PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Tod beim Extremberglauf



SirDogder
15-07-2008, 14:45
Justiz prüft fatalen Extremberglauf
Nach dem Tod zweier Sportler prüft deutsche Staatsanwaltschaft, ob fahrlässige Tötung durch den Veranstalter des Rennens vorliegt
München - 16,1 Kilometer, bei denen 1924 Höhenmeter überwunden werden müssen: Der "Zugspitz Extremberglauf" wäre für Untrainierte wohl in jedem Fall mörderisch. Ein plötzlicher Wetterumschwung kostet aber auch leistungsstärkere Sportler das Leben. Zwei Deutsche, 41 und 45 Jahre alt, starben am Sonntagvormittag kurz vor dem Ziel wahrscheinlich an Erschöpfung und Unterkühlung. Sechs weitere Teilnehmer mussten ins Krankenhaus gebracht werden.

Gegen 9.00 Uhr nahm das fatale Rennen im Tiroler Ort Ehrwald seinen Ausgang. Rund 600 Läufer begannen den zum achten Mal ausgetragene Lauf auf den mit 2962 Metern höchsten Berg Deutschlands. 193 Menschen, davon zehn Frauen, schafften es ins Ziel.

Was den beiden Opfern nicht mehr gelang. Einer der beiden brach 150 Höhenmeter unter dem Gipfel zusammen, der Zweite starb im Bereich der Verpflegungsstation Sonnalpin, 350 Höhenmeter vom Ziel entfernt. Notärzte und Mitglieder der Bergwacht versuchten vergeblich, die beiden zu reanimieren.

Die Staatsanwaltschaft München II interessiert sich nun für die Todesfälle - und die mögliche Verantwortung des Veranstalters. "Beide Leichen werden in jedem Fall obduziert", erklärt Rüdiger Hödl, der Chef der Behörde, im Gespräch mit dem Standard. "Derzeit sind wir einmal dabei, die Fakten zu sammeln, ob es überhaupt zu einer offiziellen Untersuchung kommt, steht noch nicht fest - falls doch, steht der Verdacht der fahrlässigen Tötung im Raum."

Entscheidend wird dabei die Frage sein, ob und wann die Schlechtwetterprognose bekannt geworden ist, wann das Rennen abgebrochen wurde und ob und wie die Läufer davon informiert worden sind.

Der Inhaber der Firma "getgoing" in Garmisch-Partenkirchen darf auf Anordnung der Staatsanwaltschaft am Montag am Telefon nicht mit Medien über die Vorfälle sprechen. Gegenüber dem Münchner Merkur hatte er sich am Sonntag noch verteidigt, dass im Vorjahr viele Sportler protestiert hätten, als der Extremberglauf wegen schlechten Wetters abgebrochen worden war. Damals kam keiner der Läufer zu Schaden.

Warnungen hat es bereits im Vorfeld des heurigen Laufs gegeben. Helmut Reitmeir, der vierfache Zugspitzlauf-Sieger, hat auf seiner Homepage bereits am 10. Juli, also drei Tage vor dem fatalen Rennen, auf Probleme hingewiesen. Auf den Schneefeldern oberhalb der Knorrhütte, der vorletzten Verpflegungsstation, könnten sich Läufer bei Nebel leicht verirren, da der Veranstalter die Strecke nicht markiert habe.

Keine Bergerfahrung

Außerdem hätten viele Läufer keine Bergerfahrung und würden sich überschätzen, ist Reitmeir überzeugt. Tatsächlich ist die einzige Bedingung für die Teilnahme am Zugspitzlauf ein Alter von 18 Jahren. Ausrüstungs- oder Bekleidungsvorschriften gibt es ebenso wenig.

Geklärt werden muss aber zunächst die Todesursache. Die Witterung selbst müsse nicht unbedingt der Auslöser der Katastrophe gewesen sein, sagt der Grazer Alpinmediziner Wolfgang Domej im Gespräch mit der Austria Presse Agentur. Aber die Überforderung könne mit einer Herz-Kreislauf-Schwäche enden. Möglich wäre auch, dass bei Betroffenen eine sonst unbemerkt gebliebene Herzmuskelentzündung zum Tod führt. (Michael Möseneder; DER STANDARD Printausgabe 15. Juli 2008)

A´dorfer
15-07-2008, 14:51
Und letztes Jahr haben sich unmengen der zu Start gemeldeten aufgregt das wegen den selben Wetterbedingungen, das ganze "abgeblasen" wurde.

Mir is ja eigentlich egal, da jeder eigentlich selbst wissen sollte was man sich zutrauen kann.

Und das es im Juli auf der Zugspitz auch mal scheien kann is auch nyx neues mehr.

bigA
15-07-2008, 14:56
der mensch sollte vernünftig genug sein, um sich selbst halbwegs einschätzen zu können und um die möglichkeit von spontanen wetterwechseln in alpinem gelände zu wissen.

Buglbiker
15-07-2008, 15:00
Ich denk die Leute sollten schon wissen was sie da tun, wenn beim IM eine tot umfällt wird auch keiner den Veranstalter verklagen, oder?! :rolleyes:

Und nein ich schreib jetzt nicht "Typisch Pifke" :o

texx
15-07-2008, 15:10
in unsrer bussi-bussi-wohlstands-welt vergisst man allzu leicht auf die gefahren des lebens. im konrekten fall ist die frage nach der schuld eine ganz schwierige.

einerseits: wer am start bei regen wegläuft und weiß, dass ihn der weg im idealfall bis auf knapp 3000 m führen wird, dem darf man unterstellen, dass er weiß, dass es dort oben eisig sein kann.

andererseits weiß das der veranstalter, der ja sicher mit einem team im ziel ist, auch. gabs denn keine warnung nach unten?

mir scheint, als ob ausrichter UND viele teilnehmer fehler machten. fehler, die bei breitensport-veranstaltungen immer wieder vorkommen. mir haben erst am samstag in goisern jene fahrer leid getan, die mit mir die A-strecke nach über 15 stunden in strömendem regen beendeten und weder ärmlinge noch regenjacke mit dabei hatten und kurz-kurz fuhren (bzw. fahren mussten). ich hatte zum glück alles dabei - ohne wär ich bei den abfahrten zitternd vom rad gefallen.

