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Auf Achse: "Wahnsinn Eurobike"

Auf Achse: "Wahnsinn Eurobike"

06.10.22 07:06 3.808Text: gabriwaFotos: Martin Moravek (www.martinmoravek.com)Eurobike in Frankfurt: Gewalt, Drogen und Alkohol - ein übler Cocktail, zu dem die Bikeboard Crew nur schwer Nein sagen kann.06.10.22 07:06 4.012

Auf Achse: "Wahnsinn Eurobike"

06.10.22 07:06 4.01212 Kommentare gabriwa Martin Moravek (www.martinmoravek.com)Eurobike in Frankfurt: Gewalt, Drogen und Alkohol - ein übler Cocktail, zu dem die Bikeboard Crew nur schwer Nein sagen kann.06.10.22 07:06 4.012

Ich packe meinen Koffer und nehme mit: Zahnbürste, eine Unterhose zum Wechseln, Multitool (mit Kettennieter) und Pfefferminzpastillen. Nein, kein romantisches Getaway nach Ueckermünde steht an, sondern ein Business Trip nach Frankfurt am Main. Oder Oder? Nein, Main. Jedenfalls das mit den Hochhäusern und Haftbefehl, ihr wisst schon. Gewalt, Drogen und Alkohol - ein übler Cocktail, zu dem die Bikeboard Crew nur schwer Nein sagen kann.
Und zufällig hat dieses Jahr die Eurobike ebendort nach zweijähriger Pause wieder stattgefunden - warum also nicht das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden?

Gesagt, getan! Um 5 Uhr früh fährt die schwarze Limousine vor, NoPain am Steuer. Taxiservice Deluxe - absolut empfehlenswert. Geflogen wird stilecht mit einem Flieger, Klapptisch und Fensterblende inklusive. Man gönnt sich ja sonst nichts.

 Die Eurobike ist die größte Fachmesse für das Fahrrad in all seinen wunderbaren und komischen Ausprägungen. Seit 1991 konnte sie ihre Position stets stärken und obwohl in den letzten Jahren immer mehr Kritik an der fehlenden Relevanz dieser Mega-Messen laut geworden ist, waren die Hallen in Frankfurt dieses Jahr wieder zum Bersten gefüllt. Der Corona-bedingte Bikeboom und die zweijährige Pause haben sicherlich auch zum neuen Hochflug beigetragen. 

Nach 90 Minuten Flugzeit, die sich eher wie eineinhalb Stunden angefühlt haben, und einer Tasse Kaffee, die als B-Probe von Lance Armstrong hätte durchgehen können, landen wir endlich in Frankfurt, der schönsten Stadt in Hessen (dicht gefolgt von Darmstadt). Frankfurt wurde einzig zu dem Zweck errichtet, das vermutlich größte Messegelände in Zentraleuropa dort aufzubauen. Leider hat die Messe Frankfurt keinen eigenen Flughafen, sonst hätte man sich die Zugfahrt sparen können, aber vielleicht ist der ja noch in Planung. In Deutschland dauert es mit den Flughäfen ja wirklich lange, bis sich da was tut.

Wir kommen also am Messegelände an und schnell wird klar - nur ned hudeln, zuerst ab in den Pressebereich frühstücken. Nach einer lukullischen Achterbahnfahrt der Geschmacksknospen (noch mehr “Kaffee” und Sandwiches) hieven wir unsere Körper auf die Rolltreppen. Ich halte eine Liste mit Terminen in Händen. Ganz schön viele Punkte gehen sich da aus auf so einer A4-seitigen Tabelle, vor allem bei Schriftgröße 3 pt.

Mein Auftrag ist simpel: Professionelle Berichterstattung - zwei Fremdworte für mich, aber wie sagt man so schön: Mit Speck fängt man Mäuse! Und Speck sollte es dort in den endlosen Hallen zur Genüge geben.

 Tatsächlich möchte ich vorab nochmals darauf hinweisen, dass die Messe in Frankfurt mit 592.127 Quadratmetern Grundfläche in etwa eineinhalb mal so groß ist wie der Vatikan. 

Was ich damit sagen will: man hatscht ewig.

Meine persönlichen Highlights

Ehrlicherweise habe ich mir die Messe anders vorgestellt, denn dieses Jahr lag der Fokus eindeutig auf E-Mobilität und alles drum herum. E-Bikes in allen erdenklichen Ausführungen prägten das Bild. Egal ob große oder kleine Firmen - dem Thema Elektro ist man nicht ausgekommen. Dennoch: Wenn man nur lange genug und hartnäckig suchte, konnte man durchaus den ein oder anderen interessanten Stand finden.

