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Größe: 181cm Schrittlänge 86cm Gewicht: 75kg Fahrstil/-können: nichts wirklich gut, dafür alles andere richtig schlecht stinkfaul und adipös
Nachdem ich das alte Ultimate CF SLX die letzten beiden Jahre ausgiebig testen durfte, aber schweren Herzens Ende letzten Jahres zurück geben musste, hatte der Schmerzlose aka. The Big Boss eine kleine Überraschung für mich. Wahrscheinlich verdanke ich es meiner pulitzerpreisverdächtigen Berichterstattung (interne Stimmen meinten einfach nur, wenn mich das alte Rad überlebt hat, schaffe dies das neue hoffentlich auch), dass ich 2013 den völlig neu entwickelten Nachfolger des Edelrenners aus Koblenz so richtig rannehmen darf!
Was soll man an einem fast perfekten Rad noch besser machen?", dachte ich mir anfangs. So Einiges, wie sich herausstellen sollte.Das von Grund auf neu konstruierte Rahmenset setzt neue Maßstäbe in der Kombination aus Gewicht und Steifigkeit und punktet mit außergewöhnlichem Design. Nur 790 Gramm leicht, markiert der neue Ultimate CF SLX die technologische Speerspitze der 2013er Rennradmodelle von Canyon.Die brandneue One One Four SLX Race-Gabel (320 g) mit Karbon-Ausfallenden ist analog zum Rahmen noch einmal leichter, steifer und komfortabler geworden. Dank 1 ¼ Zoll Gabelschaft sind maximale Steifigkeit für den Sprint und beste Lenkpräzision für die Abfahrt garantiert.Die schlanken Rohre, die fließenden Formen und das innenverlegte Zugführungssystem verleihen dem Rahmen eine ästhetische Optik; selbst im Press-Fit Tretlager mit Vollcarbon-Lagersitz und den asymmetrischen Kettenstreben verlaufen die Schaltzüge innen.Der Ultimate CF SLX Rahmen ist mit allen mechanischen und elektronischen Schaltgruppen kompatibel. Und: Ich war ja schon immer ein Fan von matten Lacken. In Kombination mit den dezenten roten Decals war es Liebe auf den ersten Blick.
Out of the Box wiegt das neue Ultimate gerade mal 6,9 kg, und das, obwohl die Ultegra Di2 nicht zu den leichtesten Schaltgruppen zählt. Mavic Ksyrium S ist ein sehr zuverlässiger, stabiler und leichter Laufradsatz. Die Mavic Yksion Pro Powerlink/Griplink sind mit ihren jeweils 190 g richtige Leichtgewichte, wodurch das Laufradsatz-System gerade mal auf knappe 2.000 Gramm kommt. Wie bereits erwähnt, ist die Shimano Ultegra Di2 kein Leichtgewicht, aber perfekte Verarbeitung und unübertroffenes Handling macht sie für mich zu einer der besten Schaltungen am Markt - noch dazu zu einem vernünftigen Preis. Laut Shimano hat der integrierte Akku eine Laufleistung von ca. 2.000 km, danach gehört er wieder ans Netz. Da Herstellerangaben nur dazu da sind, um überprüft zu werden, habe ich auch das getestet. Bei mir, Flachlandtiroler par excellence, hat eine Akkuladung exakt 2.500 km gereicht. Danach schaltete die Di2 ins Notprogramm. D.h., der Umwerfer schaltet aufs kleine Blatt, das Schaltwerk kann weiter wie gewohnt betätigt werden. Wie lange man mit dem Notprogramm noch fahren kann, wollte ich dann aber doch nicht herausfinden. Ich bin damit jedenfalls ohne Probleme noch 50 km nach Hause geradelt. Komplettiert wird das Rad durch solide Ritchey WCS Alu-Anbauteile. Apropos Anbauteile: Wie auch schon beim letzten Rad ließ ich mir von Canyon gleich bei der Bestellung den niedrigeren Steuersatz einbauen und einen längeren Vorbau montieren. Dies ist für Otto Normalverbraucher zu einem kleinen Aufpreis möglich. Gerade in Bezug auf den Vorbau würde ich das jedem raten, der weiß, dass eine andere Vorbaulänge benötigt wird. Denn auf einen 1 ¼ Zoll Gabelschaft passt, nano nanet, nur ein 1 ¼ Zoll Vorbau, und diese sind momentan am Markt fast nicht zu haben.
