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Größe: 181cm Schrittlänge: 87cm Gewicht: 72kg Fahrstil/-können: klassischer XC Fahrer, auf flowig-schnellen S2-S3 Trails macht's mir am meisten Spaß. Airtime und Spitzkehren sind nicht so mein Ding. Am Rennrad sind meine schnellen Tage vorbei.
Weckruf kurz vor 4:00 Uhr am Morgen, im Halbschlaf Zähneputzen und ab zum Flughafen. Fünf Stunden später Ankunft in Barcelona und ab ins Shuttle nach Girona. Meet and Greet, kurz Mittag und ab auf die neueste Kreation aus Givisiez.An diese abrupten Ortswechsel werde ich mich nie gewöhnen, aber was tut man nicht alles, um ein neues Rad testen zu dürfen - und die geneigte Leserschaft bei Laune zu halten!Aber Jammern wäre hier völlig fehl am Platz, ist es doch immer wieder ein Privileg, fürs Bikeboard zu einem Presselaunch zu reisen.Diesfalls war es die Firma Scott, die eingeladen hatte. Und ein neues Addict RC, das vorgestellt werden sollte. So weit waren wir im Bilde – mehr aber auch schon nicht, denn Details rund um die nächste Generation des zuletzt 2020 generalüberholten Renners waren vorab keine durchgesickert.Dementsprechend gespannt das Gemunkel unter den Journalisten kurz vor der Präsentation: Wie würde das neue Addict aussehen? Die meisten vermuteten ein Do-it-all-Aero/Leichtbau-Rad ähnlich dem kürzlich vorgestellten Trek Madone, war doch Aero und noch mehr Aero DAS Motto der letzten Jahre im Rennrad-Segment, während der Leichtbau eher stiefmütterlich behandelt worden ist. Mehr und mehr große Hersteller hängten deshalb zuletzt ihre leichten, weniger windschlüpfrigen Räder an den Nagel und tauschten Gramm gegen Watt.
Mühelos voran
Doch diese Annahme erwies sich, was das neue Addict RC betrifft, als weit gefehlt! Die Überraschung war groß, meine sogar freudig, mit der 2025er-Inkarnation der Leichtbau-Ikone einem recht klassisch geschnittenen Rennrad mit der Anmutung einer zeitlosen Schönheit gegenüberzustehen.Scott hält also auch für das kommende Modelljahr an der Trennung zwischen Aero- und Bergrad fest und präsentierte ein leichtes, nein, richtig leichtes Addict RC für die Berggämsen unter uns Radsportlern.
Dem Entwicklerteam rund um Max Könen, Patrick Lüthi und Christian Holweck war es nämlich mehr als nur ein Anliegen, erneut eine Benchmark in Sachen Leichtbau zu setzen. Ihr Ziel: die 5,9 kg Gesamtgewicht, welche das originale Addict Limited 2008 zu V-Brake-Zeiten wog. "Schaffen wir das noch einmal?", fragten sie sich ein Dutzend Jahre und einen bremsentechnischen Technologie- und Paradigmenwechsel später.Charlotte Pythoud hatte ergänzend die schwere Aufgabe, ein passendes Farb-Design für die neue Produktpalette zu kreieren, welche u.a. die Leichtigkeit des Addict RC widerspiegeln sollte - denn bereits der bloße Anschein von Schwere wäre für ein so leichtes Rennrad verpönt; vom tatsächlichen Gewicht des Farbkleids ganz zu schweigen. Gemeinsam hat dieses junge, radsportbegeisterte Quartett ganze vier Jahre lang am neuen Addict RC gearbeitet - und war beim Launch entsprechend motiviert, uns die Früchte seiner Arbeit höchstpersönlich zu präsentieren.
