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Die TripleAltTour - Giro, Tour & Vuelta unsupported

Die TripleAltTour - Giro, Tour & Vuelta unsupported

17.11.22 12:30 75Text: Erik Horsthemke, NoManFotos: Simon Gehr, Florian Lind, Livius Letzel, Erik HorsthemkeDer Plan des Erik H.: Die drei größten Radrennen der Welt, Giro, Tour und Vuelta, fahren - unsupported, inklusive Transferstrecken. 22.000 Kilometer, 240.000 Höhenmeter, elf Länder. Hier die Story zu Wunsch und Wirklichkeit.17.11.22 12:30 2.783

Die TripleAltTour - Giro, Tour & Vuelta unsupported

17.11.22 12:30 2.78313 Kommentare Erik Horsthemke, NoMan Simon Gehr, Florian Lind, Livius Letzel, Erik HorsthemkeDer Plan des Erik H.: Die drei größten Radrennen der Welt, Giro, Tour und Vuelta, fahren - unsupported, inklusive Transferstrecken. 22.000 Kilometer, 240.000 Höhenmeter, elf Länder. Hier die Story zu Wunsch und Wirklichkeit.17.11.22 12:30 2.783

Eigentlich wollte ich immer Rennen fahren; mein Können unter Beweis stellen, mich mit anderen messen, und irgendwie natürlich auch Profi werden. Die beiden letzten Jahre in der U19 liefen leider nicht so gut. Im ersten Jahr stürzte ich unzählige Male. Eigentlich lag ich fast mehr auf dem Boden, als dass ich auf dem Rad saß. Die Angst davor, erneut zu stürzen, hinderte mich daran, auch nur ein einziges akzeptables Ergebnis einzufahren.
Im nächsten Jahr war da dieses neuartige Virus, von dem niemand so recht wusste, wie damit umgehen. Also wurden die Rennen alle abgesagt. Zugleich stand auch noch mein Abitur unmittelbar bevor. Die meisten meiner Schulkollegen hatten schon einen Ausbildungs- oder Studienplatz fixiert. Aber ich hing irgendwie in der Luft und wusste nicht wirklich, in welche Richtung es nach der Schule gehen sollte. Um Profi zu werden, waren die Rennergebnisse der letzten zwei Jahre einfach zu schlecht gewesen, das war völlig klar. Aber um ehrlich zu sein, hatte ich weder Lust auf eine Ausbildung, noch direkt nach meinem Abitur ein Studium anzufangen.

Anfang Winter 2021 schickte mir mein Trainer das Video von Lachlan Mortons „Alt Tour“ und kommentierte dazu "Gut zum Nachahmen!". Aber ich wollte niemandem etwas nachmachen. Wenn, dann wollte ich etwas vormachen.
Es gibt drei dreiwöchige Rundfahrten auf dieser Welt. Also warum nicht versuchen, alle drei auf mich allein gestellt zu fahren? Damit war die Idee der TripleAltTour also geboren.

 Ich wollte niemandem etwas nachmachen. Wenn, dann wollte ich etwas vormachen. 

Mit 19 hat man noch Träume ...

Die Fakten zur TripleAltTour

Erik Horsthemkes Plan lautete: Die drei größten Radrennen der Welt jeweils ungefähr zeitgleich mit den Profis und unsupported zu fahren; also ohne Begleitfahrzeug, Mechaniker, Betreuer etc., und auch ohne andere Verkehrsmittel, sprich: Die teils extrem langen, 2022 aufgrund der Auslandsstarts aller drei Bewerbe sogar jeweils mehrere Länder umfassenden Transfers zwischen den Etappen wollte er ebenfalls per Rad absolvieren.
Das macht unterm Strich rund 22.000 Kilometer und 240.000 Höhenmeter, nachzuvollziehen in den Komoot-Collections, die der 19-Jährige zu seinen Versionen von Giro, Tour und Vuelta angelegt hat. Normalerweise umfassen die drei Radrennen zusammen eine Gesamtstrecke von ca. 10.500 Kilometern.

