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YT Izzo Uncaged 7 im Test

YT Izzo Uncaged 7 im Test

03.10.22 04:53 2.102Text: Erwin HaidenFotos: Michael Meindl (Action), Erwin Haiden (Studio)Bunt, agil, aufgekratzt und aufgebrezelt zeigt das YT Izzo Uncaged, was ein modernes Allmountain alles kann und gibt sich dabei am Trail bergauf wie bergab nicht die geringste Blöße.03.10.22 04:53 2.348

YT Izzo Uncaged 7 im Test

03.10.22 04:53 2.3481 Kommentare Erwin Haiden Michael Meindl (Action), Erwin Haiden (Studio)Bunt, agil, aufgekratzt und aufgebrezelt zeigt das YT Izzo Uncaged, was ein modernes Allmountain alles kann und gibt sich dabei am Trail bergauf wie bergab nicht die geringste Blöße.03.10.22 04:53 2.348

Was für Bike! Da ist es wieder, dieses Gefühl, vom ersten Meter an gefesselt zu sein - samt der Dynamik, die sich daraus ergibt. Ähnlich, wie es mir zuletzt mit meinem privaten Enduro erging, fühlt es sich am YT Izzo Uncaged 7 an: Das Bike passt zu mir wie der Deckel auf den Topf.
Nicht zu viel Federweg, aber trotzdem so potent, dass man vor keinem Ausflug in den Bikepark oder ins etwas gröbere Gelände zögern muss. Zwar ist das Uncaged das limitierte Topmodell, das ausstattungstechnisch alle Stückerl spielt. Doch die Gene und viele Features gibt's auch schon in den günstigeren Core-Modellen.
Dank moderner Geometrie und ebensolchen Komponenten machen mit dem YT Touren in unterschiedlichsten Bereichen, vom XC über Forststraßen-Marathon bis zur Bikepark-Jumpline, Spaß. Auf den Burgenland Trails zeigte sich, wie viel Potenzial bergauf wie bergab im Izzo steckt. Aber mehr dazu nach den technischen Daten.

 One Bike to rule them all 

vom XC zum Light-Enduro

Das Izzo Uncaged 7 glänzt in unserem Studio in grellem Gelb und mit den edelsten Teilen, die YT hier verbaut hat. Dazu zählen neben den leichten DT Swiss XCR 1200 Carbon-Laufrädern auch entsprechendes, via Remote-Hebel sperrbares Material von Rock Shox und dazu Srams AXS funk-ferngesteuerte 12-fach Gruppe samt versenkbarer Sattelstütze.
Der Rahmen selbst ist hochwertig verarbeitet, beim Topmodell in leichterem UM-Carbon, bei den günstigeren Modellen in Hybrid-Carbon/Alu. Er bietet neben der integrierten Zugführung auch doppelt gedichtete Industrielager und integrierte Steuersatz-Lagerschalen für optimale Haltbarkeit. Am Unterrohr sorgt eine Folie für zusätzlichen Schutz, an der Kettenstrebe verhindern relativ dicke Gummi-Protektoren Klappern und böse Lackschäden.

Speziell am Izzo ist auch der integrierte Flaschenhalter von Fidlock, an dem große (835 ml) und kleine (600 ml) Thirstmaster-Flaschen per Magnet einklicken. Optional lassen sich natürlich auch konventionelle Flaschenhalter montieren.
Als weitere Funktion gibt es einen Flip Chip, mit dem sich das Fahrwerk in High- und Low-Position fahren lässt. Lenk- und Sitzwinkel variieren dabei um 0,5°, die genauen Daten findet ihr in der Geo-Tabelle.

Tech Specs

Rahmen: Carbon mit interner Kabelführung, Laser-Gelb Kassette: Sram XG 1295 Eagle 10-52 | 12-fach
Größen: S/M/L/XL/XXL Reifen: Maxxis Rekon Race, 29" x 2,4 | EXO Karkasse | TLR
Laufräder: DT Swiss XCR 1200 Spline Carbon 29", 110 x 15 mm vorne, 148 x 12 mm hinten, XD Freilauf Steuersatz: Acros AZX 596 Block Lock (S-M) | AZX 576 (L-XXL)
Gabel: Rockshox SID Ultimate 29", 120 mm Federweg Vorbau: Race Face Turbine R 35 50 mm (S-M) | 60 mm (L-XXL)
Dämpfer: Rockshox SID Luxe Ultimate, 120 mm Federweg DebonAIR Griffe: Sram Twistloc Full Sprint
Kurbel: Sram XX1 Eagle 170 mm (S) | 175 mm (M-XXL), 32T | Dub Sattel: SDG Bel Air 3.0
Lenker: Race Face Next SL 35 | 740 mm | 10 mm Rise | 8° Back Sweep | 5° Up Sweep Sattelstütze: Sram Reverb AXS 100 mm (S) | 125 mm (M) | 150 mm (L) | 170 mm (XL-XXL)
Bremse vorne: Sram G2 Ultimate 180 mm Scheibe Bremse hinten: Sram G2 Ultimate 160 mm Scheibe
Schalthebel: Sram AXS Controller Gewicht: 11,69 kg (BB-Messung, Large ohne Pedale)
Schaltwerk: Sram XX1 Eagle AXS 12 fach Preis: € 6.999,- UVP