Die Krone des "leichtesten derzeit erhältlichen Serienrahmens" hat sich Scott in der Vergangenheit schon öfter aufgesetzt - man denke nur an das legendäre Scott Scale der ausklingenden Nullerjahre, oder eben das Addict aus der gleichen Ära. Dass es nun einmal mehr soweit ist, verdanken die Schweizer neuen Materialien, deutlich verbesserten Fertigungstechniken und nicht zuletzt großen Fortschritten bei der Computersimulation.Und natürlich Max, denn der wachte mit seiner digitalen Waage stets über das Geschehen in der Entwicklungs- und Designabteilung. Tauchte er auf, war schnell Schluss mit lustig und der Ansporn nach den ersten HMX Prototypen groß, das Rahmengewicht des nochmals abgespeckten HMX-SL unter die 600-Gramm-Marke für einen Medium Rahmen zu drücken.Um diese für ein Serienrad mit Scheibenbremsen lange Zeit unerreichbar erschienene Schallmauer zu durchbrechen, brauchte es an manchen Stellen gleich fünf Mal teureres Carbon-Rohmaterial. Dieses ist obendrein nochmals aufwändiger zu verarbeiten und wird nur durch die erfahrensten Hände mit größter Geschicklichkeit verlegt.Charlotte fügte für Design und Lackierung nur etwas mehr als 40 Gramm hinzu.Man sieht: Der Aufwand für die letzten paar Gramm ist ein großer, zumal der Gewichtsunterschied zwischen HMX-SL- und HMX-Chassis gerade einmal 50 Gramm ausmacht.Die Profis werden übrigens mehrheitlich mit HMX-Rahmen ausgestattet. Das SL-Set bleibt jenen vorbehalten, die sich's leisten können oder wollen - und früher oder später wahrscheinlich einem gewissen Gustav Gullholm aka Dangerholm ...
Grundsätzlich kommen die Rahmenteile dank der neuen Fertigungstechniken nun wesentlich glatter aus den Formen, durch die gleichmäßigeren Übergange im Rahmen bleibt weniger Harz hängen und so kommt summa summarum überall weniger Gewicht zusammen.Speziell bei der Gabel wurden durch ein neues Verfahren und die anders designte Bremsaufnahme weitere Gramm eingespart.Bemerkenswert und für beide Rahmen gültig: Stellenweise ist der einteilige Hauptrahmen aufgrund des optimierten Faserverlaufs nur mehr 0,6 mm „dick“.Unterm Strich ist das MY25-Rahmenset satte 300 g leichter als sein Vorgänger geworden, wird aber, wie bisher, für ein maximales Systemgewicht von 120 kg freigegeben – und zwar auch in der insgesamt nur 5,9 kg wiegenden Topversion Addict RC Ultimate.Diese hat damit im Vergleich zum Vorgänger ganze 800 Gramm abgespeckt und wiegt also exakt das Gleiche wie dereinst das Ur-Addict Ultimate – Ziel erreicht!Einziger - vertretbarer - Wermutstropfen: Das neue Addict RC ist nur mehr mit elektronischen Schaltungen kompatibel.
Möglichst geringes Gewicht ist freilich nicht alles. Viel Augenmerk wurde auch auf ein deutliches Komfortplus gelegt.Unter anderem wurden die Sattelstreben nochmals dünner und ein wenig gebogen, sie bieten dadurch mehr Nachgiebigkeit und Komfort. Möglich machte dies erst die neu designte Sattelklemmung, welche dünnere Rohre erlaubt und einen besseren Verlauf der Carbonfasern ermöglicht.Das sind nur zwei von vielen Details, die Scott von bis zu 36% mehr Komfort im Vergleich zum Vorgänger sprechen lassen.Dessen nicht genug, setzt die bis zum RC10 verbaute Syncros SP-R101-CF Sattelstütze noch eins oben drauf. Sie bietet neben der im Vergleich zur SL Stütze 30 % höheren Flexibilität auch die Möglichkeit, das ebenfalls überarbeitete Rücklicht formschlüssig zu montieren.Das Sahnehäubchen in Sachen Komfort stellt jedoch die Reifenfreiheit von stolzen 34 mm dar. Sie macht das Addict RC schon fast zum asketischen Randonneur.
Natürlich wurde neben mehr Komfort und weniger Gewicht auch auf eine bessere Aero-Performance geachtet. Der Verlust zum Scott Foil beschränkt sich laut Scott auf lediglich 9 Watt bei 45 km/h, umgekehrt soll der Bergfloh gleich 12 Watt weniger Luftwiderstand im Vergleich zu seinem Vorgänger aufweisen.Das Wort Integration wird bei Scott traditionell ebenfalls groß geschrieben und akribisch umgesetzt. Man kann nur erahnen, wie viele Stunden Arbeit hinter den kleinen, aber feinen Details stecken, zu denen wir hier weiters die neu entwickelten und selbstzentrierenden Steckachsen zählen wollen.Eine der Vorgaben aus dem Profilager war, die Kontaktpunkte zwischen Foil, dem Vorgänger-Addict und dem Newcomer annähernd gleich zu belassen, sprich: trotz unterschiedlicher Geometrie gleich auf allen Rädern zu sitzen und so ohne großes Umgewöhnen zwischen ihnen wechseln zu können.Ein Vorteil, von dem wohl nur die wenigsten Endverbraucher tatsächlich profitieren werden; für eventuell anstehende Upgrades trotzdem erwähnenswert!Dass die Geometrie überhaupt einer Anpassung bedurfte, lag an dem ebenfalls von Profi- aber auch Kundenseite geäußerten Wunsch nach mehr Reifenfreiheit. Um das Handling dennoch quirlig und zugleich stabil genug zu halten, wurden u.a. die Kettenstreben auf das Minimum von 410 mm gekürzt und der Gabelvorlauf auf 44 mm geändert.Positiver Nebeneffekt: trotz der montierten 30 mm breiten Reifen gibt’s kaum Toe Overlap.