Die administrative und körperliche Vorbereitung für das Projekt dauerte mehr als ein halbes Jahr und umfasste u.a. auch einen achttägigen Bikepacking-Trip durchs noch recht frostige Deutschland, Luxenburg, Frankreich und die Schweiz. Zwecks mentaler Weichenstellung übte sich der junge Abenteurer in "professioneller Naivität": Ruhig bleiben und konzentriert im Hier und Jetzt, statt vorausschauend besorgt in der Zukunft. Mit rund 10.000 Trainingskilometern in den Beinen ging es dann Ende April so richtig los.
Verpflegt hat sich Erik mit allem, was die Restaurants, Tankstellen und Supermärkte unterwegs so boten. Allein während des Giros kam er z.B. auf knapp 40 Pizze. Acht- bis zwölftausend Kalorien verbrannte der Deutsche in etwa täglich, dennoch nahm er - wie auch geplant und "einberechnet" - von seinen anfänglichen 70 kg Körpergewicht 4 kg ab.
Übernachtet wurde meist im Zelt, manchmal auch in Hotels oder Hostels. Den Großteil seines Pensums absolvierte Erik allein, fallweise wurde er auch von Fotografen, Freunden oder Followern, die seinen Verbleib dank Livetracking auf der Webseite nachvollziehen konnten, ein Stück weit begleitet.

Die Vorbereitung

Als absoluter Newcomer ein so großes Projekt auf die Beine zu stellen, ist wirklich nicht einfach. Gemeinsam mit einem kleinen Team aus Freunden verbrachte ich Monate damit, Sponsoren für das Projekt zu begeistern.
Die mir entgegengebrachte Skepsis war riesig. Ein 19-jähriger No-Name, der gerade frisch die Schule beendet hat, will innerhalb eines Jahres eine Strecke von mehr als 20.000 Kilometern mit über 220.000 Höhenmetern ohne Unterstützung durch ganz Europa fahren? Das klingt ja in der Tat ziemlich größenwahnsinnig und naiv. Aber ich war überzeugt davon, dass es möglich und ich dazu in der Lage sei.
Schließlich schafften wir es dank guter Projektplanung und viel Selbstbewusstsein doch, einige Geldgeber an Bord zu holen.

Die zweite große Baustelle betraf meinen Körper. Langsam gewöhnte ich ihn mit Hilfe meines Trainers an die langen Belastungen, an ewige Anstiege, an verschiedenste Wetterbedingungen, an das Überschreiten der Komfortzone.
Wir versuchten, alle möglichen Situationen zu simulieren: 250 km bei Hitze, 250 km bei Kälte, 250 km ohne Schlaf, 250 km mit anschließenden Minusgraden im Zelt.
Fünf Stunden Training bei 0°C Außentemperatur waren absoluter Standard. Auf dem Rad wurden es gut und gerne 45 Trainingsstunden in der Woche. Dazu noch Krafttraining und natürlich, wie eben schon erwähnt, die restliche Projektplanung

Das Material

Bei der Materialauswahl waren mir Langlebigkeit und Komfort besonders wichtig. Es bringt mir nun mal gar nichts, wenn ein Teil beispielsweise besonders leicht ist, aber nur die Hälfte der Strecke übersteht.
Um meine Handgelenke und besonders meinen Rücken zu schonen, habe ich mich anfangs für ein recht komfortables Rad von Rose mit Kompaktkurbel (50/34, 11-34) entschieden. Das Reveal Six ist für mich die perfekte Mischung aus Komfort, Leichtigkeit, Aerodynamik und Langlebigkeit. Für die Vuelta sattelte ich dann aufgrund der vielen Montagepunkte und somit Zuladungsmöglichkeiten um auf Roses Gravelbike Backroad.
Ebenso aus Komfortgründen habe ich einen relativ breiten Lenker mit einem Auflieger und vielen unterschiedlichen Griffpositionen (für die Neugierigen: Redshift Kitchen Sink Handlebar) gewählt. Für optimalen Grip sorgte die Firma Schwalbe mit dem Pro One Reifen in 28 mm Breite. Gepaart mit den 45 mm hohen ERC von DT Swiss musste ich mir ab der Tour de France wirklich wenig Gedanken über Defekte machen. Der Laufradsatz ist aerodynamisch, leicht und hat bei der kompletten Alt Tour über 6.300 km nicht ein einziges Mal Probleme gemacht.