Kleiner Exkurs: Verantwortlich für die Ermüdung der Muskulatur sind die Schwingungen, die aus der Fahrbahnoberfläche in den Körper eingeleitet werden. Der sensibelste Kontaktpunkt zwischen Fahrer und Rad ist der Sattel beziehungsweise die Sattelstütze, auf der bis zu 70 Prozent des Körpergewichts des Fahrers lasten. Um die permanenten Schwingungseinwirkungen auszugleichen, wird die Rücken- und Beinmuskulatur extrem beansprucht und folglich fehlt diese Kraft für den Vortrieb. Aus diesem Grund bieten immer mehr Hersteller Räder an, die speziell auf Komfort getrimmt sind. Canyon nimmt da seit einigen Jahren mit der VCLS Technologie (Vertical Comfort Lateral Stiffness) so etwas wie eine Vorreiterrolle ein.Die letzte Neuentwicklung der Koblenzer ist die VCLS Post 2.0 Sattelstütze.
Deren Funktionsweise basiert auf zwei parallelen, durchgängig getrennten Blattfedern aus flexiblen Faserverbundwerkstoffen mit einem schwimmend gelagerten Kopfstück. Dadurch wird die Schwingungsdosis, welche auf den Radfahrer wirkt, laut Hersteller um bis zu 18 % gegenüber herkömmlichen Sattelstützen reduziert.Die Sattelneigung lässt sich einfach durch paralleles Verschieben der Blattfedern zueinander einstellen, das Offset kann um 12 mm variiert werden. Die VCLS Post 2.0 ist serienmäßig in allen ES (Ergospeed) Modellen verbaut und ist optional für jedes Canyon Rennrad (ausgenommen Aeroad Serien) verfügbar.Da ich von Hörensagen nicht viel halte, unterzog ich die Sattelstütze einem ausgiebigen Härtetest, um mir mein eigenes Bild zu machen.
Eines gleich vorweg: Es ist definitiv ein Unterschied zu merken! Aber jeder der jetzt meint, dass man mit dieser Sattelstütze bei jedem kleinen Schlagloch am Sattel herum hüpft und das Gefühl in etwa so schwammig ist wie bei einem alten Traktor mit Blattfedern, liegt sehr falsch. Aufgrund der Konstruktion bleibt die Sattelhöhe fast konstant, wodurch es zu keinem Hüpfen kommt und man locker im Sattel sitzen bleiben kann. Beim normalen Dahinrollen ist kein Unterschied zur Standard-VCLS Sattelstütze zu merken, welche, nebenbei bemerkt, schon die beste Sattelstütze war, die ich je hatte. Richtig interessant wird es erst, wenn der Asphalt ruppig wird, oder man auf gepflasterten Wegen unterwegs ist. Natürlich hab ich die Sattelstütze auf meiner 3 km langen Kopfsteinpflaster-Hausstrecke ausgiebig getestet. Mein Fazit: Fantastisch! Die dabei entstehenden störenden Vibrationen werden vom VCLS Post 2.0 eliminiert und kommen erst gar nicht am Hinterteil an. Es funktioniert tatsächlich so gut, dass ein aus dem Sattel-Gehen nicht notwendig war und ich im Sitzen die volle Power auf das Pavé bringen konnte. Für Sättel mit ovalen Rails (7x9 mm) gibt es spezielle Außenklemmteile, die mitbestellt werden können.
Ich habe die Sattelstütze bislang ca. 1.000 km getestet und bin echt begeistert.Einziger Kritikpunkt meinerseits: Wie bereits oben erwähnt, bevorzuge ich kleine Rahmen, wodurch ich einen längeren Vorbau und mehr Setback des Sattels benötige. Mit dem VCLS Post 2.0 komme ich nicht auf die benötigten 27 mm Setback, selbst wenn ich den Sattel so weit wie möglich nach hinten schiebe- wodurch ich nicht die gewünschte Position am Rad einnehmen kann. Aber auch an diesem Problem wird gearbeitet. Wie ich von Sebastian Jadczak, Produktmanager bei Canyon, erfahren habe, testeten die Profis von Katusha bereits einen Prototyp mit mehr Setback bei den Kopfsteinpflasterklassikern, und Luca Paolini fuhr damit vier Tage lang im Rosa Trikot des Gesamtführenden beim Giro d’Italia. Voraussichtlich wird diese Sattelstütze 2014/15 erhältlich sein.
