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Specialized Turbo Creo SL Evo Expert im Test

Specialized Turbo Creo SL Evo Expert im Test

27.07.22 06:11 1.413Text: martinbihounek.comFotos: Erwin HaidenEin Schotterflitzer mit Motorunterstützung? Was mit einer gehörigen Portion Skepsis begann, wurde dann doch eine recht harmonische Beziehung auf Zeit. Den spaßig-ausgewogenen Fahreigenschaften des E-Gravels sei Dank.27.07.22 06:11 4.969

Specialized Turbo Creo SL Evo Expert im Test

27.07.22 06:11 4.96918 Kommentare martinbihounek.com Erwin HaidenEin Schotterflitzer mit Motorunterstützung? Was mit einer gehörigen Portion Skepsis begann, wurde dann doch eine recht harmonische Beziehung auf Zeit. Den spaßig-ausgewogenen Fahreigenschaften des E-Gravels sei Dank.27.07.22 06:11 4.969

Anfang des Jahres tönte aus der Bikeboard-Redaktion die Frage an mein Ohr, ob ich ein Gravel-Bike testen wolle. Da mich die noch immer eher neue Spielart am Radsektor derzeit am meisten anspricht, brauchte ich nicht lange zu überlegen. Obendrein sollte es ein Specialized sein.
Es dauerte, wie vieles dieser Tage und Jahre, ein wenig länger, bis es dann wirklich im BB-Headquater stand. Etwas überraschend entpuppte sich der Schotter-Flitzer nicht nur als ausstattungsmäßig mittlerweile überholtes, rahmenmäßig allerdings baugleiches Vorjahresmodell; es handelte sich zudem um eine motorisierte Version in Form des Turbo Creo SL Evo.
Da mir zugegebenermaßen der Sinn eines Motors bei Rädern, die naturgemäß relativ häufig oberhalb des gesetzlich vorgegebenen Unterstützungslimits von 25 km/h bewegt werden, nicht so recht einleuchten wollte, war ich anfangs eher (sehr) skeptisch.

 It’s gravel, only faster 

... sagt Specialized

Fleischbeschau

Specialized hat fürs Straßen/Schotterpisten-Segment zwei Aufbauten im Programm: Das Turbo Creo SL und unser Gravelbike mit dem Namenszusatz Evo.
Beide haben den gleichen Rahmen und Motor, allerdings wird das Evo "abenteuertauglicher" bestückt, um abseits der Straße komfortabler und sicherer unterwegs sein zu können: mit um 8 mm breiteren Reifen, speziellem Gravellenker und Teleskop- statt klassischer Sattelstütze.

"Bei der Entwicklung des Rahmens aus FACT 11r Carbon war es unser Ziel, ein spielerisches und agiles Fahrgefühl zu realisieren, wie man es von unserem Tarmac kennt", so die Entwickler.
Am Turbo Creo SL soll der Körper spürbar langsamer ermüden, während der Speed deutlich höher ausfällt - egal, wie die Straße beschaffen ist.

Rein optisch kann das Rad voll punkten. Die (2022 andersfärbige) Lackierung wirkt harmonisch und betont die schlanke Silhouette des Bikes, im Sonnenlicht fängt der Rahmen an zu glänzen und zu schillern. Der Motor ist dezent um das Tretlager verbaut, die kompakten Abmessungen und die Roval C38 Disc Carbon Laufräder runden das Bild stilvoll ab.
Kleine Abstriche hinsichtlich Aufgeräumtheit muss man ob der außen verlegten Bowden am Lenker machen. Anders, also intern durch den Steuersatz, ist's aufgrund der Federung in der Gabel nicht möglich - Komfort vor Optik, lautet hier das Motto, schließlich bietet die auch beim Endurance-Vorreiter Roubaix anzutreffende Specialized Future Shock 2.0 bis zu 20 mm vertikale Nachgiebigkeit.
Für die Gangwechsel und das Bremsen ist Shimanos zuverlässige Ultegra Di2 (2022: Sram GX/NX Eagle bzw. Rival eTap AXS) zuständig.
Ein Body Geometry Sport Sattel mit X-Fusion Manic Dropper Sattelstütze sowie der Adventure Gear Hover Lenker komplettieren das stimmige Expert-Ausstattungspaket.