mankra
15-07-2008, 15:17
Laut einem Arzt im deutschen TV, ist, unter anderem ein Problem, daß der Körper bei Kälte das Blut nach innen zieht, um weniger auszukühlen, bei sportlicher Betätigung das Blut natürlich in die Muskeln verstärkt gepumpt wird und somit schneller auskühlt und unter der Aufregung stehend, dies den Leuten kaum auffällt.

bs99
15-07-2008, 15:30
Interessant, wie in den (deutschen) Medien berichtet wird:

Zitat von bild.de:
Etwa 200 Meter höher brach der Angestellte Uwe M. (1 Sohn) aus Witten (NRW) erschöpft zusammen. Ein Nachbar: „Er hatte sich gut vorbereitet, sich irre gefreut. Er hat nichts falsch gemacht, der Veranstalter hat ihn ins Verderben rennen lassen. Man hätte ihn warnen müssen.“

Ein Nachbar (!) aus NRW (!!) beurteilt eine Extremsituation in hochalpinem Gelände.

Ich glaube, bei solchen Extremsportveranstaltungen KANN der Veranstalter nicht alle Risiken ausschliessen.
Auch beim Race Across America oder der Paris-Dakar Rally müssen sich die Teilnehmer der Gefahren bewusst sein, und sich entsprechend darauf vorbereiten.
Bei einem vermeintlich kurzen Berglauf ist es ebenso.

Mein Mitgefühl den Hinterbliebenen.

NoFatMan
15-07-2008, 15:43
ich denke jeder der bei einem Extremevent mitmacht -

sollte sich der Gefahr, der sich aussetzt und den Folgen für sich
und seine Familie genau überlegen ...

ob jetzt Durchschnittstypen, welche bergauf beim radfahren
Stunden verliern und in halbsbrecherischer Abfahrt
um Minuten kämpfen ...

sei es Radfahrer in der Dämmerung ohne ausreichende Beleuchtung

Beispiele gibt es viele


aber -

ich denke das es vielen Großstädtern und Wohlstandsbürger
ganz einfach nicht klar ist - das im Mittelgebirge alles anders aussieht - und das das Hochgebirge keine Fehler verzeiht.

darauf hätte man nachdrücklich hinweisen sollen
( hätte wahrscheinlich nichts genützt - aber wäre ein wesentlicher Punkt im Zuge der Schuldigeneruierung )

Randolph_Carter
15-07-2008, 16:31
Wer immer meint, dass er sich an extremen Naturbedingungen und an Ausnahmeleistungen messen muss, sollte mit Eigenverantwortung daran gehen. KEIN Veranstalter, KEINE Startnummer, kein Trophyshirt oder Freibier im Ziel können die eigenen Grenzen weiterstecken...

Mir tun die Familien, Partnerinnen, Kindern, Angehörigen leid... Aber wie oft erlebt man das: :eek: 3x im Wienerwald unterwegs und los geht auf eine Transalp, ein paar mal laufen gehen und ab auf den Halbmarathon (am besten in der Firmenmannschaft) :eek:

So wie es heisst: "Mittn Radl am klettersteig - satz es deppat??" kommen mir beim betrachten dieser Bilder http://www.laufen.welcheinglueck.de/Laufberichte/Zugspitze_2006/zugspitze_2006.html und http://www.laufen.welcheinglueck.de/Laufberichte/Zugspitze_2006/Zugspitze_2006__Teil_2_/zugspitze_2006__teil_2_.html ähnliche Gedanken wie "Wenns da einen Wetterumschwung wie auf rax&Schneeberg gibt, dann gibt es möglicherweise viele verunglückte...

Suchbild: Wo ist der Bergläufer
http://www.laufen.welcheinglueck.de/Laufberichte/Zugspitze_2006/Zugspitze_2006__Teil_2_/Zugspitze84.JPG

Und wie immer wenn Menschen wie die Lemminge im Sport nach extremer Selbsterfahrung und Selbstüberwindung jagen gibt es Tote. Schuld daran sind jedoch weder die Veranstalter, noch das Wetter oder die Ausrüstung.

Ein Berglauf ist keine Strafexpedition. Es liegt in der Einzelverantwortung jedes/er TeilnehmerIn ob man in leichter Laufbekleidung auf einen fast3000er rennt.

Jetzt wird ein Schuldiger gesucht und nächstes Jahr gibt es dann wahrscheinlich um 50% mehr Anmeldungen. Bei so einem harten Bewerb, da will man dabei sein....

zepequeno
15-07-2008, 17:30
Das Hochgebirge ist nicht Disneyland!
Wenn man glaubt mitmachen zu müssen, muss man auch das Risisko tragen.
Wenn wir jeden Idioten von selbstmörderischen Aktionen zurückhalten müßten, hätten wir gar nichts mehr Anderes zu tun.

Wenn ich bei dem Wetter auf den Berg renne, sollte ich das auf Zeit machen können und nicht auf durchkommen.
Die Veranstalter müssen halt Raum für Enthirnte lassen um den Umsatz zu erhöhen.
Ich sage nur IM Klagenfurt Zeitlimit schwimmen 2,5 h . Und so jemand soll dann allen Ernstes den Rest erledigen dürfen??
Wer sich in Gefahr begibt kommt darin um.

ZehDeh
15-07-2008, 18:20
Wer sich in Gefahr begibt kommt darin um
..und erst recht wenn man sich in selbige nur mit nem hauch von Stoff bedeckt der so gut durchlüftet das man sich wahrscheinlich nackt vorkommt in der Kälte.

yellow
15-07-2008, 19:13
unnötig kraftausdrucksstarker Text gelöscht ob der fatalen Konsequenzen beim Hobbylauf auf einen 3000er

SELBSTVERANTWORTUNG - nicht Risikoabwälzung!