Apropos Kontaktpunkte - betreffend Cockpit wird es drei Ausführungen geben: ein reines Alu-Set beim RC30, Alu-Carbon am RC20 und dann die Syncros IC-R100-SL Combo ab dem RC10.An der Front wurde übrigens ebenfalls einiges an Gewicht eingespart, am besten studieren Interessierte zwecks Details die vergleichende Gewichtstabelle.
Die neue Formgebung des Dropbars überzeugt in jeder Position. Und auch dieses Faktum ist natürlich nicht dem Zufall geschuldet: Viele Prototypen gingen durch Christians Hände, bis die optimale Form für große wie kleine Hände gefunden war.Der Lenker bleibt bis zur Klemmung der Griffe gerade, hat im Unterlenker 6 Grad Flare und wird an den Griffenden wiederum gerade. Letzteres vermindere, wurde mir gesagt, die Gefahr, einander im Peloton auf die Hörner zu nehmen - klingt plausibel.Der breitere Übergang vom Oberlenker zu den Bremsgriffen schmeichelt den Händen ebenfalls und die Aeroform des Oberlenkers bietet dem Fahrtwind weniger Angriffsfläche.Positiv und erwähnenswert: Die Form des normalen Carbon Lenkers entspricht jener der Lenker-Vorbau-Einheit. Dadurch ergibt sich in beiden Fällen eine top Ergonomie, sei es an den Bremsgriffen oder im Unterlenker.Dem Trend zu schmäleren Lenkern folgend wird für Größe Large standardmäßig ein 40 cm breiter Lenker verbaut. Im Unterlenker wächst dieser auf 43 cm Breite an und bietet den besten Kompromiss aus aerodynamischer Haltung und Komfort.
300 g leichter, 12 W schneller, 36% komfortabler, 34 mm Reifenfreiheit
Nicht unerwähnt bleiben darf die neue Computerhalterung. Für Garmin und Co. wurde ein weiteres Kunstwerk im Addict LineUp geschaffen - dieses Mal aus dem 3D Drucker. Es ist mit 12,6 (kurz) bzw. 16 g (lang) super leicht, stabil und das Raw Finish schaut zudem sehr extravagant aus.Ein sehr praktisches Feature ist auch das im Lenkerende integrierte Minitool. Auf den ersten Blick erscheint es sehr minimalistisch, aber mehr als einen T25 Torx und einen 6 mm Inbus für die Steckachse braucht man am Addict der vierten Generation in der Regel nicht, sind doch sämtliche am Rahmenset verbaute Schrauben T25 Torx.
Das Addict RC wird es in fünf Ausführungen zu Preisen von 4.999 bis 12.999 Euro geben. Das Topmodell basiert dabei auf dem HMX-SL-Rahmen, alle anderen werden rund um das 50 g schwerere HMX-Chassis aufgebaut.
Farbtechnisch hat man die Qual der Wahl: Bunt oder klassisch Schwarz - jedes hat seinen Charme.Ein Custom Painting Programm ist bei Scott nicht vorgesehen - auch in naher Zukunft nicht. Allerdings gibt's Überlegungen, bei entsprechenden Individualisierungswünschen künftig unlackierte Rahmensets an zertifizierte Lackierer zu schicken. In diesem Falle könnte auch die Gewährleistung gewahrt bleiben.