Nachdem ich das Bike auf mich eingestellt hatte, interessierte mich noch das Gewicht. Hier gab es eine kleine Überraschung: Die Bikeboard Waage stoppte bei 13,46 Kilogramm. Ein sehr guter Wert für ein motorunterstütztes Bike mit Hochprofilfelgen. Die Topmodelle bewegen sich sogar um die unglaubliche 12 Kilo-Marke!
Das Turbo Creo SL ist somit eines der leichtesten E-Bike seiner Klasse und schlägt vergleichbare Bikes der Mitbewerber teilweise sogar um mehrere Kilogramm.

Tech Specs

Rahmen FACT 11r Carbon, 12x148 mm Kette Shimano Ultegra 11-f
(2022: Sram NX Eagle, 12-f)
Größen XS/S/M/L/XL/XXL Laufräder Roval C38 Disc, Carbon, TLR
Antrieb Specialized SL 1.1, 240 W, 35 Nm Reifen Specialized Pathfinder Pro 2Bliss Ready, 700x38C
Batterie Specialized SL1-320; 320 Wh Vorbau Specialized Future Stem Pro, 90 mm
Display Specialized TCU, 10-Led Akkustandsanzeige, 3-LED Stufenwahl, ANT+/Bluetooth / Mission Control App Lenker Specialized Adventure Gear Hover, 103 mm Drop, 70 mm Reach, 12° Flare; 420 mmm
Gabel Future Shock 2.0, 20 mm, 12x110 TA Lenkerband Supacaz Super Sticky Kush
Kurbel Praxis Alu, Sram X-Sync Kettenblatt, 44 Z. Sattelstütze X-Fusion Manic Dropper, 50 mm
Schalt-/Bremshebel Shimano Ultegra Di2 R8070
(2022: Sram Rival eTap AXS)
Sattel Specialized BG Power Expert
Bremse Shimano Ultegra Di2 R8070, 160/160mm
(2022: Sram Rival eTap AXS)
Sattelstützenklemme Specialized Alu, 30,8 mm
Schaltwerk Shimano Deore XT Di2, 11-f
(2022: Sram GX Eagle AXS)
Gewicht 13,46 kg
Kassette Shimano XT, 11-f, 11-42 Z.
(2022: Sram NX Eagle PG-1230 12-f, 11-50 Z.)
Preis € 8.700,- (Expert Evo-Ausstattung 2022)

Schleichender Sinneswandel

Schon die ersten Kilometer zeigten, dass sich das E-Bike auch sehr gut ohne Motor fahren lässt. Das Creo SL Evo beschleunigt auf der Straße ausgezeichnet und ist dennoch im Gelände sehr agil und laufruhig.
Trotz des für ein E-Bike geringen Gewichts ist die Rahmensteifigkeit sehr hoch, und auch im schärfsten Sprint hat man nie das Gefühl, dass sich der Rahmen verwindet.

Bei stärkerem Gegenwind im niederösterreichischen Steinfeld gab ich dem Motor dann erstmals ein Chance. Also Murl an, kurz den Tritt rausgenommen und schon surrte der Specialized SL 1.1 leise wie ein Kätzchen vor sich hin, während mein Puls bei gleichbleibender Geschwindigkeit deutlich sank.
Der Schub des Motors kommt gleichmäßig, fast schon unbemerkt dazu - kein Ruckeln oder Schieben. Hier ist es den Specialized-Entwicklern (oder vielmehr den Software-Programmierern) wirklich gut gelungen, die 240 Watt Leistung harmonisch zur eigenen Performance zu addieren. It´s you, only faster, so Specializeds Motto für das Creo, stimmt hier voll und ganz!

Auf den Anstiegen entpuppte sich der Motor als hilfreiche Stütze, was ja an sich naheliegend ist. Aber auch auf flachen Schotterstraßen, Wiesenwegen und Trails mischte er sich häufiger ein, als erwartet. Die subjektive Wahrnehmung auf rumpeligem Terrain täuscht im unmotorisierten Leben wohl erstaunlich oft über die wahre Geschwindigkeit hinweg.
So hingegen bügelte das Creo über alles im doppelten Sinne hinweg, da durch die höhere Durchschnittsgeschwindigkeit auch mehr Laufruhe herrscht. Gerade hier punktete auch die Future Shock 2.0 Gabel, deren Dämpfung sich über einen Drehknopf am Vorbau von 20 mm Federweg bis zu komplett starr einstellen lässt.

Schon nach der ersten Ausfahrt musste ich mir also eingestehen, dass ein Motor auch auf einem Gravelbike durchaus Vorzüge hat. Hinzu kommt, dass das Bike jenseits der 25km/h flüssig weiterbeschleunigen lässt und man, weil sich der Motor komplett ausklinkt, keinerlei Widerstand des Antriebs spürt.

