Passwort vergessen?
Name: Gabriel Waringer Alter: 33 Jahre Größe: 183 cm Schrittlänge: ehrliche 843 mm Gewicht: ~ 82kg Fahrstil/ -können: Ein Gravelbike ersetzt (k)ein MTB!
Schwalbe, der Reifenspezialist aus Reichshof, präsentiert gleich zwei neue Überflieger: Albert und Shredda. Der Clou an der Sache? Die Konstruktion der Karkasse könnte eine wegweisende neue Technologie für Offroad-Pneus der Zukunft darstellen. Klingt gut? Fährt sich auch so!
Radial, diagonal, komplett egal?
Nein, eben nicht. Klassischerweise findet man im Fahrradbereich nur diagonal gewobene Karkassen, bei denen die verwendeten Fäden meist in einem 45°-Winkel zueinander verlaufen. Je nachdem, wie dicht gewebt wird, hat dieses Textil unterschiedliche Eigenschaften. Dieser Wert wird als TPI (Threads per Inch) gemessen und als Faustregel gilt: Je höher der TPI-Wert, desto hochwertiger ist der Reifen.In der Automobilbranche hingegen trifft man diese Konstruktion eher selten an. Die diagonal angeordneten Fäden bringen neben einigen Vorteilen auch eine Reihe von Problemen mit sich, weshalb im Automotive-Bereich fast ausschließlich Radialreifen verwendet werden. Warum aber nicht bei Fahrrädern? Eine radiale Karkasse erfordert einen deutlich stärkeren Wulstkern in Form eines Drahtes, den es in dieser Form bei Faltreifen nicht gibt.
Die Frage bleibt: Warum?
Ein Radialreifen ist deutlich geschmeidiger als sein Pendant. Die kürzeren Fäden in der Karkasse werden mit weniger Spannung überlappt, wodurch sich der Gummi punktuell besser verformt. Eine geschmeidigere Karkasse bedeutet, dass sie sich unter Druck leichter verformen kann. Dies wiederum bringt mit sich, dass der Reifen bei gleichem Druck bessere Traktion bietet. Mehr Grip bedeutet mehr Sicherheit und resultiert in mehr Fahrspaß.Des Weiteren bieten Radialreifen bei gleichem Luftdruck etwa 30% mehr Auflagefläche als herkömmliche Reifen. Selbst bei einer Erhöhung des Luftdrucks um 50% ist die Auflagefläche immer noch um 15% größer, und der Reifen behält weiterhin seine flexiblen Eigenschaften. Dadurch kann der Luftdruck den Wünschen der Fahrerin bzw. des Fahrers entsprechend frei gewählt werden - nahezu ohne negative Einflüsse auf das Federverhalten und den Komfort!
Beim Albert, den wir ausgiebig in Finale testen durften, zeigt sich das verbesserte Handling besonders bei Fahrern wie mir, die zwar gerne shredden würden, aber nicht die notwendige Sicherheit und Erfahrung mitbringen, um mit den jungen, wilden Enduro-Bros mithalten zu können. Die vergrößerte Auflagefläche und das flexiblere Ansprechverhalten sorgen für deutlich mehr Grip, Dämpfung, Sicherheit und Komfort. Der Reifen absorbiert Schläge besser und nutzt den Federweg effektiver - er saugt sich förmlich am Untergrund fest.Das gilt sowohl für Mountainbikes als auch für E-MTBs, die mit diesen Reifen deutlich mehr Traktion auf den Untergrund bringen.Dass das System selbst im Rennzirkus ausgezeichnet funktioniert, haben die Schwalbe-AthletInnen bereits unter Beweis stellen können: Insgesamt 14 Weltcup-Siege sprechen eine deutliche Sprache.
Bei der Entwicklung des Albert haben Schwalbes Entwickler die Erkenntnisse aus der Entwicklung des Tacky Chan genutzt. Die Grundfrage lautete: Wie muss ein Reifen aussehen, der mir in jeder Situation viel Sicherheit gibt? Die Schulterstollen des Tacky Chan wurden übernommen und sorgen für verlängerte Bremskanten, Haltbarkeit und gute Übertragbarkeit der Seitenkräfte. Insgesamt ist der Reifen geschlossener und runder gestaltet. Es gibt nur zwei verschiedene Stollentypen.
Carl Kämper, Product Management & Development MTB, sagt dazu: „Wir haben viel mehr Gummi am Boden und mehrere Stollen, die ständig im Kontakt mit dem Untergrund sind. In Verbindung mit der größeren Auflagefläche der Radialreifen gibt dir das außergewöhnlich viel Kontrolle beim Fahren, egal ob beim Bremsen oder Beschleunigen. Der Reifen passt sich extrem gut an.“
Tatsächlich kann ich diese Aussage nur bestätigen. Beim Test-Setup wurden wir auf einen kurzen Downhill-Abschnitt geschickt. Unsere Demo-Bikes, ausgestattet mit den altbekannten Magic Mary (Super Gravity Mischung) in 2.4", schlugen sich dabei erwartungsgemäß gut. Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich kein großer Fan von E-Bikes bin. Mir ist das gesamte Bike zu träge, und ich muss mich aufgrund der zusätzlichen Masse deutlich mehr auf den Trail konzentrieren, um die Kontrolle behalten zu können. Die überdimensionierten Fahrwerke helfen zwar und schlucken geduldig viele Fehler, wirklich sicher fühle ich mich aber in technischem Terrain damit nicht. Das Pivot Shuttle AM war hierbei keine Ausnahme.Die ersten Runden waren noch recht verhalten. Als ich mich aber an das Rad gewöhnt hatte und der Untergrund vertrauter wurde, kam ich langsam in den Flow. Doch dann verordnete der Produktmanager einen Boxenstopp, bei dem neue Reifen aufgezogen wurden. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir Redakteure nicht, welches neue Produkt uns erwarten würde. "Blind Testing" nennt man das im Fachjargon, habe ich gelernt.