Um auch die Möglichkeit zu haben, in der Nacht fahren zu können, habe ich einen Supernova M99 Dy Scheinwerfer montiert - die erste Leuchte, bei der man keine Angst haben muss, übersehen zu werden. Im Fernlichtmodus kommt es gelegentlich vor, dass andere Verkehrsteilnehmer das Licht als dermaßen hell empfinden, dass sie verärgert die Lichthupe anwerfen. Dynamobetrieben, hatte ich so außerdem mein eigenes kleines Kraftwerk dabei - Ladestation für meinen ganzen elektrischen Krimskrams in der Oberrohrtasche inklusive.
Apropos Taschen: Sämtliche Bikepacking-Lösungen an meinem Rad sind von der Marke Apidura und boten genügend Platz für mein ganzes Equipment. Und alles Gewand, das ich unterwegs anschwitzte, abwetzte, verdreckte und auf- oder zuzippte, stammt von Ryzon - was mir bei der Tour de France auch ein kurzes Zusammentreffen mit Wiebke Lühmanns Horizon Van Tour ermöglichte.
Insgesamt, also mit Rad, Gepäck, etc., wog mein Setup rund zwölf Kilogramm.

Packliste

2 Bibs Helm kl. Duschgel
2 Jerseys Hydration Vest kl. Sonnencreme
1 Baselayer kurz 2 (Giro/Tour) bzw. 5 (Vuelta) Flaschen Mikrofaserhandtuch
1 Baselayer lang 2 Ersatzschläuche Zahnpasta + -bürste
2 Paar Socken Minitool Handwaschmittel
1 Langarmtrikot Leatherman 1 Pkg. Elektrolyt-Tabletten
1 Winterjacke Universal-Strap 1 Pkg. Taschentücher
1 Regenjacke Kabelbinder Handy + Ladekabel
1 kurze Sporthose Erste-Hilfe-Set Powerbank + Ladekabel
Beinlinge GPS-Computer Schlafsack
Radschuhe ActionCam + Stick Zelt

Teil 1: Giro d'Italia

Am 26.4.2022 war es dann endlich soweit: Mit dem Start zu "meinem" Giro begann das Projekt TripleAltTour.
Der Anfang war am schwersten. Und damit ist nicht der Umstand gemeint, dass ich nach dem Auspacken meines Rades aus der Transportbox vor einem gebrochenen Di2-Kabel samt ebensolcher Bremsleitung stand. Das ständige Alleinsein, der Umstand, mit niemandem reden zu können, bereiteten mir ziemliche Schwierigkeiten. In Ungarn und danach Slowenien habe ich teilweise tagelang mit niemandem gesprochen. Eine wirklich neue Erfahrung für mich.
Mit der Zeit verflog glücklicherweise dieses Gefühl der Einsamkeit, und die Tage in Ungarn und Slowenien vergingen wie im Flug. Landschaftlich war dieser Abschnitt ein echter Geheimtipp. Trotzdem: Warum, zum Teufel, beginnt eine italienische Landesrundfahrt in Budapest?

Durch ganz Italien bis hinunter nach Sizilien war die Strecke dann hingegen eher eintönig. Es ging immer nur an der Küste entlang ... links das Meer, rechts die Strandpromenade. Im Vergleich zu dem, was noch kommen sollte, waren die 1.800 km Transfer durch den Stiefel trotzdem ein absoluter Selbstläufer.
Denn kaum stieg ich in Avola wieder in die vierte Etappe der originalen Giro-Strecke ein, begann es tagelang zu regnen - gefühlt ohne Unterbrechung.
Das an sich wäre noch kein Problem gewesen. Aber wenn man bei Starkregen, 0°C und dichtem Nebel den Ätna runterfahren muss und so viel Wasser auf der Straße ist, dass das Asphaltband eigentlich gar nicht mehr zu sehen ist, wird's gefährlich. Oft war ich bis auf die Knochen nass, und selbst nachts im Schlafsack wurde mir nicht mehr richtig warm.

Glücklicherweise wurden die Tage umso länger und wärmer, je nördlicher ich kam. Trotzdem war und blieb der Giro eine absolute Herausforderung.
Ich hatte das Gefühl, die Strecke bestünde eigentlich nur aus Bergen. Kaum war ich aus einem Anstieg raus, folgte der nächste und bald darauf der übernächste. Beim Gedanken daran, wie viele Höhenmeter und Kilometer noch zu fahren wären, wurde mir regelmäßig übel. 250 Kilometer mit über 5.000 Höhenmetern am Tag waren in dieser Phase beinahe Standard.