Antrieb

Apropos: Den elektrischen Stimulus besorgt der 1,95 kg leichte Specialized SL 1.1 Motor mit 240 Watt Leistung und 35 Nm Drehmoment. Für das geringe Gewicht der Eigenentwicklung ist unter anderem das Magnesiumgehäuse des Mittelmotors veranwortlich.
Was die Charakteristik des Antriebs betrifft, waren nicht möglichst beeindruckende maximale Wattzahlen das Ziel, sondern eine sanfte Kraftentwicklung für ein optimales Rennrad-Fahrgefühl. Was ja auch durchaus Sinn mach, denn ein Gravelbike ist eher für sanftes Cruisen auf allen Unterlagen gedacht und nicht für technische Kunststücke am Hochgebirgstrail.
Sollte der Untergrund trotzdem mal rauer werden, ist der Motor durch eine Kunststoffabdeckung gut geschützt.

Alle Dichtungen und Steckverbindungen der Kabel sind laut Specialized auf „lebenslange Leistung“ ausgelegt.
Die Geräuschkulisse des Motors wirkt angenehm leise, nur unter Volllast am Berg wird er merklich lauter. Überhaupt ist das Ein- und Auskoppeln des Motors kaum zu bemerken - weder akkustisch, noch per Impuls über die Kurbel. Das habe ich bei anderen E-Bikes schon anders erlebt.

Steuerbar ist der Motor über zwei Wege. Entweder über die Turbo Connect Unit am Oberrohr oder via Specialized App.
Erstere macht sich nur durch eine kreisförmige LED mit dem Ein-/Aus-Taster und einen LED-Balken bemerkbar. Vier Unterstützungsstufen von "0” über 30 % bzw. 60 % bis 100 % sind hier ab Werk per Druckknopf wählbar. Die Bedienung ist denkbar einfach: 2 Sekunden drücken gleich Ein/Aus, kurzer Druck gleich Stufenwechsel. Der LED-Balken informiert laufend über den Ladestand beider Akkus, so der externe mit an Bord ist.

Über die App lassen sich neben den Angaben zur Unterstützungsstufe und dem Akkustand auch die Daten des Powermeters auslesen, der im Tretlager integriert ist, sowie sämtliche Modi individuell konfigurieren. Ich muss allerdings gestehen, dass ich auf diese "Spielerei" verzichtet habe und die Motorsteuerung nur mittels der am Rahmen integrierten Unit bedient habe.
Ein Feature bietet die App, das vor allem für Viel- und Langstreckenfahrer sinnvoll ist: Nach Eingabe von Distanz oder Fahrtdauer und gewünschter Akku-Restladung wird die Motorunterstützung dynamisch so geregelt, dass man garantiert nicht mit leerem Tank in der Pampa stehen bleibt - Akkumanagement heißt das im pedelec'schen Neusprech. Auch nicht uninteressant für Trainingsfahrten ist, dass man die Höhe der Unterstützung an einen bestimmten Pulsbereich koppeln kann.
Via ANT+ lässt sich außerdem der Lieblingsradcomputer mit dem E-Gravel verbinden, und hätte die Di2 ebenfalls eine ANT+ Kupplung, dann wäre alles auf einem Display zu sehen.

Der Akku ist sauber, aber leider - weil fürs Laden mitunter problematisch - fest im Unterrohr verbaut (für Flugreisen kann er nach Ausbau des Motors aus dem Rahmen entnommen werden) und liefert eine Leistung von 320 Wattstunden. Bei ökonomischer Fahrweise ist damit eine Reichweite von bis zu 120 Kilometer pro Ladung möglich.
Wer mehr braucht, kann eine zusätzliche 160 Wattstunden Batterie an den hinteren Flaschenhalter schrauben und dann nochmals 60 Kilometer mehr fahren. Der Range-Extender ist bei den S-Works Modellen inkludiert, bei unserem Testmodell optional erhältlich.

Da ich mich beim Großteil meiner Testfahrten in rollenden Gravelgefilden bewegt habe, ist die Akkuleistung eher nur moderat beansprucht worden, da ich die meiste Zeit ohnehin jenseits der 25 km/h Marke unterwegs war.
Allerdings kann man sich, will man's sportlicher angehen, auch auf längeren und steileren Anstiegen mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 25 km/h bewegen. Das ist mir ohne Motor nicht möglich und erweitert natürlich den Bewegungsradius enorm bzw. nimmt es topografisch anspruchsvolleren Touren die womöglich gefürchteten Spitzen.