An den Techspecs könnt ihr schon erahnen, dass YT in die Vollen gegangen ist, was die Ausstattung angeht. Die Uncaged Modelle sind sozusagen das Aushängeschild von "Young Talent” und verbauen in limitierter Serie nicht nur alles, was gut und teuer ist, sondern vor allem auch in der Gesamtkomposition Sinn macht. Denn wie wir wissen, ist Leichtbau nicht alles, wenn darunter die Fahreigenschaften leiden. Immer wieder finden sich auf Bikes einzelne Komponenten, die dann als schwächstes Glied in der Kette die Fahreindrücke trüben - nicht so beim YT Izzo Uncaged 7.

So finden auf den soliden Carbon-Laufrädern von DT Swiss auch die passenden und potenten Maxxis Rekon Race Reifen in 2,4 einen Platz; so sorgt das 35 mm Cockpit von Race Face für solide Steifigkeit am Lenker; und das nötige Blingbling und Wow garantieren die AXS-Teile von Sram.

Was die Geometrie angeht, trifft YT bei mir voll ins Schwarze. Das Izzo ist mit 475 mm Reach in Large relativ lang und mit 66,5° Lenkwinkel in der Low-Fahrwerksoosition auch entsprechend flach.
Das sind die idealen Zutaten für ein ordentliches Trailbike. Dabei ist das Gesamtgewicht von knapp 11,7 kg auf unserer Waage absolut uphill- und renntauglich.

Geometrie

Größe S M L XL XXL
Sitzrohrlänge (mm) 400 mm 425 mm 450 mm 475 mm 500 mm
Steuerrohrlänge (mm) 95 mm 105 mm 115 mm 130 mm 140 mm
Oberrohrlänge (mm) 565 mm 590 mm 615 mm 640 mm 665 mm
Kettenstrebenlänge (mm) 432 mm 432 mm 432 mm 437 mm 437 mm
Lenkwinkel 66,5° / 66,9° 66,5° / 66,9° 66,5° / 66,9° 66,5° / 66,9° 66,5° / 66,9°
Sitzwinkel (Eff.) 77,5° / 77,9° 77,5° / 77,9° 77,5° / 77,9° 77,5° / 77,9° 77,5° / 77,9°
Stack (mm) 601 mm 610 mm 619 mm 633 mm 642 mm
Reach (mm) 432 mm 454 mm 475 mm 495 mm 517 mm
Radstand 1155 mm 1180 mm 1206 mm 1237 mm 1262 mm
BB Drop 42 / 37 mm 42 / 37 mm 42 / 37 mm 42 / 37 mm 42 / 37 mm
BB Höhe 332 / 337 mm 332 / 337 mm 332 / 337 mm 332 / 337 mm 332 / 337 mm
Standover Height 732 mm 725 mm 719 mm 714 mm 732 mm

Genau das ist für mich aktuell das Faszinierendste und die spannendste Entwicklung an modernen AM-Bikes wie dem Izzo: dass man damit im einen Moment die mehr als 100 km lange Salzkammergut Trophy bezwingen oder tausend Höhenmeter am Stück bergauf fahren kann, um im nächsten Moment bergab über grobe Fels- und Wurzelteppiche zu rocken oder den einen oder anderen Drop zu meistern - und als Amateur beides, ohne dabei grobe Abstriche machen zu müssen.