Restrap

Mit Bikepacking verbindet mich eine gewisse Hassliebe. Einerseits sind es die grindigsten Events, weil meist mehrtägig und extrem anstrengend, andererseits gibt es bei Langdistanzrennen einfach so viel Verbesserungspotential, sei es die eigene Taktik oder eben das Experimentieren mit Equipment. Restrap ist eine Marke aus dem Vereinigten Königreich, die seit einigen Jahren sehr hochwertige Taschen und kluge Gepäcklösungen für das Fahrrad anbietet. Alle ihre Produkte werden seit der Entstehung des Unternehmens im Jahr 2010 in Yorkshire gefertigt - unter höchsten Qualitätsansprüchen, was Material und Verarbeitung angeht, versteht sich.
Dieses Jahr haben sie die überarbeitete Race Serie präsentiert: Eine wasserfeste Komplettlösung für alle, die möglichst wenig, das dafür aber stilvoll und sauber mitschleppen möchten. Ich selbst habe mir letztes Jahr für das Hungarian Divide ein Set gegönnt und bin nach wie vor sehr zufrieden damit.

Silca

Hätte ich gewusst, dass mich derart lange Fußmärsche zwischen den einzelnen Stationen erwarten, hätte ich meine Heelys mitgebracht - Pech gehabt. Mit Blasen an den Füßen erreiche ich den Stand von Silca. “Aha, teure Pumpen aus Italien”, denke ich, aber weit gefehlt! Silca ist zwar 1917 in der Nähe von Mailand gegründet worden, jedoch seit 2014 in Indianapolis beheimatet. Mittlerweile werden dort die verrücktesten Dinge gedreht, oder besser gesagt, gedruckt. Denn irgendwann sind Titan 3D-Drucker angeschafft worden und laufen seitdem rund um die Uhr. Egal ob Werkzeug, Rahmenteile oder Hochpräzisionsmessgeräte - diese Drucker können anscheinend alles. Wenn sich auch mir der Sinn eines 3D-gedruckten Titan/Gummihammer nicht ganz erschließt - cool finde ich es trotzdem.

Manche Stände sind so groß, dass man sich ohne Guide ziemlich sicher verläuft. Bei Shimano zum Beispiel gibt es auf dem Stand noch einen eigenen Infostand - damit man sich Info wirklich dort holen kann, wo man sich Info holen kann. Shimano hat auch wirklich alles gezeigt. Und ich meine: Wirklich alles. Ich habe mir daher kaum etwas genauer anschauen können, bis auf ein neues und ziemlich cooles Paar Gravelschuhe. Leider durften wir keine Fotos machen, weil diese noch nicht offiziell gelauncht waren. :/
Andere Stände sind klein und spezialisiert, wie etwa Tubolito - ein Produkt und fertig. Die größten Neuerungen sind glaube ich ein neues Flickset. Simpel, aber mehr braucht es oft nicht.

Castelli

Tag 1 endet mit einer Veranstaltung bei Castelli, etwas abseits in einem Schloss, zum Grillen, Plaudern und Gewand Anschauen. Harter Tag - gegen 22 Uhr werden wir wieder in die Stadt geshuttled und checken im Toyoko Inn, der besten Absteige der Stadt, ein.

The Day after

Der nächste Tag beginnt wie gewohnt mit einer Tasse deutschem Kaffee, mehr Schrei nach Hilfe als sonst etwas - vielleicht wäre Tee die bessere Option gewesen. Jedenfalls ist der Terminkalender am Tag 2 nicht minder stressig als am Tag zuvor. Ich jogge von Halle zu Halle; mittlerweile gänzlich im Runner's High nehme ich die Umwelt nur noch als diffusen Nebel wahr, alles erscheint mir wie in Trance - wo ist die nächste Labestation? Ein Passant drückt mir (wohl aus Mitleid) eine halbe Banane und ein Paracetamol in die Hand.

KTM

Ich finde mich bei halbem Bewusstsein am KTM Stand wieder und reibe mir verwundert die Augen. Ganz schön bunt für KTM - was ist mit Orange passiert? Anscheinend haben die Designer eine neue Software bekommen, die mehr als nur drei Farben anzeigen kann. Die Räder, allen voran die Mountainbikes, sind technisch ja schon lange im High-End-Sektor zuhause, und jetzt endlich auch in vielfältigen Farbschemata erhältlich. Mein Favorit ist ganz klar das Prowler in Violett - eindeutig ein Bombengefährt.