Wir hatten das Glück, mit dem RC Ultimate und RC Pro die beiden Topmodelle testen zu können.Schon auf der Parkplatzrunde wirkte das neue Scott überzeugend und ward umgehend für einen Langzeittest geordert: quirlig, aber nicht nervös; ein sehr angenehmes Cockpit und im Antritt definitiv kein Mangel an Steifigkeit.Um zu den schönen Anstiegen rund um Girona zu gelangen, ist eine Fahrt durch die Stadt leider unausweichlich. Wir alle kennen das Straßenbelags-Potpourri in Städten: rauer Asphalt, Schlaglöcher, Temposchwellen, Kopfsteinpflaster. Das Scott blieb davon unbeeindruckt und bot vor allem am RC Pro massig Komfort, vermittelte Sicherheit auf schlechtem Untergrund.Am Ultimate war das Gesamtpaket deutlich straffer und direkter, aber offerierte immer noch ausreichend Komfort für meinen alternden Körper. Laufräder und die neuen Schwalbe Aerothan Reifen (Details s.u.) machten hier gefühlt den größten Unterschied im Fahrverhalten zwischen RC Pro und Ultimate aus.Dafür wurde man mit gewaltig Vortrieb belohnt, sobald man aus dem Sattel ging. Nicht zuletzt ist das Ultimate nochmals 600 Gramm leichter als das RC Pro.
Gewaltiger Vortrieb, steif im Antritt, Vertrauen und Fahrspaß pur
Bergauf machten beide eine sehr gute Figur, das Rad beschleunigte umgehend, war steif im Antritt und man hatte nicht den Eindruck, dass irgendwo ein Watt verloren ginge.Windböen und Seitenwind machten dem Addict RC wenig aus und die Front blieb stets gut kontrollierbar. Dies machte sich besonders in flotten Abfahrten bemerkbar: Das Bike vermittelte hier Vertrauen und Fahrspaß pur.Präzise ließ sich die Linie wählen, es verhielt sich agil und stabil zugleich. Bei schnellen Richtungswechseln tauchte kein Anzeichen von Nervosität auf. Dies spricht einerseits für die gut ausbalancierte Geometrie, und andererseits für eine mehr als ausreichende Rahmensteifigkeit.Auch harte Bremsmanöver wurden sauber umgesetzt, dank der guten Ergonomie des Lenkers waren die Bremshebel immer optimal in Reichweite und durch den Flare konnte man eine stabile Abfahrtsposition einnehmen.Unterm Strich bot das neue Addict RC ein sehr gelungenes und ausbalanciertes Gesamtkonzept.Manch einer mag vielleicht ein Rad mit mehr Charakter, Aggressivität, oder noch mehr Agilität. Aber wer möchte nicht ein Rennrad, dem man in allen Lebenslagen blind vertrauen kann?Die 2025er-Ausgabe von Scott's Leichtbau-Racer vermittelt genau dieses Gefühl ...
Dem Scott Addict RC Ultimate wird ausstattungsmäßig ein besonderes Schmankerl zu Teil, nämlich Schwalbes brandneue Aerothan Reifen. Sie sind noch ein gut gehütetes Geheimnis, aber einige Details durften wir dennoch bereits bei der Präsentation erfahren.Durch eine neue Konstruktion sind die Reifen an der Lauffläche kaum dicker als an der Seitenwand und versprechen dennoch guten Pannenschutz und Haltbarkeit. Jedenfalls gab es am Pressecamp mit ihnen keinen einzigen Reifendefekt - so weit, so gut.Die neuen Gummis werden allerdings nicht tubeless sein, sondern sind, wie der Name schon sagt, ausgelegt auf Schwalbes Aerothan Schläuche. Sehr wohl sind sie jedoch hookless-kompatibel.
Gegenüber einem Pro One aus gleichem Haus weisen die Aerothan Reifen eine Gewichtsersparnis von etwa 30 % auf. Das macht auch einen 29 mm breiten Reifen kaum schwerer als eine 25 mm breite Version.Der Rollwiderstand soll dank des nicht weniger als revolutionären Aufbaus sehr gering sein. Auf dem Addict war dies sehr gut spürbar, die Pneus boten ein sehr direktes Fahrgefühl und gutes Feedback vom Untergrund.In Sachen Komfort hinken die neuen dem Pro One vielleicht etwas nach, aber es war aufgrund der unterschiedlichen Laufradsätze der beiden Testmodelle schwer, einen direkten Rückschluss zu ziehen.Auch bezüglich Haltbarkeit stehen die Aerothans laut Schwalbe dem Pro One in nichts nach. Obwohl, den Prototypen in Händen gehalten, dies sehr zweifelhaft erschien, da sie im Vergleich zu normalen Reifen extrem dünn an der Lauffläche sind.Auf die Frage der Preisgestaltung gab es keine eindeutige Antwort, man muss aber wohl mit Preisen von deutlich über 100 Euro pro Reifen rechnen - bekommt dafür aber auch ein Produkt "made in USA".Im ersten Quartal 2025 soll es weitere Infos zu den neuen Gummis geben. Bis dahin können wir nur hoffen, dass diese Technologie auch bald auf Gravelreifen wandern wird ...
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