NoGhost
15-07-2008, 21:47
Zwei Toten ins Grab nachzurufen, dass sie selbst schuld sind und sowieso blöd usw. ist vollkommen unnötig. Dass hier wieder mal die geistig-körperliche Superelite am Posten ist, steht aber eh außer Frage, keine Angst.

FloImSchnee
15-07-2008, 22:00
Zwei Toten ins Grab nachzurufen, dass sie selbst schuld sind und sowieso blöd usw. ist vollkommen unnötig. Dass hier wieder mal die geistig-körperliche Superelite am Posten ist, steht aber eh außer Frage, keine Angst.Das seh ich auch so.

Versetzt euch mal in die Situation -- ich glaube, ich wäre auch weitergelaufen.
Gedanke: "naja, verkühl ich mich halt..."
Schmerzen (wg. extremer Anstrengung) ist man beim Rennen gewohnt -- die von den Läufern erlebten werden wohl nicht viel anders gewesen sein und folglich werden viele die tatsächliche Gefahr unterschätzt haben.

Gleichzeitig glaube ich, dass ein derartiger Ausgang für den Veranstalter wohl kaum vorherzusehen war.
(natürlich, jetzt im Nachhinein erscheint alles logisch -- aber vor und während des Rennens?)

bikeopi
15-07-2008, 22:09
Zwei Toten ins Grab nachzurufen, dass sie selbst schuld sind und sowieso blöd usw. ist vollkommen unnötig. Dass hier wieder mal die geistig-körperliche Superelite am Posten ist, steht aber eh außer Frage, keine Angst.


BITTEBITTE AUFMERKEN!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Man kann auch in unserer Welt noch sterben OHNE dass irgendjemand anderer daran schuld ist!

NoGhost
15-07-2008, 22:11
BITTEBITTE AUFMERKEN!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Man kann auch in unserer Welt noch sterben OHNE dass irgendjemand anderer daran schuld ist!
Ich sage auch nicht, dass jemand anderer daran schuld ist. Ich sage, es ist höchst unnötig und irgendwie befremdend, zwei Toten nachzurufen, dass sie selbst schuld sind und sie post mortem zu Idioten degradiert.

texx
15-07-2008, 22:13
Versetzt euch mal in die Situation -- ich glaube, ich wäre auch weitergelaufen.
Gedanke: "naja, verkühl ich mich halt..."[/SIZE]

stimmt. und genau darin liegt die gefahr: wenn man mitten drin ist, können nur noch die wenigsten rationale entscheidungen treffen.

die wirklich guten höhenbergsteiger (also jene, die bis heute überlebt haben) etwa überlegen sich deshalb meist VORHER ihre strategien, weil sie wissen, dass sie ohne maske auf 8000 meter nicht mehr klar im kopf sein werden.

wer beim zugspitzlauf nun für was verantwortlich war, ist verdammt schwer festzustellen (siehe mein erstes post). als nicht unmittelbar betroffener kann man eigentlich nur daraus lernen und im anlassfall daran denken, dass gewisse vorhaben (auch eigene) wirklich gefährlich sein können, wenn man sich nicht vorher überlegt, wie man es angeht.

bikeopi
15-07-2008, 22:19
Ich sage auch nicht, dass jemand anderer daran schuld ist. Ich sage, es ist höchst unnötig und irgendwie befremdend, zwei Toten nachzurufen, dass sie selbst schuld sind und sie post mortem zu Idioten degradiert.

da hast du recht.

dennoch hat unsere gesellschaft den tod fast voellig verdraengt und als hauptverarbeitungsstrategie die suche eines schuldigen etabliert.

Sugarbabe
15-07-2008, 22:39
Ich glaub, dass wie es auch schon gesagt wurde, ein Sportler in dieser Situation gar nicht mehr in der Lage ist, seine Situation realistisch zu beurteilen. Aufgrund des Adrenalinausstoßes, der körperlichen Reaktion auf die Umwelteinflüsse und die allgemeine Anspannung aufgrund des Wettkampfes.
In dieser Situation müsste der Veranstalter schon die Läufer "zwangsweise" aus dem Rennen nehmen. Das ist allerdings noch nicht Usus bei derartigen Verantaltungen.
Dass natürlich gerade der Zugspitzlauf ein wirklicher Extremlauf ist und keine Schickimickipublicitymeibinischönveranstaltung dürfte wohl jedem bekannt sein.
Ich muss aber auch zugeben, ich würd auch einen Marathon nicht aufgeben, ausser ich fall vom Radl.

Almi
15-07-2008, 23:07
Ich glaub, dass wie es auch schon gesagt wurde, ein Sportler in dieser Situation gar nicht mehr in der Lage ist, seine Situation realistisch zu beurteilen. Aufgrund des Adrenalinausstoßes, der körperlichen Reaktion auf die Umwelteinflüsse und die allgemeine Anspannung aufgrund des Wettkampfes.
In dieser Situation müsste der Veranstalter schon die Läufer "zwangsweise" aus dem Rennen nehmen.

Genauso würde ich das auch sehen!
Bin selbst schon einige Bergläufe (vom Schneeberg über Katrinalm bis zum Großglockner) gelaufen. Einige davon bei saumässigen Bedingungen (Schneefall und Minusgrade).
Aber klarerweise lauf ein "horter Hund" immer kurz/kurz, bis dato hatte ich das Glück immer relativ bald oben zu sein, immer bevor es noch beschissener wurde, - Glück gehabt!
...und da mann ja nicht jünger und schneller wird, werde ich mir das nächste Mal den Wetterbericht, meine Ausrüstung uns meinen Trainings.- und Gesundheitszustand genau ansehen....

bikeopi
15-07-2008, 23:30
die ganze sache ist einfach schrecklich und natuerlich fragt man sich, wie man es haette verhindern koennen....

aber viele, va die, die das gebirge mit einem sportplatz verwechseln, kennen offenbar die einfachsten regeln nicht.
wurscht wer es ist, woher er/sie ist, wie schnell, stark, kraeftig er/sie ist: ohne geeignete ausruestung und information in den bergen herumkraxeln kann lebensgefaehrlich sein. eigentlich banal....