 6.160 km und 71.820 Hm in 34 Tagen 

Eriks Giro maß rund 2.800 km, 21.000 Hm und 13 Tage mehr als jener der Profis

Und dann noch meine persönliche Pechsträne. Innerhalb einer Woche wurde ich von einem Auto angefahren und von einem Obdachlosen überfallen, der meine Wertsachen stehlen wollte. Nach einer kurzen Schlägerei mit dem Strolch konnte ich meine Habseligkeiten glücklicherweise zurückgewinnen. Weil ich allerdings barfuß hinter ihm herlief, waren meine Füße nach dem Vorfall komplett wund. Was die nächsten Tage auf dem Rad deutlich erschwerte ...
Der Tag nach diesem Schreckensmoment war einer meiner schwersten Tage auf dem Rad. Ich hatte ja schon wochenlang nicht geschlafen, vom Autounfall überall Schürfwunden und eine extrem schmerzende Rippe. Die offenen und entzündeten Füße taten hierzu ein Übriges.
Aber ich habe es geschafft. Am 29. Mai, einen Tag später als ursprünglich geplant und ein paar Stunden, nachdem die Profis ihr finales Einzelzeitfahren abgespult und Jai Hindley endgültig das Rosa Trikot übergestreift hatte, erreichte ich das alte Amphitheater in Verona.

Teil 2: Tour de France

Ein knappes Monat später brach ich zum zweiten Teil meines Abenteuers auf. Aber nicht etwa, wie man ob einer Landesrundfahrt durch Frankreich vermuten könnte, in Richtung Grande Nation. Nein, ähnlich wie der Giro begann auch die „Große Schleife“ heuer bekanntlich ganz woanders.
Kopenhagen war der Schauplatz der ersten Etappe, und danach folgten zwei weitere Tage in Dänemark, ehe der Tour-Tross, wie durch Zauberhand Deutschland, die Niederlande und Belgien überspringend, im französischen Dunkerque weitermachte.
Ich hingegen sammelte auf diesem ersten von zwei längeren (und vielen kürzeren) Transfers bereits fleißig Extrakilometer. Letztlich sollte mein Tour-Pensum fast gleich viele Kilometer und nur knapp 6.000 Höhenmeter weniger als der Alt Giro umfassen, wiewohl die Grande Boucle 2022 offiziell 1.000 Kilometer und 10.000 Höhenmeter weniger abspulte als die Italienrundfahrt.

Wie empfand ich aber nun die Durchquerung Frankreichs et. al.? Auf einen wirklich sensationellen Auftakt in Dänemark folgte grausame Hitze in den Alpen und Pyrenäen. Und doch war das größte Radrennen der Welt von den drei Touren die kleinste Herausforderung für mich.

Die ersten zwei Wochen durch Dänemark, Deutschland, Belgien und die Niederlande waren wirklich super: entspanntes Höhenprofil, ertragbares Wetter und vor allem eine atemberaubende Stimmung in Dänemark.
Auf dem Weg nach Frankreich hatte ich durch soziale Medien und den Lifetracker auf meiner Webseite viel Begleitung und Unterstützung. Von einem Follower gab’s nebst Sozialkontakt und Windschatten sogar ein feudales Mahl und ein Bett für die Nacht! Und sogar später in den Pyrenäen und Alpen wurde ich noch von Instagram-Nutzern erkannt. Das hat mich natürlich extrem motiviert.

 Das größte Radrennen der Welt war von den drei Touren die kleinste Herausforderung für mich. 

Stichwort subjektives Empfinden

Entgegen allen Erwartungen – schließlich galt es, ergänzend zu einem weiteren Transfer durchs halbe Hexagon, u.a. auch Kopfsteinpflaster und sodann massig Höhenmeter zu bewältigen – verliefen die Tage in Frankreich meist nach Plan: Jeden Tag 250 Kilometer bei acht bis zwölf Stunden Fahrzeit, dann ab ins Zelt - und das für mehr als drei Wochen.
Ein Problem gab es dann aber doch: Die Hitze machte mir sehr zu schaffen. Bei Temperaturen bis 48°C ist Radfahren einfach scheiße und macht echt keinen Spaß. Täglich brauchte ich bis zu 15 Liter zum Trinken und nochmal 15-20 Liter, um mich abzukühlen. Jeder Fluss war ein echtes Geschenk. Und was hätte ich für so einen Salzleckstein, wie ihn Kühe auf der Weide oder im Stall oft haben, gegeben!

