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2011 stellte Mondraker ein ungewöhnliches Geometriekonzept vor. Eigentlich eingeführt am Downhill-Bike (auf dem Damien Spagnolo mit 10 mm kurzem Vorbau Vizeweltmeister in Champery wurde), hielt die Forward Geometry nach und nach Einzug im Sortiment der spanischen Firma und löste damit einen der größten Trends der vergangenen Jahre aus. Spricht man von Forward Geometry, bedeutet dies, dass im Vergleich zu Geometrien der vergangenen Jahrzehnte hauptsächlich Oberrohrlänge, Reach und Radstand der jeweiligen Rahmengrößen gewaltig an Länge zulegen. Ausgeglichen wird dieses Wachstum durch kürzere Vorbauten, damit der Fahrer nicht wie Mario Cippolini auf dem Rad liegt. Die Hauptvorteile der gestreckten Front lauten enorme Laufruhe und Stabilität sowie eine zentralere Sitzposition innerhalb des verlängerten Rahmendreiecks, und machen sich vor allem bei Abfahrten, aber auch bergauf bemerkbar.
Einer der Hauptverantwortlichen für die radikale Geometrieveränderung war Cesar Rojo, ein erfolgreicher ehemaliger Weltcup-Downhill-Pro, der auch ein besonderes Händchen für Industriedesign an den Tag legt. Mit Hilfe des Mondraker Downhill Teams - damals noch mit Fabien Barel in seinen Reihen, dessen fundiertes Wissen und Können bei Entwicklungsarbeiten Gold wert ist - wurde das System auf seine Praxistauglichkeit getestet und nach kurzer Zeit von allen Fahrern des Teams im Renneinsatz verwendet.
Schon vor gut einem Jahrzehnt experimentierte Gary Fisher mit längeren Oberrohren, gepaart mit kürzeren Vorbauten, wenn auch nicht ganz so extrem wie Mondraker. Der Anwendungsbereich vor allem im Cross-Country-Sektor war trotz durchaus guten Feedbacks von Fahrern seiner Zeit aber vermutlich etwas voraus und wurde von Trek nach der Eingliederung von Gary Fisher in deren Lineup wieder in die Schublade verbannt. Der Ansatz von Mondraker hingegen sollte auch von Konkurrenzfirmen nicht unbeachtet bleiben. Heute gehört vor allem bei Enduro-Bikes die adaptierte Geometrieveränderung mit längerem Reach zur Norm.
Die Vorteile des längeren Reaches und Radstandes liegen auf der Hand: 1.) Höhere Kontrolle und Sicherheit bei Abfahrten Die Vorderradachse ist im Vergleich zur traditionellen Geometrie weiter nach vorne verlagert. Das erhöht die Fahrstabilität und verhindert, dass man im steilen Gelände zu weit mit dem Körperschwerpunkt über die vordere Radachse wandert, was das Gefühl des "Über den Lenker gehens" reduziert. Insgesamt bietet Forward Geometry durch die Veränderung des Schwerpunktes mehr Sicherheit und Laufruhe. Der Front-Center-Wert (gemessen zwischen Tretlager und Vorderachse) wächst um ca. 10 % gegenüber einer klassischen Geometrie an.
2.) Vertrauen bei hoher Geschwindigkeit Durch den verlängerten Radstand erhöht sich die Laufruhe in jedem Gelände.
3.) Direktes Lenkverhalten Kurze Vorbauten mit einer geringen Länge von 10 mm, 20 mm oder 30 mm erlauben eine sehr direkte Lenkpräzision, sodass das Rad schneller und leichter reagiert. Schon ein geringes Einschlagen des Lenkers bewirkt einen größeren Lenkwinkel beim Vorderrad.
4) Erhöhter Bodenkontakt im Anstieg Durch den verlängerten Radstand und den veränderten Fahrerschwerpunkt ruht mehr Gewicht auf dem Vorderrad. Dadurch neigt das Bike weniger zum Aufbäumen.
Vorteile also, welche die Nachteile wie veränderter Druckpunkt über dem Vorderrad (an den man sich schnell gewöhnt) oder weniger Wendigkeit bei weitem übertreffen und nicht nur für Experten, sondern für alle Fahrerlevels spürbar sind. Wer einmal lang gegangen ist, wird Schwierigkeiten haben, jemals wieder mit einem kürzeren Bike bergab zu jagen.
Die Unterschiede zwischen einer herkömmlichen Geometrie, wie man sie bis vor ungefähr fünf Jahren gewohnt war, zu einem modernen Vertreter wie Mondrakers Forward Geometry, sind mitunter sehr groß. Als Mondraker die Forward Geometry bei ihren Foxy All-Mountain-, Dune Enduro-, Factor Trailbike- und Summum Downhill-Modellen 2013 erstmals einsetzte, haben sie ihre Geometrie-Formel darauf aufgebaut, dass sich trotz längerem Oberrohr die eigentliche Sitzposition nicht ändern sollte. Darüber hinaus waren die ersten Forward Geometry bestückten Bikes auf maximal zwei Rahmengrößen pro Modell beschränkt und gab es jedes Modell auch noch mit klassischen Maßen. Am Beispiel des Foxy All-Mountain-Rahmens demonstriert, wurde das Oberrohr, und damit der Front-Center Wert, gegenüber der klassischen Geometrie um 60 mm verlängert und mit einem 10 mm Vorbau kombiniert. Damit war derselbe Wert erzielt, wie bei ihrer damaligen klassischen Grundausstattung mit einem 70 mm Vorbau.
