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Größe: 180 cm Schrittlänge: 85 cm Gewicht: 73 kg Fahrstil/-können: Gemütlicher Allround-Mountainbiker, gerne auch knackig bergab
Rennrad & Gravel: Das Abenteuer steht im Vordergrund
Meine Kollegen dachten wahrscheinlich, dass ein elektrisches Mountainbike ein perfektes Fortbewegungsmittel für den Firmen-Programmierer ist. Ein Bord-Elektroniker am Gaul, nur für den Fall, dass unterwegs was kaputt geht. Nach elektronischen Schaltungen, funkgesteuertem Fahrwerk und programmierbaren LED-Scheinwerfern ist meine nächste Stufe das Trek Powerfly+.
Singletrails zum Niederknien, am Sabikah-Hügel thront die Alhambra glühend rot in der Abendsonne, im Hintergrund die verschneiten Berge der Sierra Nevada
Auch wenn sich die Träume von ein paar sonnigen Tagen in Spanien im Regen verwaschen haben, waren die Stunden am Trail erleuchtend. Was 1817 mit der Laufmaschine begann und sich 1885 mit dem Reitwagen in Motorrad und Fahrrad teilte, wird in jüngster Zeit in manchen Bereichen wieder miteinander vermischt. Pedelecs sind seit einigen Jahren wichtiger Bestandteil des Fahrradhandels. Das Trek Powerfly+ FS zielt nun auf eine wesentlich sportlichere Zielgruppe als die ersten elektrischen Bikes - und das, wie ich finde, zurecht.
So nähere ich mich entschlossen und im Eco-Modus der ersten Wand, knackigen 80 Höhenmeter bei 25% Steigung. Kurz bevor meine noch kalten Muskeln Alarmstufe Rot melden, drücke ich, statt einen Gang zurück zu schalten, einfach die Plus-Taste der Fernsteuerung, und schon geht's mit e-Schub weiter über loses Geröll, mit konstanten 10 km/h und gleichbleibendem Tritt. Innerlich muss ich kichern wie ein kleines Kind. Der Motor legt auf meine Maximalleistung nochmal 250W und so geht's relativ entspannt bis zum ersten Ausguck.
Power+ statt Kette links und schon geht die Post auch bergauf so richtig ab
Einzig spürbarer Nachteil des Systems ist, dass, sobald es bergauf etwas technischer wird, die Dosierbarkeit nicht mit motorlosen Bikes zu vergleichen ist. Während ich am Mountainbike mittels Muskelkraft sehr gut an der Schlupfgrenze dosieren kann, bei Steinen oder Wurzeln mal ein wenig mehr Schwung hole oder mit Körperverlagerung drücke oder ziehe, fällt das durch die minimal zeitverzögerte Unterstützung des Elektromotors ein wenig schwerer. So kann's schon mal passieren, dass der Hinterreifen aufgrund des Watt-Überschusses durchrutscht oder noch eine Sekunde nachschiebt, obwohl man gar nicht mehr oder deutlich schwächer in die Pedale tritt. Aber das sind Feinheiten, mit denen man leben kann, solange man sich darauf einstellt und z.B. statt feiner Klinge die rohe Gewalt des Powermodus walten lässt, und statt an der Rutschgrenze zu balancieren, diese Passagen mit Geschwindigkeit nimmt.
In die gravitative Richtung fährt sich das Powerfly+ FS vom ersten Moment an sehr vertraut. Ungewohnt ist nur, dass der Motor bis 25 km/h anschiebt und sich danach mehr oder weniger abrupt aus dem Geschehen zurückzieht. So kommt zwar beim Beschleunigen aus niedrigen Geschwindigkeiten ein wenig Motocross-Gefühl auf, doch in Wirklichkeit fährt sich das Trek bergab harmonischer mit minimaler oder ohne Motor-Unterstützung.
Das Trek hat Bodenhaftung wie eine Achterbahn und macht auf ungewohnt neue Art Spaß
Die 470 mm lange Kettenstrebe hat mit dem 68° Lenkwinkel einen passenden Gegenspieler, damit das Trek noch entsprechend agil bleibt und trotzdem keine Nervosität aufkommt. Die versenkbare Sattelstütze und der neutrale Schwerpunkt verleiten außerdem dazu, schnell zu vergessen, dass das Bike “nur” 120 mm Federweg und auch kein Enduro-Fahrwerk besitzt. So weisen einem Ausritte ins härtere Gelände bald in Grenzen. Die 32 mm Standrohre der Revelation müssen immerhin mit dem Gewicht eines ausgewachsenen Downhill-Bikes zurecht kommen.
