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KTM eGnition

Früher war alles anders. Nicht unbedingt besser. Aber anders. Bezogen auf das Zweirad, zum Beispiel: Da lärmte, was einen Motor hatte, und da schwitzte, wer keinen hatte.
Seit in den 90er Jahren die ersten strombetriebenen City-Bikes auftauchten, wird diese grundlegende Unterscheidung immer brüchiger. Heute ist auch fast geräuschloses Fahren trotz Motor möglich. Oder Schwitzen, obwohl künstliche Watt mithelfen. Oder aber ausdünstungsfreies Cruisen mit Highspeed. Heute gibt's E-Bikes, und die (westliche) Zivilisation hat einen neuen Trend.


Umweltminister Niki Berlakovich hat bisher rund 3.000 eBikes in Österreich gefördert und bemerkt angesichts KTMS neuester Entwicklung eGnition: "Das Potenzial der Elektro-Fahrräder ist noch lange nicht ausgeschöpft."

Ich kam zur Welt
und habe festgestellt:
Ohne Mobil
geht man sehr viel.

Geist und Esprit
versprühte ich nie.
Mein erstes Wort war E-Bike,
das zweite war "Tütü".

Die große Liebe, die ich nie vergess',
300 PS, 300 PS!
Brnn tata brnn tat,
brnn tata brnn

Franz fährt Ferrari,
Sepp BMW.
Ich nur Fahrrad,
brrn, das tut mir weh!

Hätte ich ein E-Bike,
dann wär' alles gut!
Brnn tata brnn,
Vollgas und "Tut-tut"!

 

Von innovativen Herstellern der Abteilung Stadtrad enthoben und von der Politik finanziell gefördert, erlebt die einstige "mobile Gehhilfe für Senioren" seit zwei, drei Jahren einen Boom, von dem die Fahrradindustrie insgesamt nur träumen kann. Ohne mit der Wimper zu zucken, blättern Kunden, die bis dato keine 500 Euro für ein Rad ausgegeben hätten, plötzlich ein, zwei Tausender auf den Tisch. Und ohne lange zu diskutieren, verlängern Landesregierungen ihre Fördermaßnahmen über jedes Budgetdefizit hinaus.

Vieles an diesem Trend ist kritisierenswert. Angefangen von der Frage, warum es das schnöde, ungleich umweltfreundlichere stromlose Fahrrad nie zu solch politischer Unterstützung gebracht hat über die Diskussion, inwieweit mäßig sportliche Menschen wirklich angehalten werden sollen, mit Low-end-bestückten Bikes per Knopfdruck in alpines oder zumindest unbefestigtes Gelände vorzudringen bis hin zu Fragen der Logistik, Infrastruktur oder tatsächlichen Nachhaltigkeit.
Vieles an diesem Trend ist aber auch faszinierend. Es reicht, den verzückt aufjauchzenden Menschen beim Testfahren am Rathausplatzfestival zuzusehen, um zu verstehen: E-Bikes bringen ein Maß an Fun, Spieltrieb und freudigem Staunen in den beliebtesten Breitensport der Österreicher, den stromloses Radfahren vielen potenziellen Stramplern nicht zu bieten fähig ist. E-Bikes erweitern den Bewegungsradius vor allem älterer oder unfitterer Menschen enorm und ermöglichen gemeinsame Aktivitäten, wo Leistungs- oder Altersunterschiede diese bislang vereitelten oder zumindest trübten. Und E-Biken ist, nachdem die Fortbewegung prinzipiell und per definitionem an das Treten gebunden bleibt, nicht weniger gesund als Radfahren auf stromlosen Pendants, was die Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System, den Stoffwechsel u.ä. anbelangt.

So weit, so bekannt. Offen ist die Frage, wohin der Trend zur E-Mobilität noch führen wird. Einen ersten Ausblick - oder besser gesagt: Einblick in den Status quo - gab vergangene Woche E-Bike-Spezialist KTM. Der Pionier in Sachen Pedelecs mit aktuell 20 Pedal Electric Cycle-Modellen im Angebot präsentierte den bereits bei der Eurobike vielbestaunten Prototypen eGnition in Serienreife, und ein fahrbares Strom-Fully unter 20 kg obendrein.

