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Das Unternehmen der Familie Rose wurde im Jahr 1907 gegründet. Im Sommer wurden anno dazumal Fahrräder verkauft, in der kalten Jahreszeit hingegen brachten Nähmaschinen Geld in die Kasse. Erst 1994 wurde ein Versandlager errichtet, aus welchem von Rose importierte, in Kanada produzierte Räder der Marke „Red Bull“ direkt an Endkunden verschickt wurde. Seit dem Jahr 2011 werden die Räder ausschließlich selbst hergestellt und unter dem Markennamen „Rose“ auf den (Versand-)Markt gebracht.Der im deutschen Bocholt ansässige Hersteller hatte im Jahr 2015 mit 240 Mitarbeitern einen Umsatz von knapp 78 Millionen Euro erwirtschaftet. Somit lag man zwar hinter dem direkten Konkurrenten Canyon, der Werdegang ist aber dennoch eine beeindruckende Erfolgsgeschichte.Einzig der Name „Rose“ führt scheinbar immer noch eine Art Schattendasein in den Köpfen der österreichischen Radsportler. Der für manche so wichtige „Posingfaktor“, also bereits kraft des Markennamens Aufmerksamkeit vor dem Rad-Café zu erhaschen, fehlt offenbar noch.
In Wahrheit jedoch zeugen etliche hervorragende Testergebnisse von der Qualität und Güte der hergestellten Produkte. Und: Während andere Versender mit den Preisen gehörig angezogen haben und man das Gefühl bekommen könnte, ein Versandbike hätte keinerlei Preisvorteil mehr gegenüber dem herkömmlich vom Händler erstandenen Rad, geht Rose immer noch klar als Preis-/Leistungs- Musterschüler durch.Der Bike-Konfigurator auf der Homepage bietet mit seinen zahlreichen Optionen die Möglichkeit, sich sein eigenes Traumbike individuell zusammenzustellen. Der gesamte Bestellvorgang geschieht intuitiv und die anlaufenden Kosten sind auf einen Blick erkennbar. Um potenziellen Kunden die Angst davor zu nehmen, vielleicht die Katze im Sack kaufen zu müssen, hat Rose sogenannte Testcenter etabliert, in welchen man die Bikes auch Probefahren kann. In Österreich befindet sich ein solches Center in Maria Alm.
Auf die oben beschriebene Art wurde schließlich auch das hier vorgestellte Testbike konfiguriert. Wir entschieden uns für das Modell „Xeon CDX Cross“, samt kompletter Sram Force Gruppe (2fach Kompakt) und R23 Spline Laufrädern aus dem Hause DT Swiss. Auch die Einfachversion der Force wäre eine gute und vor allem simple Lösung gewesen, für einen echten Allrounder dürfte die 2fach-Force das Einsatzgebiet aber noch einmal spürbar erweitern.Verzögert wird das Rad durch hydraulische Sram Force Flat-Mount Scheibenbremsen mit 160 mm, für die dazu nötige Steifigkeit sorgen vorne und hinten Steckachsen mit 15 bzw. 12 mm. Lenker und Vorbau tragen das Logo von Tom Ritchey (WCS), die verbaute Sattelstütze sowie die Gabel (beide aus Carbon) werden von Rose selbst produziert. Als Basis für das Crossover Bike dient ein knapp 1.040 g leichter, in glänzendem Schwarz-Rot lackierter T30/T40-C Rahmen.Die Geometrie liegt sicherlich näher am Rennrad als am echten Wettkampf-Crosser, was auf eine gute Eignung als Gravel/Crosser-, sowie - mit anderen Reifen - auch als Endurance/Granfondo-Rad schließen lässt. Als maximaler Reifendurchlauf werden von Rose 42 mm angegeben, wir entschieden uns für Schwalbe Racing Ralph Evo Reifen mit 33 mm Breite.Als Gewicht wurden für diese Ausstattung 7,8 kg angegeben, vorbehaltlich einer fertigungsbedingten Schwankung von +/- 5%. Ein wahrlich beeindruckender Wert - und das zu einem Kampfpreis von 2.399 Euro (exkl. Verpackung und Versand)!
Das Crossover-Wunder
Nach relativ kurzer Zeit (ca. 2,5 Wochen) erfolgte auch schon die Zustellung. Das Rad wurde sicher verpackt und perfekt vormontiert ins Haus geliefert. Als erste Änderung wurde der Sattel getauscht. Zum einen ist der Fizik-Tundra-Carbon ohnehin meine bevorzugte Sitzgelegenheit fürs Grobe, zum anderen ist dieses Rad so beeindruckend leicht, dass der zwar komfortable, aber doch relativ schwere Ergon irgendwie deplatziert wirkte.Bei der folgenden Gewichtsüberprüfung ohne Pedale pendelte sich die hauseigene Kofferwaage bei 7,68 kg ein. Dieser Wert sucht bei ähnlichem Konzept seinesgleichen, selbst wenn man nicht das Glück hat, ein fertigungsbedingt leichteres Rahmenset zu bekommen.