Seit meinem letzen Bericht ist einige Zeit vergangen. Eigentlich wollte ich nach dem Ötztaler Radmarathon einen ausführlich Bericht über die Heldentaten einer Hobbette schreiben, doch daraus sollte leider nichts werden. Denn bereits im Kühtai wurde ich durch einen Speichenriss, welcher ein Weiterfahren unmöglich machte, gestoppt. Danach war die Luft etwas draußen. Zudem musste ich mich vermehrt in Arbeit stürzen und trainierte über den Winter nur ein bis zwei Mal pro Woche … im Osten nichts Neues, könnte man sagen. Anfang dieses Jahres fasste ich aber endlich wieder etwas Motivation, denn schließlich habe ich das Ultimate zum Fahren und nicht für einen Langzeit-Stehtest im Keller bekommen. Und so setzten wir uns Anfang März in den Flieger, um acht Tage auf Malle zu trainieren (womit ich übrigens nicht der einzige Bikeboarder war … Reisebericht *klick*)
Die ersten drei Tage zählten zum Härtesten, das ich je auf einem Rad erlebt habe. "Now I have a clear understanding what crash training means: it's about driving a system against the wall with the hope that the airbag will work” hatte Alban Lakata vor einigen Wochen auf seiner Homepage geschrieben. Besser kann man meinen Einstand auf Mallorca eigentlich nicht beschreiben. Von wenig bis nichts auf fünf bis sechs Stunden am Tag, noch dazu in den Bergen, haben mich anfangs völlig zerstört. Doch wie es eigentlich noch bei jedem Trainingslager der Fall war, sprang am vierten Tag ein Backup-System aus alten Tagen an, in denen ich noch mehr trainiert hatte. Ich wachte am Morgen auf, fühle mich plötzlich ausgeruht und wusste: Ab jetzt läuft es bis zum Ende jeden Tag besser und gegen Ende werde ich eine richtig gute Form haben. Hatte es bis dahin am Rad immer irgendwo gezwickt, fühlte ich mich nun, als ob ich nie etwas anderes gemacht hätte, als den ganzen Tag am Rad zu sitzen. Mit meinem Ultimate wurde nun jede Ausfahrt zum Hochgenuss und es machte Spaß, es wieder so richtig über die Berge zu wetzen. Der teils raue Straßenbelag wurde einfach gerade gebügelt, und bei den doch häufigen Schaltvorgängen lobte ich mir die wieselflinke und mörderexakte Di2. Manchmal erwischte ich mich dabei, erneut zu staunen, wie komfortabel das Ultimate ist, wo es doch gleichzeitig eine echte Rennmaschine ist - quasi ein Wolf im Schafspelz.
Kurz vor dem Trainingslager, als ich das Rad flott gemacht hatte, war mir knapp unterhalb der Sattelklemmung ein kleiner Riss im Rahmen aufgefallen. Nach genauer Untersuchung und Rücksprache mit Canyon waren wir zu dem Schluss gekommen, dass es sich nur um einen oberflächlichen Riss handelte und ich ohne Schwierigkeiten damit im Trainingslager fahren können würde. Gleich nach meiner Rückkehr schickte ich das Rad wie vereinbart zum Tausch nach Koblenz, und bereits nach einer Woche hatte ich es wieder in Händen. Bei einem Rad vom Fachhändler ums Eck wäre es sicher nicht schneller gegangen, chapeau! Beim Check hatte sich herausgestellt, dass der Defekt tatsächlich rein oberflächlich war. Ob nun die Toleranz der Sattelstütze nicht ganz passte, oder ich die Klemmung zu fest angezogen hatte, kann man nicht mehr genau sagen. Jedenfalls hatte ich anfangs sehr oft zwischen zwei zu testenden Sattelstützen gewechselt. Kann durchaus sein, dass ich im Feldversuch etwas zu fest angezogen hatte ... Kleine Anmerkung für alle, die in Zukunft ein Rad per Post oder Botendienst verschicken wollen: Anscheinend ist es erst seit Kürzerem so, dass Sendungen, die ein Gurtmaß von 350 cm überschreiten, ohne Ausnahme nicht mehr transportiert werden. Ich habe nur zwei Botendienste gefunden, die bereit waren, das Rad mitzunehmen. Dies jedoch zum mMn völlig überzogenen Preis von 168 bzw. 680 Euro. Um sich also Kummer zu sparen, lieber gleich bei Canyon anrufen und einen Abholungsauftrag buchen! Oder ins Auto setzen und selber hinfahren. Das wäre zumindest günstiger als das Angebot des zweiten Botendienstes ;)
Ich nützte den Check auch gleich, um ein kleines Upgrade machen: Neues Lenkerband, Bremsbeläge, Flaschenhalter, Kette, Di2 Update und die neue VCSL 2.0 Sattelstütze mit 25 mm Setback.
