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TRP Slate Evo im Test auf Conway Xyron

TRP Slate Evo im Test auf Conway Xyron

15.06.22 09:53 37Text: Erwin HaidenFotos: Erwin HaidenDie preiswerte Scheibenbremse mit 2,3 mm Rotoren wurde speziell für schwere Bike-Kombos entwickelt und verspricht damit entsprechende Standfestigkeit.15.06.22 09:53 1.451

TRP Slate Evo im Test auf Conway Xyron

15.06.22 09:53 1.4511 Kommentare Erwin Haiden Erwin HaidenDie preiswerte Scheibenbremse mit 2,3 mm Rotoren wurde speziell für schwere Bike-Kombos entwickelt und verspricht damit entsprechende Standfestigkeit.15.06.22 09:53 1.451

Nachdem wir letztes Jahr mit der TRP DH-R EVO bereits das Topmodell aus der Evo-Linie am Start hatten, erreichte uns heuer mit dem Conway Xyron S 4.9 und der TRP Slate Evo eine e-MTB Kombi der Ein- und Umsteiger-Klasse.
So ist das Conway eher auf Reichweite und Gutmütigkeit getrimmt, mit 750 Wh Powertube und einem Fahrwerk, das sehr fehlerverzeihend und wenig aggressiv ist. Die Bremsanlage aus der taiwanesischen Hightech-Schmiede TRP passt dabei sehr gut ins Gesamt-Setup. Die in unauffälligem, mattem Schwarz gehaltene Slate EVO verfügt über 2,3 mm breite Rotoren, die besonders für den Einsatz am e-MTB und den damit einhergehenden Beanspruchungen optimiert wurden.

 4 Kolben Edelstahl Bremssattel | 2,3mm dicke Bremsscheiben | extra druckstabile 5 mm Bremsleitungen | Mineralöl bis 230°C Einsatzbereich 

sorgen für stabile Verzögerung

Seit 2018 Intense Team-Fahrer Neko Mulally und kurz darauf Aaron Gwin die TRP Bremsen an ihre Bikes geschraubt haben, gibt's für die detailversessenen Entwickler bei TRP direktes Feedback aus dem Downhill-Weltcup. Das Ergebnis floss unter anderem in verbesserte, druckstabilere 5 mm Bremsleitungen ein; und auch ein komplett neues Mineralöl, das bis zu 230°C (statt der üblichen ca. 180°C) standhält, fließt durch die neuen Bremsadern.
Viel vom Knowhow und der Technik der Weltcup-Bremse TRP DH-R Evo findet auch in der Einsteiger-Bremse Slate EVO Platz, wobei die Anforderungen hier natürlich gänzlich andere sind. Bringen im Weltcup harte, kurze Bremsmanöver aus sehr hohen Geschwindigkeiten die Bremsen zum Glühen, sind auf e-Bikes die Herausforderungen oft das hohe Gesamtgewicht und lange anhaltende Brems-Aktionen.

Einer der wichtigsten Faktoren, was Standfestigkeit und Performance angeht, ist die Bremsscheibe. TRP selbst nennt Scheiben und Beläge die "unbesungenen Helden”. Ihr Zusammenspiel hat entscheidenden Einfluss nicht nur auf den Gesamt-Wirkungsgrad der Bremse sondern auch auf Vibrationen und damit einhergehende Quietschgeräusche oder Verformungen.

Mit viel Aufwand hat TRP am Fertigungsprozess des RS01E Rotor gearbeitet. Er ist aus einem Stück gehärteten Edelstahls geschnitten und bis zum optimalen Grad geschliffen, um im Zusammenspiel mit den verschiedenen Arten von TRP-Belägen für maximale Standfestigkeit und solide Verzögerung zu sorgen.
Wer schon einmal ein- und dasselbe Bike mit unterschiedlichen Scheiben-Durchmessern und verschiedenen Bremsbelägen gefahren ist, weiß, wie groß die Unterschiede sind. Conway setzt beim Xyron S 4.9 hinten wie vorne auf 203 mm Bremsscheiben und geht damit für ein e-MTB dieser Klasse in die richtige Richtung.

