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Trotz groß dimensionierter Scheiben bleibt der Kampf gegen verglasende Beläge aussichtslos? Trotz penibler Ausrichtung der Sättel und an ihrer Unterseite schräg angeschliffenen Belägen rauben die unerlässlich quietschenden Bremsen Fahrer und Begleitung den letzten Nerv? Zugegeben, ersteres Problem ließe sich eventuell auch per Fahrtechnik-Training mit Schwerpunkt Bremstechnik beseitigen. Den Einfluss der Beläge auf das Gesamtsystem Bremse sollte man aber trotzdem nicht unterschätzen.Die Auswahl an Herstellern und Modellen ist groß, am Ende des Tages bleiben sie sich im Kern aber allesamt recht ähnlich. Die Hauptakteure, wenn man so möchte, sind Varianten mit gesinterten (auch metallisch), semi-metallernen oder organischen Belägen. Seit einiger Zeit drängen auch in ihrer Wirksamkeit mehr oder weniger belegte Versionen mit Kühlrippen auf den Markt.Zulieferer Contec deckt so gut wie das gesamte Sortiment für diverse Bremsmodelle gängiger Hersteller ab. Darum waren die Beläge der Deutschen die idealen Fotomodelle für diese Story.
Egal welche Variante, die Grundidee ist immer die selbe: Die Hersteller mixen ihre Rezeptur aus pulverisierten Ingredienzen mit Additiven und irgendeiner Form von Harz und pressen diese Mischung dann unter großer Hitze und hohem Druck als Belag auf eine Trägerplatte. Was den Unterschied im Bremsverhalten und in den Eigenschaften tatsächlich ausmacht, ist die Zusammensetzung dieses Belagsmaterials.
Auch als "Metallische" oder "metallic" bekannt, bestehen Sinter Beläge zu großen Teilen aus gehärteten metallischen Partikeln von Kupfer, Stahl oder Eisen.Die Vorteile der gesinterten Beläge liegen in einer höheren Temperaturbeständigkeit und damit verbunden einem später einsetzenden Bremsfading in langen Abfahrten. Sie sind ob ihrer höheren Festigkeit ihren organischen Counterparts auch unter widrigen Bedingungen, bei Schlamm und Nässe, überlegen und zeigen im direkten Vergleich deutlich weniger Verschleiß. Sie erfordern eine etwas längere Einbremsphase und etwas Temperatur, um ihre volle Leistung abzurufen. Dafür setzen die harten Beläge auch den Bremsscheiben stärker zu.Die Sinter Beläge machen vor allem dann Sinn, wenn häufig und stark gebremst wird. Bikeparks, lange und steile Alpenabfahrten, aber auch schwere (oder schwer bepackte) Fahrer in gemäßigtem Gelände kommen in Frage. Auch für pummelige E-Bikes, Höhenmeter-Sammler und Sparfüchse sind sie eine gute Wahl.Zu bedenken gilt es die potenziell höhere Geräuschentwicklung und das verminderte "Kaltbremsverhalten".
Organische Beläge, auch als "Resin" bezeichnet, bestehen aus organischem Material, welches durch spezielles Harz verbunden wird. Wer jetzt an pflanzliche Öko-Produkte denkt, ist aber auf dem Holzweg. Vielmehr bezieht sich "organisch" auf nicht-metallische Additive wie Gummi, Glas, Carbon oder auch Kevlar.Vorteile der "weichen" Pads sind eine verkürzte Einbremsphase, exzellente Performance bei "kalten" Bremsen sowie eine geringere Geräuschentwicklung. "Quietschende" Bremsen lassen sich oft mit organischen Belägen beruhigen. Dafür "bezahlt" man mit höherem Verschleiß der Beläge und geringerer Hitzebeständigkeit. Doch auch diese Medaille hat zwei Seiten. Denn während organische Beläge je nach Zusammensetzung teils deutlich schneller durch sind als ihre gesinterten Kumpanen, sind sie umgekehrt auch deutlich sanfter zu den Bremsscheiben. Im direkten Vergleich verlieren organische Beläge unter hohen Temperaturen auch schneller an Bissigkeit, sind also weniger "standfest", und neigen zu Fading.Die organischen Beläge sind vor allem für hügelige Gegenden ohne lange und steile Abfahrten oder auch als Allrounder für leichte Fahrer ideal. Auch wer von seiner Bremse viel Gefühl einfordert, kann vor allem am Vorderrad von organischen Belägen profitieren. Denn damit steht die Bremse in jeder kurzen Zwischenabfahrt bereits ab dem ersten Meter voll im Saft.Für Dauerbremser oder schwere Fahrer auf steilen und langen Alpenabfahrten sind sie die falsche Wahl. Die entstehenden Temperaturen lassen das Harz "ausgasen" und führen zu Fading.