Für die Gangwechsel war am Testmodell die Ultegra Di2 verantwortlich. Die Einfachgruppe werkte diesfalls mit einem 44er Praxis-Kettenblatt vorne und einem 11-fach XT-Schaltwerk hinten. Dessen 11-42 Zähne bieten eine große Bandbreite, wenngleich die im Vergleich zu einem Rennrad etwas größeren Gangsprünge den flüssigen Tretrhythmus in Anstiegen etwas stören.
Mit dem eher kleinen Kettenblatt geht einem jenseits der 25km/h-Marke in der Ebene schnell einmal der Drive aus, speziell, wenn einem höhere Trittfrequenzen - also jenseits der vom Motor präferierten 60-100 Umdrehungen - nicht so liegen.
Beim aktuellen Modell sollte dies dank 12-fach-Abstufung und 11-50er Sram NX Eagle Kassette anders sein.

Handling

Der kompakte Rahmen ist für eine sehr komfortable Sitzhaltung verantwortlich – gestrecktes Racefeeling ist da eher Fehlanzeige, dafür ist man schwerpunktmässig perfekt über dem Motor, was das Fahrverhalten am Trail dann doch sehr verbessert.
Eigentlich erinnert mich das Turbo Creo SL schon fast an einen Crosser. Für Gravel-Zwecke wäre mir insofern ein etwas längerer Vorbau lieber gewesen.

Das Gewicht spielt überhaupt keine Rolle, ich bin nie in die Situation gekommen, dass ich „einen schweren Krampen“ um die Ecke prügeln müsste. Flüssig und direkt setzt das E-Gravel die Lenkbewegungen um.
Die Entwickler hatten das Ziel, den Rahmen bei hohen Geschwindigkeiten stabil zu halten, und dem Fahrer die nötige Kontrolle und Präzision zu geben, um sicher seine Linie halten zu können. Mit dem längeren Radstand, einer Gabel mit mehr Vorbiegung und dem tiefen Tretlager scheint dies gut gelungen – man kann die Leistung des Bikes auf jedem Terrain voll abrufen.

Geometrie

 XS S M L XL XXL
Sattelrohr (mm) 415 448 478 503 528 558
Oberrohr (mm) 527 539 548 566 581 605
Lenkwinkel 71,5° 72° 72,5° 73° 73° 73°
Sitzrohrwinkel (°) 74° 74° 74° 73,5° 73,5° 73°
Kettenstrebe (mm) 426 426 426 427 427 428
Tretlagerabsenkung (mm) 81 81 78 78 76 76
Steuerrohr (mm) 146 146 164 186 217 250
Gabellänge (mm) 390 390 390 390 390 390
Gabel Offset (mm) 50 50 50 450 50 50
Radstand (mm) 999 1005 1012 1020 1036 1052
Stack (mm) 573 575 592 615 643 675
Reach (mm) 363 373 379 384 391 399

Die oben schon erwähnte Future Shock 2.0 federt je nach Einstellung gröbere Schläge am Lenker weg. Diese bekommt man dann allerdings dennoch über das Heck zu spüren. Also werden die Schultern zwar etwas entlastet, dafür muss das Hinterteil mehr einstecken.
Mit der Dropper Sattelstütze von X-Fusion hat man die Möglichkeit, die Bewegungsfreiheit zu erhöhen und den Sattel am Trail um fünf Zentimeter abzusenken. Bedienbar ist die Manic mittels Hebel, der unter dem linken Schalt-Bremsgriff verbaut ist und vom Oberlenkergriff, dem Schalthebel und – ähnlich einer Sprinterschaltung – auch vom Unterlenker gut bedienbar ist.

Der hauseigene Adventure Gear Hover Lenker hat einen leichten Rise, der den Oberkörper noch ein wenig mehr anhebt und so dem Fahrer zu mehr Luft in der Lunge und einem besseren Gefühl beim Steuern verhilft. Optisch ist so ein Lenker auf einem Rennradrahmen allerdings gewöhnungsbedürftig.
Mit den Gravel-typisch nach außen gestellten Lenkerenden bieten sich viele Griffmöglichkeiten und eine gute Ergonomie. Diese wird allerdings durch die verbauten Ultegra-Schaltgriffe ein wenig zunichte gemacht. Im Unterlenkergriff muss man das Handgelenk nämlich ziemlich weit nach außen drehen, um die Bremse gut erreichen zu können. Speziell für Leute mit kleineren Händen könnte das zum Problem werden.
Auch dieser Punkt bedarf aufgrund geänderter Komponenten 2022 eventuell einer Relativierung.