 Die unbesungenen Helden 

... nennt TRP die Bremsbeläge und Bremsscheiben

Die TRP Slate EVO ist optisch recht fesch für eine Bremse dieser Preisklasse, sowohl Bremshebel als auch die Bremssättel machen einen hochwertigen Eindruck. Fein auch, dass die Griffweite der Bremshebel werkzeugfrei einstellbar ist und Mineralöl verwendet wird, was die Wartung vereinfacht. Der Griff selbst liegt gut in der Hand für die Bremserei mit ein oder zwei Fingern.

Tech Specs TRP Slate Evo

Einsatzbereich: E-MTB / All Mountain / Tour
Gewicht: 291 g - ohne Bremsscheibe & Adapter
Material: Druckguss / Geschmiedetes Aluminium
Farbe: Schwarz matt
Bremssattel: 4 Kolben Edelstahl
Bremshebel: Ergonomisches Design 1-2 Finger Hebel / Alu
Griffweite: werkzeugfrei
Öl: Perfomance Mineralöl
Bremsleitung: TRP5mm
Banjo Fit: Banjo Verbindung für einfache und flexible Kabelführung
Bremsbeläge: Blau: organisch - Kupfer: metallisch (opt.)
Bremsscheiben: 2,3 mm stark
Größen 6-Loch: 180/203 mm
Größen Centerlock: 160/180/203 mm
Schaltungs-Integration: Adapter: HD3.3/I-spec II HD3.4/ I-spec EV HD4.1
Befestigungsstandard: Direct Mount
Adapter: Post Mount
Preis: € 149,90 UVP
Web: trpcycling.com

Auch der Rest der Komponentenwahl passt sehr gut zum Gesamtauftritt des Bikes. Kein fancy Bling Bling, keine exotischen Experimente und ausreichend Komfort-Reserven, angefangen beim Federweg von 150 mm bis zum ordentlich dimensionierten 750 Wh Bosch-Akku und der Wahl des Bosch CX-Systems; das gehört nicht zu den sportlichsten, aber ganz sicher zu den solidesten Motoren.
Die neue Bosch Bedieneinheit mit ihren vielen Knöpfen benötigt zu Beginn ein wenig Eingewöhnung, ist ansonsten aber auch dank des Kiox-Displays recht übersichtlich.

Mit 26,9 kg ist das Conway alles andere als ein Leichtgewicht, aber das sind die wenigsten, auch teureren Bikes in der 750 Wh-Klasse. Der Akku selbst ist gelungen ins Unterrohr integriert, klappert nicht und lässt sich dennoch einfach aus- und wieder einbauen.
Die Kabelführung vom Steuersatz weg ist schön integriert und nette Details wie der integrierte Schutz an der Kettenstrebe oder das schöne Metallic-Finish des Lacks runden den optischen Auftritt ab.

Tech Specs Conway Xyron S 4.9

Rahmen: Aluminium in turquoise metallic / darkpetrol metallic Kassette: SHIMANO CS-M5100, 11-51 Z.
Größen: S/M/L/XL Antrieb: BOSCH Gen.4 Performance CX, 36 V, 250 W
Reifen: SCHWALBE Nobby Nic, 65-622 Laufräd vorne: RODI Ready 35 mit FORMULA DC 711, 15 x 110 mm
Display: Bosch Kiox 300 Laufrad hinten: RODI Ready 35 mit FORMULA eHL-148 S, 12 x 148 mm
Gabel: FOX Performance 36 Float, 150 mm Batterie: Powertube 750 Wh
Dämpfer: FOX Float DPS 150 mm Vorbau: ERGOTEC Bass 45, 31,8 mm
Kurbel: MIRANDA Epsilon, 165 mm Sattel: FIZIK Aidon
Lenker: ERGOTEC Low Rizer, Ø 31,8, 780 mm Sattelstütze: CONTEC Drop - A - Gogo, 31,6 mm
Bremse vorne: TRP Slate Evo, 4-Kolben, 203mm Scheibe Bremse hinten: TRP Slate Evo, 4-Kolben, 203mm Scheibe
Schalthebel: SHIMANO Deore SL-M5100 Gewicht: 26,9 kg (BB-Messung)
Schaltwerk: SHIMANO Deore RD-M5100 Shadow Plus, 11speed Preis: € 4.999,95 UVP

