Detailansicht

Power2max Temperaturkompensation

Bikeboard.at war zwei Saisonen mit der P2M Rotor 3D+ unterwegs - seit Mai 2012 inklusive dem SW-Update der Temperaturkompensation.
Text: Mahatma Fotos: Erwin Haiden, Sportograf
Detailansicht

Heuer im Mai habe ich das Power2Max-System von NoPain übernommen, mit dem er schon auf GC zahlreiche Kilometer abgespult und darüber hier berichtet hat. Bevor es auf mein Rad geschraubt wurde, musste es noch ins Werk nach Deutschland und bekam die neueste Software aufgespielt, die damals noch nicht offiziell verfügbar war und erst auf der Eurobike im September vorgestellt wurde.

Bevor es in irgendwelche Details & Analysen geht, sei vorweg gesagt: Das System funktioniert absolut problemlos und hat mich auf mehreren tausend Kilometern nie im Stich gelassen. Vor dem Ötzi habe ich sicherheitshalber einen Batterietausch gemacht. Nach 5 Minuten war die Sache erledigt. So soll es sein!
Die aufgezeichneten Daten liegen im Rahmen meiner Leistungsfähigkeit. Augenscheinliche Schwankungen (= Abweichungen von mehr als 10W, die man auch subjektiv merken würde bzw. die in der Auswertung auffallen) sind mir nicht untergekommen.

Neben dem reinen Einsatz in Rennen und Training habe ich auch Vergleichstests mit meinem Powertap SL+ Laufrad, dem man einen recht niedrigen Temperaturdrift nachsagt und auf der ebenfalls wattgesteuerten Tacx Bushido-Rolle (höherer Drift) gemacht. Während die Ergebnisse im Schnitt auf die ganze Einheit betrachtet immer sehr konstant waren, haben sich im Detail doch einige Abweichungen zwischen den drei Leistungsmessern gezeigt.

Kalibrierung, Zeroing, Temperaturkompensation

Detailansicht

Davor aber noch eine kurze Erklärung einiger Begriffe, die immer wieder verwechselt und falsch dargestellt werden.

Kalibrierung: Kann für Powertaps (PT) und Power2Max (P2M) nur im Werk durchgeführt werden. Entspricht der Eichung des Gerätes bzw. der darin verwendeten Dehnmessstreifen. Wenn oft das Wort Kalibrierung missbräuchlich in diversen Menüs (z.b. Garmin Edge Geräte) verwendet wird, so ist damit eigentlich das Zeroing gemeint.

Zeroing/Nullung: Die Dehnmessstreifen bzw. der Alu-Körper, auf denen diese montiert sind, unterliegen temperaturbedingten Schwankungen. Dadurch ist es notwendig, den Nullpunkt, also den Wert, bei dem 0 Watt bei der aktuell vorherrschenden Temperatur anliegen, einzustellen. Das machen sowohl Power2Max als auch Powertaps automatisch (Auto-Zero), wenn sie glauben, dass gerade keine Leistung anliegt. In der Regel ist das dann der Fall, wenn man mit dem Rad für ein paar Sekunden rollt und dabei nicht in die Pedale tritt. Der dabei ermittelte Wert (Zero Offset) wird gespeichert und bis zum nächsten Zeroing als Ausgangswert für die Berechnung der Leistung verwendet. Über die Einstellungen der meisten Radcomputer lässt sich dieser Prozess auch manuell durchführen. Dabei liefert der Power2Max zur erfolgreichen Bestätigung den ermittelten Offset-Wert an den Computer/Edge zurück, der dann dort am Display angezeigt wird.

Detailansicht

Temperaturkompensation: Diese neu zur Eurobike von Power2Max vorgestellte und in meiner Softwareversion bereits enthaltene Funktion versucht auch dann eine Anpassung des Offsets an sich ändernde Temperaturen herbeizuführen, wenn kein Auto-Zero passiert (z.B. längere Bergauffahrt, Zeitfahren, Indoor). Dazu kommt jeder Power2Max für 24 Stunden in einen Kühlschrank, wo er langsam von -20° auf +70° erwärmt und dabei eine individuelle Temperaturkennlinie ermittelt wird. Diese Kennlinie wird dann in der Software gespeichert und für die Korrektur der Werte zwischen zwei Auto-Zeros verwendet. Zu diesem Zweck hat der Power2Max einen Temperatursensor auf der Platine montiert, der die Temperaturschwankungen aufzeichnet. Alle 10 Sekunden wird die aktuelle Temperatur mit der Temperatur vom letzten Zeroing verglichen und die Wattwerte werden entsprechend der gespeicherten Kennlinie angepasst.