steve4u
16-07-2008, 00:15
Traurige Sache, vor allem für die Angehörigen!:(




Habe mir gerade die Statistik der Bergrettung Ö für 2007 angesehen: 166 Tote im alpinen Bereich


Sollte man die Hüttenwirte anzeigen, die Leute bei ev schlechten Bedingungen losziehen haben lassen? Oder die ev überforderte Bergsteiger nicht zurückgehalten haben?

mastersteve
16-07-2008, 00:44
Suchbild: Wo ist der Bergläufer
http://www.laufen.welcheinglueck.de/Laufberichte/Zugspitze_2006/Zugspitze_2006__Teil_2_/Zugspitze84.JPG


geil :love: wo ist dieser Singletrail ...

lg Steve

noBrakes80
16-07-2008, 09:20
sehr tragisch das Ganze!

mMn kann das jedem passieren, mich eingeschlossen. denk dass die meisten (veranstalter, wetterdienst usw.) die Situation einfach unterschätzt haben. angeblich soll es zuerst ja "nur" geregnet haben, dann wettersturz mit starkem Wind und Schneefall. wenn es zuerst vielleicht 5 grad am gipfel hatte möchte ich nicht wissen wie viele von uns nur kurz/kurz gstartet wären. wenn die maschine unter höchstleistung läuft spürt man einige zeit die kälte nicht, jeder der wettkampfmäßig unterwegs ist kennt das. dass es dann so ausging ist eine verkettung unglücklicher Umstände und kann jederzeit wieder passieren, vielleicht sogar schon nächste woche beim Glocknerlauf...:f:

L-Taferl
16-07-2008, 09:42
ich denke auch das das jedem passieren kann, und es kommt immer wieder vor. ob das jetzt beim wüstenlauf oder am berg ist. es gibt auch genügend radfahrer die sich ohne pulsmesser und ohne kondi auf einen berg strampeln und dann einen herz zickzack bekommen. darum trainieren wir, kaufen uns geräte die den körper überwachen usw....die beiden toten....tragisch, traurig, aber andere habens gepackt. ein gewisses risiko ist immer dabei aber die selbstverantwortung kann man keinem abnehmen!

FloImSchnee
16-07-2008, 12:25
…die, die das gebirge mit einem sportplatz verwechseln...Ist es das nicht?

L-Taferl
16-07-2008, 12:34
Ich sage auch nicht, dass jemand anderer daran schuld ist. Ich sage, es ist höchst unnötig und irgendwie befremdend, zwei Toten nachzurufen, dass sie selbst schuld sind und sie post mortem zu Idioten degradiert.

ich glaube nicht das irgenwer meint das das idioten waren, aber die erkenntnis das selbstüberschätzung einem das leben kosten kann, bringt vielleicht einige dazu in anderen situationen kürzer zu treten und so am leben zu bleiben.
"wird scho schief geh.." reicht eben ned immer und leider passieren viel zu oft unglücksfälle die vermeidbar gewesen wären.

also lieber eine sekunde länger abwägen ob man das durchsteht, als loszurennen und sich unnötig in gefahr bringen.

NoGhost
16-07-2008, 12:38
ich glaube nicht das irgenwer meint das das idioten waren
Siehe erste Seite: Idioten, verblödete Selbstüberschätzer. Das sind Titel, die sich zwei für uns hier unbekannte Tote ganz sicher nicht verdient haben.

L-Taferl
16-07-2008, 12:42
Siehe erste Seite: Idioten, verblödete Selbstüberschätzer. Das sind Titel, die zwei für uns hier unbekannte Tote ganz sicher nicht verdient haben.

absolut richtig!
der ton macht die Musik!

das haben sie nicht verdient und ich glaub man kanns auch anders ausdrücken. so tief runtergreifen braucht ma ned.

yellow
16-07-2008, 17:45
unnötig kraftausdrucksstarker Text gelöscht ob der fatalen Konsequenzen beim Hobbylauf auf einen 3000er

SELBSTVERANTWORTUNG - nicht Risikoabwälzung!

zepequeno
16-07-2008, 18:34
SELBSTVERANTWORTUNG!
Der Mann hat Recht!
Ich höre ununterbrochen, dass irgendjemand Allgemeinwissen nicht gekannt haben will und es bringt mich zum Kotzen!

Mein Beileid auch den Familien, aber nur weil sie tot sind, sind sie nicht gescheiter. Pietät ist ja schön und gut, aber -> gespielt und verloren!

Eine Justiz erfordert dieses Ereignis sicher nicht!

nestor
16-07-2008, 19:08
DIe Leute waren nun mal nicht eigenverantwortlich auf dem Berg unterwegs, sondern im Rahmen einer organisierten Veranstaltung. Da stellt sich eben die Frage, ob da eine nicht vorhandene Sicherheit vermittelt wurde. Also völlig korrekt, dass die Justiz das prüft.
Huch, eine Stimmer der Vernunft im ach so coolen "SSKM" Bikeboard. Möcht mal erleben[will es natürlich nicht], wenn ein Freund oder Verwandter bei so einem Blödsinn stirbt, ob sie dann auch alle so cool sind....

fullspeedahead
16-07-2008, 19:08
Hmmm - ich find das auch völlig unpassend ohne jede genauere Kenntnis der Betroffenen diese so hinzustellen, als wärn sie selber schuld, weil sie sich überschätzt haben.

Man sollte hier schon anmerken, dass der Herztod durch Unterkühlung/Erschöpfung nicht unbedingt nur die Schwächsten und Unfähigsten treffen kann, sondern es durchaus auch sein könnte, dass die 2 dafür eigentlich ausreichend trainiert waren, besser als viele andere, aber das Pech hatten, dass es sie getroffen hat.

Sollte es Tod durch eine unbemerkte Herzmuskelentzündung, etc. sein, treffen die Vorurteile gegen die beiden noch viel weniger zu.



Umgekehrt soll das aber auf gar keinen Fall heißen, dass der Veranstalter schuld am Tod ist.