Die auf den wirklich feinen Roval Carbonlaufrädern verbauten Pathfinder Pro 2 Reifen bieten mit ihren 38 Millimetern ausreichend Dämpfung, ohne auf der Straße schwammig zu wirken oder einen merklichen Rollwiderstand zu erzeugen.
Die moderate Profilierung gibt erst im groben Schotter oder auf rutschigen Wurzeln auf. Auch Nässe ist nicht unbedingt der Lieblingsbegleiter der Reifen - meiner allerdings auch nicht!

 Stabil, flüssig, direkt 

Das Fahrverhalten

Zielgruppe?

Für wen ist das Specialized Turbo Creo SL Evo nun eigentlich DAS Rad, wenn es so etwas überhaupt gibt? Rennrad-Puristen werden beim Anblick des Motors im Rahmen die Nase rümpfen. Gravelfans bringen womöglich das Gegenargument, dass man ohnehin mit Geschwindigkeiten jenseits der 25 km/h unterwegs sei und man so nur ein schwereres Rad mitschleppe. Tourenfahrer vermissen vielleicht die Möglichkeit des großzügigen Gepäcktransports (an Fender/Rack-Aufnahmen wurde aber schon gedacht). Alles gute Gründe, die gegen das Creo sprechen. Nicht umsonst gibt es für alles Spezialräder, die genau einen bestimmten Einsatzbereich perfekt abdecken.
Sucht man allerdings ein Rad mit guten Allrounder-Qualitäten, dann ist unser Testbike schon sehr nahe dran. Die Geometrie erlaubt vom schnellen Asphaltheizerl bis zum Toben am Trail eigentlich alles. Die Rahmensteifigkeit schluckt Ortstafelsprints gleichermaßen wie kleine Sprünge. Das Gewicht ist definitv höher, aber seien wir uns ehrlich: Es gibt genügend Gravelbikes am Markt, die in der Einstiegsklasse auch nur unwesentlich leichter sind - falls überhaupt. Da murrt auch niemand.

Für mich wäre das Turbo Creo SL Evo vielleicht nicht das "Einserbike", aber man kann die Vorteile eines motorunterstützten Gravelbikes nicht unter den Tisch kehren: Laufruhe durch höhere Geschwindigkeiten auf der Rumpelpiste, entspanntes Radeln bei vergleichsweise niedrigem Puls und das Ausweiten des Aktionsradius.
Fakt ist weiters, dass das Bike mächtig Spaß macht, egal ob auf der relaxten After-Work-Runde, beim Cruisen über die Trails oder aber auch auf der Trainingsrunde. Die Fahreigenschaften des Bikes sind sehr ausgewogen, unabhängig vom Terrain, auf dem man unterwegs ist.
Das Gewicht ist sehr gering, auch ohne Motor ist das Gravelbike nicht zuletzt deshalb gut zu bewegen. Die Future Shock 2.0 Gabel funktioniert an sich gut, aber wenn das Heck nur über die Reifen gedämpft wird, ergibt sich eine gewisse Diskrepanz zwischen Front und Hinterteil, die sich nicht ganz stimmig anfühlt.
Das Antriebssystem wirkt hingegen aus einem Guss, es ist geräuscharm und lässt in keiner Situation aus. Der Specialized SL 1.1 ist da, um zu unterstützen, nicht, um exorbitante Leistung oder verrückte Beschleunigungen zu liefern.

Fazit

Specialized Turbo Creo SL Expert Evo
Modelljahr: 2021
Testdauer: 1.500 km
Preis: € 8.700,- UVP (MY 2022)
+ fesch anzuschauen
+ leicht und leicht zu bewegen, auch über 25 km/h
+ leiser und kaum spürbar einsetzender Motor
+ ausgewogenes, spaßiges Handling
o Rennradschalthebel am Gravellenker (MY22: Sram Rival eTap)
o Komfortdiskrepanz Front vs. Heck
- Akku nicht entnehmbar
- Reifengrip bei Nässe
BB-Urteil: Sympathischer Sinneswandler

Trotz anfänglicher Skepsis war das Specialized Turbo Creo SL Evo ein Bike, dass nicht nur wegen der harmonischen Geometrie und der ausgewogenen Motorunterstützung richtig Spaß gemacht hat. Kaum ein Gelände oder ein (sportliches) Einsatzgebiet lässt sich damit nicht abdecken.
Kleine Makel wie die Übersetzungsbandbreite und Gangabstufung wurden in der aktuellen Serie schon ausgebessert.