Einrollen

Wie immer vor dem ersten Start geht’s ans Setup. Dafür bietet YT eine wirklich feine Seite an, auf der sich schnell und einfach ein solides Grundsetup (Luftdruck, Sag + Zugstufen-Einstellung) finden lässt:Für den Fidlock Flaschenhalter sollte man immer die passende Flasche im Gepäck haben und vor der ersten Ausfahrt empfiehlt es sich, mit der Sram XX1 Eagle AXS vertraut zu werden.
Die Funktion des Controllers an der rechten Hand lässt sich nämlich per App und Bluetooth-Verbindung programmieren und ist je nach Setup und “Macht der Gewohnheit” mehr oder weniger intuitiv in ihrem Schaltverhalten. Aber wie gesagt, per App ist’s keine große Sache, das einzustellen und die Ergonomie des Controllers ist sehr gut.
  • Setup-Empfehlung für mein Gewicht und den Rock Shox DämpferSetup-Empfehlung für mein Gewicht und den Rock Shox DämpferSetup-Empfehlung für mein Gewicht und den Rock Shox Dämpfer
    Setup-Empfehlung für mein Gewicht und den Rock Shox Dämpfer
    Setup-Empfehlung für mein Gewicht und den Rock Shox Dämpfer
  • die Empfehlung von YT dient mir als initiale Fahrwerks-Einstellungdie Empfehlung von YT dient mir als initiale Fahrwerks-Einstellungdie Empfehlung von YT dient mir als initiale Fahrwerks-Einstellung
    die Empfehlung von YT dient mir als initiale Fahrwerks-Einstellung
    die Empfehlung von YT dient mir als initiale Fahrwerks-Einstellung

Am Trail bergauf

Die etwas mehr als 2 x 500 Hm am Geschriebenstein vergingen am YT wie im Flug, was bei dem Gewicht kein Wunder ist. In meinem Alter jedoch genauso wichtig, gab's keine Anzeichen für Rücken-, Knie- oder sonstige Schmerzen.
So subjektiv mein Uphill-Fahrerlebnis ist, so spricht es für mich doch dafür, dass geometrietechnisch auch bergauf alles halbwegs im Lot ist. Der Eindruck verstärkt sich dann spätestens in den ersten steilen Bergauf-Grenzerfahrungen am Heimtrail des Größenbergs, oder in den engen Singletrail-Kehren im Burgenland, wenn das Vorderrad bleibt, wo es sein soll, das Heck ordentlich Grip hat und auch im Wiegetritt nichts zu sehr absackt.

Der Doppel-Lockout ist für mich ein Luxus-Feature, das im Renneinsatz zweifelsohne seine Berechtigung hat. Im Freizeitbereich, in dem ich mich bewege, würde ich allerdings ein Zweikabel-AXS-Cockpit bevorzugen und dafür auf den Remote-Lockout verzichten - rein der Optik wegen.
Einmal gesperrt, fährt sich das Izzo knackig, direkt und steif wie ein Hardtail.

Dank der ausgezeichneten, universellen Geometrie, der sportlichen und dennoch angenehmen Sitzposition und des relativ geringen Gewichts wäre das Izzo für mich eine top Wahl für die Salzkammergut-Trophy Langdistanzen oder z.B. auch eine Transalp-Überquerung.

Am Trail bergab

Nachdem YT das Izzo in der eigenen Range eher uphill-lastig einordnet, war ich doch ein wenig überrascht, wie arg sich das Teil bergab bewegen lässt. Kurz zuvor noch am fetten e-Enduro auf den neuen Burgenland Trails unterwegs, hatte ich am YT Izzo plötzlich das Gefühl, komplett entfesselt zu sein. Wo man am eMTB mit 25 km/h auf den flachen Trails eine Art Schallmauer erreicht, fängt der Spaß auf dem Izzo erst richtig an.
Klick, klick, klick, so rasten die nächsten Gänge dank AXS mühelos ein, und jede Pedalumdrehung sorgt für noch mehr Speed. Das Izzo fliegt richtig durch die schnellen Anlieger und Kurven, und die schnellen Lastwechsel durch Schikanen, über Kuppen und durch kleine Gräben machen so mächtig Spaß.

Sowohl Druck am Vorderrad als auch das direkte und quirlige Fahrgefühl, wenn man doch mal ein wenig springen will oder das Teil um eine Spitzkehre treibt, geben eine Menge Sicherheit auf einer großen Bandbreite an Trails.
Je nach Untergrund würde ich die Reifen mal schneller oder mal gröber wählen.

So hätte ich z.B. auf den Wexl-Trails von der Jumpline bis zum Singletrail und sogar der Downhill-Strecke (bis auf den Drop und bei moderater Fahrweise) keine Bedenken, das Izzo zu rocken.
Einzig bei wirklich gröberen Sprüngen, Drops, Fels- oder Wurzelpassagen kommt das Bike nicht zuletzt durchs leichte Fahrwerk und die serienmäßig verbauten Reifen und die Bremsen ans Limit. Apropos Bremsen:

Wünschdirwas

An die relativ sanfte Modulation der Sram G2 muss man sich gewöhnen. Wenn man Bremsen mit hartem Druckpunkt und ebensolchem Anker gewohnt ist, muss man sich auf die ziemlich sanfte Sram G2 erst einstellen. Abgesehen davon, kamen sie aber mit den ca. 85 kg Gesamtgewicht gut zurecht.