Der erste Run mit den Albert Gravity fühlte sich anders an, wirklich benennen konnte ich den Unterschied allerdings nicht sofort. Der Untergrund erschien mir griffiger, ich hatte das Gefühl besserer Kontrolle, die Passagen verloren an ihrer Schärfe - verrückt, aber spürbar.
Beim Launch-Event am Abend lernte ich die eingangs erwähnten technischen Details kennen. Alles, was ich zu dieser Zeit mit Gewissheit sagen konnte, war, dass mir der Reifen stimmiger erschien, gerade in diesem technischen Trailabschnitt, den ich normalerweise mit einem E-MTB gar nicht hätte fahren wollen.
Der neue Albert kommt in zwei Ausführungen: Trail, für Angsthasen wie mich, als Option für eine verbesserte All-Mountain-Erfahrung, und Gravity, für die wilden Hunde unter euch. Kompromisslose Performance, aber dennoch genügend Kontrolle und Sicherheitsreserven, sodass man nicht unbedingt einen Kurzurlaub im AKH einplanen muss. Trotz der hervorragenden Eigenschaften ist der Reifen nicht für den Renneinsatz gedacht, sondern richtet sich an ambitionierte Weekend Warriors.
Den zweiten Neuzugang im Lineup, den Shredda, konnte ich leider vor Ort nicht testen. Die Hard Facts aus der Produktpräsentation wecken jedoch hohe Erwartungen. Der Reifen ist in einer Front- und einer Rear-Version erhältlich und wurde speziell für technisch anspruchsvolle Trails mit dem E-MTB entwickelt. Der Vorderreifen beeindruckt mit der größten Profiltiefe, die Schwalbe jemals produziert hat: 10 mm an der Schulter und 8 mm in der Mitte. Optisch erinnert der Reifen dadurch an einen Motocross-Reifen.
Während die Mittelstollen wie Pyramiden auf dem Reifen stehen (für Stabilität und Abriebfestigkeit), verformen sich die schräg stehenden Schulterstollen beim Fahren und schließen sich. Selbst beim Einlenken und in starker Schräglage soll der Reifen noch viel Kontrolle bieten. Nicht nur im Uphill bringt der Reifen Vorteile; besonders auf weichen Böden sorgt die Profiltiefe zusammen mit dem offenen Profildesign für eine gute Verzahnung. Der Reifen ist damit ideal, um trotz des höheren Gewichts eines E-MTBs Impulse auf weichen Böden effizient umzusetzen.
Robert Mennen, Product Manager MTB, sagt: „Bei der Entwicklung des Shredda lautete das Ziel: Technische Trails meistern! Durch die langen Stollen werden selbst bei steilen Uphill-Passagen die Lenkkräfte übertragen.“ Daher wirkt das Profil des Reifens auch so mächtig – die Funktion steht hier klar im Vordergrund. Beim Shredda Rear ist die Profiltiefe etwas geringer, doch hier fällt der extreme Überstand der vielen Stollen auf. Einzelne Stollen sind mit Brücken verstärkt, um noch mehr Stabilität und Haltbarkeit zu gewährleisten.Mennen sagt: „Mit der Schaufelwirkung der vielen Stollen bringen wir die Power auf den Boden – sowohl beim Bremsen als auch beim Beschleunigen.“
Die im Fahrradbereich neue Radial-Konstruktion bringt viele Vorteile mit sich, insbesondere für Fahrer, die sich im rauen Terrain nicht zu 100% sicher fühlen. Mehr Traktion, besseres Dämpfverhalten und ausgezeichnetes Handling sprechen eine deutliche Sprache und heben das Fahrerlebnis auf ein neues Level.Aus eigener Erfahrung kann ich leider nur für den Albert in der Gravity-Option sprechen, da uns die Trail-Versionen des Reifens bislang nicht zugeschickt wurden. Ein direkter Vergleich wäre sicherlich interessant gewesen.Zum Shredda kann ich keine persönlichen Eindrücke geben, aber es scheint eine spannende neue Option für (elektrifizierte) Enduristen und alle, die es noch werden möchten, zu sein. Wer aus seinem E-Bike optisch eine KTM basteln möchte, wird mit diesen Hardcore-Stollenreifen sicherlich glücklich.Tatsächlich gibt es keine negativen Punkte, die ich bei diesem Reifen bemerkt hätte. Das Gewicht vielleicht? Doch Hand aufs Herz: Wer beim Enduro-E-Bike auf jedes Gramm achtet, geht zum Lachen besser in den Keller.
In wenigen Minuten gratis inserieren – mit Fotos, Preis und Spion-Reichweite in der Bikeboard-Community.
Alle Kommentare (35) im Forum