Man erhält ein Sportgerät, das schnell und wendig ist. Darüber hinaus ist der Puls wegen der Motorisierung nicht so sehr beansprucht (u.a. ein Argument für Pendler), und die persönliche Reichweite kann um einiges ausgedehnt werden - dies alles freilich zum Preis eines etwas höheren Preises.
Es macht also durchaus Sinn, auch in diesem Segment motorunterstütze Modelle anzubieten. Und im Fall des Testrads bereitete es sogar richtig Freude.


vor 14 Stunden schrieb Jom:

Moin, das Fahrrad, das ihr getestet habt ist ein Specialized Turbo Creo SL Expert Evo und kostete 8500€.

Gruss

Stimmt, die Comp-Analogie war (immerhin: in sich schlüssiger 🤪) Blödsinn und ist nun korrigiert

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vor 13 Stunden schrieb bbkp:

Vier Unterstützungsstufen von „0” über 30 % bzw. 60 % bis 100 % sind hier per Druckknopf wählbar.

sind die nicht frei über die App konfigurierbar wie beim levo SL?

Ja, klar. Hab jetzt im betreffenden Satz noch "ab Werk" ergänzt, um da keine Zweifel aufkommen zu lassen.

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Meine liebe Frau hat seit 2 Monaten ein Specialized Turbo Creo SL Expert - also die Straßenversion des im Artikel beschriebenen. Hier der FB-Artikel dazu: 

https://www.facebook.com/groups/973517972699941/user/100009346521321 

 

Für jene, die nicht auf FB sind:

Ihre Sicht:

E -Rennrad? "Sicher nicht" - dachte ich jedenfalls bis gestern.... 

Unser Plan für dieses Jahr - viele Höhenmeter (Frankreich, Österreich, Italien...) - hmmm, aber ich will alle geplanten Pässe fahren und ich will, dass Wolfgang nicht wartet...  und und und. Aber wie bekomme ich das hin? Mit viel Training? Wird schwierig, da ich arbeitsbedingt unter der Woche kaum Zeit habe. Und dann hatte ich die Idee: ein E - Rennrad muss her. Anruf bei meinem Fachhändler des Vertrauens Michi Hummel Mountainbiker.at am See genügte und 1 Woche später stand das Specialized Creo (in weiß 😍) für mich bereit.

Natürlich musste das Rad gleich ordentlich getestet werden - eine 168km Runde mit über 3000 Höhenmetern musste es sein (mit 18% Rampen auf die Rosalia, Hollenthon, Steyersberger Schwaig...). Wie wird es sein, hält der Akku, werde ich selbst "reinhauen"...? Fragen über Fragen...

Meine anfänglichen Bedenken betreffend Gewicht des Rades in der Ebene haben sich auf den ersten Metern in Luft aufgelöst (der Motor liefert nur bis ca 25 km/h) - es rollt extrem gut, kein Unterschied zu einem normalen Rennrad. Von Trausdorf bis zum Fuße der Rosalia 25 km lag der Akkuverbrauch bei 0%. Auf die Rosalia habe ich Motor zugeschaltet, oben hatte ich knapp 8% verbraucht und so ging es auf allen Anstiegen...am Ende der Tour waren von 150% Akku (50% vom Extender) noch 48%!!!! übrig.

Und das Allerbeste: Es ist irrsinnig motivierend! Aus psychologischer Sicht, genau das Richtige für mich, ich reiße am Berg nicht mehr ab und bin dadurch unglaublich motiviert und "haue selbst rein" und liefere eine Eigenleistung von durchsch. 127 Watt (ja, das Rad misst beides)

Ja, ich bin die ganze Ausfahrt an Wolfgang's Hinterrad geblieben. Wobei,die ganze Zeit? Nein, manchmal bin ich voraus gefahren um Fotos zu machen - von ihm. 😜 

Conclusio: It's me - only faster!!!

Seine Sicht:

Es ist so weit: Meine liebe Frau Tina hat sich ein E-Bike, nein, ein E-Rennrad gekauft. Ist das der sportliche Schlussgesang? Ab jetzt nur mehr Donauradweg mit Packtaschen und Seitenständer? Mitleidige Blicke von all den befreundeten Hobbytigern mit ihren von Sponsoren übersäten Trikots und Trainingsplänen bis ins Jahr 2025? Mitnichten!