Nach drei sehr bergigen Tagen mit durchschnittlichen Temperaturen von über 45°C und über 4000 Höhenmetern war plötzlich der Motor aus. Es ging gar nichts mehr. Ich schaffte es mit größter Not zu einer kleinen Unterkunft, in der sich der Besitzer super um mich kümmerte. Da mein Zustand sich allerdings am nächsten Tag nicht verbesserte, musste ich ins Krankenhaus, um dort meine Blutwerte checken zu lassen. Diagnose: Ein Elektrolyt fehlte. Nach so viel Flüssigkeitsverlust wohl absolut kein Wunder. Nach Einnahme von einer Art Salztablette ging es alsbald wieder bergauf, sodass ich wenig später die Tour de France beenden konnte.
Am 24. Juli trieb mich freundlicher Rückenwind bis zur Champs Elysée, wo ich um etwa ein Uhr nachts – der Verkehr auf der Avenue war auch um diese Zeit noch die Hölle – vor dem Triumphbogen ausklickte … wiederum nur wenige Stunden nach den Profis rund um Gesamtsieger Jonas Vingegaard.

Teil 3: Die Unvollendete

Die Vuelta a España lief leider etwas anders als geplant. Aus welchem Grund auch immer, startete die Spanienrundfahrt dieses Jahr in der Niederlanden (und legte auch zwischen neunter und zehnter Etappe noch eine komplette Durchquerung der iberischen Halbinsel von Nord nach Süd hin). Statt in den sonnigen Süden musste ich also zuerst ins verregnete Utrecht und dann, so der Plan, über Belgien und Frankreich ins Baskenland.
Unterm Strich würden somit rund 7.400 Kilometer und 83.000 Höhenmeter auf mich warten. Vuelta-Sieger Remco Evenepoel & Co. mussten auf der offiziellen Route exakt 3.281 Kilometer absolvieren.

Mit zwei Tagen Vorsprung auf die Profis ging ich am 17. August ins Rennen. Und ja, der Ausdruck hat seine Berechtigung. Wie schon bei Giro und Vuelta war es schließlich auch diesmal mein Ziel, möglichst schnell zu sein.
Nach der Tour de France hatte ich auf einen anderen Rahmen gewechselt, um mehr Anbaumöglichkeiten für Flaschen am Rahmen zu haben. Unglücklicherweise stellte ich jedoch meinen Sattel um ein paar Millimeter zu hoch ein. Das führte gleich am ersten Tag der Vuelta zu extremen Knieproblemen auf der rechten Seite. Ich hatte die alte Position über einen so langen Zeitraum gefahren, das mein Körper anscheinend schlecht mit der Veränderung umgehen konnte.
Sicherlich war das Bein auch vorher schon gereizt gewesen. Die verstellte Sitzhöhe brachte das Fass dann endgültig zum Überlaufen. Die äußere Sehne meines rechten Knies (Tractus iliotibialis) hatte sich in kürzester Zeit so entzündet, dass jeder Tritt mit dem rechten Bein nahezu unmöglich war.

Auch nach einer Nacht im Hotel verbesserte sich der Zustand meines Beines nicht. Gerade einmal vier Kilometer konnte ich fahren, und auch die nur unter extremen Schmerzen.
Ich stand am Straßenrand und wusste: Es gibt keine andere Möglichkeit, als das Projekt hier zu unterbrechen, nach Hause zu fahren und das Knie behandeln zu lassen.
Mit einer gebrochenen Schulter oder einer gebrochenen Rippe lässt sich's vielleicht fahren. Aber wenn die Beine nicht funktionieren, ist da einfach nichts zu machen.

 Ich stand am Straßenrand und wusste: Ich muss das Projekt hier unterbrechen. 

7.300 km to go

Wie geht es jetzt weiter?

Rückschläge sind normal und natürlich auch Teil von solchen Projekten. Hätte ich nicht gewusst, dass so etwas passieren kann, hätte ich gar nicht erst losfahren sollen. Jammern bringt mich keinen Zentimeter voran.