Ehrlichgesagt bin ich ja eher glücklich überrascht, dass bei dem Rennen noch niemand tödlich abgestürzt ist - immerhin find ich das Gelände nicht unbedingt passend für eine Großveranstaltung. (man muss sich aber insgesamt schon auf den Schädl greifen, wenn eine Extremsport-Veranstaltung ausgeschrieben wird und Leute kommen, von denen es 2/3 nicht einmal ins Ziel schaffen :f:)


Letztlich will ich einfach darauf hinaus, dass vielen vielleicht gar nicht bewusst ist, wie sehr sie eigentlich mit dem Tod spielen, wenn sie eine Unterkühlung am Berg riskieren, und das nicht direkt abhängig von ihrer Leistungs(un)fähigkeit.


Vielleicht wäre es tatsächlich besser, der Veranstalter würde die Läufer zwingen, dass sie eine Jacke bei sich haben. Ist zwar traurig, dass es nicht anders geht, aber lieber eine Verpflichtung als ein Toter.

Die Leut sehen halt Profis kurz/kurz laufen, ein paar Hobbysportler probieren es auch und solangs Wetter gut ist, geht sichs aus, wenns Wetter ein bisschen schlechter wird, wirds aber für die Hobbysportler eng :eek:


Will nicht wissen, wie viele der Leute, die jetzt gscheit reden, ebenso (wie locker die Häfte vom Feld, wenn man sich die Fotos anschaut) ohne entsprechende Ausrüstung losgestartet wären.


Is halt eine allzu menschliche Verdrängungstaktik, sich von Verunglückten abzugrenzen indem man sie als zu dumm, zu untrainiert, zu verantwortungslos, zu naiv hinstellt...:rolleyes:

HAL9000
17-07-2008, 20:12
wenn ich an einer extremveranstaltung teilnehme, die auch schon bei gutem wetter
eine sehr große körperlicher herausforderung ist, dann das schlechte wetter sehe
und noch dazu von den veranstaltern gewarnt werde, nicht bis ganz hinauf zu laufen,
dann muss ich mich bewusst für das erhöhte risiko entscheiden.

dass das in den köpfen der meisten, die dann trotzdem rauflaufen, natürlich nicht
den tod als mögliche konsequenz beinhaltet, ist klar. wenn sie von den veranstaltern
mit eben diesem risiko konfrontiert worden wären, hätten sie ihnen den vogel gezeigt
und wären erst recht raufgelaufen.

wo auch immer die schuld zu suchen ist... - beim veranstalter in meinen augen
auf keinen fall. hätte es der veranstalter abgeblasen, wären wütende proteste
die konsequenz gewesen. so zynisch das jetzt auch klingt, aber was besseres
hätte den veranstaltern gar nicht passieren können, was das ernstnehmen ihrer
warnungen betrifft.

denn ab sofort wird kein halbwegs vernünftig denkender sportler mehr die warnungen
in den wind schießen, denn dann kann man wirklich sagen: selber schuld...

CU,
HAL9000

yellow
17-07-2008, 21:19
das Thema war natürlich auch gestern beim NR in der Lobau und da kam dann raus, dass wir es eigentlich eh alle gleich sehen - aber die Kraftausdrücke tatsächlich nicht nötig sind.

Werde daher meine Beiträge komplett umändern.
... stelle aber in den Raum:
wäre es denkbar, dass deutlich böse Beschreibung mehr Nachdenken (bei eventuell ähnlich agierenden Personen) hervorruft, als streichelweiches Verwässern des Geschehenen?

(let alone das untragbare Abwälzen auf "Veranstalter".
Wir haben ja auch hier drinnen schon das Damoklesschwert der "Schuld" über den Häuptern von Tour-Postern im "Bike-Treff" schweben)

christian weber
17-07-2008, 21:23
Und letztes Jahr haben sich unmengen der zu Start gemeldeten aufgregt das wegen den selben Wetterbedingungen, das ganze "abgeblasen" wurde.

Mir is ja eigentlich egal, da jeder eigentlich selbst wissen sollte was man sich zutrauen kann.

Und das es im Juli auf der Zugspitz auch mal scheien kann is auch nyx neues mehr.

http://www.cosgan.de/images/more/bigs/c014.gif
reine selbstueberschaetzung und falscher ehrgeiz

berg is wie tauchen ,kleiner fehler absolut toetlich
veranstalter is sicha ned schuld

mankra
17-07-2008, 21:49
....denn ab sofort wird kein halbwegs vernünftig denkender sportler mehr die warnungen
in den wind schießen, denn dann kann man wirklich sagen: selber schuld...
Wenns das wirklich glaubst muß ich Dir leider sagen, Sorry, Du bist zu gutgläubig.

Menschen verdrängen Unangenehmes. Ist eigentlich ein Schutzmechanismus, der uns vor schlimmen Erlebnissen Abstand gewinnen läßt und wieder einen normalen Alltag erreichen läßt, aber in solchen Fällen der Lerneffekt eher klein ist.
Es wäre überheblich, jeden Motorradfahrer als allgemein Dumm anzusehen, weil er seinem Hobby fröhnt, obwohl jedes schöne WE einige verunglücken, auch ist nicht jeder Raucher allgemein unterbelichtet, auch wenn er weiß, daß er damit sein Leben verkürzt und er dafür noch richtig Kohle ausgibt.
Langer Rede kurzer Sinn, auch intelligente Menschen machen Fehler und/oder verdrängen Gefahren, verdrängen unangenehmes.
Laut aktuellen Verhaltensforschungen, treffen wir nur ca. 3% rationale Entscheidungen, 97% kommen aus dem Unterbewußtsein.