* Kurbel mit power2max NG Sram Force 22 Leistungsmesser anstelle des Standard-Spiders** Der Fizik Tundra passte dem Tester besser und machte das Rad leichter*** Preis zuzüglich € 19,95 Verpackung und € 32,00 Versand nach Österreich
Als nächste Maßnahme wurde der Kurbel ein brandneuer power2max NG Sensor verpasst, um die ausgeworfenen Trainingsdaten auch für den Test effizient nutzen zu können.Die Verarbeitung des Rades ist sehr hochwertig, die Qualität der Lackierung gehoben und das überdimensionierte Unterrohr mündet in ein nicht minder mächtiges Tretlagergehäuse. Während auch das Steuerrohr einen massiven Eindruck macht, wird das Rad von der Front bis zum Heck ein wenig graziler. Die relativ zarten Sitzstreben sind recht tief angesetzt und sollen so für verbesserten Komfort am Hinterbau sorgen. Die Sattelklemmung ist in das Sitzrohr integriert und hält im Geländeeinsatz allen Stößen locker stand und den Sattel in der richtigen Höhe.Zusätzlich sind am Ausfallende und an der Gabel kleine Ösen angebracht. Diese dienen zur Aufnahme von Schutzblechhalterungen. Fast schon überflüssig ist es zu erwähnen, dass die Züge innen verlegt wurden. Das Xeon CDX Cross macht insgesamt einen sehr ausgewogenen und sportlich-eleganten optischen Eindruck.
Nach meinen Strava Aufzeichnungen wurde das Xeon CDX bisher über harte und meist schottrige 2.171,8 km gequält und geprügelt. Kaum ein Meter davon wurde auf einer Bundesstraße zurückgelegt. Trainingskollegen, die ebenfalls dem "Rough Stuff" verfallen sind, wurden gar Zeugen von wahren Materialvernichtungsschlachten in tiefem Schlamm, aber auch diese konnten das Rad nicht nachhaltig schädigen.Die gewählten Schwalbe Reifen passen dabei recht gut zum agilen Fahrverhalten, ich hätte aber eine bessere Pannensicherheit auf meiner Wunschliste gehabt. Alles in allem ist es wirklich gar nicht einfach, das Fahrverhalten dieses Rades exakt zu beschreiben. Einerseits gibt einem der relativ lange Radstand immer ein Gefühl der Sicherheit und Kontrolle, andererseits ermöglicht die Geometrie (vor allem die Front) wirklich direkte und schnelle Lenkmanöver. Auf der Landstraße fährt es sich ähnlich einem Endurance Rad, auf grobem Untergrund wie ein agiles und sehr schnelles Gravelbike, welches dennoch nicht aus der Ruhe zu bringen ist. Auch das Handling auf engen, Singletrail-artigen Waldwegen ist wirklich ausgezeichnet.Der leichte und sehr steife Rahmen drängt einen förmlich zum Gas Geben und bietet auch für kräftige Fahrer ein Chassis mit jeder Menge Sicherheitsreserve. Selbst wenn sich die Beine schon müde anfühlen, vermittelt das Xeon CDX immer noch Lust auf Tempo und Vergnügen.
Mit schmaleren Reifen ohne Profil wird das Rad zu einem noch leichteren Enduro Rennrad, welches mit entsprechender Überhöhung gefahren werden kann. Genaugenommen kann es eigentlich alles, außer vielleicht einen TT Sieg einfahren.Es versteht sich von selbst, dass zwar alles außergewöhnlich gut, aber nicht perfekt gestaltet werden konnte. Die massive Front mit der geraden Gabel schlägt im rauen Gelände schon merklich zurück, ab und zu treten auch feine Vibrationen auf, so man es wirklich wissen will. Diese ändern zwar nicht das Fahrverhalten, man spürt es aber in den Handgelenken. Das Heck hingegen ist vorbildlich komfortabel, wenn auch die Schlupfgrenze an sehr steilen Anstiegen nicht ganz so weit oben ist wie bei einem echten Gravel-Traktor mit gemächlicherer Geometrie. Abfahrten und kurvenreiche Wege machen dafür enorm Spaß.Die Force Scheibenbremsen packen kräftig zu, lassen sich aber auch sehr gut dosieren. Der Verschleiß an Bremsbelägen steigt proportional zum Einsatz im Dreck. Ebenso verhält es sich mit der Kette. Bisher musste zwar noch nicht getauscht werden, der Druckpunkt an den Bremshebeln beginnt aber zu wandern, was ein untrügliches Zeichen dafür ist, dass es mit den Belägen schön langsam zu Ende geht.
Derzeit kenne ich kein besseres Crossover-Rad auf dem Markt. Der Preis ist heiß, ebenso wie das Gesamtkonzept. Es macht einfach nur Spaß, sich mit dem Rad die Weiten der unzähligen Gravelkilometer in Österreich zu eröffnen. Hätte ich einen Vorschlag bringen müssen, um auch nur ein Detail zu verbessern: Ich wüsste keinen, der auch technisch umsetzbar wäre.Die Attribute leicht, steif, sicher, extrem animierend und optisch ansprechend, all das zu einem wirklich fairer Preis, lassen nur ein Urteil zu: Überragend!
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