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Touren von Willy-Fred

Touren von Willy-Fred

28.03.24 08:01 918Text: PM, NoMan
Lisi Hager

nicht mehr sehr blond, immer noch blauäugig, schokosüchtiger denn je

Klicke für alle Berichte von NoMan
Fotos: Materialsammlung Peter Kammerstätter, Mitte der 1930er (Foto: Sammlung R. Zimpernik/Archiv Zeitgeschichte Museum Ebensee, Evelyn Hetzinger, Johannes Staudinger
Velodrom Linz präsentiert: Das Fahrrad als unverzichtbares Fortbewegungsmittel im Widerstand gegen den Nationalsozialismus im Salzkammergut.28.03.24 08:01 1.702

Touren von Willy-Fred

28.03.24 08:01 1.7022 Kommentare PM, NoMan
Lisi Hager

nicht mehr sehr blond, immer noch blauäugig, schokosüchtiger denn je

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Materialsammlung Peter Kammerstätter, Mitte der 1930er (Foto: Sammlung R. Zimpernik/Archiv Zeitgeschichte Museum Ebensee, Evelyn Hetzinger, Johannes Staudinger
Velodrom Linz präsentiert: Das Fahrrad als unverzichtbares Fortbewegungsmittel im Widerstand gegen den Nationalsozialismus im Salzkammergut.28.03.24 08:01 1.702

Das Salzkammergut ist 2024 bekanntlich Kulturhauptstadt Europas, insgesamt 23 Gemeinden in Oberösterreich und der Steiermark machen mit. Zahlreiche Veranstaltungen, Ausstellungen und Initiativen gehen mit diesem von der Europäischen Union alljährlich verliehenen Titel einher. So auch „Touren von Willy-Fred“, ein vom Verein Velodrom Linz auf- und umgesetztes Projekt, welches Fahrradpartisan:innen im Salzkammergut vor den Vorhang holt und deren häufig genutzte Strecken nachradelt.

Willy wer?

Im Frühling 1945 endete mit dem 2. Weltkrieg auch die Herrschaft des NS-Terrorregimes, und Österreich erlebte die Befreiung durch die alliierten Truppen. Einen wesentlichen Beitrag hierzu leisteten Frauen und Männer im Widerstand. Einzeln kämpfend oder in Gruppen organisiert, betätigten sie sich aktiv im Untergrund. Das Fahrrad war dabei vielen von ihnen ein unverzichtbarer Gehilfe: vom nützlichen Fortbewegungsmittel, um im Geheimen Nachrichten, Medikamente und Lebensmittel zu transportieren, über notwendige Rettungseinsätze, bis hin zu Fahrten in die Freiheit nach erfolgreicher Flucht.
Eine im Salzkammergut ab 1943 aktive Gruppe war Willy-Fred, benannt nach den beiden Decknamen des von dort stammenden Widerstandskämpfers Sepp Plieseis. Zuvor einzeln oder in Kleingruppen agierende Personen wurden mit der Organisation von dessen Flucht aus dem Halleiner Außenlager des Konzentrationslagers Dachau zum Kollektiv, das sich anschließend im Raum Bad Ischl regelmäßig traf.

  • Gleichgesinnte, 1940: 2.v.l.: Resi Pesendorfer, mitte: Karl
Feldhammer, re: Marianne FeldhammerGleichgesinnte, 1940: 2.v.l.: Resi Pesendorfer, mitte: Karl
Feldhammer, re: Marianne FeldhammerGleichgesinnte, 1940: 2.v.l.: Resi Pesendorfer, mitte: Karl
Feldhammer, re: Marianne Feldhammer
    Gleichgesinnte, 1940: 2.v.l.: Resi Pesendorfer, mitte: Karl
    Feldhammer, re: Marianne Feldhammer
    Gleichgesinnte, 1940: 2.v.l.: Resi Pesendorfer, mitte: Karl
    Feldhammer, re: Marianne Feldhammer
  • Die Karteikarte zu „Therese Pesendorfer“ aus der Sammlung R. Zimpernik/ Archiv
Zeitgeschichte Museum EbenseeDie Karteikarte zu „Therese Pesendorfer“ aus der Sammlung R. Zimpernik/ Archiv
Zeitgeschichte Museum EbenseeDie Karteikarte zu „Therese Pesendorfer“ aus der Sammlung R. Zimpernik/ Archiv
Zeitgeschichte Museum Ebensee
    Die Karteikarte zu „Therese Pesendorfer“ aus der Sammlung R. Zimpernik/ Archiv
    Zeitgeschichte Museum Ebensee
    Die Karteikarte zu „Therese Pesendorfer“ aus der Sammlung R. Zimpernik/ Archiv
    Zeitgeschichte Museum Ebensee

Fahrradstrecken im Widerstand

Das Projekt „Touren von Willy-Fred. Fahrradpartisan:innen im Salzkammergut“ beschreibt nun Strecken, welche von dieser Gruppe gefahren wurden – im Unterschied zu einer weiteren Initiative, die zu Fuß zurückgelegte Wege nachvollzieht.
Die dazu recherchierten Geschichten, Einzelschicksale und quer durch die gesamte Region führenden Routen wurden in Form von Text, Bildern und Geodaten in der Salzkammergut Culture App (erhältlich für iOS oder Android) zu insgesamt fünf Paketen verschmolzen. Spätestens beim Nachradeln dieser teils über 100 Kilometer langen Touren wird klar, welche Strapazen hierbei einzelne – und sehr häufig waren es, den bekannten männlichen Protagonisten und Namensgebern zum Trotz, Frauen – regelmäßig auf sich nahmen, um beispielsweise Lebensnotwendiges in die gebirgigen Verstecke zu bringen.