Fl0
17-07-2008, 22:26
geil :love: wo ist dieser Singletrail ...

lg Steve

dein profilbild sagt eh schon alles.... :f:

fullspeedahead
18-07-2008, 02:01
Mich hat das Thema interessiert (vielleicht auch als Aufarbeitung des Todes einer Freundin im Winter durch eine Lawine, wo sich aber dennoch entscheidende Parallelen zeigen(wobei damals die Berichterstattung unvergleichlich katastrophaler daneben war) ) und hier einige Infos, damit man sich selbst ein Bild machen kann:

- Auf der Homepage des Veranstalters heißt es in der Ausschreibung (http://www.getgoing.de/frameset.htm) "Charakteristik:
Erlebnis - Berglauf, und Nordic Event "
Es wird durch Hinweis auf Streckenmarkierung, "Überwachung durch die Bergrettung", Fotodienst, etc. sicherlich der Eindruck einer trügerischen Sicherheit verbreitet

- es wurden beim Start Flyer verteilt, dass sich die Läufer unbedingt entsprechend anziehen müssen und vor dem Wetter gewarnt (ob das nur so routinemäßig oder wirklich eindringlich getan wurde kann ich daraus nicht abschätzen)
(find als Quelle diese Passage eines Interviews grad nicht mehr)

- der Wetterumschwung war gewissermaßen nicht überraschend sondern seit Tagen angekündigt. Ein älterer mehrmaliger Gewinner (http://www.br-online.de/bayerisches-fernsehen/abendschau/zugspitze-berglauf-helmut-reitmeir-expertengespraech-ID121605280183.xml) seiner Altersklasse erzählt auch, dass er seinen eigenen Start abgeblasen hat, da er fix damit gerechnet hat, dass nur bis zum Sonnalpin gelaufen wird, was ihn aber nicht reizte.

- in der Ausschreibung ist eine eigene Passage über "Streckenänderung und Gletscherbahn" - die Teilnehmer haben also wohl damit gerechnet, dass das Rennen am Sonnalpin gestoppt wird - so wie es z.B. im letzten Jahr der Fall war. (sind zwar nur mehr 1,2km zum Ziel von dort, allerdings spielte sich genau dort im Nebel und Schneesturm das große Drama ab)

- freilich steht aber in der Ausschreibung auch: "Ich bin mir bewußt, daß ich mich allgemeinen alpinen Gefahren aussetze, die lebensbedrohend ein können. "

- hier ein Bericht (http://www.szon.de/lokales/ostalb/ellwangen/200807140610.html) mit der Darstellung von einem der Verstorbenen. Mit einer Marathonzeit von 2:48 handelt es sich bei ihm auf jedenfall um eine sehr gut trainierte Person.

- hier das Interview (http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,565841,00.html) mit einem Top-Läufer, der sich den Lauf wohl auch nicht so vorgestellt hat...(von der Bergrettung ins Ziel geschleppt)

- das Rennen wurde zwar letztlich am Sonnalpin abgebrochen, aber da befanden sich schon hunderte im Stück zwischen Sonnalpin und Gipfel, gewissermaßen im Verderben

- in der Kleinen Zeitung (http://www.kleinezeitung.at/sport/1388777/index.do) erheben Teilnehmer auch Vorwürfe wegen Organisationsmängel.

- An anderer Stelle (http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,565745,00.html) ist auch u.a. nachzulesen, dass es für jene, die den Gipfel erreichten auch nicht gerade angenehm war: keine Decken, keine warmen Getränke, etc.

- hier (http://www.joergbehrendt.de/Ansbach_aktuell/2008-07-10/2008-07-10.html) noch ein persönlicher Bericht aus 2.Hand


Interessant auch dieser Beitrag (http://www.gipfeltreffen.at/showpost.php?p=365558&postcount=29) aus dem gipfeltreffen-Forum über den und überhaupt der ganze Thread.



Insgesamt gesehen muss ich nun doch sagen, dass ich den Veranstalter mehr in der Schuld sehe als zunächst vermutet. Es wurde eine Sicherheit vorgegaukelt, die letztlich nicht gegeben war.
Unter anderem 2 Faktoren haben die Entscheidung zum Abbruch vermutlich entscheidend verzögert:
- die Teilnehmer haben im Vorjahr den Veranstalter kritisiert, er das Ziel auf den Sonnalpin vorverlagert wurde. Daher wollten sie es wohl dieses Jahr umso mehr durchziehen.
- für die Spitze war das Wetter noch akzeptabel, man hätte also mitten im Feld eine Grenze ziehen müssen. Festgesetzt war (bei gutem Wetter), dass alle Leute die vor 13.30h am Sonnalpin vorbei waren zum Ziel weiterlaufen dürfen. Nun hätte man schon um 11h30 oder so die Leute stoppen müssen, hat es aber erst um 12h30 getan - viel zu spät.

Scheinbar waren die 1,2km wirklich katastrophal im vollen Wind, Nebel, Schnee, Regen. Man kann sich ja gewissermaßen schwer vorstellen, dass auf einer gewissermaßen so kurzen Strecke die Leute derart nach der Reihe vollkommen zusammenbrechen, wie es scheinbar der Fall gewesen ist.

Fix ist jedenfalls, dass die Anschuldigungen gegen einzelne Läufer denkbar unpassend sind (außer man ist schon so "Checker", dass man sowieso all die Starter als kollektive Idiotenbagage sieht). Der "wilder Hund" im Gipfeltreffen-Forum erzählt (http://www.gipfeltreffen.at/showpost.php?p=365722&postcount=40), dass er selbst mit Haube, Handschuhen, Windjacke voll unterkühlt war. Im Eifer des Gefechts läuft man halt weiter, immerhin läuft der vor einem auch weiter und der Veranstalter wird schon abbrechen, wenn es tatsächlich soo schlimm ist. Aber dem war leider nicht so.

Mein Beileid den Angehörigen.

SirDogder
18-07-2008, 08:24
Bist du deppat. Full-speedy, dass ist wirklich eindrucksvoll, was du da zusammengestellt hast.