Andere Leistungsmessysteme haben keine derartige Temperaturkorrektur, allerdings wird ihnen auch - durch eine bessere Anordnung und teils größere Anzahl der Dehnmessstreifen - eine geringere Temperaturdrift nachgesagt. Man spricht von ca. 1-2W pro Grad Celsius bei SRM & Powertap und 2-4W bei Power2Max. (ohne Temperaturkompensation).

Da ich weder die genaue Kennlinie meines Power2Max kenne und es auch keine Möglichkeit für den Nutzer gibt, die gerade angewandten Korrekturwerte abzufragen, war es mir über das reine Betrachten & Vergleichen der Daten hinaus nicht möglich, genauere Analysen zur Temperaturkompensation anzustellen.

In der Praxis

Detailansicht

Zuerst ging es ab auf die Rolle. Die Tacx Bushido Rolle wurde auf 200W eingestellt und eine Stunde lang wurden die Daten von PT und P2M parallel aufgezeichnet. Dazu habe ich die Software ipWatts verwendet, die mit kompatiblen Android Handys Daten von bis zu 4 Leistungsmessern gleichzeitig aufzeichnen kann. So haben zum Beispiel Sony Xperia Modelle ANT+ Sensoren verbaut.

Wenig überraschend zeigt sich ein starker Temperaturdrift der Bushido Rolle, während der Abstand zwischen P2M und PT annähernd konstant bleibt. Der P2M zeigt etwas mehr an als der PT, was ebenfalls zu erwarten war: Die Differenz sollten Verluste durch Kette/Antrieb sein (ca. 1,5-3%).

Nach ca. 40 Minuten wollte ich den P2M manuell nullen und den PT nicht, damit man sieht, welcher der beiden Leistungsmesser in welche Richtung gedriftet ist. Das ist leider misslungen. Beim Abstoppen hat der PT ein Auto-Zero durchgeführt, aber scheinbar nicht korrekt. Dadurch war in den nächsten Minuten der Wert des PT erhöht, während der P2M auch nach dem Zeroing um nur 4W geringere Leistungsdaten als davor lieferte. Ein Anzeichen für einen relativ geringen Drift des P2M. Weitere 10 Minuten später habe ich sowohl P2M (manuelle Kalibrierung) als auch PT (korrektes Auto-Zero durch Rotieren des Hinterrades ohne Last) durchgeführt; danach stimmten die Zahlen wieder mit denen von davor überein.

Ich habe noch mehrere Tests auf der Rolle gemacht, ebenfalls mit schwankenden Leistungswerten bzw. Stufen (100W-400W). Das Ergebnis war immer dasselbe: Weder P2M noch PT zeigten starke Schwankungen, während die Bushido Rolle auch nach einer Stunde noch driftete - speziell höhere Belastungen und somit mehr Hitze haben dies weiter verstärkt.

  • Power2max Temperaturkompensation
Detailansicht

Danach mussten sich P2M und PT auf der Straße behaupten. Dabei zeigte sich rasch, dass die Temperaturkompensation dem "warm up-Problem" nicht beikommt. Schiebt man das Rad aus der Garage bzw. dem Keller ins Freie und kommt es dabei zu größeren Temperaturunterschieden, so driften auch die gemessenen Daten von P2M und PT auf den ersten 10-15 Minuten ordentlich auseinander, während diese nach einem erfolgreichen Auto-Zero wieder sehr nah beieinander sind. Will man diesen initialen Drift verhindern, sollte man das Rad schon einige Minuten vor dem Losfahren ins Freie schieben, damit sich der Alukörper, auf dem die Dehnmessstreifen montiert sind, an die Temperatur anpassen kann. Außerdem helfen bewusst herbeigeführte Auto-Zeros die auseinander driftenden Werte frühzeitig zu korrigieren.