Für mich war es im Nachhinein interessant, dass ich auch am e-MTB sehr konservativ unterwegs war. Bergauf fast immer im Eco-Modus, bergab ohne Motor, bin ich vermutlich kein typischer Anwender. Dabei denke ich, dass es für ein elektrisches Fully durchaus eine Zielgruppe gibt. Das Trek ist kein Racer, aber eine gute Wahl für Biker, die - aus welchen Gründen auch immer - mit reiner Muskelkraft nicht oder zu langsam auf den Gipfel kommen und trotzdem nicht auf nette Trails bergab, ein wenig technische Passagen oder auch nur das Plus an Fully-Komfort verzichten wollen. Das Naturerlebnis auf hügeligen Pfaden wird im direkten Vergleich mit konventionellen Mountainbikes nur durch ein leises, aber ständig präsentes, Surren des Motors getrübt.
Nix für Konsis, aber ideal für Flachland-Indianer mit mehr Ambitionen als Muskeln ;)
Die Performance-Linie von Bosch ist zur Zeit sicher eines der besten und ausgereiftesten Systeme am Markt und wird von vielen Bikeherstellern verwendet. Die Kontrolleinheit sitzt im zentralen Sichtfeld am Lenker und informiert via großem Display über Geschwindigkeit, Akku-Stand, Reichweite und einige andere Daten. Gesteuert wird das Teil über eine große Lenker-Fernbedienung, die in komfortabler Griff-Reichweite ist. So ist das Bosch-System nahezu selbsterklärend.Sowohl Motor als auch Akku sitzen zentral und möglichst tief und sorgen so für einen möglichst niedrigen Schwerpunkt und ausgewogenes Handling. Herausforderung für alle Fully-Hersteller ist aufgrund des relativ wuchtigen Motorgehäuses, den idealen Kompromiss zwischen vertretbar kurzer Kettenstrebe und optimalem Drehpunkt in Kettenlinie zu finden, um gegenseitige Interferenzen zwischen Antrieb und Dämpfung zu minimieren - sprich Pedalrückschlag, Wippen, etc.
Einige Hersteller haben den Drehpunkt mit langen Kettenstreben und ausladend langem Umlenkhebel in die Kettenlinie befördert, andere wiederum verwenden eine Kettenumlenkung, um den Drehpunkt zu optimieren und die Kettenstrebe nicht unnötig zu verlängern. All diese Ansätze waren nach Ansicht von Trek schlechte Kompromisse. Deshalb entschied man sich, eine eigene Motorabdeckung zu entwickeln, um so den Drehpunkt auf Linie zu bringen.
Ein eMTB nah am konventionellen Touren-Fully
Die Lösung ist meiner Ansicht nach gelungen. Das Powerfly+ FS 9 ist im Vergleich zu anderen e-MTBs, die ich bisher fahren durfte, am nähestens an einem konventionellen MTB-Handling dran. Die Sitzposition ist zwar nicht allzu sportlich, was vor allem Einsteiger und Gelegenheits-Biker freuen dürfte, dennoch lässt sich das Powerfly wie ein echtes Mountaibike um Kurven, über Felsen oder Wurzeln werfen. Die Freude ist begrenzt durch den Akku. Bergab oder in der Ebene fährt sich's auch ohne Motor gut, doch bergauf ist der Spaß binär: Eine Riesengaude mit Motor, ein Fluch ohne.
Angeführt wurde unsere kleine Runde unter anderem von René Wildhaber. Der Downhill- und Enduro-Profi hat uns Journalisten gezeigt wo der Barthel den Most herholt. Oder anders gesagt: Die 250W Plus am Motor reichten nicht annähernd aus, um mit René mitzuhalten. Dort, wo an steilen Passagen die Elektromotoren aufgrund zu geringen Drehmoments die Patschn streckten, legte René nochmal ein paar hundert Watt Muskelkraft in die Pedale und schaffte den Hillclimb mit einer spielerischen Leichtigkeit. Und bergab waren wir ohnehin chancenlos ...
Die nächste Saison wird René mit seinem modifizierten Slash 9.8 an den Start gehen. Aufgrund persönlicher Vorlieben aber auch Sponsor-Verträge unterscheidet sich seine Version von der Trek-Serienversion. So setzt René auf ein Fox-Fahrwerk und fährt ab heuer mit einer elektronischen Shimano XTR Di2-Gruppe. Die Verkabelung ist ein Wildhaber-Eigenbau, wartungsfreundlich und mit sauberer Optik. Mit Laufrädern, Reifen und Übersetzung wird permanent experimentiert, meint René, und die finale Entscheidung oft vor Ort, aufgrund der jeweiligen Gegebenheiten des Rennens, getroffen.
In wenigen Minuten gratis inserieren – mit Fotos, Preis und Spion-Reichweite in der Bikeboard-Community.
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