Diese Beläge mischen metallische und organische Komponenten und versuchen damit, auch in der Performance am goldenen Mittelweg zwischen den beiden Standard-Belägen zu wandeln. Je nach Zusammensetzung können so die spezifischen Vor- und Nachteile stark variieren.In der Regel zeigen sie aber ein gutes Kaltbremsverhalten, weniger Verschleiß und eine höhere Temperaturbeständigkeit gegenüber rein organischen Belägen. Sie neigen aber auch eher zum Quietschen und können nicht mit der Temperaturbeständigkeit gesinterter Beläge mithalten. Passt die Zusammensetzung, sind sie tolle Allrounder.
Mit diversen technischen Hilfsmitteln versuchen Hersteller, den Bremsbelägen nochmals überlegene Eigenschaften mit auf den Weg zu geben. Meist handelt es sich dabei um Feinheiten, die wohl - wie Kettenwachs und Keramiklager - in die Kategorie der "marginal gains" fallen. Technische Spielereien für Grammfuchser und Performance-Jäger, die aber ganz bestimmt auch ihre Berechtigung haben.
Seit einigen Jahren drängen im Windschatten von Shimanos Ice-Tech Technologie mehr und mehr Bremsbeläge mit integrierten Kühlrippen auf den Markt. Die Hersteller versprechen durch die "Finnen" an den Trägerplatten der Beläge eine bessere Hitzeableitung durch größere Luftströme. Sowohl die Temperatur an den Bremsflächen als auch am Bremssattel soll dadurch reduziert werden. Resultat sollen verringertes Fading und Verglasen sein, auch der Verschleiß wird angeblich reduziert.Nur ausgewählte Hersteller wissen ihre Behauptungen aber auch tatsächlich mit Daten zu belegen, daher sollte man sich vor einem Kauf der doch etwas teureren Beläge mit der Thematik tiefer auseinandersetzen. Hersteller Contec etwa setzt bei seinen "Cool"-Belägen auf Kühlrippen und organische Beläge. Gegenüber herkömmlichen organischen Belägen will man den Verschleiß durch die Technologie um bis zu 40 % reduzieren.
Für seine Alloy+ Familie geht Contec einen etwas anderen Weg. Hier wird ein organischer Belag auf eine Trägerplatte aus leichtem Aluminium aufgetragen.Das um die Hälfte reduzierte Gewicht und der leichte, rot eloxierte Aluminium-Pin zur Befestigung locken wohl nur die konsequentesten Weightwheenies aus der Reserve. Breiter wird vermutlich die Zielgruppe jener sein, die vom behaupteten Kompromiss der Eigenschaften von organischen und gesinterten Belägen profitieren möchten. Der Hersteller verspricht die Vorteile organischer Beläge, sprich Kaltbremsverhalten, Dosierbarkeit und geringe Quietsch-Neigung, mit einer annähernd Sinter-ähnlichen Hitzebeständigkeit zu kombinieren.Technischer Hintergrund: Das Aluminum der Trägerplatte soll die Hitze schneller aus dem Belag abführen und so ein Ausgasen der Harze samt einhergehendem Fading reduzieren.
Ist man bereit ein wenig zu experimentieren, spricht auch nichts dagegen, Beläge zu mischen. Beliebt ist etwa die Kombination von großen Bremsscheiben und organischen Belägen am Vorderrad und kleineren Scheiben und Sinter Belägen am Hinterrad.Von Anfang an guten Biss am Vorderrad zu haben gibt Vertrauen, die Hinterbremse neigt in der Regel dazu, "mitgeschliffen" zu werden und bekommt darum mehr Hitze ab. Aus dem Belags-Mix verspricht sich mancher die beste Balance aus Power und Langlebigkeit.Ob mit Sinter Belag oder organischem Pendant: Macht die Bremse Geräusche, hilft es oft, die Unterkante des Belags schräg abzufeilen. Damit drücken die Kolben die Beläge über den Weg harmonischer an die Scheibe und Geräusche verschwinden mitunter aus dem System.
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