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First Ride: Schwalbe Tacky Chan 2023

First Ride: Schwalbe Tacky Chan 2023

21.06.23 10:34 3.183Text: Ralf Hauser
Ralf Hauser
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Angestoßen vom Commencal/Muc-Off Downhill-Team, setzte sich Schwalbe ein ehrgeiziges Ziel: Einen Reifen zu entwickeln, mit dem die Schnellsten der Welt noch schneller fahren können. Herausgekommen ist der Tacky Chan.21.06.23 10:34 3.320

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21.06.23 10:34 3.3203 Kommentare Ralf Hauser
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Angestoßen vom Commencal/Muc-Off Downhill-Team, setzte sich Schwalbe ein ehrgeiziges Ziel: Einen Reifen zu entwickeln, mit dem die Schnellsten der Welt noch schneller fahren können. Herausgekommen ist der Tacky Chan.21.06.23 10:34 3.320

Amaury Pierron, Myriam Nicole und Thibaut Dapréla, das sind einige der schnellsten Bike-Piloten und -Pilotinnen der Welt. Profis vom Rang eines Weltcup-Siegers, Weltcup-Gesamtsiegers oder einer Weltmeisterin direkt in die Produkt-Entwicklung einbinden zu können, ist ein Luxus, den sich nicht viele Firmen leisten können. Schwalbe kann. Ganz ohne Probleme sollte der Weg zu einem Gewinner-Reifen aber dennoch nicht ablaufen ...

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Die Entwicklung

Vor drei Jahren, im Jahr 2020 also, startete Schwalbe das Projekt. Der Reifen sollte ihr bisheriges Zugpferd im Downhill-Weltcup, den Magic Mary, in puncto Schnelligkeit, Kontrolle und Präzision übertrumpfen.

Innerhalb weniger Wochen waren die ersten Prototypen entwickelt. Im 3D-Modell entstand die Grundidee des neuen Reifens. Kleine Rampen an den Stollen sollten die Rolleigenschaften verbessern, bis zu 20 Prozent stabilere Schulterstollen im Vergleich zum Magic Mary sollten den Seitenhalt erhöhen.
Der neue Reifen erhielt L-förmige Stollen und minimal längere Bremskanten. Zehn Prozent größere Abstände zwischen den Mittelstollen reduzierten das Gewicht.

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 Wir wussten, was wir fahren wollten: einen Reifen, der besser beim Pedalieren und etwas präziser war. Wir hatten bereits eine gute Beziehung mit Schwalbe, also bekamen wir den ersten Prototypen 2021 in Maribor und entwickelten ihn gemeinsam weiter. 

Weltcup-Rakete Thibaut Dapréla

Als erstes Testexemplar wurden von den Entwicklern an einem Big Betty insgesamt zwölf verschiedene Schnitte vorgenommen, um die Balance aus Gegenhalt und Nachgiebigkeit der Schulterstollen zu ermitteln. Bereits bei dieser Version wurden höhere Geschwindigkeiten bei gleichzeitig höherer Bremstraktion erzielt.
2021 wurde der Prototyp bereits in Rennen eingesetzt und Thibaut Dapréla wählte ihn für die WM im selben Jahr. Der Franzose war top in Training und Qualifikation. Im alles entscheidenden Rennlauf stürzte er allerdings ganze zwei Mal. Er glaubte trotzdem, dass der Reifen das Ziel erreichen kann. Sein Feedback: Die großen Stollen waren etwas zu steif, zu unnachgiebig, um die bestmögliche Kurvenkontrolle zu erlangen.
In Folge wurden die Schulterstollen auf Millimeterebene etwas kleiner, die Bremskante einen Millimeter länger und eine doppelte Stollenvertiefung brachte eine engere Verzahnung.
Den Rest der Saison und im Jahr 2022 feierte der Tacky Chan zahlreiche Siege. Amaury Pierron holte mit ihm die Gesamtwertung des Downhill-Weltcups 2022. Myriam Nicole gewann den Weltcup in Val di Sole - eine der schwierigsten Strecken der Rennsaison und einer von insgesamt elf Weltcup-Siegen.