Pearl Izumi

Im Laufe des zweiten Tages sinkt die Aufmerksamkeitsspanne bereits nach wenigen Stunden Richtung Null. So viele Eindrücke - das packt man nicht. Kurz möchte ich mich ausruhen und finde am Stand von Pearl Izumi eine Sitzmöglichkeit - Hosianna, welch Wohltat für meinen geschundenen Geist und Körper! Während ich so sitze und regeneriere, wandern meine Blicke über die präsentierten Produkte: Schuhe, Jerseys, Hosen, Jacken, und so weiter und so fort. Nichts Außergewöhnliches, möchte man auf den ersten Blick meinen; dennoch packt mich die Neugier und ich komme mit den Leuten hier am Stand ins Gespräch. Pearl Izumi ist sich der großen Probleme unserer Zeit bewusst und möchte als Brand ein gutes Vorbild abgeben - so hat sich das amerikanische Unternehmen zum Ziel gesetzt, in den kommenden Jahren das gesamte Sortiment klimaneutral zu produzieren. Verpackungsmaterial wird bereits jetzt konsequent minimiert und wo möglich wird Kunststoff durch biologisch abbaubare Optionen ersetzt.
Bei Pearl Izumi steht nicht der rein sportive, wettkampfgetriebene Performancegedanke im Vordergrund, sondern es geht prinzipiell darum, Menschen die Freude am Radfahren näher zu bringen. Lustig, da komme ich zufällig zu einer Marke, die ich nur vom Hörensagen kenne und muss erkennen, dass ich ein komplett falsches Bild davon hatte.

Abreise

Nach zwei erfolgreich verlebten Marschtagen freue ich mich auf die Heimreise. Haben sich meine Erwartungen erfüllt? Beeindruckend ist die Eurobike auf jeden Fall, alleine schon wegen der schier unglaublichen Größe. Leider macht es das auch recht schwer, sich wirklich auf alle Aussteller einlassen zu können. Am besten man schaut sich vorab den Messeplan mit allen Ständen an und legt seine Highlights fest, andernfalls geht man in der Menge unter. 
Leb wohl, Frankfurt - vielleicht bis nächstes Jahr, dann aber stilsicher mit einem Bikeboard


beim titelbild dachte ich schon, dass ihr endlich mal ein standesgemäßes fortbewegungsmittel bekommen habt.

 

@silca: offenbar haben die einen 3d-drucker bekommen und spielen jetzt ein bisserl damit rum. wir sehen hinterbauten, werkzeuge, garminhalter etc. preise sind so, dass sich das druckerzeug in wenigen monaten amortisiert, sollten sich genug amis finden, die nicht wissen, wo sie ihre kohle sonst investieren sollen.

Bearbeitet von hermes
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Irgendwie schade dass im Bikeboard solche Berichte jetzt auch schon in diesem undefinierbaren Mix-Stil aus Schüleraufsatz und Insta-Tante geschrieben werden, in denn sich die Autoren selbst viel zu wichtig nehmen. Berichtet über die Messeneuigkeiten und gut is - es interessiert niemanden ob ihr vom zu Fuß gehen auf einer Messe Blasen bekommt (wie lächerlich ist das eigentlich?) oder wie viele Kaffee ihr wo getrunken habt. Danke.

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Am 16.10.2022 um 20:13 schrieb irmenkop85:

Irgendwie schade dass im Bikeboard solche Berichte jetzt auch schon in diesem undefinierbaren Mix-Stil aus Schüleraufsatz und Insta-Tante geschrieben werden, in denn sich die Autoren selbst viel zu wichtig nehmen. Berichtet über die Messeneuigkeiten und gut is - es interessiert niemanden ob ihr vom zu Fuß gehen auf einer Messe Blasen bekommt (wie lächerlich ist das eigentlich?) oder wie viele Kaffee ihr wo getrunken habt. Danke.

Gern geschehen. Wenn Sie den sachlichen Bericht über die News von der Eurobike lesen wollen: 

 ↪️ https://bikeboard.at/magazin/Eurobike-Melange-Diverse-News-2023-th10062

 

Per du sind wir übrigens noch lange nicht, dafür hab ich mir nicht die Finger in der Insta-Tanten Universität wund geschrieben. Schönen Abend dennoch. 

 

FYI: https://www.kapiert.de/deutsch/klasse-7-8/zeichensetzung/kommasetzung-ii/kommas-in-nebensaetzen-mit-dass/

Weiters: 

https://www.nachhilfe-team.net/lernen-leicht-gemacht/nominalisierung/

Das "denn" anstelle von "denen" lass ich jetzt als Schlampigkeitsfehler durchgehen. 

 

Alles in allem eine solide 3 👍

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