Passwort vergessen?
Größe: 180 cm Schrittlänge: 85 cm Gewicht: 73 kg Fahrstil/-können: Gemütlicher Allround-Mountainbiker, gerne auch knackig bergab
Rennrad & Gravel: Das Abenteuer steht im Vordergrund
Als mein Blick auf die Magura-Produktübersicht (s.u.) fiel war schnell klar, welche Bremse auf mein Bike muss. Da für Nicht-Magura-Fahrer die Modellbezeichnungen auf den ersten Blick ein wenig verwirrend sein können, sprich: welche Bremse von MT2 bis MT8 welchen Einsatzbereich abdeckt, hat Magura das Produktblatt unten entworfen. In meinem Fall war die Sache relativ eindeutig, da ich ich mich selbst genau zwischen Trail/AM und Enduro eingeordnet hätte. Genau dort steht die MT-Trail. Vertikal reiht sie sich leider im Bereich der €€€ ein, aber das ist eine andere Geschichte. Technisch ankert vorne eine 4-Kolben Bremse, hinten jedoch eine 2-Kolben-Bremse. Diese Kombination soll eine gute Mischung aus Gewicht und Leistung für den ambitionierten Trailreiter oder gemäßigten Enduristen bieten.
Nach der Montage und einem schnellen "60 Sekunden-Entlüften” geht's kurz vors Office zum Einweihen. Schon nach den ersten Einbremsversuchen spürt man, wie die Bremse immer bissiger wird. Sie hat einen schönen, knackigen Druckpunkt und viel Power. Ich fühle mich bereit für einen ausgiebigen Trip nach Tirol, um mit der Magura MT Trail so oft es geht den Berg runter zu jagen. Systemgewicht (NoSane + Liteville 301 + Spiegelreflex + Objektive + Bekleidung + Rucksack) ca. 105 kg.
In Sölden und Ischgl kann die Bremse also beweisen, was in ihr steckt. Als wir in 2.200 m Seehöhe im Nebel aus der Gondel steigen, freue ich mich über perfekte Testbedingungen: Die Trails sind feucht, und auch auf den Bremsscheiben sammelt sich im feinen Sprühnebel das Wasser. Ein erster Griff in die Eisen, ein kurzes Quietschen, und dann ist Ruhe. Die vordere Bremse packt gnadenlos zu, hinten geht's mit zwei Kolben deutlich sanfter zur Sache - ein Umstand, an den man sich kurz gewöhnen muss, der aber danach nicht weiter stört. Die Magura MT Trail lässt sich super dosieren. Gut so, denn auf den nassen Wurzeln und Felsen ist schnelles Korrigieren der Bremskraft unerlässlich, um nicht in Sekundenbruchteilen die Kontrolle zu verlieren. Auch um engen Spitzkehren lässt sich's präzise zirkeln - so wird das Hinterrad versetzen zum Kinderspiel. Mit breitem Grinsen rocke ich Teäre Line, die neue Zaahe Line, Eebme, Plödern und Leiterberg-Trail.
An den folgenden Tagen trocknet es ein wenig auf und die Trails werden schneller. Es folgt ein Ausflug nach Bodenegg, ein Ritt über den Harise Trail, dann geht's weiter nach Ischgl, rauf auf über 2.700 m Seehöhe, Schmuggler-Trail in die Schweiz, Patznauner Taja, Vellil-Trail ... mit diversen weiteren Wegen kommen dank Gondelunterstützung in wenigen Tagen über 10.000 Tiefenmeter zustande, in denen sich die Magura MT Trail bewährt. Dabei ist für viel Abwechslung gesorgt. Von technischen, recht locker bewerteten S3-Trails (im Schnitt eher S2), flowigen Achterbahn-Passagen bis hin zu schnellen Schotter- und Asphalt-Abfahrten jenseits der 60 km/h ist alles dabei - glühend heiße Bremsscheiben inklusive.
Anfangs dachte ich, dass ich den Hebel zur einfachen Druckpunktverstellung nachrüsten werde. Während der Tage in Tirol hatte ich aber auch nach tausend Höhenmetern am Stück nie das Bedürfnis, den Druckpunkt zu verstellen. Mal sehen, wie sich das nach längerer Zeit im Einsatz und unregelmäßiger Wartung entwickelt ... Insgesamt konnte die Magura MT Trail überzeugen, ich hatte auch nach zahlreichen Abfahrten nie das Gefühl, die Kraft in den Fingern zu verlieren. Die Dosierung ist auch für technisch knifflige Passagen in Ordnung und die Bremsbeläge haben nach 10.000 Tiefenmeter noch jede Menge Reserven. Einzig am Liteville 301-Rahmen ist der linke Bremshebel im Falle eines Einschlags relativ exponiert. Hier besteht bei einem Sturz die Gefahr, dass der Hebel abbricht.Dafür sind die Montage und der Check der Bremsbeläge mit der magnetischen Oberfläche ein Kinderspiel. Die Beläge haben keine Feder mehr, sondern rasten magnetisch an der richtigen Position ein. Auch die Wartung ist dank 60-Sekunden-Entlüften relativ unkompliziert und im Fall der Fälle auch zwischendurch im Bikepark möglich, entsprechendes Werkzeug vorausgesetzt.
Zwar war der Hebel der ursprünglich montierten Sram Guide Ultimate etwas weniger exponiert, dafür machen die Bremssättel bei Magura einen robusteren Eindruck. Die MT Trail packt kräftiger zu und es schleift und klinselt nichts, während die Sram hier ein wenig divenhafter auftritt und ganz generell etwas sanfter zur Sache geht. Und auch wenn ich bis dato diese sanfte, progressive Art der Guide-Bremsen genossen habe: die Magura MT Trail mit dem Extra-Biss wird bis auf unbestimmte Zeit auf meinem Trailbike bleiben, weil sie einfach Spaß macht und sich mittlerweile auch auf den schnellen Bikepark-Abfahrten in Leogang und Saalbach bewährt hat.
Die MT Trail Carbon macht bis jetzt einen soliden und äußerst robusten Eindruck. Die Vorderbremse ist nach dem Kurz-Entlüften ein brachialer Anker, die hintere Bremse zeigt sich zwar ein wenig sanfter, ist aber auch im harten Trail- und Allmountain-Einsatz bei 75 kg Fahrergewicht immer noch mehr als ausreichend dimensioniert. Einzig Fahrer, die solche leichten Disbalancen im Ansprechverhalten zwischen Vorder- und Hinterbremse stören, sind vermutlich mit Maguras MT7 besser bedient.Was Dosierbarkeit, Fading oder Wandern des Druckpunktes angeht, gab es an der MT Trail nichts auszusetzen. Einzig der Carbon-Bremshebel wirkt im ersten Moment etwas filigran und exponiert dem Oberrohr gegenüber.Im Set wiegt die Bremse inkl. Storm-Bremsscheibe lt. Herstellerangabe 664 g. Auf unserer Waage bedeutet das im fahrbereiten Zustand einen Gewichtsvorteil von immerhin 60 g gegenüber der Sram Guide Ultimate. Mit € 579,- UVP zählt die MT Trail Carbon aber auch zu den teureren Bremsen im Segment. Für Styler gibt's die Ringe und Abdeckungen der Bremse übrigens in zig verschiedenen Farben, mehr dazu in der Eurobike-News 2016.
Noch keine Kommentare – starte die Diskussion im Forum.
Schreib den ersten Kommentar im Forum