Mittlerweile wurde das Konzept leicht angepasst, da die Modelle mit Forward Geometry nunmehr aufgrund der höheren Massenakzeptanz und -tauglichkeit mit 30 mm Vorbau ausgeliefert werden und die Oberrohre im Schnitt um 45 bis 50 mm verlängert werden. Insgesamt sitzt man also eine Spur gestreckter auf den Bikes, als noch vor fünf Jahren, wobei der Unterschied mit 10 mm marginal ist, bzw. in der Zwischenzeit sich bei den meisten Bike-Marken die Sitzposition sowieso etwas sportlicher gestaltet. In ihrer fünften Saison verfügen alle Modelle in Mondrakers Lineup über die Forward Geometry. Immer noch wird an den Maßen von Reach, bzw. Oberrohrlänge, die sich für die unterschiedlichen Einsatzgebiete leicht unterscheiden, gefeilt und getüftelt.
In weiteren Zahlen ausgedrückt, unterscheiden sich heutzutage die klassischen Geometrien von den verlängerten Werten innerhalb eines gewissen Spielraums.Am Beispiel eines Größe M Rahmen, konnte man von einer horizontalen Oberrohrlänge von 580 bis 590 mm und einem Reach von 410 bis 420 mm ausgehen. Beim Foxy All-Mountain-Modell von Mondraker misst das Oberrohr in Größe M satte 635 mm, mit einem Reach von 478 mm. Bei den weiteren Größen setzen sich die Längenmaße in ungefähr 20 mm Schritten fort. Das XL Modell des Foxy kommt dabei auf einen Reach von satten 518 mm. Auch der Radstand wächst massiv an. 1.193 mm sind es beim Foxy in Größe M. Ein Wert, den man früher nicht einmal bei einem Downhillbike in dieser Rahmengröße vorgefunden hat und der klassische Radstände um ungefähr 60 mm übertrifft. Viele - um nicht zu sagen fast alle - Konkurrenzfirmen von Mondraker bauen mittlerweile auch durch die Bank längere Rahmen, vor allem im Gravity-Bereich. Ganz so extrem fallen die Verlängerungen aber bei den wenigsten aus. Jeder scheint auf seine Art und Weise nach eigenem Rezept zu köcheln. Im Schnitt sind vergleichbare Modelle und Rahmengrößen um ca. 10 bis 20 mm kürzer in puncto Reach und Oberrohrlänge, wobei dazugesagt werden muss, dass die Vorbauten im Schnitt dann auch 10 bis 20 mm länger sind, wodurch sich ähnliche Sitzpositionen wie bei Mondraker ergeben.
Wie schon vor einigen Jahrzehnten, ist auch heute noch die Länge des Sattelrohrs ein ausschlaggebender Faktor, welche Rahmengröße man wählt, beziehungsweise wählen kann. Mit dem Einzug der Teleskopsattelstützen sind kleinere Fahrer und vor allem Fahrerinnen auf kürzere Sattelrohrlängen angewiesen, um Stützen mit zumindest 125 mm Versenkung verwenden zu können. Langsam, aber stetig reagieren nach und nach mehr Hersteller auf das Verlangen nach kürzeren Sattelrohrlängen. Dadurch ergibt sich auch ein breiteres Spektrum an Rahmengrößen, die man je nach persönlicher Vorliebe des Reaches aussuchen kann. Übrigens: Wer sich noch nicht ganz mit dem längeren Reach anfreunden kann, findet bei manchen Firmen nunmehr eine XS-Rahmengröße im Programm, welche die Werte eines klassischen Größe S Rahmens aufweist. Größer Gewachsene können einfach eine Rahmennummer kleiner als gewohnt wählen. Auch in diesem Bereich muss Mondraker ein Lob ausgesprochen werden, da sie trotz ihrer Länge mit sehr kurzen Sattelrohren auch kleinere Piloten oder Pilotinnen bedienen. Nur 380 mm Länge beim Größe S Rahmen sind vorbildlich und machen sie zumindest für die Saison 2016 zu einem von zwei Anbietern, die auch ein waschechtes Carbon-Enduro mit diesen Maßen in petto haben.
Die 10 mm kurzen Vorbauten der ersten Stunde sind bei Mondraker auch 2017 als Aftermarket-Komponenten erhältlich. Ihr kompromisslos direktes Lenkverhalten und der Nachteil, dass das Steuerrohr sehr kurz abgeschnitten werden muss, um mit der Lenkerhöhe konstruktionsbedingt nicht eine zu hohe Bauhöhe in Kauf nehmen zu müssen, spricht allerdings nur eine gewisse Käuferschicht an. Alternativ gibt es von der Firma Pacenti mittlerweile auch den PDent Lenker mit einer Eindellung an der Stelle, wo dieser am Steurrohr anschlagen würden, um 15 mm kurze Vorbauten verwenden zu können, ohne in der Bauhöhe eingeschränkt zu sein oder das Steuerrohr kürzen zu müssen. Aber Theorie ist Theorie. Obwohl wir schon wissen, wie sich Bikes mit längerem Reach fahren und es nicht mehr missen möchten, werden wir in Kürze beim Test eines Mondraker Foxy 2017 herausfinden, wie sich die Forward Geometry des Vorreiters am Trail schlägt. Stay tuned ...
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