Leider wurde mir erneut (siehe oben, Langzeittest Teil 1) eine KMC Kette verpasst. Nicht nur, dass sie unruhiger läuft, ruppig schaltet und nach kurzer Zeit verschlissen ist; bei einer etwas angefahrenen Kassette springt die Kette noch dazu unaufhaltsam.Nach 200 km hat sich das zwar gelegt, aber bei jedem kurzen Antritt aus einer Kurve machte sich die KMC weiterhin bemerkbar. Weil das den Fahrspaß enorm beeinträchtigt, habe ich jetzt wieder eine Shimano Dura Ace Kette montiert - die läuft perfekt.Die neuen Canyon Cage SF Flaschenhalter sind hingegen jeden Cent wert. Trinkflaschen werden bombenfest gehalten (Kopfsteinpflaster-geprüft), lassen sich dabei aber kinderleicht in und aus dem Halter nehmen. Zudem ist der Cage mit 39 g leicht und farblich perfekt auf das Rad abgestimmt.
Die neue Multishift-Funktion der Ultegra Di2 ist in meinen Augen nichts anderes als ein kleines Gimmick: Finger am Knopf lassen und es werden mehrere Gänge geschaltet. Kein wirkliches Must-have, aber wenn man es z.B. in einem Rennen eilig hat, kann das durchaus hilfreich sein.Mein neuer Liebling ist allerdings der VCLS Post 2.0. Wie bereits in meinem ersten Test geschrieben, bin ich ein echter Fan dieser Sattelstütze. Nun endlich gibt es sie auch mit 25 mm Setback und ermöglicht mir damit, weit genug hinters Tretlager zu kommen. Vibrationen und Schläge werden reduziert, man sitzt entspannter, bleibt länger frisch und bekommt dennoch volles Feedback vom Straßenbelag. Ein Upgrade, das ich jedem nahelegen kann (vgl. Komfort-Special in Teil 1). Nota bene: Für Sättel mit ovalen Rails muss ein Umrüstkit separat mitbestellt werden.
Um, abzüglich meiner Mallorca-Reise, jetzt nicht vom Winterschlaf nahtlos in die Sommerpause überzugehen, habe ich mich dazu entschlossen, bei der einen oder anderen großen Radtouristikveranstaltung teilzunehmen.Motivation hab ich nun wieder getankt, jetzt fehlen nur noch die Kilometer in den Beinen und ein paar Kilo weniger auf den Rippen. Stay tuned …
Absolutes Highlight war der Supergiro Dolomiti (hier der Bericht), auch wenn ich mit etwas gemischten Gefühlen zurückblicke. Einerseits ein toller Event – sehr schwere, perfekt abgesicherte Strecke mit „Profifeeling“; andererseits stoppte mich ein Speichenriss nach Nassfeld. Nebenbei erwähnt, war es der gleiche Laufradsatz, mit dem ich schon im Jahr zuvor beim Ötztaler früh nach Hause fahren musste. Dementsprechend verärgert war ich auch. Ohne technischen Defekt lief es beim 5 Seen Radmarathon schon besser. Wunderschöne Strecke, nur leider etwas viel Verkehr. Auch gegen Ende einsetzender starker Regen konnte den Fahrspaß nicht trüben. Ein Top20-Platz in meiner Altersklasse und der 23. Rang gesamt standen nach den 200 Kilometern durch das Salzkammergut zu Buche.
Neben den beiden Radmarathons spulte ich natürlich einige Trainingskilometer ab. Insgesamt waren es ca. 19.000, oder umgerechnet über 600 Stunden meines Lebens. Genug Zeit, um mich von den Qualitäten des Versenderbikes zu überzeugen. Abgesehen von den beiden Speichenrissen, an denen das Canyon an sich natürlich völlig unschuldig war, und dem (zum Teil selbst verschuldeten) kleinen Riss im Sattelrohr, der prompt und anstandslos beseitigt wurde, fällt mein Fazit über die gesamte Testdauer uneingeschränkt positiv aus. Das Canyon Ultimate SLX lässt kaum Wünsche offen. Exzellentes Handling, Steifigkeit, Komfort und nicht zuletzt das unschlagbare Preis-/Leistungsverhältnis machen aus dem Ultimate eine richtige Rennmaschine. Meinem Zwischenfazit aus 2013 (s.o.) bleibt nichts hinzuzufügen. Außerdem: Ein Rad, dass die Profis der Teams Katusha und Movistar fahren, ist auch für eine Hobbette wie mich gerade so gut genug.
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