonders reibungsarmen Dichtungen und Fetten. Welchen Stellenwert haben diese Lagerbestandteile?
Dass manche Mechaniker Lager entfetten, offen lassen und ölen bzw. mit ganz dünnem Fett schmieren, ist ein alter Hut. Nachträglich recht arbeitsintensiv, kurzlebiger, und wenn du mit dem Setup in den Regen kommst, ist das Lager tot.
Falls CeramicSpeed einen härteren Werkstoff für ihre Kugeln verwenden, als jene die mir bisher untergekommen sind, halten sie vielleicht wirklich länger. Das müsste man einfach ausprobieren - vielleicht in einem Langzeithärtetest?

Wie viel Reibungswiderstand besitzen denn die bewegten Teile am Rad, deiner technischen Erfahrung nach? Tour schreibt 0,5% bei 30 km/h und 200 Watt Leistung und Michael Gressmann spricht von rund 2% in seinem Fahrradphysikbuch.
Was wirklich bremst, sind Dichtungen und verschlissene Lager. Das billigste Tuning sind die Reinigung der Schaltröllchen, Schmieren der Kette und der Tausch eines streng laufenden Tretlagers.
Aber wenn alle Lager in Ordnung und gut eingelaufen sind (Dichtungen!), dann würde ich eher zu den 0,5% der Tour tendieren.

Spare 6-9 Watt mit CeramicSpeed Lagern


Mit Praxistests möchte CeramicSpeed bewiesen haben, dass ihre Keramiklager in Tretlager, Radnaben und Schaltungsrädchen zwischen 6 und 9 Watt einsparen können. Hochgerechnet kann dies für Triathleten bei 32 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit einen Zeitgewinn von bis zu 9 Minuten auf 180 Kilometer bedeuten.

Das Versuchsprotokoll: Die Tests werden mit einem voll funktionstüchtigen Rennrad, Standard-Komponenten inklusive dem SRM Powermeter Wissenschaft sowie einem qualifizierten Fahrer, indoor auf einer Saalwalze durchgeführt. Ziel ist es, die Summe der CeramicSpeed-Einsparungen am gesamten Reibungswiderstand (aller drehenden Teile) unter möglichst realen und reproduzierbaren Bedingungen herauszufinden.

Der eigentliche Test beginnt mit einem konventionell ausgestatteten Rennrad, an welchem eine beliebige Standardgruppe sowie Laufräder eines bekannten Herstellers verbaut sind. Nach dem Warmup (Radkomponenten, Reifen, Saalwalze und Raumtemperatur) und dem Einlaufen der Lager werden einige 60-Sekunden-Intervalle mit konstanten 40 km/h bei 95 Umdrehungen gefahren. Alle Intervalle werden mit dem gleichen Übersetzungsverhältnis bzw. dem gleichen Gang gefahren. Dazu sind je nach Equipment rund 180-200 Watt notwendig. Um jegliche Fehler durch abweichende Masse, Pedaltechnik etc. auszuschließen, werden alle Testfahrten vom gleichen Fahrer bewerkstelligt.

Nach den ersten Intervallen mit Standardlagern werden alle Rennradlager mit CeramicSpeed Produkten ersetzt. Die restlichen Parts wie Kette, Reifen etc. bleiben unberührt. Nach einer weiteren Einlaufphase werden die 60-Sekunden-Intervalle wiederholt - im gleichen Gang, bei gleicher Geschwindigkeit, Raumtemperatur, Reifendruck und Kadenz.

Zum Abschluss werden die einzelnen Datensätze auf exakt 40 km/h angeglichen und ihre Ergebnisse gegenübergestellt. Abhängig vom Ausgangsmaterial spricht CeramicSpeed von einer Watt-Ersparnis in der Höhe von 6 bis 9 Watt, um die konstante Geschwindigkeit von 40 km/h aufrechtzuerhalten.

Dieser Versuchsaufbau wurde von einer Dänischen Universität, einigen ProTeam-Spezialisten und SRM-nahen Personen als gültig erklärt, das Ergebnis jedoch von keinem der genannten Vertreter offiziell bestätigt.