Herr Onkel Doktor, verschreib'n sie mir Express,
300 PS, 300 PS!

E-Bike!
Brnn tata brnn,
300 PS!
Fahren!

Die Eckdaten des motorisierten Downhillers, mit dem KTM eine neue Klasse namens eSUC (eSportiveUtilityCycle) definieren will:

  • 48V Harmonic Chain Drive Motor von Clean Mobile
  • 1.200 Watt Maximalleistung, 150 Nm Drehmoment
  • Lithium Ionen Akku, 480 Wh
  • Einsatzbereich: auf nicht öffentlichen Straßen
  • limitierte Stückzahl von 88, erhältlich ab ca. Oktober 2011
  • erste öffentliche Testmöglichkeit: Bike Expo München, 21.-24.7.2011
  • Preis: € 8.888,-

Spezifikationen eGnition/lim88

RahmenAlu 4-GelenkerBremsen Magura MT-4, 203 mm vo./hi.
Größe17"/43 cmNabenDT Swiss 340/Rohloff Speedhub 500/14 TS
Oberrohr580 mmFelgenSyncros DS32
Kettenstrebe 443 mmReifenSchwalbe Big Betty DH Evo-Line, 2,4"
Lenk-/Sitzwinkel68,5/72 ° (65,5 real)LenkerSyncros FR20 Riser, 710 mm
GabelRockShox Domain RC Coil, 180 mm; Motion Control IS, ext. rebound, ls compr., floodgate fixed&highVorbauSyncros FR50 1,5
DämpferFox DHX RC2, 180 mm; coil-spring preload, rebound, ls compresssionSteuersatzVP-097A Onepointfive
Steuerrohr1.5", 20 mm SteckachseSattelVelo VL2148
SchaltungRohloff Twistshifter 14sSattelstützeSyncros FR D
Kurbel  FSA Metropol 42Z., 170 mmGewicht (o.P.)33 kg 

Die Eindrücke von Testfahrer Rich:Art

Weltneuheit, Studie, Erstauflage zum limitierten Kauf - wie immer KTM das nunmehr fahrbare eGnition auch tituliert - für den ersten Eindruck fehlen die Worte. Der Kaufpreis knapp unter 9.000 Euro, das Gewicht deutlich über 30 kg - die Zielgruppe für das martialisch designte Pedelec mit Downhiller-Qualitäten muss wohl erst gefunden werden. Angeblich sind drei Modelle bereits an wohlhabende Scheichs im arabischen Raum verkauft, sozusagen als Würdigung des mutigen Schrittes, den KTM gemeinsam mit Motoren-Hersteller Clean Mobile setzt. Auf jeden Fall bringt sich KTM mit dem eGnition erneut als E-Bike-Pionier ins Gespräch.

Der erste Fahreindruck war - trotz des nicht ganz repräsentativen Geländes - gut. Der tiefe Schwerpunkt des Motors, nahe der FSA-Kurbel in einem Kunststoff-Bugspitz verbaut, schafft extrem viel Vertrauen in Kurvenfahrten. Auch reißt der 30-kg-Plus-Bolide mit seinen bis zu 2 PS Leistungsunterstützung mächtig an. Das garantiert einen hohen Funfaktor und reduziert die (an sich ebenfalls beachtlichen) vier Unterstützungsstufen der anderen KTM-Modelle zu Kindereien. Umgekehrt ist das schnelle Lupfen des Vorderrades oder das mühelose Springen über Wurzeln aufgrund des Gewichts eher etwas für die Schwarzeneggers unter uns. Das eGnition bügelt lieber.
Drei Assistenz-Stufen sorgen für die gewünschte Watt-Unterstützung, geschaltet wird per Grip-Shift mit Rohloff - die Bedienung ist in beiden Fällen kinderleicht.
Etwas haarig ist die Abstimmung: Es gibt nämlich zwei Anlenkungspunkte bei der Schwinge. Je nach Positionen des Drehpunktes ändert sich die Kinematik, ergo Performance des Hinterbaus. Beim Testrad waren die Harmonien diesbezüglich nicht ganz stimmig, davon abgesehen, dass Gabel und Dämpfer ebenfalls noch jede Menge Feintuning zulassen, aber auch verlangen. Clean Mobile verspricht allerdings, dass im Falle eines Kaufes die Abstimmung in Zusammenarbeit mit dem Händler speziell für den Käufer optimiert werden soll. Sogar eine eigene Software zur individuellen Abstimmung des Setups - möglicherweise sogar als iPhone-App - ist im Gespräch.