Sonst gibt's da wenig, was ich am Izzo Uncaged 7 ändern würde. Am ehesten könnte ich noch auf die elektronischen Komponenten verzichten, die zwar einwandfrei funktionieren, aber wo nach längerem Aufenthalt im Keller immer ein gewisses Restrisiko bleibt, im falschen Moment mit leerem Akku dazustehen.
Für diverse Programmierarbeiten an der Funktionalität sollte man immer wissen, welcher Knopf wie lange zu drücken ist um z.B. ein verbogenes Schaltauge behelfsmäßig zu korrigieren oder sich per App am Handy zu verbinden.

Der Fidlock Flaschenhalter ist edel und klickt super ein, allerdings ist zu bedenken, dass man immer die richtige Flasche mit dabei haben sollte.
Der letzte Punkt betrifft eher mein persönliches Fahrprofil, für das ich den Lockout zugunsten der Einfachheit und Optik am Lenker opfern würde. Als jemand, der bergauf nicht um die letzten Zehntelsekunde kämpft, hatte ich am Izzo auch im Wiegetritt nie das Gefühl, das Fahrwerk komplett sperren zu müssen.

Einsatzbereiche

Eignung Eigenschaften
Trails, Trails bergauf, Trails bergab, Trails überall Ein Trailbike gehört auf die Trails und das in ihren unterschiedlichsten Ausprägungen, ... Anlieger, Wurzeln, Felsen, staubige Singletrails, gatschige Rinnen, kleine Drops und nette Sprünge, Querfahrten, knackige Gegenanstige - all das sehe ich vor meinem Izzo-Auge
Touren Ein relativ leichtes, aber so potentes Bike kann auf langen Touren kaum etwas überraschen. Sofern die Tour im Gelände stattfindet, setzen dem Abenteuer nur das eigene Fahrkönnen und die AXS-Akkureichweite Grenzen
Marathon-Einsatz Mit Lockout und einem Gewicht von knapp 11,7 kg ist das Izzo auch für diesen Einsatz eine solide Wahl. Die Reserven, die das Bike bergab bietet, werden sich entweder in entsprechend schnellen Downhill-Zeiten oder entspannender (und damit ebenfalls zeitsparender) Sicherheit widerspiegeln.
Bikepark Auf den meisten Strecken im Bikepark wird man am Izzo sehr viel Spaß haben, selbst in sehr steilem Gelände. Je ruppiger, rauer und verblockter es wird, desto gezielter muss man ob des limitierten Federwegs auf seine Linie achten.
XC-Strecke Das Izzo ist vielleicht nicht die radikalste auf Gewicht getrimmte XC-Feder, aber in jedem Fall eine der universellsten.
Downhill-Strecke Irgendwann geht auch der progressivste Federweg zur Neige und dann ist es Zeit für noch mehr Enduro ...

Fazit

YT Izzo Uncaged 7
Modelljahr: 2022
Testdauer: 2 Monate / 300 km
Preis: € 6.999,- UVP
+ Universeller geht's kaum
+ Scharfe Optik
+ Solides Fahrwerk
+ Feedback am Cockpit
+ Top Verarbeitung
o Sanfte Bremse
o AXS Schaltung muss man mögen
BB-Urteil: Oh Yes, Izzo Mia!

Das Izzo ist, wie schon eingangs erwähnt, eines dieser Bikes, die mich vom ersten Moment an in ihren Bann gezogen haben - und das nicht nur optisch und haptisch. Ich liebe diese universellen Teile, mit denen man von der Transalp-Überquerung und dem Marathon bis zum Bikepark und sehr technischen Trails einfach alles fahren kann - und zwar nicht nur irgendwie, sondern auch souverän und mit viel Spaß dabei.
Das liegt beim YT zum einen an der Wahl der Komponenten, im Speziellen die Felgen-Reifen-Kombi und der Lenker-Vorbau-Einheit; zum anderen und natürlich noch viel mehr an der Geometrie, dem Rahmen und dessen Kinematik. Es ist schon was Besonderes, wenn 120 mm Federweg auch auf schwierigen Trails ordentlich Sicherheit geben, und man Sekunden später mit einem Dreh am Lockout das Gefühl hat, auf einem Race-Hardtail zu sitzen.

So ist das YT Izzo Uncaged 7 ein super Beispiel dafür, was mit modernen Bikes und ebensolcher Geometrie bergauf wie bergab alles möglich ist, ohne dabei große Abstriche machen zu müssen.
Ich persönlich würde vermutlich eher zu den analogen und dadurch auch günstigeren Core-Modellen greifen. Aber grundsätzlich wäre das Izzo auf meiner Einbikefüralles-Liste ein ganz heißer Kandidat für einen Stockerlplatz.


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