Tech Talk - Martin S. Banke über die CeramicSpeed


Martin S. Banke
Managing Director (Sport)

CeramicSpeed Hybridlager besitzen einen geringeren Reibungswiderstand und sparen Leistung. Eure Indoor-Tests auf der Saalwalze (bei 40 km/h und 180-200 Watt Leistung) ergeben 6 bis 9 Watt weniger Reibung als mit herkömmlichen Lagern.

Allerdings behauptet das deutsche TOUR Magazin, dass die Summe aller Reibungswiderstände bewegter Teile bei einem normalen Rennrad (auf flacher Strecke bei 200 Watt) weniger als 0,5% aller Fahrwiderstände beträgt. Wie kann man 6-9 Watt sparen, wenn die mechanische Reibung theoretisch weniger als 1 Watt ausmacht?


Als Erstes lass mich bitte ein wenig auf unser Versuchs-Setup eingehen. Wir führen alle Tests indoor auf einer Saalwalze durch, um mögliche Fehler aufgrund des Luftwiderstands auszuschließen. Wir ermitteln hier äußerst niedrige Wattunterschiede, die beispielsweise in einer geänderten Sitzposition leicht untergehen könnten. Unser Protokoll wurde von einer dänischen Universität und einigen WorldTour-Team-Spezialisten als gültig erklärt.

Ehrlich gesagt kenne ich den oben erwähnten TOUR-Test nicht. Allerdings zeigen unsere und auch andere Tests, z.B. Friction Facts, völlig gegenteilige Resultate. Das Tretlager alleine kann unter Last zwischen 1-2 Watt Reibung produzieren. Zählen wir nun die Reibung des Tretlagers, der Laufräder und der Schaltröllchen zusammen, sind wir überzeugt, dass mit unseren Lagern eine Verbesserung von 6-9 Watt realistisch ist.

Darüber hinaus berechnen wir unsere Resultate nicht in Prozent, denn Tretlager und Schaltröllchen drehen sich prinzipiell unabhängig davon, wie schnell der Radfahrer unterwegs ist oder wie viele Watt er tritt. In erster Linie ist die Rotationsgeschwindigkeit für deren Lagerreibung verantwortlich. Die Tretlagerreibung ändert sich zwar mit der erbrachten Leistung, allerdings in einem anderen Verhältnis. Unserer Meinung nach dürfen die Reibungsanteile nicht in % angeben werden, da Fahrer, Gewicht, erbrachte Tretleistung, Fahrstil, Pedaltechnik, Kadenz und Fahrgeschwindigkeit die Berechnung verfälschen würden.

Nachdem eure Keramikkugeln samt der Käfige die höchstmögliche Genauigkeitsklasse besitzen, gibt es überhaupt noch Verbesserungspotential?

Ja, auf jeden Fall. Zwar haben wir mit dem Upgrade von Stahl- auf High-Quality-Hybridlager in puncto Reibungsoptimierung bereits den größten Schritt geschafft, aber es gibt selbst jetzt noch Verbesserungspotential beim Oberflächen-Finish, bei der Bearbeitung, Schmierung, etc. Die Lebensdauer ist ein weiterer wichtiger Faktor. Zugegeben sind wir Stahllagern und weniger hochwertigen Keramiklagern in dieser Hinsicht deutlich voraus, haben aber unsere Möglichkeiten noch nicht restlos ausgeschöpft.

Neben den Lagern arbeiten wir außerdem an den Teilen, in welche Lager eingepresst werden. So können beispielsweise die Tretlagerschalen oder die Zahnprofile der Schaltröllchen für eine bessere Performance und längere Lebensdauer optimiert werden. Es wartet noch viel Arbeit auf uns.

Kann man euer Schmierfett für alle Arten von Keramik- und Stahllagern verwenden? Würdest du das blaue CeramicSpeed-Fett zum Tuning (Erhöhung des Wirkungsgrades) von Stahllagern empfehlen?

Unser Schmierfett ist mit allen Lagerarten kompatibel. Ich würde allerdings niemandem ohne der notwendigen Erfahrung empfehlen, das Fett eines Standardlagers gegen unseres zu tauschen. Beispielsweise sind viele aktuelle Standard-Tretlager nicht dazu konzipiert, zerlegt zu werden - wenn man nicht genau weiß, was man tut, gehen die Dichtungen relativ leicht kaputt.

Plant ihr die Produktion von Vollkeramiklagern für Fahrräder?