Geometrie

Einbrems-Prozedere

Bevor es nun auf die Trails geht, befolgen wir John Halls Einbrems-Étiquette, weil’s erstens bei allen neuen Bremsen (und Belägen) Pflicht ist und zweitens und TRP für uns so schön zusammengefasst hat:

Für neue organische Beläge (Blau) an neuen Scheiben:
  • Schritt 1: Auf einen kleinen Gang schalten und im flachen Gelände ca. 5 min auf- und abfahren. Dabei beide Bremsen auf konstantem Druck halten. Wichtig: Die Bremsen sollten dabei nicht blockieren. Nach und nach werden die Bremsen bissiger.
  • Schritt 2: 5-7 Bremsmanöver von 25 km/h auf 10 km/h auf der Vorderbremse
  • Schritt 3: 5-7 Bremsmanöver von 25 km/h auf 10 km/h auf der Hinterbremse
  • Schritt 4: 3-5 Bremsmanöver von 30 km/h auf 10 km/h auf beiden Bremsen
  • Schritt 5: Ab auf den Trail!
Für neue metallische Beläge (Kupfer) an neuen Scheiben:
  • Schritt 1: Auf einen kleinen Gang schalten und im flachen Gelände ca. 5 min auf- und abfahren. Dabei beide Bremsen auf konstant leichtem Druck halten. Die Prozedur weitere 2-3 min mit höher werdendem Bremsdruck wiederholen. Wichtig: Die Bremsen sollten dabei nicht blockieren.
  • Schritt 2: 7-10 Bremsmanöver von 25 km/h auf 10 km/h auf der Vorderbremse
  • Schritt 3: 7-10 Bremsmanöver von 25 km/h auf 10 km/h auf der Hinterbremse
  • Schritt 4: 5-7 Bremsmanöver von 30 km/h auf 10 km/h auf beiden Bremsen
  • Schritt 5: Ab auf den Trail! Die Bremsen brauchen 1-2 Ausfahrten bis sie komplett eingebremst sind.
Für neue organische Beläge (Blau) an gebrauchten Scheiben:
  • Schritt 1: 3-5 Bremsmanöver von 25 km/h auf 10 km/h auf der Vorderbremse
  • Schritt 2: 3-5 Bremsmanöver von 25 km/h auf 10 km/h auf der Hinterbremse
  • Schritt 3: 1-2 Bremsmanöver von 30 km/h auf 10 km/h auf beiden Bremsen
  • Schritt 4: Ab auf den Trail!
Für neue metallische Beläge (Kupfer) an gebrauchten Scheiben:
  • Schritt 1: 7-10 Bremsmanöver von 25 km/h auf 10 km/h auf der Vorderbremse
  • Schritt 2: 7-10 Bremsmanöver von 25 km/h auf 10 km/h auf der Hinterbremse
  • Schritt 3: 5-7 Bremsmanöver von 30 km/h auf 10 km/h auf beiden Bremsen
  • Schritt 4: Ab auf den Trail! Die Bremsen brauchen 1-2 Ausfahrten bis sie komplett eingebremst sind.

 Bremsbelag Étiquette by John Hall  

Aaron Gwin's Weltcup-Mechaniker

Conway Xyron S 4.9 - am Trail

Beinahe wie im Lehrbuch folgt das Fahrverhalten am Xyron dem, was das Datenblatt vermuten lässt. Langer Radstand und Hinterbau in Kombination mit dem relativ hohen Gewicht sorgen für mächtig Laufruhe und führen zu einem unaufgeregten, entspannten und sicheren Surfen am Trail.
Das Fox-Fahrwerk arbeitet dabei passend komfortabel und bietet mit 150 mm genügend Reserven auch für Ausflüge ins grobe Gelände, die lediglich von den fürs Ruppige etwas unterdimensionierten Nobby-Nic Reifen ausgebremst werden.