Die 5 Tour-Pakete

1. Tour "Wie so ein Nachtfalter” - Resi Pesendorfer
• Koordinierungstour durch Bad Ischl
• Strecke: Nachts durch Ischl
• Streckenlänge: ca. 12 km (Rundkurs)
• Gefahren Ende der 1930er bis 1945

2. Tour "Wir holen den Sepp zurück” - Resi Pesendorfer, Mali Ziegleder, Agnes Primocic,
Karl Gitzoller, Franz Stieger

• Zur Befreiung von Sepp Plieseis aus dem Nebenlager in Hallein
• Von Bad Ischl über Untersee, Bad Goisern, Gosau, Abtenau bis nach Bad
Vigaun
• Streckenlänge: ca. 84 km
• Oktober 1943 und oftmals zuvor

3. Tour "Zum Igel und weiter” - Maria Ganhör, Marianne Feldhammer, Sepp Plieseis, Alois
Straubinger, Karl Gitzoller, u.a.

• Nahrungsmitteltransport zum Versteck der Igel-Truppe
• Bad Ischl - Rettenbachalm - Bad Mitterndorf
• Streckenlänge: ca. 43 km
• 1944, 1945

4. Tour "Die große Fahrt” - Resi Pesendorfer
• Zur Unterstützung von Gefangenen in einer Villa in Litzlberg
• Von Bad Ischl nach Litzlberg und zurück über den Scharfling
• Streckenlänge: ca. 96 km• April 1945

5. Tour "Dem Hunger trotzend” - Maria Ehmer
• Geldtransport in die Solvay
• Von Gschwandt nach Ebensee
• Streckenlänge: ca. 25 km
• Oktober 1944 und oftmals zuvor

Podiumsdisskussion zum Auftakt

Präsentiert wird das Projekt im Rahmen einer Diskussionsveranstaltung am 26. April in Bad Ischl (18:00 Uhr, vgl. Flyer) mit vorheriger, geführter Tour („Wie so ein Nachfalter“ 12 km, ausgebucht).
Begleitete Touren ermöglichen es weiters auch im Juni (9.6., „Dem Hunger trotzend“, 50 km) und August (4.8., „Zum Igel und weiter“, 86 km), das Salzkammergut aus einem neuen Blickwinkel heraus kennenzulernen. Wichtig, nachdem diese Fixtermine mehrheitlich schon ausgebucht sind: Anhand der digitalen Aufbereitung ist der radelnde Zugang zur Geschichte auch jederzeit auf eigene Faust möglich.

  • Touren von Willy-Fred

Wer hat's erfunden?

Projektträger ist Velodrom Linz – Verein für Sport und Kultur. Wem das bekannt vorkommt: Ja, das ist in der Tat der Schachermayer-Partner, welcher sich u.a. um die Einführungskurse auf der hello yellow Radrennbahn in Linz kümmert.
Namentlich gehen Idee und Ausführung auf den Velodrom-Frontman Johannes Staudinger zurück. Im Zuge seiner 2018 unternommenen 5.000-km-Radtour zu 20 Radrennbahnen in Europa stieß er erstmals auf die Thematik Radfahren im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, recherchierte sodann insgesamt fünf Jahre lang und arbeitete sich dabei von prominenten Namen wie Gino Bartali aus Italien oder Nancy Wake aus Frankreich vor bis zu Resi Pesendorfer aus Bad Ischl, wesentlich am Aufbau der Gruppe Willy-Fred beteiligt.

Die geführten Touren sind mit Ausnahme des Juni-Termins bereits ausgebucht. Wer am 9.6. noch mitfahren will, einfach per E-Mail an office@velodrom-linz.at anmelden. Das Angebot ist kostenlos und mit max. sieben Teilnehmenden streng limitiert (first come, first served).
Auch der Eintritt zur Podiumsdiskussion am 26.4. ist frei – und unlimitiert, also kommet zuhauf!

  • Johannes Staudingers Touren machenJohannes Staudingers Touren machenJohannes Staudingers Touren machen
    Johannes Staudingers Touren machen
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  • Geschichte erlebbar und zeigen natürlich auch das Schöne - hier: Ausseer See.Geschichte erlebbar und zeigen natürlich auch das Schöne - hier: Ausseer See.Geschichte erlebbar und zeigen natürlich auch das Schöne - hier: Ausseer See.
    Geschichte erlebbar und zeigen natürlich auch das Schöne - hier: Ausseer See.
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Velodrom Linz präsentiert: Das Fahrrad als unverzichtbares Fortbewegungsmittel im Widerstand gegen den Nationalsozialismus im Salzkammergut.



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