Fazit: Wer drüber stehen kann, von den "Echten" geächtet zu werden oder es aufgrund seiner konditionellen Mankos einfach muss, wird mit diesem sehr sportlich ausgelegtem E-Modell von KTM sicher seine Freude haben - auch abseits von Bikeparks und dder Vergangenheit angehörenden Bergauf-Schindereien. Wenn dann noch der Preis erschwinglichere Dimensionen erreicht, werden's wohl auch die Zweifler und Nörgler mal ausprobieren und davon fasziniert sein.
Bis dahin darf sich eher der sanfte Tourismus und der Berufsverkehr des Themas annehmen - wenn auch in Form gängigerer Pedelecs wie dem ebenfalls präsentierten eLycan (120-mm-Fully, 19 kg, Bionx PL250-HT 48V Superlight-Motor, Bionx Lithium-Mangan-Akku 48V, 317 Wh, Preis: 3.499,-).

DT Swiss M210

Spezifikationen eLycan

RahmenAlu 6061 T6 triplebutted 4-Gelenker, PDS-2Bremsen Tektro Auriga Comp, 180 mm vo./hi.
Größen38/43/48/53 cmNabenShimano Deore XT/ Nabenmotor BionX PL250-HT
Oberrohr604 mmFelgenRyde Taurus Disc
Kettenstrebe 432 mmReifenSchwalbe Racing Ralph, 2,25"
Radstand
1098 mmLenkerRitchey Comp Riser, 620 mm
Lenk-/Sitzwinkel70/73 °VorbauRitchey Comp 6°
GabelRockShox Reba RL, 120 mmSteuersatz

Ritchey Comp A-Head

DämpferDT Swiss M210SattelSelle Italia XR Flow light
SchaltungShimao Deore XT Rapidfire/SunRace MFE909, Freilaufzahnkranz 9-fachSattelstützeRitchey Comp
Kurbel  Shimano Deore XTGewicht (o.P.)19 kg

Jetzt hab ich ein E-Bike,
dafür hab ich gelebt.
Ich lass' den Motor gurgeln,
auf dass die Erde bebt.

Die Reifen müssen qualmen wie heißer Leberkäs',
300 PS, 300 PS!

Brnn tata brnn tat,
brnn tata brnn.

Ich brauch' keine Wohnung,
ich schlaf in der Garage'.
Wo ich am Abend niemals mich,
doch stets mein E-Bike wasch'!

Dann küss ich meine Reifen,
halt sie fest, bis in der Früh'!
1 ½ Atü, 1 ½ Atü!

Facts & Figures

Zum Abschluss noch ein paar interessante Zahlen und Fakten zum Thema E-Bikes, zusammengetragen von KTM:

  • eine komplette Batterieladung eines durchschnittlichen KTM eBike kostet 7 Cent (380 Wh, Strompreis 0,182 Euro/kWh) und reicht ca. 50 km. 50 Kilometer Pedelec-Fahren entspricht damit in etwa dem Energieaufwand von 15 min. Bügeln.
  • Durchschnittlich fahren die Österreicher lt. VCÖ 350 km/Jahr/Person mit dem Rad. Würden alle nur mehr Pedelec fahren, ergäbe dies einen rechnerischen Energie-Mehr-Bedarf von knapp 3kWH/Jahr/Person. Im Durchschnitt verbraucht ein Österreicher ca. 2.000 kWh Energie/Strom pro Jahr.
  • Bei einem Pedelec sind Stromkosten von ca. 0,14 Cent pro Kilometer anzusetzen. Bei einem Auto Benzinkosten von ca. 0,10 Euro pro Kilometer (Benzin-Preis 1,30/Liter)
  • Die CO2-Emmissionen pro Kilometer für ein KTM Pedelec liegen bei ca. 3,43 Gramm. Ein Auto emittiert zwischen 137 und 241 g CO2/Kilometer
  • Jährlich werden in Österreich lt. VCÖ 73,3 Mrd. Auto-Kilometer und 3 Mrd. Fahrrad-Kilometer zurückgelegt. Gemäß einer Studie führen Pedelecs zu einer Verdreifachung der Jahres-Rad-Kilometer-Leistung und Einsparung der Auto-Personen-Kilometer von bis zu 20%. Macht im Idealfall 1.500 Tonnen weniger CO2-Emmissionen pro Jahr.
  • Eine skandinavische Langzeitstudie besagt, dass Pedelec-Fahren die Gesellschaftskosten im Gesundheitswesen pro Jahr und Person um bis zu 3.000 Euro senken kann. Das Brustkrebsrisiko von Frauen soll sich durch täglich 30 min. Pedelec-Fahren um 30% senken, Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Adipositas können durch regelmäßiges (tägliches) Pedelec-Fahren abgeschwächt bzw. sogar vermieden werden.
  • Die mit dem Pedelec zurückgelegten Wege im Alltag sind im Schnitt 7 km lang, wobei 50% aller Strecken bis zu 4 km lang sind. Nur 12,5% aller zurückgelegten Strecken sind länger als 13 km
  • Im Zuge höherer Reichweiten (bis zu 100 km), neuer Technologien (z.B. 15% Rückladung von BionX) und Schnell-Ladesystemen (1 km Reichweite = 2 min. Ladezeit) werden Ladestationen künftig seltener benötigt

Ergebnis 1 bis 7 von 7
  1. #1
    früher mal Weltmeisterin Avatar von NoMan
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    Apr 2002
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    Wien Süd, gelegentlich Bad Hall (OÖ)
    Beiträge
    1.922

    KTM eGnition

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  2. #2
    the slacker fka markusk Avatar von NoGrain
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    genau es richtige fürn werner

  3. #3
    25Jahre Radsport Nussdorf Avatar von Donau Fritzi
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    Wien
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    253
    Habe das Vergnügen gehabt mit dem Superding zu fahren.
    Erster Eindruck WAFFENSCHEINPFLICHTIG :-)

  4. #4
    Gymbo Avatar von JIMMY
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    Zitat Zitat von Donau Fritzi Beitrag anzeigen
    Habe das Vergnügen gehabt mit dem Superding zu fahren.
    Erster Eindruck WAFFENSCHEINPFLICHTIG :-)
    ..somit is das teil auf 100 kg > geeicht,oder ?

  5. #5

  6. #6
    ...make the logo biggga.. Avatar von Joey
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    2.588
    sitzt man mit dem teil an steilstufen nicht gnadenlos auf?

  7. #7
    Registrierter Benutzer Avatar von mw01
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    Des geht anfoch nur am ursprünglichen Sinn komplett vorbei und sollt eher in 1000PS.at präsentiert werden.
    Wos fürn unterschied machts, ob a Elektromotor oder a Verbrennungsmotor als Hilfe am Bike verbaut is?
    Außer das's weniger Lärm verursacht und kane lokalen Emmisionen freigsetzt werden.
    Dafür fällt ober wieder problematischer Sondermüll durch die Batterien, die zur Zeit net lang halten, an.
    Sehr ökologisch diese Art von (KRAFT)fahrradfahren.
    Geändert von mw01 (13-06-2011 um 15:31 Uhr)