Auch steil bergauf droht mit dem Hillclimb-optimierten Hinterbau kaum die Gefahr eines aufsteigenden Vorderreifens.
Der Bosch CX wird nie unangenehm laut und schiebt im Boost-Modus auch bei niedrigen Drehzahlen ordentlich an. Das Kiox-Display des Bosch-Motors ist übersichtlich, die dazugehörige Bedieneinheit bietet ein Fülle an Knöpfen und Möglichkeiten und benötigt ein bisschen Eingewöhnung. Ich persönlich wäre hier auch mit einer minimalistischeren Lösung zufrieden, aber das ist natürlich sehr individuell.

Die TRP Bremse passt wie der Bosch CX, das hochwertige FOX-Fahrwerk und die funktionelle Shimano-Gruppe sehr gut zum Gesamtbild des Bikes. Die Bremse verzögert am Trail ordentlich und auch nach einiger Dauer-Bremserei zuverlässig. Es gibt keine bissigen Überraschungen und sie ist nicht auf der sportlichen Seite im TRP-Lineup. Aber gerade das macht sie zur einer guten Wahl am Conway Xyron.
Daumen hoch von unserer Seite auch für die Entscheidung, vorne wie hinten große 203 mm Scheiben einzusetzen; nicht, um im Downhill die Zehntel-Sekunde später bremsen zu können, sondern um das hohe Gesamtgewicht auf Dauer solide zu verzögern.

Wünschdirwas

Würde ich am Xyron S 4.9 unmittelbar etwas optimieren wollen, wäre meine erste Wahl ein anderer Reifen. Wenn's zu felsig, ruppig und schnell wird, kommt der Nobby Nic in der Performance-Mischung rasch an seine Grenzen, und so sind Defekte früher oder später vorprogrammiert. Der Reifen ist für Einsteiger in Ordnung, wer aber ein wenig ambitionierter über die Trails rockt, ist mit einer steiferen Mischung oder generell potenteren Schwalbe-Reifen wie Hans Dampf oder Magic Mary meiner Meinung nach besser beraten.

Fazit

TRP Slate Evo
Modelljahr: 2019
Testdauer: 1 Monat / 100 km
Preis: € 149,90 UVP
+ Preis / Leistung
+ standhafte 2,3 mm Rotoren
+ Mineralöl
+ Griffeweite werkzeugfrei einstellbar
+ linear dosierbare Bremskraft
o wenig sportlich
BB-Urteil: Eine gute Wahl auf eMTBs für Einsteiger

Die TRP Slate EVO ist eine solide, top verarbeitete Einsteiger-Bremse in klassischer Optik und mit gutmütigem, recht linearem Ansprechverhalten.
Dank der 2,3 mm dicken Rotoren ist sie entsprechend hitzestabil und sollte auch im schwergewichtigen e-Biker-Verbund und auf längeren Vielbrems-Abfahrten entsprechend performen.

Sportliche Fahrer werden sich vielleicht ein wenig mehr initialen Biss wünschen, aber in Summe passt die Bremse gut auf Ein- und Umsteiger-orientierte e-Bikes, wo Komfort und solide Dosierbarkeit wichtiger sind als sportliche Präzision.

In diese Kerbe schlägt auch das Conway Xyron S 4.9 mit seinem langen Radstand, dem großen Akku und dem Bosch Performance CX-Motor.
Das Bike ist keine Bikepark- oder Alpinkatze, gibt aber genau deshalb mit seiner Fahrdynamik (Wieder-)Einsteigern eine gute Portion Sicherheitsgefühl und die eine oder andere Reserve mit auf den Weg.


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