Mit der zur Verfügung stehenden Technologie performen Vollkeramiklager schlechter als High-Quality-Hybridlager. Wir sehen auf jeden Fall ein Potential in HQ-Vollkeramiklagern, aber dazu muss sich die Technologie erst noch weiterentwickeln.

Interview with Martin in engl. OF

CeramicSpeed bearings save energy thanks to to lower friction. In your indoor roller tests, at a steady pace of 40 km/h (around 180-200 watts), you claim to be able to save between 6 and 9 watts.

The german TOUR magazine argues that the total friction of all moving bearings in an ordinary roadbike is less than 0,5% of all driving resistances (at 200 watts). How can we save 6-9 watts if we theoretically need less than one watt against mechanical friction?
First let me explain the test setup a little more. We ride on indoor rollers to remove potential errors from aerodynamic drag. Since we are working with pretty small numbers, a slight change in position on the bike could easily overshadow the difference the bearings make. Our setup has been discussed with associates from a Danish university and performance specialists from World Tour teams. The test has not been officially validated by any of these but they have all agreed to the setup being valid.
Actually, I haven't seen the TOUR test you refer to. But our own and other tests, e.g. Friction Facts, show completely different results. The BB bearings alone can have between 1-2 watts friction under limited load. Thus, adding BB, wheel and pulley wheel friction, we are confident that our findings of 6-9 watts improvement is valid and realistic.

Also, we don't calculate our results in percent. The BB and pulley bearings typically spin at the same speed no matter what pace the rider is going at and how many watts he pushes (you always ride at a relatively stable cadence). And the rotational speed of the bearings is very important for the friction; the watts put in the pedals are less important. The friction in the BB bearings does change with the watts you put into the pedals but again at another rate. So in our opinion you cannot claim a general percentage of saved watts, for it would change in relation to the rider, weight, watts, riding style, pedaling technique, pedal cadence, speed etc.

Since your ceramic balls and races have achieved the highest possible grade, is there any room left for improvement?
Yes, for sure. We have taken a big step from steel bearings to high-quality hybrid bearings and will never again be able to save the same amount of watts as we did when we went from steel to high-end ceramic. But there are still potential improvements to be made in relation to material, surface finish/treatment, lubrication etc. The bearings' lifetime is another important factor and here our products are already superior to both steel and lower grades ceramics. But in this field we are aware that we still have potential improvements ahead of us.
Besides the bearings we can also improve the parts the bearings are installed in. The BB cups can be optimized for better bearing performance and longevity, the pulley wheels can be optimized in relation to tooth profile, material etc. So we do have lots of possible improvements ahead of us.

Is CeramicSpeed grease suitable for all types of ceramic & steel bearings? Do you recommend the blue grease to increase the efficiency of standard steel bearings?
Our grease can be used for any bearing type. But I honestly wouldn't recommend starting replacing grease in standard bearings unless you are experienced in working on bearings. For example, most modern standard BB's are not meant to be taken apart, and if you don't know what you are doing you might damage the seals.

Do you plan a production of special full ceramic bearings for bicycles?
With the current available technology, full ceramic bearings perform less well than high quality ceramic hybrid bearings. We sure see a potential in high quality full ceramic bearings, but the technology needs to be developed further.

Praxistest Part 2: Langzeit-Härtetest der ZIPP-Garnitur

Es ist gar nicht mal so leicht, viele Kilometer mit seiner 1er-Garnitur zu sammeln. Und so dauerte es fünf Monate bis ich knapp 1.100 Kilometer mit meiner gepimpten ZIPP 808 / Super-9 Disc Kombi zurückgelegt hatte.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Trotz einiger fieser Trainingsfahrten und Einzelzeitfahren bei starkem Regen, hielten Lager und Dichtungen den Witterungsbedingungen stand. Kein Lagerspiel, kein Knarzen, absolut keine Anzeichen von Verschleiß - die Lager drehen sich genauso seidenweich, wie nach dem Upgrade.

Was die Lagerreibung während der Fahrt betrifft, müsste ich lügen, wenn ich einen Unterschied gespürt hätte. Die Laufräder rollen unter Last zwar extrem gut, würden dies aber wohl auch mit den Original-Stahllagern tun.