Weiters ist mir aufgefallen, dass es einige Male zu falschen Auto-Zeros gekommen ist - vor allem der Powertap-Leistungsmesser scheint dafür anfällig zu sein. In den Graphen sind diese Blöcke leicht erkennbar, da dort die Leistungswerte über eine gewisse Zeit sehr konstant um meist 10W zu hoch oder zu niedrig sind. Das deckt sich mit meiner subjektiven Erfahrung vom PT-Laufrad auf der Rolle. Dort hatte ich mit falschen Auto-Zeros bzw. nicht korrekt ausgeführten manuellen Nullungen mehr Probleme als Nutzen. Daher mein Tipp für Powertap-Nutzer: Nicht manuell Nullen! Falls man Nullen will, sollte man dies bewusst durch Rollen herbeiführen (auch Indoor: absteigen, Hinterrad aufheben, Kurbel drehen und ausrollen lassen).

Was noch auffällt ist, dass die Schwankungen zwischen Power2Max und Powertap auch bei korrektem, regelmäßigem Auto-Zero, konstanter Temperatur und bei Betrachtung des gleitenden 30s Durchschnittes, zwischen -10W bis +10W betragen. Meist sind sie im Bereich -10W bis +5W - das heißt, der P2M zeigt, wie auch schon beim Indoor Test, etwas mehr an als der PT. Ein echtes Muster für die Schwankungen habe ich nicht erkennen können (z.B. bestimmte Kadenz, Watt Bereich).
Der Bereich mag vielleicht groß klingen, aber wenn man dem die von den Herstellern angegebenen Genauigkeit von +/- 2% (P2M) und +/-1,5% (PT) also bei 300W maximale Abweichungen von +/- 6W (P2M) und +/- 4,5W (PT) gegenüber stellt, so liegen diese durchaus im Rahmen der im Test aufgetretenen Schwankungen. Jedenfalls trifft das auf die Mittelwerte von ganzen Trainingseinheiten zu: Diese waren immer fast ident und haben sich nur um wenige Watt unterschieden (max. 3-5W Differenz).

  • Power2max Temperaturkompensation

Letztlich mussten sich die beiden Leistungsmesser noch auf einer Tour mit 3200 Höhenmetern und 5 Bergen behaupten. Während es diesmal beim Start zu keinem Drift kam - das Rad stand vor dem Start ca. 15min im Freien - kam es bei der Ausfahrt wieder zu falschen Auto-Zeros (PT & P2M) und auch etwas Drift während der Anstiege. Auch hier ist es mir wieder nicht gelungen, ein Muster für den Drift bzw. die absoluten Unterschiede in den aufgezeichneten Leistungsdaten zu finden. Auf zwei Bergen zeigt der P2M um 10W mehr, auf zwei Bergen sind die Werte beinahe gleich und die Zahlen auf einem Berg sind durch ein falsches Auto-Zero vom P2M kaum brauchbar.

  • Power2max Temperaturkompensation

Mein Fazit

Detailansicht
Foto: Sportograf.de

Ich bin mit dem Power2Max Leistungsmesser bisher sehr zufrieden. In der Verwendung ist er problemlos und die aufgezeichneten Daten sind für meine Zwecke in jedem Fall ausreichend genau.

Eines steht fest: jedes Messinstrument, das mit Dehnmessstreifen arbeitet, hat mit dem Drift zu "kämpfen". Den oft zitierten Schwachpunkt des höheren Temperaturdrifts gegenüber PT und SRM hat Power2Max durch das Software-Update in den Griff bekommen. In der Praxis sind keine signifikanten Unterschiede in punkto Genauigkeit zu den teueren Powermetern erkennbar. 

Ich behalte meine bisherige Praxis bei: Indoor auf der Rolle führe ich vor dem Training ein Auto-Zero herbei (Bremse vom Hinterrad nehmen, Kurbel ein paar Mal drehen, ausrollen lassen), Outdoor rolle ich nach 10-15 Minuten einmal kurz für 2-3 Sekunden.  Danach verschwende ich keinen Gedanken mehr daran.

P2M Update: Zwischenzeitlich wurde der Auto-Null-Algorithmus etwas modifiziert. Die Möglichkeit der "Verstellung" der Null wurde durch die Einführung eines zusätzlichen Parametera (Plausibilitäts-Vergleich mit der vorhergehenden Null) ergänzt. Alle neu ausgelieferten Sensoren beinhalten das neueste Update, sowie die Messung der "Rechts-Links-Verteilung".


Kommentare

Alle Kommentare (32) im Forum