Wie es dazu kam? Wir fahren einfach gern gemeinsam. Der naturgegebene Leistungsunterschied war durch Windschattenspende allein jedoch nicht kompensierbar, schon gar nicht auf längeren Anstiegen. Bis jetzt hatte ich die Wahl zwischen langsamer fahren (jeder ambitionierte Radsportler weiß, dass das auf Dauer nicht geht), oben warten (kalt) und wieder runterfahren (beste Option). So, und jetzt wär’s doch schön mit der gleichen Leistung einen Pass mehr zu fahren….Ende der Erklärung!

Tinas neues Speci Creo ist ein E-Rennrad erster Klasse. Die erste Ausfahrt über 168 km und 3000 Hm gerät zur harmonischen Sensation. Bei sanften Anstiege mit Gegenwind kann ich mich sogar ein wenig am Hinterrad des Creos erholen. Das Ding spendet gerade so viel Unterstützung, dass wir beide erschöpft und glücklich wieder heimkommen. Der Akkustand nach der Fahrt verrät uns einen Energieverbrauch von 315 Wh, was im Schnitt über 7 Stunden Fahrzeit 45 Watt Unterstützung entspricht.

It’s her, only faster!

 

Frage an die Redaktion: Ist tatsächlich die Reifenfreiheit beim Evo größer? Rein optisch würde ich sagen, kriegen wir einen Gravelreifen auch locker rein. Ich vermute eher, dass der Rahmen genau der gleiche ist.

Bearbeitet von Wolfgang Steinbach
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Geschrieben (bearbeitet)
vor 5 Stunden schrieb Wolfgang Steinbach:

Meine liebe Frau hat seit 2 Monaten ein Specialized Turbo Creo SL Expert - also die Straßenversion des im Artikel beschriebenen. Hier der FB-Artikel dazu: 

https://www.facebook.com/groups/973517972699941/user/100009346521321

Frage an die Redaktion: Ist tatsächlich die Reifenfreiheit beim Evo größer? Rein optisch würde ich sagen, kriegen wir einen Gravelreifen auch locker rein. Ich vermute eher, dass der Rahmen genau der gleiche ist.

Hmmmm... es ist etwas unklar/zweideutig formuliert bei Specialized: gleicher Rahmen, aber größere Reifenfreiheit - wir werden da nochmal nachfragen:



"Es verfügt über den gleichen Motor, den gleichen Akku und den gleichen Rahmen wie sein straßentauglicher Bruder, kombiniert dies aber mit den Vorteilen einer größeren Reifenfreiheit und fügt einige abenteuertaugliche Komponenten hinzu, um dich dorthin zu bringen, wonach dein Herz sich sehnt. It's you, only faster."

https://www.specialized.com/at/de/turbo-creo-sl-expert-evo/p/184434?color=293306-184434

(beim Intro-Text unter "Mehr lesen")

Bearbeitet von NoMan
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Aha ... fürs MY2022 (wir hatten ja das ein Posting davor verlinkte 21er) hat sich Specialized diesbezüglich schon korrigiert/präzisiert:

 

Es verfügt über den gleichen Rahmen, Motor und Akku wie sein Verwandter auf der Straße, ist aber mit breiteren Reifen und abenteuertauglichen Komponenten ausgestattet, um dich dahin zu bringen, wohin dein Herz sich sehnt. – It's you, only faster.

https://www.specialized.com/de/de/turbo-creo-sl-expert-evo/p/199919?color=322989-199919

 

Das ist salomonisch. Damit haben irgendwie alle Recht 😉

Danke für die Frage/Anmerkung - wird asap eingearbeitet!

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Hallo allerseits,

 

ich kann sowohl das was im Bericht steht, als auch das FB hier von Wolfgang und seiner Chefin 😉 zu 100% unterschreiben. Habe es mir im Mai als Jobrad geholt. Ebenfalls als SL - habe aber auf die Pathfinder tubeless getauscht. Gehen problemlos rein.

 

Ich finde insbesondere diese Bandbreitenausweitung (Untergründe benötigen keine Sekunde mehr einen Zusatzgedanken also viel weniger Planung, wenn man mal ins Unbekannte fährt) und auch diese Range Extension (Frühstück in Bratislava? - no problem 😊) produziert wirklich ein neues Fahrgefühl und Motivation. Von der sehr sauber agierenden Software und Konfigurierbarkeit wurde ja auch schon berichtet. Habe zb die ECO Stufe auf 20% zurückgenommen - das  kompensiert so ziemlich genau den Nachteil von Reifen und Gewicht. Es fühlt sich dann vom Kraftaufwand sehr ähnlich wie das normale RR an. Und so kann man defnitiv auch „echten Sport“ machen.