Und jetzt additional und ohne irgendwelche Schuldzuweisungen:

Die Bergwacht hat hier wohl ein eigenes Rennen abgehalten, eines gegen Tod und Verletzung. Denen gebührt wirklich ein wahnsinniges Lob.

bikeopi
18-07-2008, 10:14
toll recherchiert fsa! :toll:

dennoch ist eine gesunde portion misstrauen im leben immer angebracht, auch oder gerade gegenueber einem veranstalter, der ja auch nur aus menschen besteht. im taeglichen leben vertrauen wir unbekannten auch nicht blind.
leider neigt der mensch bei allem "offiziellen" bzw. auch bei behoerden zur absoluten leichtglaeubigkeit. darueber sollte man aus diesem traurigem anlass wieder einmal nachdenken.

mankra
18-07-2008, 11:58
Wer wirklich Schuld ist, kann man als Außenstehender nicht sagen, wahrscheinlich auch nicht, wenn man Teilnehmer gewesen wäre. Zu subjektiv wird die Wahrnehmung der Geschenisse sein. Irgendwo zwischen totale Schuld des Veranstalters und totale Schuld der Teilnehmer wirds sein. Wo... da kann man sich max. für sich selbst ein Urteil abgeben.
Meine Meinung: Jeder ist eigenverantwortlich und muß für sich selbst abschätzen, was er riskiert. Daß sich soviele verschätzt haben, zeigt, wie schwierig diese Einschätzung war, das heißt aber nicht, daß die Fehler bei Anderen, in diesem Fall dem Veranstalter zu suchen seien.

FloImSchnee
18-07-2008, 13:27
Sehr gute Zusammenstellung, FSA!



- hier das Interview (http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,565841,00.html) mit einem Top-Läufer, der sich den Lauf wohl auch nicht so vorgestellt hat...(von der Bergrettung ins Ziel geschleppt)Lesenswert! Macht deutlich, wie extrem die Situation wirklich war...

GrazerTourer
18-07-2008, 13:45
Wow, ein wahnsinnig gutes Interview! das dürfte die Situation wohl sehr treffend beschreiben. Vor allem finde ich gut, daß der Sportler selbst schreibt, daß man sich als Teilnehmer der gefahren bewusst sein muß. Der Veranstalter kann einem nicht so einfach die eigene Verantwortung nehmen - nicht bei so einer Veranstaltung! Es ist ein Geben und Nehmen. Wir Sportler wollen/brauchen solche Veranstaltungen. Und diese sind mit Risiken verbunden.

Die gleiche Diskussion gab es doch auch live im Fernsehen nach dem Sturz von Herrn Lanzinger. Da wurde auch darauf aufmerksam gemacht, daß all die Profischisportler Verzichtserklärungen und was weiß der Teufel unterschreiben. Tja, nur leider ist das eben schwer vereinbar mit dem Willen zu siegen und ans Ziel zu kommen.

Das ist eben das Verhängnisvolle am Sport: Man macht ihn, um seine Grezen auszuloten und diese immer weiter nach oben zu treiben. Die einen mehr, die anderen weniger. Letztendlich stellt das eine sehr hohe Gefahr dar. Man geht nun mal an/über seine Grenzen um dort hinzukommen. Von mir aus soll man es "Fahrlässigkeit" nennen. Sei es genau die zehntel Sekunde, in der das Licht schlecht ist und der Schifahrer die Absprungkante übersieht, und wie Scott Macartney in Kitz schwer stürzt, oder seien es lächerliche 1,3km, die zwei Läufern zum Verhängnis werden.... Oft geht es eben zu schnell um vom Sportler oder dem Org-Kommitee eine Entscheidung zu bekommen. Das wird immer so bleiben. In 99,999999% der Fälle geht's doch gut. Nur leider eben nciht immer.

HAL9000
18-07-2008, 19:42
@ fsa
:toll: super recherchiert... :klatsch:


... daß der Sportler selbst schreibt, daß man sich als Teilnehmer der gefahren bewusst sein muß. Der Veranstalter kann einem nicht so einfach die eigene Verantwortung nehmen - nicht bei so einer Veranstaltung!...
sixt, und trotzdem wird der veranstalter aller voraussicht nach jetzt verklagt.
meiner meinung nach hat er umfassend informiert und gewarnt. was soll er noch
machen?? so leid es mir für die opfer tut, aber der veranstalter tut mir auch leid.
in so einer situation kann er nur als arsch dastehen. bricht/sagt er ab, sind die
meisten läufer verärgert und kommen evtl. nimma. lässt er weiterlaufen,
kommt es zu einer tragödie und er ist wieder der gelackmeierte.

eine klage erinnert aber an amerikanische verhältnisse, die nur die anwälte glücklich macht,
sonst niemanden...

CU,
HAL9000

<MM>
18-07-2008, 22:55
man muss sich aber insgesamt schon auf den Schädl greifen, wenn eine Extremsport-Veranstaltung ausgeschrieben wird und Leute kommen, von denen es 2/3 nicht einmal ins Ziel schaffen

Ich pick' mir jetzt nur diesen einen Punkt heraus: Veranstalter neigen (leider) gerne dazu, ein Marketingsprech zu gebrauchen, das jede Waschmittelwerbung dagegen als ein Bibelzitat im Sinne verkündeter Wahrheit erstrahlen läßt.

Beispiel MTB-Marathons: Da ist jeder der "extremste", der "längste" und der "gefürchteste" der Alpen. Und überhaupt kommen nur die Härtesten durch (aber alle sind wir Sieger...) - die Ausfallsraten sind schließlich "enorm".

Was ist eine Extremsportveranstaltung?

Was ist Extremsport?

Im Lichte der Veranstalteraussendungen vor den jeweiligen Anlässen halte ich es für unmöglich, eine realistische Einschätzung dessen zu erhalten eben rein basierend auf Veranstaltermitteilungen.

Das gilt freilich nicht für alle Veranstalter; es fällt aber auf, wie sehr hier einerseits übertrieben und - nach den Veranstaltungen - (zahlenmäßig) geschönt wird.

Daraus kann man zwei Schlüsse ziehen:

a) "Traue keinem Veranstalter! Er druckt Texte nur, um zu werben, um aufzufallen in der Menge der vielen 'Marktbegleiter'".

b) Wenn ich dem speziellen Veranstalter aber doch traue, so muß ich mir klar darüber werden, was ich tue und was "extrem" für mich bedeutet. Wenn es für mich extrem und dennoch okay ist, bei angekündigtem Wettersturz in kurz-kurz dazustehen, kann ich daraus nur sehr schwer gegen jemanden anderen denn mich selber einen Vorwurf ableiten, denn der Veranstalter hat ja nicht fahrlässig gehandelt, wenn er mich starten läßt; im Gegenteil: Er hat sogar überzeichnet, um ja nur jene (also auch mich) anzusprechen, die's wirklich "extrem" mögen (und das auch derbandln basierend auf eigener Einschätzung).