Jetzt gilt es, das Bein so schnell wie möglich wieder fit zu bekommen. Wobei ich "schnell" erst richtig definieren muss. Denn den Versuch, die Trainingsumfänge nach zehn Tagen kompletter Pause im September allmählich wieder zu erhöhen, musste ich leider abbrechen.
Somit hieß es zurück an den Start, Beine für ein paar Wochen hochlegen und auskurieren. Mittlerweile bin ich zumindest wieder für ein, zwei tägliche, schmerzfreie Stunden auf dem Rad - namentlich Roses nagelneuem Xlite 6. Und an meinem Ziel hat sich nichts verändert. Sobald die Sehne vollständig verheilt ist, geht es auf die letzten 7.300 Kilometer nach Madrid ...


vor 33 Minuten schrieb Tom Elpunkt:

Find ich schon ganz cool, das ganze als unsupported zu beschreiben und vom Ryzon-Transporter begleitet zu werden ist dann allerdings natürlich wieder so ein bissl meh

Ihr Weg hat sich (natürlich nicht zufällig und soweit ich weiß einmalig) in Frankreich gekreuzt, quasi Sponsorenverpflichtung. Das zweite Auto am Vuelta-Anfang war meinen Infos nach die Start-Begleitung des Fotografen

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wenn er sein ganzes Zeug mitschleppt und sich Essen etc besorgen muß, ists für mich schon self-support. Ob da einer im Auto mitfährt und Fotos macht, schmälert das Vorhaben nicht

 

Was ich mich aber schon beim Vorhaben von Lachlan Morton damals gefragt hab: wenn etwas so simples, wie die Sattelhöhe oder wie im Fall LM die Cleats nicht passen, weshalb fahren die damit (unter Schmerzen) weiter und justieren das nicht selbst? ein Multitool werden wohl beide dabei gehabt haben

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vor 18 Minuten schrieb NoNick:

wenn er sein ganzes Zeug mitschleppt und sich Essen etc besorgen muß, ists für mich schon self-support. Ob da einer im Auto mitfährt und Fotos macht, schmälert das Vorhaben nicht

 

Was ich mich aber schon beim Vorhaben von Lachlan Morton damals gefragt hab: wenn etwas so simples, wie die Sattelhöhe oder wie im Fall LM die Cleats nicht passen, weshalb fahren die damit (unter Schmerzen) weiter und justieren das nicht selbst? ein Multitool werden wohl beide dabei gehabt haben

Ja das stimmt schon, mag ich wohl etwas streng ausgelegt haben.

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vor 10 Stunden schrieb NoNick:

wenn er sein ganzes Zeug mitschleppt und sich Essen etc besorgen muß, ists für mich schon self-support. Ob da einer im Auto mitfährt und Fotos macht, schmälert das Vorhaben nicht

 

Was ich mich aber schon beim Vorhaben von Lachlan Morton damals gefragt hab: wenn etwas so simples, wie die Sattelhöhe oder wie im Fall LM die Cleats nicht passen, weshalb fahren die damit (unter Schmerzen) weiter und justieren das nicht selbst? ein Multitool werden wohl beide dabei gehabt haben

Durch die 14.000km davor, war meine recht Sehne schon stark gereizt. Ist wohl kaum verwunderlich…die nicht richtig justierte Sattelhöhe hat dann das Fass zum überlaufen gebracht. Bei einer entzündeten Sehne, bringt es leider auch nichts mehr den Sattel wieder richtig einzustellen. Der Schmerz war von jetzt auf gleich da und ging dann auch nicht mehr weg. Ich bin nicht Lachlan und ich fahre auch nicht mit Schmerzen. Wenn der Körper nein sagt dann heißt das auch nein. Mal ganz abgesehen davon das ich mit dem Schmerz im Bein keinen Meter mehr fahren konnte.

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vor 9 Stunden schrieb Erik horsthemke:

Der Schmerz war von jetzt auf gleich da und ging dann auch nicht mehr

Das geht so nicht aus dem Bericht hervor ;) wenn die Ursache nicht die falsche sattelhöhe war, himfts natürlich nicht die zu justieren.

Lachlan ist auch nicht mit Schmerzen weiter gefahren, sondern in badeschlapfen, statt gleich als ers bemerkt hat die cleats zu richten. 

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