 

In der amerikanischen Version (ca. 32kmh) wäre es ein noch perfekteres Bike….

Bearbeitet von tarantino
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vor 9 Stunden schrieb tarantino:

Hallo allerseits,

 

ich kann sowohl das was im Bericht steht, als auch das FB hier von Wolfgang und seiner Chefin 😉 zu 100% unterschreiben. Habe es mir im Mai als Jobrad geholt. Ebenfalls als SL - habe aber auf die Pathfinder tubeless getauscht. Gehen problemlos rein.

 

Ich finde insbesondere diese Bandbreitenausweitung (Untergründe benötigen keine Sekunde mehr einen Zusatzgedanken also viel weniger Planung, wenn man mal ins Unbekannte fährt) und auch diese Range Extension (Frühstück in Bratislava? - no problem 😊) produziert wirklich ein neues Fahrgefühl und Motivation. Von der sehr sauber agierenden Software und Konfigurierbarkeit wurde ja auch schon berichtet. Habe zb die ECO Stufe auf 20% zurückgenommen - das  kompensiert so ziemlich genau den Nachteil von Reifen und Gewicht. Es fühlt sich dann vom Kraftaufwand sehr ähnlich wie das normale RR an. Und so kann man defnitiv auch „echten Sport“ machen.

 

In der amerikanischen Version (ca. 32kmh) wäre es ein noch perfekteres Bike….

Chiptuning ist ein Kinderspiel. Dann natürlich nur auf Privatstraßen oder mit Taferl 😉

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  • 3 Wochen später...

Hallo Zusammen,

Ich spiele gerade mit dem Gedanken mir ein Creo zu holen. Fahre aktuell ein Specialized Roube, das wird nun mein Sohn erben und ich werde mir ein wenig Unterstützung holen. (das Alter schreitet voran und beruflich ist zuviel zu tun um genug zu trainieren - und dann sind es genau die Steigungen die mich „anzapfen“)

Tendiere aktuell aber zur Alu-Version - speziell aus den Preisgründen und weil ich bei meinem Einsatzgebiet im Carbon und so massive Vorteile sehen.

 

Meine Fragen dazu:

* Welche Empfehlung habt ihr zum Lenker - eher die Strassenvariante weil bequemer oder doch die Gravel-Version?

* Was ist mit der ablenkbaren Sattelstütze - Spielerei oder doch sinnvoll?

 

Einsatzgebiet ist Asphalt, Schotterweg, Waldpiste (a la Föhrenwald und Co) - keine Würzel-Downhillstrecken.

 

Oder doch einen anderen Gravler - Canyon, Cannondale, … wo’s mit der Verfügbarkeit sowieso mies aussieht?

 

Würde mich über euer Feedback freuen.

lg

Lukas 

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vor 20 Stunden schrieb Gruberlu:

 

 

Meine Fragen dazu:

* Welche Empfehlung habt ihr zum Lenker - eher die Strassenvariante weil bequemer oder doch die Gravel-Version?

* Was ist mit der ablenkbaren Sattelstütze - Spielerei oder doch sinnvoll?

 

hallo lukas,

 

das waren auch die fragen, die ich mir gestellt habe. ich habe mich wegen des hauptsächlichen einsatzgebiets (das ident mit deinem ist) gegen die evo ausstattung entschieden. wenn ich auf trails will (kommt bei mir eigentlich nicht mehr vor) dann mache ich das mit dem mtb. habe daher beides noch nicht vermisst. ausserdem habe ich mit diesen beiden parts auch optisch nicht so die freude. finde die geometrie wirklich top (weil schnell sitzposition gefunden; langstreckentauglich) und man könnte es alternativ auch wieder leicht auf die rr version zurückbauen (wäre ja nur ein reifenwechsel).

 

hatte mir seinerzeit auch das canyon sehr genau angesehen, das es aber einerseits dzt. nicht über jobrad beziehbar ist und andererseits ist das antriebskonzept deutlich anders. bin wie beschrieben sehr zufrieden wie das speci unterstützt. cannondale soll auch gut sein, aber die optik ist gar nicht meins.

 

lg

oliver

 

Bearbeitet von tarantino
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