Eine eindeutige Argumentation für a) bzw. für b) wird man nicht finden, denke ich - die Menschen sind einfach zu verschieden. Der eine kommt bei Pollenflug an einem glücklich' Maientag in Lebensgefahr, wenn sein Anti-Allergiemittel nicht zur Hand ist, da er gerade im Schaukelstuhl von einer Brise Frühlingswind gestreift wird, der andere formt diese Symptome erst bei 30 km/h Windgeschwindigkeit aber -1 °C Lufttemperatur auf 2400 m Seehöhe aus; wieder ein anderer ist sowohl gegen Pollen als auch eisige Kälte resistent.

Generell kann man festhalten: Der Veranstalter "schafft's niemandem an", mitzumachen.
Und niemand hindert den Veranstalter daran, bei angesagtem Wettersturz alle heimzuschicken. (Wobei hier nur eine unbeschwerte Entscheidung gefällt werden kann, wenn die Veranstaltung ausfallversichert ist - im gegenteiligen Fall verhindert wohl die Angst vor (persönlichem) finanziellem Schaden eine Absage. Wobei in diesem Moment sicher niemand den GAU eines Todesopfers unter diesem Gesichtspunkt aufwiegt, sondern nur den Frust der Teilnehmer im Auge hat, wenn eben abgesagt würde.)

Ein Stehsatz lautet: "Es gehören immer zwei dazu".
Daraus folgt wohl letztendlich, daß beiden Parteien, Teilnehmern wie Veranstalter, eine gewisse Verantwortung, jeweils aber nicht die alleinige, zufällt.

Zielscheibe von Aussagen à la "Dumm wie die Lemminge" :eek: zu werden, hat aber gewiß niemand der Teilnehmer verdient.

christian weber
18-07-2008, 22:59
mm http://www.cosgan.de/images/more/bigs/c014.gif

wo-ufp1
19-07-2008, 16:32
Unter anderem 2 Faktoren haben die Entscheidung zum Abbruch vermutlich entscheidend verzögert:
- die Teilnehmer haben im Vorjahr den Veranstalter kritisiert, er das Ziel auf den Sonnalpin vorverlagert wurde. Daher wollten sie es wohl dieses Jahr umso mehr durchziehen.
- für die Spitze war das Wetter noch akzeptabel, man hätte also mitten im Feld eine Grenze ziehen müssen. Festgesetzt war (bei gutem Wetter), dass alle Leute die vor 13.30h am Sonnalpin vorbei waren zum Ziel weiterlaufen dürfen. Nun hätte man schon um 11h30 oder so die Leute stoppen müssen, hat es aber erst um 12h30 getan - viel zu spät.
Ist nur all zu menschlich.
Ist der Veranstalter zu (ver-)weich(-licht), hagelt(e) es Kritik.
Was tut der? Er will es eben durchziehen.
Nun hagelt es wieder Kritik, diesmal, warum er nicht schon früher abgebrochen hat.

Was tut der 2009? Es werden sämtliche Sicherheitsbestimmungen verschärft und erweitert. Läßt ein Teilnehmer einen Schas (sorry) oder niest, wird das Rennen sofort abbgebrochen.
Er erleidet auch einen Wirtschaftlichen Schaden, da die Auflagen so groß sind und die Teilnehmer die Startgebühr von 200€ nicht mehr bezahlen wollen. Des weiteren sind sie angefressen, weil nur 10 Leute starten durften und das Rennen dannach eben abgebrochen wurde. Wieder nichts mit dem Supermegahartenüberlebenistalleseinzigartigen Events :(.
Sprich, wieder ein Rennen weniger. Warum kommt mir das nur so bekannt vor :rolleyes: ?

An Bergläufen wird der 43-jährige Meinhardswinder auch in Zukunft teilnehmen, doch sein Augenmerk wird darauf gerichtet sein, ob die Veranstalter das Bestmögliche tun, um die Sicherheit zu gewährleisten.

Manch Veranstalter hat deswegen sogar Ex-Läufer/Fahrer in das Organisationskomitee bzw. in die Jury aufgenommen, das diese Experten darüber entscheiden wie weit man eine Veranstaltung noch "laufen" läßt. Und trotzdem machen auch die (immer wieder) Fehler :(.

texx
19-07-2008, 19:58
Was tut der 2009?

sofern er bis dahin von keinem gericht für schuldig gesprochen wird, wird er wegen des zu erwartenden ansturms von "extremläufern" die startplätze wie beim ironman limitieren müssen. :f:

texx
21-07-2008, 12:36
ein artverwandter beitrag dazu lief sonntag im zdf:
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/543278?inPopup=true

zepequeno
23-07-2008, 20:21
http://www.zeit.de/2008/30/Zugspitzlauf

Der Mann ist mitgelaufen. Ich glaube nachher kann man ich orientieren und sich seinen privaten Teil denken.

Dazu noch ein uraltes Interview mit dem Herrn Messner, dessen Meinungen ich häufig teile.

http://www.taz.de/index.php?id=archivseite&dig=2002/02/16/a0103

Das mit Großstädter und als ob Natur hat mir gut gefallen.

yellow
23-07-2008, 20:37
heftig
Mal abgesehen davon, dass ich auf den Berg nicht mal bei guten bedingungen rauflaufen könnte,
ob ich in kurz/kurz (oder einfach "Jacke noch nicht an") da oben meine einzige hergegeben hätte?
Immerhin kommst kurz danach selber in Gefahr ...
brutale Sache

FloImSchnee
23-07-2008, 22:45
http://www.zeit.de/2008/30/Zugspitzlauf

Der Mann ist mitgelaufen.Auch das sehr, sehr lesenswert, danke für den Link.