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Details

Der Tacky Chan kann sowohl als Vorder- als auch als Hinterreifen kompromisslos gefahren werden und wird auch von den Weltcup-Fahrern je nach Strecke und Begebenheit auf verschiedenste Art kombiniert. Im Vergleich zum Magic Mary ist er um circa 60 g leichter und hat 3W geringeren Rollwiderstand auf dem Prüfstand. In Super Trail-Ausführung soll er knapp unter 1.200 Gramm wiegen.
Unsere Test-Modelle in Super DH-Ausführung und Ultra Soft-Mischung, die wir in den kommenden Wochen genau unter die Lupe nehmen werden, wogen 1.391 g für die 29"- und 1.264 g für die 27,5"-Variante.

Das Serienmodell des Tacky Chan ist ab sofort in den Dimensionen 29" und 27,5" x 2,4" in verschiedenen Karkassen und Gummimischungen erhältlich.
Nachdem sein Hauptaugenmerk auf Abfahrts-Performance liegt, ist die Ultra Soft Gummimischung von Beginn an auch mit einer Super Trail Karkasse (neben Super Gravity und Super DH) zu bekommen. Sogar die leichte Super Ground-Option soll folgen. Mit Soft-Gummimischung ist der Reifen vorerst in 29" als Super Trail- und in 27,5" als Super Gravity-Version erhältlich.
Der empfohlene Verkaufspreis liegt je nach Variante zwischen € 68,90 und € 74,90.

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 Wennn du Rennen fährst, suchst du nach einem Reifen der präzise und schnell ist. Der Tacky Chan ist präzise in Kurven und wenn du schwierige Linien wählen willst. Er hilft dir dabei, schneller zu werden und hat sehr, sehr guten Grip. Darum setzen wir ihn häufig ein. 

Thibaut Daprela weiß, was er will

Erste Runden

Ein paar Abfahrten im und um den Bikepark Leogang vor dem Weltcup-Wochenende sind noch lange kein aussagekräftiger Test, aber durchaus genug für einen ersten Eindruck.
Was sofort gefiel: dass man sich nicht lange an den Reifen gewöhnen muss. Bei manch anderem Modell stellen sich schnell Vor- und Nachteile in gewissen Situationen heraus, beim Tacky Chan werden wir noch eine Weile nach Mankos suchen müssen.
 

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Natürlich waren die paar staubtrockenen festgefahrenen Trails an diesem Tag, die nicht für Rennen gesperrt waren, nicht das ideale Gelände, um den Reifen zu überfordern - zumal die meisten Kurven mit Anliegern versehen waren.
Und dennoch würde auch auf solchen, mit loser Staubschicht überzogenen und außerhalb der Ideallinie mit Rollsplit garnierten Wegen, mancher Reifen schnell an sein Limit gelangen. Es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass ich mich mit einem Testbike aus genau diesem Grund ungewollt in einem Anlieger ausgebreitet hätte.
 

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Ein paar Strecken mit lockeren Waldboden-Sektionen und trockenen Wurzelabschnitten, wo der Reifen zielsicher seine Bahnen zog, haben wir dann aber doch noch gefunden.
Gelegentliche Schrägfahrten sowie Abstecher von der ausgefahrenen Ideallinie weg kosteten den Reifen nur ein müdes Lächeln. Selbst beim Kletterversuch im Steilen biss sich der Tacky Chan als Hinterreifen im Untergrund beachtlich fest.
In seinem ersten Stint hinterließ der Reifen also einen starken Eindruck. Er ließ sich in keiner Situation aus der Ruhe bringen und vermittelte dementsprechend hohes Selbstvertrauen.
Ob der Tacky Chan auch auf feuchten und nassen Strecken beziehungsweise bei unterschiedlichen Bodenverhältnissen spielerisch agiert, werden die nächsten Monate zeigen.

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