  • King of the Airfield (Foto: Strava)King of the Airfield (Foto: Strava)
    King of the Airfield (Foto: Strava)
    King of the Airfield (Foto: Strava)
  • Bankenmeisterschaft (Foto: Jürgen Liebl)Bankenmeisterschaft (Foto: Jürgen Liebl)
    Bankenmeisterschaft (Foto: Jürgen Liebl)
    Bankenmeisterschaft (Foto: Jürgen Liebl)
  • Röhsler&Co Seibersdorf (Foto: Martin Reifenstein)Röhsler&Co Seibersdorf (Foto: Martin Reifenstein)
    Röhsler&Co Seibersdorf (Foto: Martin Reifenstein)
    Röhsler&Co Seibersdorf (Foto: Martin Reifenstein)
  • Perger Naarntal (Foto: Günther Iby)Perger Naarntal (Foto: Günther Iby)
    Perger Naarntal (Foto: Günther Iby)
    Perger Naarntal (Foto: Günther Iby)
  • Kremstriathlon (Foto: Josef Salomon)Kremstriathlon (Foto: Josef Salomon)
    Kremstriathlon (Foto: Josef Salomon)
    Kremstriathlon (Foto: Josef Salomon)

Auf der anderen Seite bin ich mir zu hundert Prozent sicher, dass die Keramiklager in den Naben, in den Pulleys, im Tretlager, der Berner Schaltkäfig und auch die optimal abgelängte UFO-Chain zusammen mit der richtigen Übersetzung eine signifikante Leistungseinsparung bieten. Wie sonst ließen sich meine hohen Durchschnitts-Geschwindigkeiten zwischen 46 und 48 km/h bei längeren TTs erklären. Selbstverständlich kommt es in erster Linie auf Pacing, Pose und Power an, und trotzdem sollte man nie auch nur ein einziges Watt verschenken.

#everywattcounts #marginalgains

Status nach 1.100 Kilometern
CeramicSpeed Online & Distributoren

Internationale Homepage: www.ceramicspeed.com
CeramicSpeed-Vertrieb Österreich: Bike & Sports
CeramicSpeed-Vertrieb Schweiz: Cycling United


Ergebnis 1 bis 6 von 6
  1. #1
    Admin Avatar von NoPain
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    Aug 2001
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    Schönberg am Kamp
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    CeramicSpeed Keramik-Hybridlager

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  2. #2
    have fat crema, KvdW Avatar von espresso
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    Cooler Bericht! Wo hast denn dein Lager Ausschalg- / Einpresswerkzeug her? Schaut nett aus.

    Interessant wäre ein Vergleich mit den Vollkeramik Lagern von Enduro bearings gewesen.
    Da sind nicht nur die Kugeln aus Si3N4 gefertigt sondern auch die Lagerringe.
    Die sind dann aber auch wirklich sauteuer.

  3. #3
    Admin Avatar von NoPain
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    9.430
    Das Werkzeug hab ich um 49,90 USD in den USA bestellt. War trotz 60 Euro Versand billiger als in Europa. Zoll gabs keinen. "Blind Bearing Puller" in dem grindigen rot/orangenen Koffer.

    Gibts auch hier
    http://www.enduroforkseals.com/id197.html

    oder hier
    http://www.ebay.com/bhp/blind-bearing-puller

    oder im österr. Kugellager-Fachgeschäft um 380 Euro.

    ***

    Was die Vollkeramiklager betrifft, sollen die nur noch etwas leichter sein (ehrlich absolut vernachlässigbar), aber nicht so gut performen. Die Profimechaniker halten jedenfalls nix davon. Ich denke, die machen eher in Bereichen Sinn, wo es absolut fettfrei sein muss.

  4. #4
    Admin Avatar von NoPain
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    Dieses Bearing Puller Tool hats mir echt angetan. Ein sensationelles Teil. Ich finds nur arg, dass es sich bei fast allen Anbietern immer um das gleiche Köfferchen und das gleiche Tool handelt und der Preis zwischen 49,90 USD und 380 Euro so stark differiert. Aber wer weiß - den gibts vielleicht noch billiger.

  5. #5
    Admin Avatar von NoSane
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    rennt das Video in einer Loop oder bleibt das auch irgendwann stehen?

  6. #6
    Admin Avatar von NoPain
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    Irgendwann wollte ich nicht mehr warten und habe die Aufzeichnung gestoppt.